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Nr. 17.]
Literariſche Briefe von Otto Banck.
Globus. Illuſtrirte Chronik der Reiſen. Heraus⸗ gegeben von Herrmann Meyer. Hildburghauſen, bib— liographiſches Inſtitut.
Zu einer Zeit, wo gute Reiſewerke und lebendig er⸗ zählende Schriften über fremde Länder einen ſo allgemei⸗ nen und wohlverdienten Anklang finden, iſt es Pflicht der Preſſe, auch einer dieſem Fach ſich ausdrücklich widmenden Zeitſchrift, ſofern ſie tüchtig und eben ſo unterhaltend als nahrhaft für den Geiſt iſt, gehörige Beachtung zu widmen.
Als ein ſolches Unternehmen, welches Fleiß, Gediegen⸗ heit undpecuniäre Opfer zeigt, müſſen wir unſern Leſern, die ſich mit neuen geographiſchen Entdeckungen vertraut machen wollen, den von dem bereits bekannten H. Meyer herausgegebenen Globus empfehlen.
So alt auch die unſere Erde erforſchende und beſchrei⸗ bende Wiſſenſchaft iſt,— ſo alt als der denkende Menſcheu⸗ geiſt—, und ſo weit auch das Gebiet ihrer Forſchung reicht, ſo iſt der nicht oder nur wenig bekannte Theil, den ſie noch zu durchſchreiten hat, der größere. Noch kennen wir von Afrika wenig mehr, als das Laud an ſeinen Küſten, die Mündungen ſeiner Ströme, und einzelne ſchmale Fur⸗ chen, welche die Aufzeichnungen von Reiſenden durch ſeine weiten Gebiete gezogen haben. Noch iſt ein ganzer Welt⸗ theil, Auſtralien, in ſeinem Innern faſt gänzlich verſchloſ⸗ ſen geblieben. Noch iſt kein Lichtſtrahl der Kenntniß in die Urwälder von Mittel⸗Amerika gedrungen; noch hüten die Schrecken des ewigen Winters die höchſten Polargegen⸗ den in unberührter Einöde. Oceanien hält noch manche blühende Eilande in den Gipfeln ſeiner Korallenwälder vor dem ſpähenden Weltumſegler verborgen; noch entzieht die„Blume der Mitte“ weite culturüppige Länderſtrecken unſern Augen, und das„Reich der zehntauſend Inſeln“ birgt noch eine Welt mit Millionen von Bewohnern, von deren Weſen wir wenig mehr als eine Ahnung haben.
Doch die Zeit hat die Wiſſenſchaft beflügelt. Raſcher und täglich raſcher ſchreitet ſie ihren entlegenſten Zielen zu, und reicher, täglich reicher füllen ſich mit Ausbeute ihre „goldenen Eimer“, die im Schacht der Forſchung auf und nieder ſteigen.
So viele wackere Helden auch ſchon erlegen ſind im Kampfe mit dem flüſſigen Element, welches die Achſen⸗ punkte unſeres Planeten umſpült, ſtets treten Jüngere und Muthigere an ihre Stelle; ſo vieler Edlen Gebeine auch im Wüſtenſande bleichen, immer wieder ſehen wir neue Kämpfer den Tücken der Aequatorſonne trotzen. Täglich ſeudet die Begierde nach Entdeckungen kühne Apoſtel der Wiſſenſchaft aus allen Theilen Europas in die Ferne, täg⸗ lich kehren Andere heim, berichten von erlebtem und geſe⸗ henem Neuen, bereichern ihre Wiſſenſchaft mit neuentdeck⸗ ten Pflanzen, Thieren, Menſchentypen, täglich vervollſtän⸗ digt ſich das Bild der Erdphyſiognomie durch neue Züge, täglich gewinnt es durch die corrigirende Hand der Wiſſen⸗ ſchaft— aber täglich erwirbt ſich auch dieſe Wiſſenſchaft, das Studium der Erde und der Menſchen, welche ſie be⸗ wohnen, mehr Freunde. Täglich bemächtigt ſie ſich mehr des geſellſchaftlichen Lebens, greift tiefer in alle Zweige der praktiſchen bürgerlichen Thätigkeit ein.
Es iſt natürlich, denn die ungeheure Ausdehnung,
Dritte Folge.
welche der Verkehr in unſern Tagen angenommen hat, er⸗ weitert den Geſichtskreis der Menſchen, gibt ihrer Wißbe⸗ gier Anregung und weiſt ihren Intereſſen ein größeres Feld au. Während wir mit Recht den Angelegenheiten unſeres Vaterlandes unſere volle Theilnahme zuwenden, blicken wir doch über ſeine Grenzen hinaus, über das Meer, wohin unſer Handel führt, achten auf Alles, was ſich in fremden Erdtheilen ereignet; denn auf ihnen wiſſen wir Landsleute, Verwandte, beide zu Millionen, deren Schick⸗ ſal uns zu Herzen geht. Keine Küſte iſt mehr ſo fern, daß ſie nicht vom Wellenſchlag politiſcher Vorgänge berührt würde, welche die Gegenwart bewegen. Kein Volk wohnt ſo entlegen, daß es nicht ein Glied in der Kette bildete, welche die geſammte Völkerfamilie in ſeinem Culturgang um— ſchließt. Und welche Veränderungen gehen fortwährend auf dieſen Gebieten vor! Faſt der ganze Erdkreis nimmt von Jahrhundert zu Jahrhundertunter geſellſchaftlichen undtellu⸗ riſchen Umwälzungen eine neue Geſtaltung an. Wie wenig iſt von dem, was Herodot und Strabo über die alte Welt uns überliefert haben, gültig geblieben! welche Verwand⸗ lung iſt ſeit Columbus und Cortez mit Amerika vorgegan⸗ gen! Welche tiefeingreifende Bewegung bringen fortwäh⸗ rend die Entdeckungen unſrer Zeit in die Strömung menſch⸗ licher Thätigkeit: die Erforſchung der Gewäſſer zeigt dem Handel neue Bahnen, wüſte Einöden verwandelt die Er⸗ oberung in ergiebige, bewohnbare Länderſtrecken, große Gebiete unbenutzter Fruchtbarkeit erſchließen ſich der Hoff⸗ nung der Einwanderung, geöffnete Mineralſchätze locken Abenteurer und bilden die Anſätze zu neuen Staaten; Reiche, eingeſchlummert in ihren Mauern ſeit dem frühe⸗ ſten Gedenken der Geſchichte, erwachen beim nahenden Schritt der Civiliſation,— überall, wohin wir blicken, das Schauſpiel der Bewegung, der Veränderung, des Fort⸗ ſchritts!
Deßhalb durchdringt unſere Zeit viel mehr als irgend eine frühere das Verlangen nach Kenntniß vom Lehen der Völker, von ihren Gewohnheiten, Sitten, Traditionen, Künſten und Charakteren, von der Art und Weiſe, wie ſie ſich auf der Erde eingerichtet haben, von der Stufe der Geſittung, welche ſie einnehmen, von den Schauplätzen ihres Thuns und Treibens.
Durch eine ſolche Betrachtung der Zuſtände empfiehlt ſich allerdings der„Globus“ als ein geſchicktes Unterneh— men, deſſen weiterem Verlauf man mit Hoffnung entgegen⸗ ſehen kann.
In Bezug auf Länder⸗ und Völkerkunde hat auch die Illuſtration am meiſten eine Berechtigung, ja ſie iſt ein Bedürfniß geworden, um dem Beſchauer in Kürze von fer⸗ nen Gegenden, Trachten, Geräthſchaften, Waffen, Thier⸗ gattungen und dergleichen einen Begriff zu machen.
Der„Globus“ erſcheint monatlich in zwei Heften, und die erſten ſechs Nummern, welche uns bis jetzt davon vor— liegen, bringen ſehr anſchauliche Abbildungen, die vielfach nach Photographien genommen, alſo inſofern ſchon wahr⸗ heitsgetreu ſind. Sie ſuchen nur den Text zu verdeutlichen, ohne daß es darauf abgeſehen iſt, durch die Illuſtrationen die Güte deſſelben überflüſſig zu machen, wie uns das lei⸗ der bei andern illuſtrirten Zeitſchriften entgegentritt.
Wir wollen hier noch eine aothwendige Bemerkung ausſprechen, welche die Erfahrung machen lehrt, und deren
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