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Uovellen-Zeitung.
Gumal ſchwieg, ich ſteckte mir auch eine Cigarre an,
und bald umhüllte uns eine Wolke, durch welche ein ſterb⸗
liches Auge ſchwer hätte blicken können, ohne Thränen über
unſeren Kummer zu vergießen.
„Haben Sie ſchon einmal ernſtlich daran gedacht,“
fragte er ſehr ernſt nach einer langen Pauſe,„wie Sie
Ihre Schulden bezahlen könnten?“
„O gewiß, ſehr ernſt und oft,“ erwiderte ich;„vielleicht
gäbe es ein Mittel dazu, aber ich habe große Abneigung
dagegen.“ 1 laſſen, es kommt heutzutage nicht ſo genau darauf an, ſie
„Ein Mittel?“ meinte Gumal geſpannt und brachte ſich aus ſeiner liegenden Stellung in eine ſitzende.„Sie wollen doch nicht auf Credit ein Haus kaufen?“
„Nein, ich würde nicht einmal den Notar bezahlen können, der den Contract aufſetzt.“
Meinem Cameraden ſchien dies einzuleuchten, denn er ſchwieg wieder eine Weile und rauchte noch ſtärker.
„Ich habe auch eine Idee,“ ſagte er dann etwas zö⸗ gernd.„Wie wäre es, wenn wir beide zuſammen eine militairiſche Zeitung anlegten? Wir ſchrieben ſo Etwas über Torniſterpacken, Fußbekleidung mit rindsledernen Stie⸗ feln, Nothwendigkeit von Marketenderinnen und derglei⸗
chen.“ „Nein,“ ſagte ich ſehr beſtimmt,„die Sache wäre gan
verfehlt, denn die Generale und Stabsofficiere würden
nicht auf unſer Blatt abonniren, weil ſie in dergleichen Dingen ihre eigenen Erfahrungen geſammelt haben und bei Gelegenheit ſelbſt darüber ſchreiben wollen; den Lieu⸗ tenants aber kann man es gerechterweiſe nicht zumuthen, daß ſie für bloßes Druckpapier, das ſich überall beſchaffen läßt, monatlich einen Abzug von dem opfern, was ihnen der Rechnungsführer noch vom Gehalte herausgibt.“ „Das wäre allerdings nicht recht cameradſchaftlich,“ murmelte Gumal vor ſich hin.„Auf welches Mittel ſind Sie denn aber gekommen, Beſter?“ „Reich heirathen,“ erwiderte ich lakoniſch.
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Er ſtand auf und ging mit großen Schritten im Zim⸗ mer auf und nieder.
„Ich habe auch ſchon einmal daran gedacht,“ ſagte er mit einer gewiſſen bittern Hoffnungsloſigkeit;„welcher Banquier, und wenn er auch Jude wäre, gäbe mir aber ſeine Tochter, wenn er vor der Hochzeit zweitauſend Thaler Schulden bezahlen müßte?“
„Oho, das wäre noch die Frage! Vergeſſen Sie nicht, daß Ihre zukünftige Gattin Frau„von“ werden müßte, wenn ſie will, kann ſie ſich auch Frau Baronin nennen
kann ſogar Excellenz werden, wenn Sie es bis zum Gene⸗
rallieutenant bringen.“
Gumalblieb dicht vor mir ſtehen und ſtarrte mir na denklich in die Augen. 5
„Ich Excellenz werden?“ fragte er ſeufzend.„Zwölf⸗ tauſend Thaler jährlich, incluſive Tiſchgelder? Halten Sie das für möglich?“
„Warum nicht? Sie haben alle Anlagen dazu. Einſt⸗ weilen können Sie ſich aber ſchon mit dem Barons⸗ und Lieutenantstitel begnügen; das„ſtärkt“, beſonders bei den Frauenzimmern, wie unſer luſtiger Camerad R. zu ſagen pflegt.“
„Wiſſen Sie Eine, lieber Freund?“
„Nein, die müſſen Sie ſich ſchon ſelbſt ſuchen.“
„Warum heirathen Sie aber nicht, ich meine reich?“
„Weil ich dazu nicht ſo glücklich ſituirt bin als Sie, ich habe höchſtens dreihundert Thaler Schulden, und Sie
ch⸗
zweitauſend.“
„Hm!“ meinte mein Camerad verwundert.
[VIII. Jahrg.
„Außerdem bin ich noch ſechs Jahre jünger als Sie,
ich glaube noch an Herzensliebe.“
„Bah!“ rief er ſich auf dem Abſatze umdrehend.„Sie werden hoffentlich noch ſechs Jahre älter werden. Sehen Sie meine Finger an; da ſitzt an jedem ein Ring, manch⸗ mal zwei. Es ſind verlorene Hoffnungen und die à jour
Feuilleton.
— OSae—
Eine indianiſche Liebestragik.
In Amerika haben Paul Kane's Wanderungen eines Künſt⸗ lers unter den Indianern(von Canada nach der Vancouver's Inſel) viel von ſich reden gemacht. Dieſelben erſcheinen jetzt auch in einer deutſchen Ausgabe bei Matthes in Leipzig. Der Verfaſ⸗ ſer erzählt eine ſehr romantiſche, unglückliche Liebesgeſchichte eines indiſchen Paares, welche er bei ſeinem Verweilen unweit des Hu⸗ ronenſee’'s in Manetouawing erfuhr. Er ſagt:
Unter den vielen verſammelten Indianern war einer, welcher durch ſein ehrwürdiges und vornehmes Anſehen meine Aufmerk⸗ ſamkeit beſonders auf ſich zog. Auf meine Frage, wer er ſei, er⸗ fuhr ich, daß er Shawwanoſſoway oder„Einer mit dem Geſicht nach Weſten“ hieß und als großer Arznei⸗Mann gelte, der ſehr
ſübt in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft ſei. Da ich zu⸗ älliger Weiſe ein paar Tage vorher einige Gegenſtände aus mei⸗ nem Zelte verloren, beſchloß ich, um mit ihm Bekanntſchaft an⸗ zuknüpfen und meine Neugierde zu befriedigen, mich an den Seher zu wenden.
Wirkung habe, und ich konnte, ungeachtet ich eine ſehr reichliche
zu wen Als ich ihm meinen Fall vorlegte, ſagte er mir, daß ſeine Macht da, wo die weißen Geſichter betheiligt ſeien, keine
Belohnung bot, ihn nicht überreden, ſeine Zauberkünſte in An⸗ wendung zu bringen. Er war, wie man mir ſagte, in ſeiner Ju⸗ gend ein ſehr beruͤhmter Krieger geweſen, doch ſollte er in Folge eines ſehr romantiſchen Erlebniſſes den Tomahawk und das Scalpirmeſſer mit dem friedlichen Beruf des Arznei⸗Mannes ver⸗ tauſcht haben oder, nach der gewöhnlichen Ausdrucksweiſe, mit
dem eines Zauberers und Beſchwörers, und in dieſem hat er unter
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ſeinem Volke einen großen Ruf erlangt. Vor vielen Jahren wohnte eine Bande i den Ufern eines der großen Seen. Unter ihnen befand ſich eine Familie, die aus Vater und Mutter, einem erwachſenen Sohne und einer erwachſenen Tochter beſtand; letztere hieß Awh⸗mid⸗way oder„es iſt Muſik in ihren Fußtritten“, ſie übertraf an Schön⸗ heit alle Jungfrauen ihres Stammes, und alle jungen Krieger ihrer Nation warben um ſie. Bald gelang es Muck⸗e⸗tick⸗enow oder dem„ſchwarzen Adler“, der wegen ſeiner Kühnheit auf dem Schlachtfeld und auf der Jagd in ho Huldigungen ihre ungetheilte Zuneigung zu gewinnen; ſie verbarg ibm auch dieſen ihm günſtigen Zuſtand ihrer Empfindungen nicht, ſondern hatte in Uebereinſtimmung mit den Gebräuchen ihres Volkes ohne Zögern die brennende Barke gelöſcht, welche er
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der Ojibbeways an
bem Rufe ſtand, durch ſeine


