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— 26² Uovellen-Zeitung.[VIII. Jahrg. R.
geſpons verdiene, ſondern auch einen tauſend Mal ſchönern unnd beſſeren, als den Rathsherrn und geweſenen Bürger⸗ meiiſter Kurt Freydiger. Selbſt der Schneider gab zu, es
Andächtig ſank Frau Wernerin auf die Kniee und dankte ewät Gott dem Herrn mit lauter Stimme für das ſichtbarliche Finu Zeichen, daß er der bedrängten Stadt ein Schirm und ewa
1 thun an der lieben Armuth wieder gut zu machen, was ihr
Konrad der Mutter doch erſt vor zwei Jahren zum heiligen Fingern zeigend, wie denn von da der Krie Chriſtfeſte beſcheert. Das Haupt deckte eine Haube von römiſchen Reiche ſich mit Macht erhoben und noch nicht ſaget b gleichem Tuch, woraus der Mantel gefertigt war, davon nachgelaſſen hatte, da man doch nunmehr das Jahr des die Elle nicht mehr denn einen Guldengroſchen koſtete, wie Herrn 1642 ſchrieb. Einſtmals hörte man Nachts im
ſei wenig Tadel an ihr und ſie ſuche mit eifrigem Wohl- Hort ſein werde in den bevorſtehenden Stürmen, alſo, daß ſchd ſie nicht vom Feinde überwältigt und eingenommen werde. die
Vater durch ſeinen wucheriſchen Geiz verſchulde. Von der nämlichen Empfindung durchdrungen, beugte lacht Frau Wernerin kam aus ihrer Wohnung herbei, dieſes Jeder, der dieſes Zeichen ſah, mit dankerfülltem Gemüthe Mau Mal gegen den grimmen Froſt bedächtlich verwahrt durch ſeine Kniee und pries den Allmächtigen. Dann erinnerte laget einen Mantel von inländigem Tuch, der vorne herunter, man ſich früherer Anzeichen von wichtigen Ereigniſſen, Wllb wie es die Kleiderordnung vorſchrieb, nicht über zwei gedachte des Kometen, der einſt als Vorbedeutung von mit( Finger breit mit Sammit verbrämt war. Se biger Man⸗ Kaiſer Karl's V. Tode ſichtbar geworden, und des andern, ier tel war zwar nicht koſtbar, doch noch wie neu: hatte ihn der am 21. November 1618 erſchienen war, gleichſam mit eer ſ 1
g im ganzen Zeich
abge es ſich für ihren Stand geziemte. Das Kleid und Mieder Hoſpitalwalde zu Freiberg bei klarem Wetter ein grau- DOre der Tuchmacherwittib war übrigens, wie das der andern ſames Getön und Donnern, als wenn viele Karthaunen Fel Frauen oder Töchter von Handwerkern, gemeinen Bürgern losgeſchoſſen würden, und darauf gegen Morgen, zwiſchen O und Steigern, von Vorſtadt, Harras oder Grobgrün, mit drei und vier Uhr, ein ſolches Getümmel, Krachen und ein Bubenſammt verbrämt. Alle ſeidne Waare, ſammt Gold Praſſeln, als wenn eine große Feldſchlacht vorginge und— und Perlen, war dieſem Stande als unangemeſſen ver⸗ viel Volks an einauder wäre, worauf bald die Belagerung laſſ boten; welcher Frau oder Jungfrau Mann oder Vater es von Magdeburg erfolgte. Ein ander Mal haben ſich uft dazu hatte, die durfte au Soun⸗ und Feſttagen ein ſilber⸗ Blutzeichen ereignet und iſt unter Anderm Fleiſch von pori nes Kettlein tragen und Gürtel und Meſſerſcheide mit ſelber blutig geworden, welches man auf das Rathhaus Mer Silber beſchlagen haben, doch ja nicht vergüldet. getragen und lange allda behalten hat. Weil denn kurz ebe — vor dem Einfall der Schweden in Meißen ſich auch der⸗ fen „O ſehet da!“ rief plötzlich die Wernerin und deutete gleichen begeben hatte, ſo wurde das Volk ernſtlich zur Sch zum Himmel empor. Staunen und Freude bemächtigte Buße vermahnet, die Wache unter dem Thore verſtärket Ma ſich Aller: ein großer, herrlicher Regenbogen ſpannte ſich und Alles fleißig in Acht genommen. Desgleichen hatte ſer über die Stadt hin, in dieſer Jahreszeit ein gar ſeltener ſich bei Beginn der vorigen Belagerung Freibergs durch aaum und verwunderſamer Anblick. Die Leute alle waren ob des Banner, ob es ſchon von früh bis gegen Mittag ganz hell— er L anrückenden Feindes in großer Aufregung, das prächtige und klar geweſen, geſchwinde ein ſolch dicker finſtrer Nebel dige Farbenſpiel des Regenbogens goß in Aller Herzen Troſt und in und über die Stadt gebreitet, daß in den Gaſſen, ge⸗ pr Zuverſicht. War es doch von Noah's Zeiten her das Zei⸗ ſchweige deun im Felde oder von ferne, kein Menſch den. bei chen des Friedens, der Verſöhnung, der göttlichen Gnade. andern erkennen konnte. Und dieſes hat an drei Stunden ſte nach Hauſe, ſie betrachtete mich mit einem herzlichen, freundlichen, ſie ſtolz ſein konnten; aber ich entging der Schande, beim Collec⸗ Na Blick und ſagte:„Nein, ich will Niemanden mit Dir anführen! teur waren viele Menſchen, er hatte gar viel zu thun, und ich fuhr= Ich will ein Loch durch Dich ſchlagen, damit Jedermann ſehen klingend in den Kaſten unter die andern Münzen; ob ſpäter das Nni kann, daß Du ein falſches Ding biſt— und doch— das fällt mir Loos gewann, weiß ich nicht, das aber weiß ich, daß ich ſchon am kon jetzt erſt ein,— Du biſt vielleicht gar ein Glücksſchilling,— andern Morgen als ein falſcher Schilling erkannt, bei Seite ge⸗ ſic kommt mir doch der Gedanke ſo ganz von ſelbſt, daß ich daran legt und ausgeſandt wurde, um zu betrügen und immer zu betrüs ſor glauben muß! Ich werde ein Loch durch den Schilling ſchlagen gen. Es iſt nicht auszuhalten, wenn man einen reellen Charakter da und eine Schnur durch das Loch ziehen, und dem Kleinen der hat, und den kann ich mir ſelber nicht abſprechen. Nachbarsfrau den Schilling um den Hals als Glücksſchilling Jahr und Tag ging ich in ſolcher Weiſe von Hand zu Hand, h hängen.“ Und ſie ſchlug ein Loch durch mich; angenehm iſt es von Haus zu Haus, immer ausgeſchimpft, immer ungern geſehen; bo. freilich nicht, wenn ein Loch durch Einen geſchlagen wird, allein Niemand traute mir, und ich traute mir ſelbſt, traute der Welt der wenn es in guter Abſicht geſchieht, läßt ſich Vieles ertragen! Eine nicht. Das war eine ſchwere Zeit! Da langte eines Tags ein d Schnur wurde auch durchgezogen, ich wurde eine Art Medaillon Reiſender, ein Fremder an, bei dem wurde ich natürlicherweiſe s zum Tragen, man hing mich um den Hals des kleinen Kindes, angebracht, und er war treuherzig genug, mich für gangbare Münze 3 und das Kind lächelte mich an, küßte mich, und ich ruhte eine ganze anzunehmen; aber nun wollte er mich wieder ausgeben, und ich Nacht an der warmen, unſchuldigen Bruſt des Kindes. vernahm wieder die Ausrufe:„taugt nichts! falſch!“ Als es Morgen ward, nahm die Mutter mich zwiſchen ihre„Ich habe ihn für gut erhalten,“ ſagte der Mann und be⸗
Finger, ſah mich an, und hatte ſo ihre eigenen Gedanken dabei, trachtete mich dabei recht genau; plöͤtzlich lächelte ſein ganzes Ge⸗ das fühlte ich bald heraus. Sie ſuchte eine Scheere hervor und ſicht, das geſchah ſonſt mit keinem Geſicht, wenn man mich beſah. ſchnitt die Schnur durch.„Nein, was iſt doch Das?“ ſagte er.„Das iſt ja eine unſerer „Glücksſchilling!“ ſagte ſie.„Ja, das werden wir jetzt er⸗ eigenen Landesmünzen, ein guter ehrlicher Schilling aus der Hei⸗ fahren!“ Und ſie legte mich in Eſſig, daß ich ganz grün wurde; math, durch den man ein Loch geſchlagen, den man falſch nennt.
darauf kittete ſie das Loch zu, rieb mich ein wenig und ging nun Das iſt in der That curios! Dich werde ich doch aufheben und in der Dämmerſtunde zum Lotteriecollecteur, ſich ein Loos zu mit nach Hauſe nehmen!“
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kaufen, das Glück bringen ſollte. Die Freude durchrieſelte mich, man hieß mich einen guten, d
Wie war mir übel zu Muthe! Es zwickte in mir, als müßte ehrlichen Schilling, und nach der Heimath ſollte ich zurückkehren, du
ich zerknicken; ich wußte, daß ich falſch genannt und hingeworfen wo Alle und Jede mich kennen und wiſſen würden, daß ich aus Ih werden würde, und zwar gerade vor die Menge von Schillingen gutem Silber ſei und echtes Gepräge habe. Ich hätte vor Freude
und Münzen, die mit Inſchrift und Geſicht da lagen, auf welche Funken ſchlagen können, aber es liegt nun einmal nicht in meiner ze


