Uopellen-Zeitung.
VIII. Jahrg.
Aus dem Elſaſſe
Seefahrt.
Laßt den Dämpfer breit ſich machen Auf der klaren Waſſerbahn:
Mir gefällt's im ſchmucken Nachen, Mir behagt's im kleinen Kahn.
So mit Muße hinzuſchweben Auf dem Spiegel ſilberrein,
O das iſt ein ſelig Leben! Herz, was könnte ſchöner ſein?
Statt des Schlotes ekelm Dampfe Athmeſt Du hier Frühlingsduft, Statt des Räderwerks Geſtampfe Hallt ein Lied in freier Luft.
Statt des Briten dunkler Stirne Schaut der Lenz Dich freundlich an, Dem vom Jura bis zur Firne
Alles Land iſt unterthan.
Selig Grüßen ab den Bergen! Blanke Kirchlein überall!
Und das Lied des muntern Fergen Wechſelt mit dem Glockenſchall!
Kann das Auge Schönres ſehen Als die Ufer beiderſeit,
Wenn die Tiefen und die Höhen Ganz mit Blüthen überſchneit?
Helle Bauernhäuſer ſchauen Aus dem rankenden Geäſt; Daß hier gut ſei Hütten bauen, Weiſt manch hohes Storchenneſt.
Und die Sonne goldumwoben Schaut mit ſel'gem Lächeln drein: Himmel unten, Himmel oben,— Herz, was könnte ſchöner ſein?
Trage mich, mein Nachen, trage Tiefer mich ins Wellenſpiel! Blonder Fiſcherknabe, frage
Heut' nach Herberg nicht und Ziel
Suche, wie's der Zufall eben Fügen mag, ein Plätzchen traut, Wo aus blüthevollen Reben Gaſtlich hell ein Fenſter ſchaut.
Lande, wo die grüne Linde Ihren kühlen Schatten ſtreut, Wo der Senn mit ſeinem Kinde Sich des Ernteſegens freut.
Lande, wo zu ſüßen Träumen Lädt der ſanfte Abendwind, Lande, wo die Becher ſchäumen Und die Lippen kußlich ſind.
Gedichte von Friedrich O
n—
Friedrich Btte.
tte. Neue Auswahl. St. Gallen,
Lande, wo von biederm Munde Unverfälſcht die Rede tönt, Wo die Luſt der Abendrunde
Wird durch Scherz und Lied verſchönt;
Wo, bei echter Freiheit Segen, Alles Leid das Herz vergißt; Lande, Knab', wo's allerwegen Heimelig und heimiſch iſt.
Schalte darum nach Belieben Mit des Schiffleins leichter Laſt; Sei es hüben, ſei es drüben, Selig, ſelig iſt die Raſt!
Heimkehr.
Gottlob, wir ſind zur Stelle! Umblitzt vom Morgenſchein Betret' ich deine Schwelle, Du ſüße Heimath mein. Bekränzt in Jugendſchöne, Liegſt du auf's Neu vor mir, Und Morgenglockentöne Weh'n ſegnend über dir.
O traute Morgenglocken, Wie lauſch ich euerm Sang! Wie jauchzet mit Frohlocken Mein Herz in euern Klang! O beimathlich Geläute, Wie weckſt du in der Bruſt, Die wieder auflebt heute, Die ſüße Heimathsluſt!
Der Specht, im Wald verborgen, Er hämmert an den Aſt,
Er hämmert: Guten Morgen! Und: Wie bekam die Raſt? Indeß in ſſtiller Feier
Der Himmel ſchöner blaut,
Der lächelnd durch die Schleier Der prächt'gen Waldnacht ſchaut.
Von Maienblüth' umhangen Tret' ich ins Feld hinaus Und ferne ſeh' ich prangen Mein trautes Vaterhaus. Da ſchwinden alle Schmerzen! Ich wandle, ſtill gerührt,
Die Straße, die zum Herzen, Zum Mutterherzen führt.
Verlag von Scheitlin& Zollikofer. 1862.
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