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Leibes, auch ſehr mäßig im Eſſen und Trinken geweſen, alſo daß man ihm oft die Speiſe hat einnöthigen müſſen. Erſt nach Verlauf von ſieben Jahren iſt er dieſes ſeines betrübten Zuſtandes entbunden worden und im wahren Bekenntniß und im Glauben an den Herrn Chriſtum eines natürlichen vernünftigen Todes verſtorben, nicht an der Peſtſeuche, wie Etliche wiſſen wollen. Die Fußſtapfen ſieht man uoch heutigen Tages an beiden Orten in gedach⸗ tem Hauſe, in der obern Stube, die erſten beim Ofen, die andern in der dabei liegenden Kammer. Denn die Stube iſt hernach kleiner gemacht und unterſchieden worden. Der Vater wurde auch der himmliſche Vater genannt, doch nicht wegen des Eintreffens ſeiner Verwünſchung, ſondern weil er bei den geiſtlichen Spielen und Ergötzlichkeiten, ſo ehe⸗ dem hierſelbſt alle ſieben Jahr ſtattfanden, die Perſon Gottes des Vaters vorgeſtellt hatte. Er wollte alſobald nach dem Tode des Sohnes die beſagten Fußſtapfen aus⸗ ſetzen laſſen, da er ſich derſelben wegen ſeines unbeſonne⸗ nen Eifers und Fluchs ſchämte, wodurch der Sohn in ſo großes Eleud gerathen war. Aber es hat ihm ein ehr⸗ barer Rath Einſprache gethan und geboten, daß er dieſel⸗ ben zum Gedächtniß müſſe ſtehen laſſen, wie denn auch ein ausführlicher Bericht dieſer ganzen wunderbaren und
unerhörten Hiſtorie auf gnädiges Begehren der hohen
Landesobrigkeit nach Dresden geſchickt wurde.“— Gertraudt reichte der alten Frau herzlich die Hand. Sie erinnerte ſich, daß ſie dieſe Geſchichte als kleines Mädchen, wie wohl jedes Freiberger Kind, vernommen hatte. An ihrer Wahrhaftigkeit zweifelte Niemand; hatten doch viele hochgelahrte und verdiente Männer, ſo in Frei⸗
berg gelebt, als ſie ſich begab, in Briefen und Annalen
ihrer erwähnt, und die Acten darüber befanden ſich noch auf dem Rathhauſe. War doch auch in mehr als einem Falle zu ſelbiger Zeit der Finger Gottes in Beſtrafung von Ruchloſigkeit recht ſichtbarlich geworden. So an denmn Bäcker, welchem man zur Zeit der Theuerung Anno 1571
Uovellen-Zeitung.
Vorwürfe machte, daß er das Brod ſo klein backe, da er
doch bei guter, wohlfeiler Zeit ſein Korn aufgeſchüttet habe. Als derſelbe nämlich hierauf ſich vermaß, daß er Todes ſein wolle, wo er das Korn wohlfeiler, als in ge⸗ genwärtigem Kauf hätte, hat Gott der Herr ein augen⸗ ſcheinliches Zeichen ſeines Zornes über den Geiz und Wucher an ihm erwieſen. Denn er iſt alſobald folgenden Tages vor ſeinem Ofen umgefallen und jählings geſtor⸗ ben. Gleichergeſtalt, wie der Allmächtige, nahm auch der Gottſeibeiuns Jeden beim Wort, ſo er unbedacht eder läſterlich ausſprach. So erging es einem Bergmann, welcher ſonſt ſeines ſtillen und eingezogenen Wandels hal⸗ ber gutes Lob hatte, als er in der Faſtnachtszeche Anno 1609, von Andern angehetzt, allerhand Ueppigkeit getrie⸗ ben, und etliche leichte Reden von Gott und göttlichen (Sachen geführet, und unter Anderm vorgegeben, daß doch, ob er ſchon in die Hölle käme, gute Geſellen genug darin anzutreffen ſeien. Dieſem iſt, als er Abends heimgehen wollte, der Satan ſichtiglich in ſchrecklicher Geſtalt erſchie⸗ nen, und hat ihm heftig zugeſetzt und gedräuet mit dem Vermelden, ſo er rechte Macht über ihn hätte, wollte er ihn bald an den Ort führen, dahin er zu guten Geſellen begehrete, iſt auch hernach eine Zeitlang neben ihm in und aus der Grube gefahren, daß er nirgend hat Ruhe haben können, ſondern überall hart angefochten und ge⸗ plaget worden, bis er endlich Troſt bei ſeinem Beichtvater ſuchte, das heilige Abendmahl neben Anſtellung eines gottesfürchtigen Lebens brauchte und böſe Geſellſchaft mied, worauf der Satan außen blieb und ſich nicht ferner ſehen ließ.
Doch bedurfte es bei Gertraudt auch nicht einmal der (Erinnerung an die jähen Strafen, womit Gott der Herr ſchon hienieden Diejenigen heimſuchte, ſo ſich an ſeinen Geboten vergingen. Der tiefe, reſpectvolle Gehorſam gegen die Eltern, darin die Kinder erzogen wurden, war in ihrem ſanften Gemüthe unausrottbar feſtgewurzelt.
Feuilleton.
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Zur Naturkunde.
Die praktiſche ſcharfſinnige Ueberlegung und Selbſthülfe der Thiere wird oft von den Menſchen, je nachdem ſie ihnen genehm iſt, Dankbarkeit oder Undankbarkeit genannt. Auch über dieſen Stoff bringt der Begründer des Vereines gegen Thierquälerei, Caſtelli, einen höchſt merkwürdigen Fall, der das Urtheil eines Hundes über die Gutmüthigkeit eines Menſchen in's hellſte Licht ſtellt. Er ſagt: 3
Ich ſtand ſo eben im Begriffe, einen Schutzverein für Thiere zu gründen; denn es liegt nun einmal in mir, daß ich dieſe armen Geſchöpfe nicht quälen ſehen kann. Ich höre ſo manche Leute ſagen: Thut lieber etwas gegen die Menſchenquälerei! Allein ich glaube, der König der Schöpfung kann ſich ſelbſt helfen. Ab⸗ geſehen davon hätte ich wohl auch oft in meinem Leben Urſache
gchabt, die Thiere weniger in Schutz zu nehmen, denn ich bin
von manchen recht arg gequält worden. In Ungarn an der Theiß habe ich viel von den Gelſen gelitten. Als Student, als ich auf einer Kammer bei einem Bäcker wohnte, machten mir die Scha⸗ ben viel zu ſchaffen. In einem alten Schloſſe liefen mir Mäuſe über das Geſicht, Wanzen und Flöhe haben mich öfters beun⸗
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ruhigt, und ſelbſt die hochgeprieſene Nachtigall hat mir oft bei Nacht große Galle gemacht; allein ich verzeihe es ihnen, denn ich hätte mir's ja ändern können; allein eine Qual, welche mir ein undankbares Beeſt von einem Hunde verurſachte, kann ich nicht vergeſſen; dieſe hätte ich mir auch nicht erſparen können, und ich theile ſie Dir mit, lieber Leſer, damit Du erfährſt, wie der König der Schöpfung oft gezwungen iſt, die Launen eines Thieres zu erdulden.. Vor vielen Jahren— ich beſaß damals nur ein Zimmer, ein Bett und einen Rock— ging ich in einer entſetzlichen November⸗ nacht aus dem Gaſthauſe nach Hauſe. Es regnete und ſchneite unter einander, der Koth auf der Straße lag fußtief, und ein kal⸗ ter Wind wehte mir die Näſſe in das Geſicht, welche ſich darauf gleich zur Kruſte umgeſtaltete. Ich hüllte mich tief in meinen Mantel und dachte mir: das iſt wirklich ein Wetter, bei welchem man keinen Hund aus dem Hauſe jagen ſoll. In dieſem Augen⸗ blicke winſelte etwas hinter mir; ich ſah mich um und erblickte einen armen Pudel, der mir folgte. Seine durchnäßten Haare hingen ihm glatt hinab, und ſeine Farbe konnte man vor Koth nicht erkennen.„Armes Thier!“ rief ich unwillkürlich aus,„Du haſt gewiß Deinen Herrn verloren;“ und als ich dieſes geſagt
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