Jahrgang 
15-26 (1862)
Seite
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ſtürzte; in ſeiner Hand hielt er ein kleines zierliches

Billlet. Was gibt's? fragte ich, von ſeinem Ungeſtüm be⸗

V troffen. Athemilos warf er ſich auf mein Sopha und hielt mir das Billet hin. A

Leſen Sie! rief er dabei.Ich ſtehe auf dem Gipfel maeeines Glückes.

Hat Ihnen der Alte oder ſeine Frau ihre Tochter angeboten? fragte ich.

Scherz bei Seite! das Goldſtein'ſche Haus ſteht mir

jetzt offen. Thee und Abenbrod! U. A. w. g. Es war eeiine Einladung zum nächſtfolgenden Abende. Wollen Sie mir eine Liebe thun, einen wahren Freundſchaftsdienſt? fragte er meine Hand ergreifend und mich ſo innig anblickend, daß ſich ſeiner Bitte kaum wider⸗ ſtehen ließ.

Es kommt darauf an; indeſſen ſagen Sie mir, was Sie wünſchen.

Sie müſſen heute Vormittag bei Goldſteins Viſite machen, Sie werden dann auch zu morgen Abend einge⸗ laden, und ich brauche in dieſem kritiſchen Falle einen theilnehmenden Freund; überdies werden aller Vermuthung nach nur ſchwarz befrackte Moſaiker dort ſein, und dazu paſſen zwei Uniformen immer beſſer als eine. Schlagen Sie mir meine Bitte nicht ab, ich müßte ſonſt denken: Auch der letzte Freund hat mich verlaſſen, urer wie der Dichter ſonſt ſagt.

Gut, meinte ich nach einigem Nachdenken,ich werde heute bei Goldſteins Viſite machen; Sie können mir Ihren Federhut dazu borgen.

Mit dem größten Vergnügen. Sie ſind mein wah⸗ rer Freund!

Gumal ſchloß mich an ſein Herz, und ich machte meine

Uoveillen-Zeitung.

brillanter Lichtſchein auf die Straße herab. in einer Droſchke vor, und ſein Burſche, der hintenauf ge⸗

[VIII. Jahrg.

Noch nicht drei Tage waren verfloſſen, als Gumal Viſite, die ziemlich ebenſo ausfiel als die ſeinige, und er⸗ eines Morgens mit glühendem Geſicht in meine Stube hielt meine Einladungskarte.

Von den Fenſtern des Goldſteinſchen Hauſes fiel ein Wir fuhren

ſtanden hatte, öffnete den Wagenſchlag. Wir traten in

den glänzenden Salon, und Mama Goldſtein lächelte über

das ganze Geſicht, als ſie uns entgegenkam; wir küßten ihr die Hand und ſchüttelten die des würdigen Banquiers, der dieſes Mal ſeinen Orden in natura trug.

Fräulein Sidonia ſtand hinter ihrer Mutter; ſie wurde glühend roth, als Gumal auch ihr die Hand küßte; die ſchwarzen Moſaiker machten die tiefſten Verbeugungen gegen uns, und ihre hochaufgeputzten Damen ſteckten flüſternd die Köpfe zuſammen.

Die Geſellſchaft war allerliebſt; ich für mein Theil tanzte wie raſend und gewann die Ueberzeugung, daß das religiöſe Bekenntniß nicht im Mindeſten Einfluß auf ge⸗ ſellige Vergnügungen hat. Berührte mich etwas unan⸗ genehm, ſo war es, daß faſt ausſchließlich von Geld ge⸗ ſprochen wurde; das verhängnißvolle Wort miſchte ſich ſelbſt in die Unterhaltung über die zarteſten Beziehungen, vielleicht war das aber Gumal gerade nicht unangenehm. Gegen den Schluß der Geſellſchaft hin konnte ich die Mit gift jeder noch ledigen anweſenden Dame, ſo wie das Ver⸗ mögen der Verheiratheten bis auf eine Differenz von we⸗ nigen Pfenuigen abſchätzen, und vielleicht würde ich mich zu einer oder der anderen der erſteren hingezogen gefühlt haben, wären meine Grundſätze in dieſer Beziehung nicht ſo feſt geweſen und hätte ich ebenſoviel Schulden gehabt als mein Freuud Gumal'; überdies hatte ich mich auch ſchon wieder mit meiner Kleinen, der der Major die Cour ge⸗ macht, verſöhnt.

Ich ließ meinen Cameraden wenig aus den Augen; bald umſchwebte er mit honigſüßem Geſichte die Mutter, bald die Tochter, alle übrigen Perſonen der Geſellſchaft

Eine Büffeſjagd.

Ueber dieſes Lieblingsvergnügen des Nimrod verehrenden Weſtens mit ſeinen heerdenreichen Steppen ſind nur zu oft Sce⸗ nen erzählt, die durch ihre unwahrſcheinliche Abenteuerlichkeit in das Reich des Romans gehören. Um ſo lieber theilen wir hier den Bericht Kane's mit, der in der Gegend von Fort Garry einer ſolchen Jagd beiwohnte und dieſes große, nutzloſe Thierſchlachten glaubhafter als gewöhnlich erzählt. Nachdem er mit ſeinen Ge⸗ fährten, den Indianern, am Morgen aufgebrochen, erzählt er: Am Nachmittag erreichten wir den Uferrand eines kleinen See's, wo wir, um des Waſſers willen, früher als gewöhnlich unſer La⸗ ger aufſchlugen. Den nächſten Tag ergötzte mich das Schauſpiel, das mir eine Schaar von vierzig in der Ferne ſichtbaren Büffel⸗ kühen bot, denen unſere Jäger in vollem Laufe nachjagten; es waren die erſten, die ich geſehen, aber ſie waren zu weit von mir entfernt, um mich an dem Jagdvergnügen zu betheiligen. Es ge⸗ lang fünfundzwanzig zu tödten, die im Lager vertheilt wurden und uns Allen ſehr willkommen waren, da unſere Vorräthe etwas zuſammenzuſchmelzen begannen und ich das Pimmi⸗kon und ge⸗ dörrte Fleiſch gehörig ſatt hatte. Nachdem die Feuer vermittels

Feuilleton.

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des Holzes, das wir in den Wagen mitgebracht hatten, angezündet worden, fing die ganze Geſellſchaft mit einer Gier zu⸗ ſchmauſen an, die mir vollſtändig unbegreiflich war, bis ich es ſelbſt ver⸗

ſuchte und durch die Erfahrung erkannte, wie ſehr das Jagen in.

den Ebenen den Appetit ſchärft. G. Der obere Theil des Höckers eines Büffels, an Gewicht vier bis fünf Pfund, wird von den Indianern der kleine Höcker ge⸗ nannt. Dieſer iſt härter und feſter als das Uebrige, obgleich ſehr zart, und wird gewöhnlich zum Aufbewahren zurückgelegt. Der untere und größere Theil iſt mit Fett durchwachſen und ſehr ſaf⸗ tig und wohlſchmeckend. Dies nebſt den Zungen gilt als feinſter Biſſen vom Büffel. Nachdem die Geſellſchaft ſo viel hinunter⸗ geſtopft, als ſie verſchlingen konnte, brachte ſie den Reſt des Abends damit zu, die Markknochen zu röſten und ſich an dem Inhalt derſelben gütlich zu thun. In den nächſten Tagen trafen wir nur hier und da einen einzelnen Büffel oder kleine Heerden, aber weit erhin wurden ſie häufiger. Endlich meldeten unſere Kundſchafter, daß zwei Mei⸗ len voͤr uns eine gewaltige Heerde von Büffelochſen ſich befände. Man unterſcheidet ſie in der Ferne von den Büffelkühen dadurch, daß jene einzeln weiden und weitläufiger über die Ebene zerſtreut

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