Jahrgang 
15-26 (1862)
Seite
266
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Uovellen-Zeitung.

nerin wohnte. Was ſie bei derſelben wollte, das wußte ſie ſein ſo frommer und gottesfürchtiger junger Menſch ſei ſelber nicht deutlich und erſt, als ſie die zitternde Hand und der Allerhöchſte nicht eine Witwe ihres letzten Troſtes aufedie Thürklinke legte, fragte ſie ſich darnach. Doch trat berauben werde.

ſie, nach beſcheidentlichem Pochen, raſch in das kleine

Stübchen.

Die Witwe ſaß am Spinnrad und ward durch dieſen Beſuch nicht wenig überraſcht. Beklommen und mit tiefem Erröthen, doch mit der holdſeligen Herzlichkeit, die ſie bei männiglich ſo beliebt machte, ſagte Gertraudt: ſie komme nachzuſehen, ob ſie der Mutter ihres wackern Beſchützers nicht mit irgend etwas dienen könne. Sie halte es für ihre Pflicht, der alten Frau den abweſenden Sohn ſo weit zu erſetzen, wie es in ihren ſchwachen Kräften ſtände.

Frau Wernerin dankte haſtig. Sie hätte um keinen Preis etwas von der Tochter Andreas Volkmar's anneh⸗ men mögen, doch konnte ſie das Mädchen ſelber nicht kränken. Darum verſicherte ſie, es fehle ihr an nichts; der Rath trage, ſeitdem ihr Sohn mit der Botſchaft fortge⸗ gangen ſei, eine abſonderliche Sorge um ſie, zahle ihr den täglichen Groſchen für ihren Sohn und erweiſe ſich auch ſonſt ſehr freigebig mit Spenden von Brod und andern Lebensmitteln, wie ſolches ja auch an andere Leute ausge⸗ theilet würde, damit keine Theuerung, geſchweige denn gar Hungersnoth entſtände. Sie habe alſo reichlich, was ſie bedürfe, und wünſche ſich weiter nichts, als die Gewiß⸗ heit, Konrad ſei wohlbehalten und werde in Bälde glücklich heimkehren.

Dabei liefen ihr die hellen Thränen über die gefurch⸗ ten Wangen. Ihrer Zuhörerin ſtand das Weinen auch ſehr nahe, ſie ſuchte ſich jedoch zu faſſen und die betrübte Mutter damit zu tröſten, daß Hinderniſſe irgend welcher Art ihren Sohn am kurfürſtlichen Hofe oder im kaiſer⸗ lichen Lager zurückgehalten hätten, oder daß er nicht durch die Schweden dringen könne, weil ſelbige die Stadt ſo gar eng eingeſchloſſen. Daß ihm ein Unfall zugeſtoßen, werde Gott in ſeiner Gnade ſicherlich verhütet haben, da Konrad

Sie redete ſich faſt ſelber die Sorge vom Herzen und wäre in der traulichen Zwieſprach mit Konrad's Mutter all⸗ mählich beinahe innerlich ſo ſtill und geruhig geworden, wie die alte Frau, welcher ſie mit dergeſtalt herzlichen Worten zuſprach. Allein der Gedanke an das nahe Auf⸗ gebot lag ihr ſo ſchwer wie ein Nachtmahr auf der Bruſt, alſo daß ſie zu erſticken glaubte. Die Belagerung, Ande⸗ ren ein Schrecken und ihrem weichen mitleidigen Herzen in mancher Hinſicht auch, war ihr doch hinwieder recht er⸗ wünſcht gekommen, weil die gefürchtete Heirath dadurch hinausgeſchoben wurde. Und nun war dieſe ihre Hoffnung zunichte geworden!(Fortſetzung folgt.)

Ein Lever bei dem Lord Statthaltex. von Irland. Bild aus der letzten iriſchen Revolution

E. Heuſinger.

Lord Corhampton, der in Irland mit unumſchränkter Gewalt, gleich dem Könige ſelbſt, als Vicekönig waltete, hielt ein glänzendes Lever in dem alterthümlichen, aber prachtvollen Palaſte des Statthalters zu Dublin.

Im hohen Audienzſaale ſchritten in der vorgeſchriebe⸗ neu Hoftracht die erſten Männer der Reſidenz in eifrigem Geſpräche auf und nieder. Viele Große aus den Provin⸗ zen, die nach Dublin gekommen waren, Sr. Herrlichkeit

der aber doch ſeine kleine Münze ſpendet und dafür in die Wol⸗ ken erhoben wird. Dem Chriſten ſagt der Bettler nichts vom Propheten, wohl aber ſchreit er auf den Ungläubigen allen Segen ſeiner Hoheit Iſſa(Jeſus) und ihrer Hoheit Meriam(Maria) herab; ſie ſollen Heil ergießen über den prächtigen Herrn, der ein Glanz unter den Chriſten ſei.

Man kommt an die Thür, ſteigt ab, läßt die Diener voraus gehen, ſchreitet durch einige ſchmale finſtere Gänge und ein paar Höfe und gelangt an die eigentliche Wohnung. Der Mann, wel⸗ cher den Beſuch empfängt, tritt bis an die vorderſte Thür, falls er einen Mann von hohem Rang erwartet; bei gleichem Range ſchickt er einen Sohn oder jungen Verwandten. Dann wechſelt man höf⸗ liche Redensarten aus.

Wie kam Deine Herrlichkeit auf den Gedanken, dieſe be⸗ ſcheidene Wohnung zu beſuchen? Der Andere preiſt die allzu⸗ viele Chre, welche man ihm antbue, und ſpricht:Was veranlaßt Dich, Deinem Sclaven ſo entgegenzukommen? Ich bin darüber in unausſprechlicher Verlegenheit; dieſes Uebermaß von Güte be⸗ ſchämt mich. So kommen Beide bis an die Thüre des Empfang⸗ ſaales, wo wieder die Complimente über den Vortritt kein Ende nehmen wollen. Der Hausherr ſagt:Du biſt ja in Deiner Wohnung, und Alles hat Dir zu gehorchen. Dagegen werden alle möglichen Einſprüche erhoben, bis am Ende der Beſuchende ſeine Pantoffeln auszieht, der Hausherr ein Gleiches thut und Beide eintreten.

Gewoͤhnlich ſind die zur Familie gehörenden Männer ver⸗ ſammelt, ſtehen an der Wand umher und verneigen ſich vor dem Eintretenden, welchen der Wirth in einen Winkel auf einen er⸗ höhten Sitz geleitet. Wieder neue Complimente und Ableh⸗

nungen, während die übrigen Anweſenden ſich eines höflichen Lächelns befleißigen. Auf ein ſolches muß ein Mann von Erzie⸗ hung ſich gründlich verſtehen. Endlich nehmen Beide Platz. Der Beſuchende fragt den Hausherrn, ob, unter Gottes Gnade, ſeine Naſe fett ſei.Sie iſt es, Gott ſei gelobt, durch Deine Güte.Gott ſei geprieſen dafür! lautet die Antwort. Dann wendet man ſich zu dem Manne, welcher zunächſt ſteht und fragt ihn, wie er ſich befinde. Die Antwort lautet allemal gün⸗ ſtig:Dank ſei Gott, durch Deine Güte. So muß man alle Anweſenden anreden, aber jedesmal einige Abwechſelung in die Frage bringen, je nach dem Range deſſen, an welchen ſie gerichtet wird. Nachher wendet man ſich wieder zum Hausherrn und ſtellt ſich, als ob man ihn lange Zeit gar nicht geſehen habe. Deßhalb dann abermals die Frage, ob, ſo es Gott gefällt, ſeine Naſe fett ſei. Antwort:Sie iſt es, Gott ſei gedankt, durch Dein Erbar⸗ men. In Teheran wird noch jetzt in der guten Geſellſchaft ein Mann, Imam Oſchume, hoch geprieſen. Bei vornehmen Leuten fragte er immer zuerſt nach dem Wohlbefinden der Naſe; das war freilich in der Ordnung, aber der herablaſſende Heilige erkundigte ſich auch bei Dienſtboten und gemeinen Soldaten, was ihre Naſe mache. Dadurch iſt der große Heilige ſo volksbeliebt geworden. Nachdem die Fragen wegen der Naſe erledigt ſind, wird eine kleine Pauſe gemacht; nachher wirft der Hausherr ein paar Worte über das Wetter hin. Geſtern ſei es nicht beſonders gut, heute aber wunderſchön geworden, und das habe man auf Rechnung ſeiner Excellenz zu ſetzen. Die Richtigkeit dieſer Wendung wird von den Anweſenden beſtätigt, und Einer fügt hinzu: was ſelber excellent ſei, mache die ganze Umgebung und Alles, womit es in Berührung komme, prächtig. Ausgezeichnete Vollkommenheit

[VIII. Jahrg.

Nr.

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