Jahrgang 
15-26 (1862)
Seite
248
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Herz allmählich doch erweichen, wie langſam fallende Tro⸗ pfen am Ende einen Stein aushöhlen; das Gleichniß war alt und hinkte hier ein wenig, denn Steine laſſen ſich nicht erweichen, und hohl genug war Papa Goldſtein's Herz ohne Zweifel, aber es beruhigte Gumal doch einigermaßen, und noch mehr als dieſe treue Liebe trug dazu bei, daß Sidonia auch ſchrieb, die Mutter ſei ganz auf ihrer Seite.

Traurig blieb die ganze Geſchichte aber doch einmal, das fühlten wir wohl. Eine dritte Einladung in das Goldſteinſche Haus kam uns Beiden nicht mehr zu.

Während wir nun immer wieder verworfene Pläne entwarfen, wie Gumal die Verbindung mit Sidonia von Neuem anknüpfen könne, kam das Unglück mit Rieſen⸗ ſchritten näher. Der blaue Eber hatte eine ſcharfe Witte⸗ rung und mußte gemerkt haben, daß ſich die projectirte Heirath zerſchlagen habe; vielleicht hatte auch Töchterchen gehetzt, da ſie ſich von Gumal gegen Sidonia empfindlich zurückgeſetzt fühlte, kurz, er wurde mit ſeiner Forderung, die ſich, beiläufig geſagt, auf einige hundert Thaler belief, von Tag zu Tag dringeuder und hatte meinen guten Ca⸗ meraden in einer ſorgenvollen und ſchwachen Stunde dahin zu bringen gewußt, daß dieſer ihm einen Wechſel über jene Summe, zum 1. April des Jahres zahlbar, ausſtellte. Da⸗ durch war die Sache nun ſehr übel geworden, denn Wech⸗ ſelklagen ſind bekanntlich ſehr unangenehm und gefährlich, und in Zeit von vierzehn Tagen, die noch an dem genann⸗ ten Termine fehlten, ließ ſich kaum noch Gumal's Verheira⸗ thung mit Sidonia Goldſtein erwarten.

Damals war es, als wir uns auf Gumal's Zimmer wiederum in ſo verzweifelte Rauchwolken hüllten und Keiner von uns ein Wort zu dem Andern ſprach.

Die Thür öffnete ſich, und herein trat in grauer Dril⸗ lichjacke, dem Haus⸗Winteranzuge, Friedrich, der eben ſo intelligente als treu ergebene Burſche Gumal's, der, wie mir vorkam, die Schmerzen ſeines Herrn innig mitfühlte,

Uovellen-Zeitung.

[VIII. Jahrg.

denn er lachte, d. h. mit allem Reſpect, wenn jener lachte, und die Sorgen, die Gumal gerade hatte, ſtanden auch ihm jedesmal auf der Stirn geſchrieben.

Er kam nicht in militairiſch ſteifer Haltung, wie jene Ordonnanz, die uns imSchwan ſtörte und die erſte indirecte Veranlaſſung zu der unglücklichen Bekanntſchaft mit Sidonia geweſen war, ſondern er trat mit der ganzen liebenswürdigen Nachläſſigkeit auf, deren ſich dieHerren Officier-Burſchen befleißigen, wenn ſie ſich einmal das Vertrauen erworben haben und das allerunentbehrlichſte Meubel än dem Haushalte ihres Lieutenants geworden ſind.

Der Briefträger hat einen Brief gebracht, Herr Lieu⸗ tenant; ich habe einen Silbergroſchen ausgelegt.

Einen Geldbrief? fuhr Gumal auf.

Ach, wo ſollte der wohl herkommen, Herr Lieute⸗ nant? meinte Friedrich mit einem hörbaren Seufzer, und dann hätten Sie auch unterſchreiben müſſen.

Her mit dem Briefe, Sclave!

Friedrich legte das Schreiben in die Hände ſeines Herru, machte Kehrt, und an der Thür fragte er nech einmal:

Befehlen der Herr Lieutenant noch Etwas?

Nein, geh' zu allen neuntauſend neunhundert und neunundneunzig Teufeln!

Je mehr Teufel Gumal heraufbeſchwor, deſto ſchlech ter war er gelaunt.

Ich wollte man bloß Poſtſecretairs Karline den Korb auf den Markt tragen, bemerkte Friedrich.

Meinetwegen, ich will ungeſtört ſein.

Da haben wir's wieder! fluchte Gumal, als der Knappe verſchwunden war.Es iſt vom blauen Eber, ich kenne ſchon ſeine Handſchrift. Möchte den Wiſch gar nicht leſen!

Warum nicht? er bietet Ihnen vielleicht einen

billigen Vergleich an, vielleicht ſeine Tochter.

Familie und einigem Vermögen, der mit ſeiner reizenden und ſehr gebildeten Gattin die Stelle der kaiſer⸗ lichen Vorſehung für die einfachen und zufriedenen Landleute ein⸗ nimmt, die dieſes glückliche Thal und die umliegende Berggegend bewohnen. Von Frau de P. wollen wir bloß ſagen, daß ihre dunkeln, glänzenden Augen und ihr rabenſchwarzes Haar einen halbtropiſchen Urſprung anzeigen, während es augenſcheinlich iſt, daß der brennende Kuß einer ſüdlichen Sonne der Fleiſchfärbung ihrer Wangen eine tiefere Schattirung beigemiſcht hat.

Verlaſſen wir jetzt dieſes friedliche Thal und ſeine Bewohner und blicken wir 20 und vielleicht einige Jahre zurück, ſo befin⸗ den wir uns in dem geſchäftigen Newyork und mitten in den ge⸗ drängt vollen Straßen, in denen der Verkehr am lebhafteſten iſt.

Die Perſonen, welche zwiſchen 1830 und 1840 in Newyork die Dry Goods Auctions Rooms die Locale, in denen Manu⸗ facturwaaren öffentlich verſteigert werden häufig beſucht haben, erinnern ſich vielleicht eines kleinen Franzoſen mit dunkler Ge⸗ ſichtsfarbe, deſſen gefällige und ruhige Manieren und die Lebhaf⸗ tigkeit, mit welcher ſeine Gebote von Seiten der Auctionäre aufgenommen wurden, Bürgſchaft dafür boten, daß ſein Credit A No. 1 war.

Dieſer kleine, lebhafte Franzoſe(wir wollen ihn Herr D. nennen) pflegte unter der Firma D.& Comp. ſehr bedeutende Einkäufe für den Markt in Neuorleans zu machen, wo er in Chartres Street ein ſehr ausgedehntes Mannfacturgeſchäft hatte. Wir kamen mit ihm in den erwähnten Auctionslocalen in Ge⸗ ſchäftsbeziehung und ſpäter fanden wir bei einer Reiſe nach Neu⸗ orleans, daß ſeine Firma in dieſer thätigen und blühenden Stadt in ſeinem Geſchäftszweige als die angeſehenſte galt.

ein Mann von guter

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Wie die meiſten der unverheiratheten Kaufleute in Neuorze leans zu jener Zeit, hatte ſich D. unter der Menge farbiger Maädchen, die auf dem dortigen Markt zum Verkauf ausgeſtellt werden, ein Kebsweib auserwählt. Denen, die je das große ſüd⸗ liche Emporium beſucht haben, iſt es wohl bekannt, daß ſich ein junges, hübſches, halbblütiges, farbiges Mädchen oder Mulattin nicht beſſer verwerthen läßt, als wenn ſie einem vermögenden, un⸗ verheiratheten Kaufmann oder Geſchäftsmann als Kebsweib überlaſſen wird. Wenigſtens war es vor 25 Jahren ſo, und wahrſcheinlich iſt es noch der Fall. 1000 und 1500 Dollars waren der gewöhnliche Preis, ja zuweilen wurde für einen Artikel erſter Claſſe ſelbſt das Doppelte bezahlt. Die Frucht ſeines intimen Verhältniſſes zu der gekauften Mulattin war ein Kind weiblichen. Geſchlechts. Da D. kein Virginier, ſondern ein Franzoſe war, ſo ließ er ſich den ſchrecklichen Irrthum zu Schulden kommen, daß auch der Abkömmling einer Afrikanerin der Gegenſtand menſch licher Zuneigung ſein und einige Rechte haben könne, die er jeden⸗ falls als Franzoſe zu achten geneigt, wenn auch keineswegs dazu verbunden war. In Folge dieſer Idee und ohne Kenntniß der großen theologiſchen Thatſache, daß der allmächtige Schöpfer des Himmels und der Erden erlaubt hat, daß der von dem trun⸗ kenen Noah über ſeinen Sohn Ham, der die ſeinem Vater ſchul⸗ dige Achtung aus dem Auge geſetzt hatte, ausgeſprochene Fluch über unzählige Millionen unſchuldiger, noch ungeborner menſch⸗ licher Weſen ein Elend verhängen ſoͤlle, welches das Leben ganz werthlos macht, nahm er dus kleine, abhängige Weſen an ſein Herz und ſchenkte ihm ſeine volle Zuneigung. Anſtatt dieſes Stück von ſeinem eignen Fleiſch und Blut zu verkaufen und den Ertrag dafür einzuſäckeln, wie er es wahrſcheinlich gethan haben würde,

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