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Dritte
Folge.
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novellen-Zeitung.
Auf Freiersfüßen.
Aus dem Militairleben von
Stanislaus Graf Grabowski.
(Schruß.)
Am andern Tage, Punkt ein Uhr Mittags, ſah ich meinen Freund wirklich in Leibrock und Federhut über den Markt ſteigen, an dem das Goldſteinſche Haus lag. Ach, es lag in dieſem Leibrock und Federhut, die jetzt aus Bil⸗— ligkeitsrückſichten abgeſchafft worden, doch eine höhere Poeſie! Wie konnte man beſſer als im Leibrocke die Vor⸗ V züge ſeiner Taille entfalten, beſonders wenn die weiße Kuppel mit den Löwenköpfen ſo kokett herausſchaute! wie kriegeriſch und echt ruſſiſch nickten nicht die ſchwarzen Hahnenfedern vom Hute herab! Guter Federhut, Du biſt dem ſteifen Helme zum Opfer gefallen und mit Dir ein gutes Stück⸗Poeſie des Officierlebens!
Von meiner beſcheidenen Perſönlichkeit abſehend, will ich nun meine Leſer auf den Weg meines Freundes Gu mal führen; bald werde ich auch wieder in der verhäng⸗ nißvollen Kette ſeiner Liebes⸗ und Freiersabenteuer auf⸗ tauchen.
Gumal alſo gab ſeine Karte ab und ſprach einige paſſende Worte dazu, des Inhalts, daß er Herrn und Frau Goldſtein ſeine Aufwartung zu machen wünſche. Zwei Minuten ſpäter öffneten ſich die Flügelthüren, und ein niedliches Dienſtmädchen, wie er mir verſicherte, bat ihn beſcheiden in das Empfangszimmer einzutreten, in dem alle Sopha's und Seſſel mit rothem Saumet überzogen und ihre Geſtelle vergoldet waren.
„Wollen der Herr Lieutenant gütigſt Platz nehmen; die gnädige Frau wird ſogleich erſcheinen.“
Gumal ließ ſich auf einem Seſſel neben dem Sopha nieder und zerknickte mechauiſch drei ſchwarze Hahnenfedern von ſeinem Hute, übrigens ein ſehr gutes Ableitungsmit⸗ tel für innere Erregung, deſſen jetzt der Lieutenant ent⸗ behrt. Dann drehte er ſich einmal ſeinen röthlichen
tt und ſeufzte leiſe. ie Frau Banquier Goldſtein in ſchwe⸗ , hinter ihr zeigte ſich die wohlbe⸗ herrn und Schwiegervaters in spe, bekleidet mit Frach und Inexpreſſibles, ſo wie einer blendend weißen Weſte; im Knopfloche des erſteren Klei⸗ dungsſtückes prangte das Band des ſehr bekannten Or⸗
eer ſich ſchmerzlich.
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deus, den von allen zehn Banquiers wenigſtens fünf zu tragen pflegen, natürlich weil ſie ihn verdient haben.
Wer will ſagen, ob die echt orientaliſch ausſchauende Dame ſchon in das Herz ihres Töchterchens geblickt hatte? Genug, ſie entwickelte in ihrer erſten Begrüßung meines Cameraden eine Huld, die dieſen entzückte und ihn nö⸗ thigte, ihr die fette weiße Hand zu küſſen. Man glaubt nicht, was ein Handkuß, an richtiger Stelle angebracht, zu bewirken vermag!„Das ſtärkt,“ wie bereits erwähnter Camerad R. zu ſagen pflegte.
Papa Goldſtein maß den Officier mit ſeinen grauen Augen von oben bis unten, jedenfalls dachte er, der Leib⸗ rock und der Federhut ſeien ſehr koſtbare und überflüſſige Uniformſtücke, indeſſen ſprach er doch ſeine Freude aus, den„Herrn Lieutenant“ in ſeinem Hauſe zu ſehen.
Gumal ſtotterte einige Worte von Schuldigkeit, Glück, Fräulein Tochter durch merkwürdige Schickſalsfügung kennen gelernt zu haben, Befinden von Frau Mama ꝛc. ꝛc., wie es eine erſte Viſite mit ſich bringt. Frau Mama ſchwärmte in Jugenderinnerungen, als ſie noch viel mit den Herrn Officieren in pelniſch Liſſa getanzt hatte, der Papa zog bei Erwähnung des Töchterchens eine krauſe Stirn und meinte beiläufig, Sidonia ſei ein liebes Kind, aber auch eben nur ein Kind.
Nach einer Viertelſtunde, in der Gumal vergeblich auf das Erſcheinen des Kindes wartete, rückte er mit dem
Seſſel und machte eine tiefe Verbeugung; die Mama reichte
ihm die Hand nochmals zum Kuſſe und verſicherte, ſie hoffe
ihn öfter in ihrem Hauſe zu ſehen, der Papa drückte ihm mit echter deutſcher Biederkeit die Hand und ſagte— gar nichts dabei.
Beim Hinausgehen lächelte das hübſche Dienſtmädchen, — das waren alle Erfolge der erſten Viſite.
Wo war indeſſen Sidonia geblieben? Sie ſchlief alle
Tage bis zwölf Uhr Mittags und machte dann noch drei
Stunden Toilette, ſie hatte das ſo in der Penſion ge⸗ lernt.. Gumal kehrte ziemlich unbefriedigt zurück.
„Sollte ſie dennoch nichts für mich empfinden?“ fragte „Aber die Bonbondüte! und dann hat ſie mich ja ſelbſt aufgefordert, bei den Eltern Viſite zu machen. Nein, mein Herz, ſchlage nicht ſo ſtürmiſch, es
wird ſich Alles machen laſſen. Bürſte den Leibrock ab und
hänge ihn wieder in die Spinde, daß du mir die Feder nicht zerknickſt!“.
Die letzten Worte galten natürlich ſeinem Burſchen, der kummervoll auf das verdüſterte Geſicht ſeines Lieute⸗ nants blickte, als er die Hutfeder wieder in ihr Futteral
ſteckte.


