Jahrgang 
01-14 (1862)
Seite
217
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warfen. Hierauf nahm er die Geſchenke, und mehrere Andere beeilten ſich, über verſchiedene Seiten an Bord zu kommen, da ſie den wahren Zugang nicht kannten. Als einer der Indianer auf dem Vordertheile ſo da ſtand, be⸗ kam er plötzlich von einer unſerer Ziegen einen tüchtigen Stoß auf den Rücken. Ungeſtüm kehrte er ſich um und ſah die Ziege, die aufgerichtet auf den Hinterfüßen ſich eben zu einem zweiten Stoße in Bereitſchaft ſetzte. Der Anblick dieſes Thieres, das von allen, die er kannte, ſo ganz ver⸗ ſchieden war, jagte ihm eine ſolche Furcht ein, daß er eiligſt aus dem Schiffe ſtürzte, und alle Andern mit Haſt ſeinem Beiſpiele folgten. Sie erholten ſich jedoch wieder von ihrem Schrecken und kamen an Bord zurück. Nachdem ich ſie mit dem Anblick unſerer Ziegen und Schafe einiger⸗ maßen verſöhnt hatte, zeigte ich ihnen auch unſere Schweine und unſer Geflügel, und ſie gaben mir durch Zeichen zu verſtehen, daß ſie ebenfalls ſolche Thiere haben. Ich ſchenkte ihnen darauf allerlei kleine Waaren und Nägel und bedeu⸗ tete ihnen, daß ſie ans Land gehen und uns von ihren Schweinen, ihrem Geflügel und Früchten bringen ſollten; ſie ſchienen mich aber nicht zu verſtehen. Während deſſen ſuchten ſie uns allerlei Sachen, die ihnen anſtändig waren, zu entfremden, und nur unſere Wachſamkeit hinderte ſie daran. Endlich aber, als einer unſerer Officiere aus dem Hintertheile des Schiffes herbeigekommen war und ſich be⸗ mühte, mit Einem aus ihnen durch Zeichen zu reden, ſchlich ein Anderer rückwärts hinzu, entriß ihm ſeinen bordirten Hut, ſprang damit über Backbord ins Meer und ſchwamm davon.

Am 20., um fünf Uhr Morgens, ſegelten wir in einer Entfernung von zehn Meilen vom Lande, das gegen N. W. ½¼ W. lag, und wir glaubten ein anderes Land, fünf Mei⸗ len davon, gegen N. O., dann einen anſehnlichen Berg in Geſtalt eines Zuckerhutes gegen N. N. O. zu ſehen. Als wir noch etwa zwei Meilen vom Ufer entfernt waren, das uns den herrlichſten Anblick gewährte und mit Häuſern

Dritte Folge.

und Einwohnern erfüllt war, ſahen wir an der Küſte meh⸗ rere große Piroguen unter Segel; doch richtete keine ihren Lauf nach dem Schiffe. Gegen Mittag waren wir nur noch auf zwei bis drei Meilen von der Inſel und hatten dieſe von S. ¾ W. gegen N. O. ½ O. vor uns. Wir ſteuerten immer längs der Küſte hin, zuweilen nur auf eine halbe Meile, zuweilen auf vier bis fünf Meilen vom Ge⸗ ſtade; bisher hatten wir noch keinen Ankerplatz gefunden. Um ſechs Uhr Abends ſchifften wir an einem herrlichen Fluß vorüber, und die Küſte ſchien uns beſſer, als alle, die wir bisher geſehen hatten; ich beſchloß daher, die Nacht hin⸗ durch zu laviren und am Morgen des andern Tages das Ankeru zu verſuchen.

Als wir das Schiff in Sicherheit gebracht, ſandte ich die Schaluppen aus, um längs der Küſte zu ſondiren und die Gegend zu unterſuchen, wo wir ſüßes Waſſer geſehen hatten. Auf ihren Bericht lichteten wir am 23. mit Ta⸗ gesanbruch die Anker, um in der Nähe des Waſſerplatzes uns aufzuſtellen. Da wir noch beſchäftigt waren, die hohe See zu erreichen, um den Vortheil des Windes zu gewin⸗ nen, entdeckten wir vom Maſtkorbe aus auf ſechs oder acht Meilen unter dem Winde an der andern Seite des Landes eine Bucht und ſteuerten ſogleich dahin; die kleinen Fahr⸗ zeuge gingen voraus, zu ſondiren. Gegen neun Uhr lenk⸗ ten wir um das Feldgeſtade und ſuchten anzuhalten, um Anker zu werfen; da wir aber den Fahrzeugen nahten, ging das Schiff auf den Grund. Wir zogen ſo ſchnell als möglich alle Segel ein und erleichterten das Schiff, indem wir alles zu ſchwer Belaſtende auswarfen. Zu gleicher Zeit ſetzten wir unſere Schaluppe mit dem Bugſir-Anker, mit dem kleinen Anker und ſeinem Taue, dann mit einem großen Seile aus, in der Abſicht, ſie über das Riff zu ſetzen und, ſobald ſie Ankergrund gefaßt hätten, uns mit⸗ tels der Spille hinanzutreiben; aber unglücklicher Weiſe war über der Klippenreihe kein Grund zu finden. Unſere Lage wurde nun ſehr bedenklich; das Schiff ward wieder⸗

feindſelige Geſinnung gegen die geſammte indiſche Bevölkerung hegten oder nur gegen die, welche ſich empört hätten. Die Damen beſahen die Uhr der Engländerin und ihre Armbänder ſehr genau und ließen ihr dann durch ihre Dienerin ihre Schlafgemächer zei⸗ gen. Dies war gegen die gewöhnliche Etiquette und beſonders freundlich. Die Raume waren ſehr dunkel und enge, aber die Hängematten ſehr nett; die der älteſten Rani, ganz aus Silber, hing an maſſiven Ketten, welche die Figuren von Elephanten, Pferden und Palmbäumen darſtellten, von der Decke herab. Dicht dabei ſtand eine kleine Wiege in einem hübſchen, ſilbernen Geſtell. Es war die ihres Sohnes, des Thronerben, welche ſie von ihrer Kindheit an aufbewahrt hatte. Die Damen gehen um zehn Uhr oder eilf Uhr zu Bett und werden durch kleine ſilberne Glocken, die an Ketten hängen, welche die Hängematte bewegen, in den Schlaf gelullt. Eins fiel der Engländerin beſonders noch auf. Die Rani fragte ſie lebhaft, ob ſie je einer Schlacht perſönlich beigewohnt habe, und als ſie dies bejahte, fiel ſie rücklings in ihren Stuhl und ſeufste. Es bleibt immer merkwürdig genug, daß eine perſiſche Zeitung in unſerer Zeit den Fürſtinnen in Bhuj Nachricht vom Krimkrieg bringt und eine Engländerin, welche beide Länder wäh⸗ rend dieſes Krieges beſucht hat, uns dieſes erzählt. Sie hatte an allen Gefahren und Fatiguen des indiſchen Feldzugs, von welchem ſie erzählt, ihren vollen Antheil und legte bei der berühmten Ver⸗ folgung Tantia Topi's wenigſtens 1800 engliſche Meilen zu Pferde zurück, mit einem Muthe und einer Ausdauer, die über alles Lob erhaben ſind. Bhuj, die Hauptſtadt von Kutſch, hat noch mehrere Gegenſtände von Intereſſe; ſo die viele hundert Jahre alten Gräber der früheren Raos aus rothem Sandſteine, mit rei⸗ chen architektoniſchen Verzierungen; den Palaſt des Rao, deſſen

Sculpturen an die alten engliſchen Denkmäler erinnern. Eine⸗ Reiterſtatue, die der eines Kreuzfahrers ähnlich ſieht, ziert den Eingang. Ein holländiſcher Bildhauer ſoll vor vielen Jahren nach Bhuj gekommen ſein und dieſe Proben ſeiner Geſchicklichkeit hinterlaſſen haben. 6.

Zur Länder⸗ und Völkerkunde. Zu den Nachrichten über Japan.

Den ſo vielen günſtigen, ſtaunenerregenden Urtheilen über dieſes Land fügt auch die Literatur des Auslandes den Bericht eines engliſchen Beamten hinzu, der viel Neues bietet. Von Japan, ſchreibt derſelbe, bin ich ganz entzückt. Es iſt ein ſo ſchönes, ſo eigenthümlich intereſſantes Land, daß ſich kein anderer Theil der Erde ihm an die Seite ſtellen kann.(?) Das Klima iſt ſehr angenehm, ich habe den heißeſten Theil des Jahres dort zu⸗ gebracht, ohne die entnervende Hitze China's zu finden. Es iſt mit Sicherheit vorauszuſehen, daß Yokuhama ſich in wenig Jahren zu einem lebhaften Seebade und Curorte entwickeln wird, wohin ſich die im Süden China's anſäſſigen Europäer in den heißen Mona⸗ ten zurückziehen werden. Das Land in der Umgegend von Jeddo iſt ſehr fruchtbar und ſcheint zum Anbau aller Fruchtgattungen ſich zu eignen. Sowohl von Jeddo als von Inkuſama aus habe ich faſt täglich größere Ausfluͤge unternommen und jedesmal bin ich von der Lieblichkeit der Anſichten, die ſich meinem Auge dar⸗ boten, auf's Neue überraſcht. Die Bodencultur ſteht auf der höchſten Stufe und gibt ein glänzendes Zeugniß für den Fleiß der Bewohner. Nach Unkraut oder Steinen würde man vergeblich