Jahrgang 
15-26 (1862)
Seite
232
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deraufſatz wie ein Schlittenpferd, die andere war kohlra⸗ benſchwarz, und blendende Perlenſchnüre, die, wenn auch

nur imitirt, ein recht hübſches Geld gekoſtet haben müſſen, Beide waren in auf, Camerad!

ſchlangen ſich durch die reichen Flechten. eleganteſter Toilette und ſchienen noch jung. Sie hatten alſo gefunden, was Sie ſuchten? Hören Sie mich ruhig an! Die Damen ſaßen in erſter Reihe, der Herr hinter ihnen, ich vermuthete nur, daß er zu ihnen gehöre. Sie ſehen ſich nicht um, als ich intrat, er ſieht ſich auch nicht um, deun die große Orche⸗ Kerpauke machte gerade einen Höllenſpectakel. cire bis zur zweiten Bank und faſſe nun meines Profil ins Auge. Alle tauſeud Teufel! wen glauben Sie, daß ich erkenne? Wahrhaftig, Sie ſpannen mich Sie werden es doch nicht rathen. war es, ſage ich der Wirth vom blauen Eber. Ich frage Sie: wie kann der Mann nach Berlin reiſen und in den erſten Rang des Schauſpiels gehn, während er mir alle acht Tage nieine Rechnung zuſchickt und heilig beſchwört, daß ihm ſeine Ver⸗ hältniſſe nicht länger erlaubten, auf die Bezahlung zu warten? Das wird ſich aber auch ſogleich aufklären. Sie können ſich denken, wie unangenehm mir dieſes Zu⸗ ſammentreffen war; ich mußte aber gute Miene zum böſen Spiele machen und ihn ſo herzlich als möglich begrüßen. Als unſer Geſpräch begann, drehten ſich auch die beiden Damen um, und mit dem holdſeligſten Lächeln ſtellte er uns einander vor:Herr Lieutenant von Gumal meine Tochter Käthchen, Fräulein Sidonia Goldſtein. Der Friſchling ich meine die Eberstochter war weder hübſch, noch ſah er geiſtreicher als der Vater aus, das Mädchen hatte ſich mit Federn und Schmuck behängt, als führe es dieſelbe Abſicht wie mich ins Theater, nämlich ſich durch Augenverblendung einen Mann zu kapern, Sidonia dagegen war gar nicht übel; allerdings war der Putz auch

auf die Folter. Der blaue Eber

Uovellen-Zeitung.

ſein wenig überladen, und

Ich avan⸗ Mannes aber doch mit warmer D ankbarkeit meine Hand.

Ihnen, der blaue Eber von hier, d. h.

[VIII. Jahrg.

der orientaliſche Typus prägte ſich nur zu deutlich in ſeinen claſſiſchen Formen auf ihrem Geſichte aus, aber ſie hat köſtliches ſchwarzes Haar, ein Paar Augen zum Verbrennen, und dann paſſen Sie iſt ſie die einzige Tochter und Erbin des hieſigen reichen Banquiers Golbſtein, die Religion thut in unſerm aufgeklärten Zeitalter weiter nichts zur Sache!

Ich gratulire Ihnen, ſagte ich Feierlichkeit, Gumal die Hand reichend.

Nicht zu früh, meinte er mit einem Seufzer, drückte Kurz geſagt, fuhr er dann fort,als Fräulein Sivonia ſich erröthend gegen mich verneigte, da fühlte ich es überzeu⸗ geud klar: die iſt es oder Keine ſonſt auf Erden! Leider erhob ſich in demſelben Augeublicke der Vorhang ind ſchnitt jede weitere Unterhaltung mit ihr ab; ich bekam den gan⸗ zen Act über nichts mehr von ihr zu ſehn als die pech⸗ ſchwarzen Flechten mit den Perlenſchnüren.

Und natürlich einen blendenden Nacken? fragte ich.

Nun ja, ſo etwas orientaliſche Färbung. Ich hatte Goldſteins wohl immer reich nennen hören, aber Sie wiſſen, wie es oft bei Banquiers und Kaufleuten geht, der Crevit kann mir nicht viel helfen, es handelt ſich um Baar⸗ vermögen; darüber mußte ich zuerſt in's Klare kommen; überhaupt wußte ich ja auch noch gar nicht einmal, ob Si⸗ donia ein Sprößling unſeres hieſigen Banquiers ſei, denn ich hatte mich um ſeine Familie, die nicht auf die Bälle im Officier⸗Caſino kommt, bisher nicht bekümmert. Darüber mußte eine Unterhaltung mit dem blauen Eber eingeleitet werden, was übrigens noch den Zweck hatte, ihm das Wort abzuſchneiden, falls er Luſt hätte, mich wieder an ſeine Verhältniſſe und Verbindlichkeiten zu erinnern; ſolche Re⸗ miniscenzen ſind immer unangenehm, beſonders wenn man viel wichtigere Dinge im Kopfe hat. So bekam ich deun im Flüſterton zu hören, die beiden Mädchen ſeien

mit einer gewiſſen

werden kann, daß der Rhein, deſſen Bett während 1000 Jahren ſich bedeutend tiefer legte, bei ſeiner damaligen Höhe die ganze Niederung von einem Hochufer zum andern, in der ganzen Aus⸗ dehnung, gleich einem See, eingenonimen hat.

Zur Zeit der Nibelungen haben zu Oggersheim, Rhein⸗ gönheim und Altrip ſchon römiſche Niederlaſſungen beſtanden, was bei Oggersheim und Rheingönheim durch die römiſchen Alterthümer, beſonders aber durch die zu Tage geförderten Münzen beſtätigt wird. Am Orte Rheingönheim fließt ein Graben in den Rhein, der der Krahne heißt, an deſſen Einmün⸗ dung in den Rhein ſich ein Hauptdamm befindet, der zur Zeit der Römer ſchon beſtanden hat, was dadurch nachgewieſen wird, daß man bei Wiederherſtellung dieſes im Jahre Dammes in demſelben eine Urne fand, und in dieſer einen weib⸗ lichen Halsſchmuck, beſtehend in ſpiralförmig gewundenen, einen Zoll langen Gliederungen von halbrundem Golddrahte, in der Mitte der Gliederungen ein ſilbernes Medaillon mit dem ſitzen⸗ den Bilde der Göttin Juno, mit der Umſchrift Juno Genitrix. Dieſer Schmuck wurde durch den damaligen Verwalter der Frei⸗ frau von Herding'ſchen Güter, Herrn Marxer in Mundenheim, erworben. Altrip iſt ſchon in der Geſchichte als römiſches Ca⸗ ſtell bezeichnet, an dem der Rhein, heute noch der Altrhein befindet, durch die zu Römer Zeiten angelegte Eindämmung(den ſ. g. Horen⸗Graben) vorbeifloß. Oberhalb deſſelben ergoß ſich der Neckar in den Rhein.

Außer dieſen Orten haben von 1 auf dem Hochufer keine anderen beſtanden, wenigſtens wurden, trotz aller Umſicht, in den heute beſtehenden Orten keine Alter⸗ thümer gefunden,

1824 beſchädigten

wahren, ſicherlich nicht für gut befunden.

nach der Seite hin, wo ſich

Worms aus bis nach Altrip

durch welche ihr früheres Daſein nachgewieſen Boden beſteht,

werden könnte. Nur Mutterſtadt in ſeinem Walddiſtricte an der Haardt zeigt durch die dort aufgefundenen galliſchen Münzen und durch die Felddiſtrictsbenennung am Kuͤmmelgraben, der als Cumulus zur Entwäſſerung des überſchwemmten Landes ge⸗ dient haben mag, Spuren von früheren Niederlaſſungen.

Der Charakter Hagen's iſt in dem Gedichte zu beſtimmt als

verſchmitzt und beſonnen bezeichnet, als daß man annehmen könnte, daß er den Schatz auf der bei Rheingoͤnheim durch Ein⸗ dämmungen eingegrenzten, oder gar bei Altrip durch das Caſtell bewachten Waſſerſtraße, vorbeigeführt habe. Es iſt vielmehr anzunehmen, daß er vor⸗ gezogen hat, in der größten Ausdehnung des Rheins, in der Gegend bei Oggersheim, einen Platz auszufinden, wo er den Schatz unbelauſcht verſenken konnte. Den Schatz ohne Weiteres in den Rhein zu werfen, hat Hagen bei der Vorausſetzung, denſelben für ſeinen Herrn zu be⸗ w Er mußte daher eine Stelle im Rhein aufſuchen wie eine Inſel, die ihm zum Wie⸗ derauffinden als Zeichen dienen konnte.

In der dortigen Rheinebene wurde lange kein dergleichen Anhaltspunkt gefunden. Erſt im Jahre 1834 wurde durch die große Ueberſchwemmung der Niederung eine Inſel, wiewohl nur im kleinen Verhältniſſe, ſichtbar. Dieſes, ſowie die Andeu⸗ tung in einer Ausgabe des Nibelungenliedes, daß der Hort in der Gegend von Edigheim zu ſuchen wäre, gab Veranlaſſung, dieſelbe Inſel genau zu unterſuchen. Man fand auch, daß dieſe nicht aus angeſchwemmtem Lande, ſondern bis zur Tiefe eines dort gegrabenen Brunnens aus Dammerde und ſ. g. gewachſenem und gleichzeitig wurde zum giöp Erſtaunen

wo er leicht beobachtet worden wäre,

Berli eiſte⸗ meine gür ſag tirlich SDcgen und de ,idl arigen ic ſch ſc Sifee

M teriel nicht ſoſ gema fen!