Jahrgang 
15-26 (1862)
Seite
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Herrlichkeit als Menſch, nicht als Lord Statthalter wenn er die Ketten der Nacht und des Elends, die ſo drückend auf dieſem Lande laſten, zu lüften ſtrebt? Vergeſſen Sie nicht, Mr. Laing, daß ein Volk, wel⸗ ches ſo wenig als das iriſche den Geſetzen Folge zu leiſten verſteht, für eine größere Freiheit noch nicht reif iſt. Das Volk beobachtet treulich die Geſetze, Mylord! außer denen, welche es der Exiſtenzmittel berauben. Es ſind nur die kirchlichen Verhältniſſe und die Zehnten, gegen die es kämpft. Mit welchem göttlichen oder menſchlichen Rechte, Mylord, vermag der Naturmenſch mit dem ein⸗ fachen Verſtande, oder der Philoſoph mit der logiſch ge⸗ bildeten Vernunft es in Einklaug zu bringen, daß die Be⸗ kenner der katholiſchen Religion außer der ihrigen auch die proteſtantiſche Kirche erhalten und die letztere auch noch aus dem Grunde ſo reichlich dotiren ſollen, um den jünge⸗ ren Söhnen der Großen des Landes eine gemächliche Exiſtenz auf Koſten des Landes zu ſichern? Und dieſe Zehnten, Mylord! wird je ein Irländer ihre Geſchichte vergeſſen? Sollte es möglich ſein, nachdem kaum andert⸗ halb Jahrhundert vergangen iſt, das Entſtehen der neuen Lehre, die Vertheilung der Ländereien an die engliſchen An⸗ ſiedler aus dem Gedächtniß zu verwiſchen, während die Nachkommen der vertriebenen Familien heimathlos von Land zu Land umherirren und von der Gnade fremder Völker und Fürſten leben? Und ihr Verbrechen, Mylord, worin beſtand es? Einzig und allein darin, daß ſie treu wie Millionen anderer Europäer am Glauben ihrer Väter hingen und der Gewalt, mit der man ihnen unter den härteſten Drohungen die neue Lehre aufdringen wollte, den Widerſtand entgegenſtellten, der ihrer dermaligen hohen Stellung im Reiche vollkommen entſprach. Wäh⸗ rend in England fuhr Laing mit ſteigendem Eifer fortnicht allein alle Confeſſionen, ſondern alle Secten frei geduldet werden, ſollen hier zu Lande nur die Bekenner

Uovellen-Zeitung.

der anglikaniſchen Kirche, deren Zahl die kleinſte iſt, regie⸗

ren. Ew. Herrlichkeit ſind Chriſt und Menſch! Bedarf es mehr, um das Schreckliche einer Lage zu fühlen, die in manchen Stücken ſchlimmer iſt, als das Loos der verachte⸗ nen Kinder Iſraels?(Schluß folgt.)

Gedichte von Th. Glaſer.

Deine Hoffnung.

Mußt einſt Du wieder von ihr gehn, Von der, die Du ins Herz geſchloſſen: So weine uur, denn Wiederſehn Macht jede Thräne ungefloſſen.

Und wird's im Buſen Dir dann weich, Rinnt eine Zähre von der Wange: Geſunden wirſt Du allſogleich, Getröſtet wird Dein Herz, das bange.

Gedenke ihrer nur mit Luſt,

Die Schmierzen werden ſchnell vergehen, Und jauchzen laut wird Deine Bruſt, Denn einſt wirſt Du ſie wiederſehen!

Tagebuch ihrer Hauptheldin bilden, z. B.:Geibel's Gedichte geleſen. Eine geglättete ſentimentale Weichheit, die nur charakterloſe Süß⸗

linge anſprechen kann. In Heine liegt daſſelbe Naturell, nur durch humoriſtiſch⸗ſatiriſche Aloe ſchmackhafter geſchärft. Mir iſt es wohl begreiflich, daß ſolche Poeten im Publicum und in der Literatur Epoche machen konnten. Oder:Leſſing's Emilia Galotti. Ein rührend tragiſches Ende, das nach dem altrömiſchen Vorbilde an den Haaren herbeigezogen iſt. Konnte der empfind⸗

ſame alte Schwätzer den gezückten Dolch, ſtatt in den Buſen der unſchuldigen Tochter, nicht in den des feigen Prinzen ſenken? In ähnlicher Weiſe lauten manche dieſer Tagebuchgedanken, wir ſehen alſo, die Verfaſſerin bemüht ſich zu urtheilen, und es iſt beruhigend, daß das Fräulein zum Schluß eine gute Partie macht, was im⸗ mer zu einer befriedigenden Novelle gehört. Die Natur derſelben iſt moraliſch. Doch eben deßhalb würde es künftig vortheilhaft ſein, zu mißverſtändliche Ausſprüche zu meiden, wie z. B.:Die ſitt⸗

lichen Elemente, auf welche der Großſtädter leider ſo vielfach ge⸗ ſetzt iſt, beſtehen aus geſchäftlichem und geſelligem Mißtrauen und Schwindel. Die Verfaſſerin hat ſicherlich nicht den Muth gehabt,

dieſe confuſe Anklage ausſprechen zu wollen, denn der Großſtädter iſt auf ganz andere, gottlob wirklich ſittliche Elemente geſetzt, wie

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jeder Erdbewohner. O. B

Miscellen. Mannigfaltiges. V

In demCourier der Vereinigten Staaten lieſt man:Ezra Dipple, ein Bürger in Locneaut in Ohio, der ſich ſeit Langem mit

der Bienenzucht beſchäftigt, theilt folgende Details über eine er⸗ bitterte Schlacht mit, die zwiſchen dieſen Inſecten geliefert wurde. Er hatte ſiebzig Bienenſchwärme, die zu beiden Seiten des Hauſes vertheilt waren. An einem heißen Tage nahm er wahr, daß das Haus plötzlich von den Bienen bedeckt wurde, die durch die offenen Fenſter einflogen. Seine Familie mußte ſich aus den Wohnungen flüchten. Herr Dipple nahm eine Maske, um gegen die Stiche geſchützt zu ſein und die Urſache dieſer Schlacht zu erforſchen, und nun ſah er, daß die Schlacht in aller Form geführt wurde. Es ſchien, daß die Bienen der öſtlichen Seite ſich auf eine Flur erpicht hatten, auf die jene von der Weſtſeite aufgefallen waren; daher ein erbitterter Kampf, wie er nur unter Menſchen und oft aus dem geringſten Anlaſſe auszubrechen pflegt. Um 6 Uhr Abends war die Ruhe hergeſtellt, und die feindlichen Bienen kehrten ermattet in ihre Körbe zurück. Der Boden war mit todten und ſterbenden Inſecten wie beſäet. Kaum waren ſie unter Dach, ſo ſtellten ſie ſchon Wachen an den Ausgängen auf, um die feindliche Partei zu beobachten. Zwei Schwärme waren ganz und gar zerſtört, Herr Dipple hatte aber keine anderen Verluſte zu beklagen. Keine Partei blieb ſieghaft, und nur die Nacht hatte die Schlacht ein⸗ eſtellt. Der Bienenzüchter verhinderte die Fortſetzung am näch⸗ ſhen Tage dadurch, daß er die Ausflugslöcher der Körbe ſchloß. Er hoffte, daß es zu einem baldigen Friedensſchluſſe zwiſchen den Kämpfern käme, und hatte ſich nicht getäuſcht. 3.

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