Jahrgang 
15-26 (1862)
Seite
230
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Der Bote ſchwieg tiefaufſchluchzend.

Alle heiligen eilftauſenv Teufel! ſchäumte Gumal. Ich in dieſem Momente nach Berlin? Aber:

Berlin, Berlin, iſt'ne göttliche Stadt,

Wenn man nur das nöthige kleine Geld dazu hat!

Zwölf Thaler Zulage habe ich wohl bei dem Com⸗ mando? Nun, ſo mag es gut darum ſein!

Wer weiß, was Euch da nicht Alles begegnen kann, beſter Camerad? meinte ich bedeutungsvoll.

Sie haben Recht, Freund; die Vorſehung gibt uns oft die Wege zu unſerem Glücke an die Hand. He, Ordon⸗ nanz, trinte Er ein Glas Champagner, Er kann nach⸗ her zu Hauſe davon erzählen, wie das ſchmeckt!

Der Musketier traut gehorſam; er brauchte nicht, wie jener alte Soldat, dem in der Inſtructionsſtunde die Frage vorgelegt wurde:Was thuſt Du, wenn Dir ein Vorge⸗ ſetzter ein Glas Wein aubietet? zu erwidern:Das tommt niemals vor. Er leerte das Glas bis zum Grunde, machte auf Gumal's Wink Kehrt und verſchwand mit dröh⸗ nenden Tritten.

Kurz, das Heirathsproject ſchien wenigſtens in den Grenzen unſerer Garniſonſtadt, einer mittelgroßen Pro⸗ vinzial⸗Hauptſtadt, abgebrochen, nachdem mein Camerad dem Wirthe, Herrn X., ſehr peremptoriſch mitgetheilt hatte, er möge die beiden Flaſchen Sekt aufſchreibeu.

Acht Tage ſpäter reiſte er mit den kühnſten Hoffnun⸗ gen und ſeinen Garde⸗Rekruten nach Berlin ab, und ich konnte ihn erſt in circa drei Wochen zurückerwarten.

Dieſe drei Wochen vergingen mir ziemlich langweilig, denn ich vermißte die Geſellſchaft meiues Freundes Gu⸗ mal nicht wenig. Wir ſchrieben uns nicht, denn da wir das Wiederſehen für gewiß hielten, ſchien das nicht nöthig.

Pünktlichkeit iſt eine der erſten militairiſchen Regeln, und er erſchien auch pünktlich an dem Tage, an dem er beim Regimente zurückerwartet wurde. Ich ſah ihn zum

Uovellen-Zeitung.

V erſten Male auf Parade wieder; er kam mir noch geſchnie⸗ gelter als ſonſt vor, und ich glaubte mich nicht zu irren, b wenn ich einen erhabenen Triumph in ſeinen Mienen aus⸗ b gedrückt ſah. Natürlich begrüßten wir uns ſofort auf das Herzlichſte.

Haben Sie ſich ſchon reich verlobt, Gumal?

ich ſcherzend.

Um Gotteswillen, ſchweigen Sie, Mann, flüſterte er mir erregt zu.Ich habe Eine auf dem Strich, Sie ſollen nach der Parade Alles erfahren. Sein Sie aber ſtill, ich beſchwöre Sie, der Camerad könnte mir leicht das Spiel verderben, denn ſie möchten beinahe alle reich heirathen. Ich füge mich Ihren Wünſchen 5 wenig ich Ihnen auch meine Spannung verheimlichen kann.

Nach der Parade gingen wir Arm in Arm nach demn Schwane. Dieſes Mal beſtellte ich eine Flaſche Wein, denn Gumal war in ſeiner inneren Erregung ſo zerſtreut, daß er die leiblichen Bedürfniſſe ganz vergeſſen zu haben ſchien. Er hatte Helm und Scharpe neben ſich auf den Tiſch gelegt, hielt den Degen vor ſich zwiſchen den Beinen, die Hände über ſeinen Knopf gefaltet und den Kopf darauf geſtützt; ſein Auge war ſehr ernſt und ſchien ſich noch mit Bildern der letzten Vergangenheit zu beſchäftigen.

Nun? fragte ich ungeduldig.

Sie wiſſen, daß ich mit Garde⸗Rekruten in Berlin war, begann er mit großem Pathos.

Sparen Sie ſich die lange Einleitung, theurer Freund, drängte ich, denn ich wußte, daß er in ſeinen Erzählun⸗ gen immer ſehr weitſchweifig zu ſein liebte.

Gut, ich wollte Ihnen nur ſagen, daß ich dort keinen andern Gedanken im Kopfe hatte, als eine Bekanntſchaft, wie ich ſie zu meiner weiteren Exiſtenz nothweudig brauche, anzuknüpfen; ich fürchte, die Intendantur wird einige Mühe mit meiner Rechnungsablegung haben, denn ohne Zweifel habe ich ein Drittel der Commando⸗Auslagen auzuſchreiben vergeſſen. Nachdem die Rekruten am Tage

fragte

etwas Buſchwerk verſteckt, nahm er das Wild ſeines getödteten Nebenbuhlers, um ſeine eigene Abweſenheit dadurch zu erklären, und eilte nach dem Dorfe zurück, wo er ſeine Bewerbung noch feuriger erneute, zur äußerſten Verzweiflung und Enttäuſchung Awh⸗mid⸗way's, welche ſeine Erklärungen immer noch mit Ent⸗ rüſtung zurückwies, bis ſie endlich, durch die entſchiedenen Befehle und Drohungen iyrer Eliern gedrangt, und in der Hoffnung durch irgend eine Liſt den Ungluckstag zu verſchieben, einwilligte, den Zeilpunkt zu nennen, wo ſie ihn als Gatten annehmen wolle. Sie baute feſt darauf, daß ihr Geliebter inzwiſchen zurückkehren und ſie von der ihr drohenden Selbſtopferung erretten würde, und verbarg, ſo gut ſie es vermochte, den wachſenden Abſcheu vor ihrem Verfolger. 7

Endlich kam der gefürchtete Tag, aber der Geliebte erſchien natürlich nicht. Es tam ihr nicht in den Sinn, daß ſeine zer⸗ ſchmetterten Gebeine eine Beute der Raubthiere des Waldes ge⸗ worden; denn immer noch lenkte die Hoffnung ihren Blick nach der Richtung hin, in welcher ſie ihn damals hatte fortwandern ſehen, als Alles noch im Sonnenſchein zukünftigen Glückes vor iyr lag. Mit brennenden Augen und brechendem Herzen ſah fie den Abend heranrücken, der ſie unwiderruflich einem Manne ver⸗ vinden ſollte, den ſie verabſcheute.

Das vräutliche Canor, welches nach indiſchem Gebrauch mit allen nöthigen Vorräthen verſehen worden war, um das vermählte Paar fur eine Reiſe von der Dauer eines Monats allein aufzu⸗ nehmen, worin in der That die einzige Trauformel beſteht, lag ſchon am Ufer. Die Nacht war hereingebrochen, das Hochzeits⸗ leſt bexeiter das letzte Feſt, an welchem ſie im väterlichen Hauſe Cheil nehmen ſollte als, ſiehe da, die Braut vermißt wurde,

und Beſtürzung an die Stelle der Heiterkeit und des hochzeitlichen Gewühles trat. Eifrig hatte man ſie mit Faccellſchein und Rufen iin den benachbarten Waldungen geſucht, doch kein antwortender Laut drang an ihr Ohr, obgleich das Suchen mit unermüdetem Ei⸗ fer bis Tagesanbruch fortgeſetzt wurde. Da merkte man zum erſten Mal, daß das Hochzeitsboot verſchwunden war, und indem man daraus ſchloß, daß ſich die Braut deſſelben zu ihrer Flucht be⸗ dient hatte, ſo brach Shawwanoſſoway in Begleitung ihres Bru⸗ ders, um ihr zu folgen, zu Fuß in der Richtung des Üfers auf. V Als ſie einige Stunden gegangen waren, erblickten ſie das Canot und ſeine ſchöne Führerin in der Ferne. Indem, ſie ihre Eile verdoppelten, erreichten ſie einen Punkt, um welchen es noth⸗ wendigerweiſe herumkommen mußte. Hier ſchwamm der Liebha⸗- ber hinaus in den Fluß, um ihm den Weg abzuſchneiden. Ver⸗ gebens ſuchte er durch alle Mittel, die er erſinnen konnte, ſie zu bewegen, daß ſie anhalten und ihn an Bord nehmen möchte. Be⸗ ſiegt durch ihre entſchloſſene Weigerung und durch die Kraft und Gewandtheit, womit ſie das Ruder führte, war er genöthigt, die Verfolgung aufzugeben und an das Ufer zurückzukehren. Kaum war er gelandet, als ein heftiger Sturm, begleitet von Donner, Zlitz und Regenſtrömen, ſich erhob und das Paar zwang, ſein Nachtquartier aufzuſchlagen. Sie verharrte ungeachtet des Sturm⸗ wetters in ihren Anſtrengungen, bis die Schatten der Nacht ſie den Blicken ihrer Verfolger entzogen. Mit Tagesanbruch zer⸗ ſtreuten ſich die Wolken, und ſie ſetzten ihre Verfolgungen fort, bis ſie endlich das Canot erſpähten, das auf dem Ufer lag. In dem Glauben, nun ihren Zweck erreicht zu haben, beſchleunigten ſie ihre Schritte; doch da ſie näher herankamen, gewahrien ſie eine

Schaar Wölfe, und man kann ſich das Grauſen denken, das ſie

Nr.

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