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Uovellen-Zeitung.
[VIII. Jahrg
holt und mit aller Heftigkeit gegen die Felſen geworfen, heiſerer Stimme, andere blieſen auf Seemuſcheln und wie⸗ und wir ſahen uns von mehrereu hundert Piroguen mit der andere auf Pfeifen. Bald darauf gab ein Mann auf
Indianern umringt. Sie verſuchten es zwar nicht, uns anzugreifen, doch ſchienen ſie nur unſern nahen Schiffbruch abzuwarten. Beinahe vier Stunden befanden wir uns in dieſer ſchrecklichen Lage, ohne das Geringſte zu unſerer Rettung unternehmen zu können. Doch zum Glück erhob ſich ein ſanfter Wind vom Lande her, das Vordertheil un⸗ ſeres Schiffes wurde gehoben, wir gaben ſogleich alle Se⸗ gel dem Winde frei; das Schiff begann ſich zu bewegen, und in kurzer Zeit ſtanden wir auf hohem Waſſer.
Bald darauf ſahen wir das Hintertheil unſeres Schif⸗ fes von einer Menge Piroguen umgeben. Als ich bemerkte, daß ſie Schweine, Geflügel und Früchte führten, beorderte ich den Oberkanonier und zwei Officiere zum Einkauf der Vorräthe, der gegen Meſſer, Nägel, Glas und andere Kleinigkeiten bewirkt wurde, verbot aber zugleich allen Uebrigen an Bord jeden Verkehr mit den Indianern. Um acht Uhr vermehrte ſich die Zahl der Piroguen ſehr bedeu⸗ tend; die zuletzt kamen, waren faſt alle gedoppelt und ſehr groß und hatten jede bei zwölf bis fünfzehu ſehr ſtarke und kraftvolle Leute an Bord. Ich bemerkte mit Unruhe, daß ſie mehr zum Kriege als zu einem friedlichen Verkehr gerüſtet ſeien, denn ſie führten faſt durchgehends nur runde Kieſelſteine mit ſich. Da ich eben krank war, berief ich Herrn Fourneaux, meinen erſten Lieutenant, und befahl ihm, die vierte Quart immer unter Waffen zu halten, wäh⸗ rend die übrige Mannſchaft noch mit dem Bugſiren des Schiffes beſchäftigt war.— Inzwiſchen ſtrömte von der Küſte immer eine größere Menge von Fahrzeugen herbei, die Waaren führten, welche man uns bisher nech nicht zum Verkauf augeboten hatte, nämlich eine Anzahl Weiber, die nach der Reihe hergeputzt waren. Während dieſe Damen ſich uns präſentirten, kamen die großen, mit Stei⸗ nen beladenen Piroguen zu unſerm Schiffe heran und zwar
auf eine geringe Entfernung; einige Indianer ſangen mit
einer der gedoppelten Piroguen, der auf eine Art Kanapee hingelehnt war, durch Zeichen zu verſtehen, daß er an die eine Seite des Schiffes herkemmen wolle. Ich willigte ohne Anſtand darein. Als er an Bord gekommen war, gab er einem unſerer Leute einen Federbuſch aus rothen und gelben Federn, mit dem Bedeuten, daß er mir dieſen bringen möchte. Ich nahm ihn mit allen Zeichen der Freundſchaft auf und ergriff ſogleich einige Kleinigkeiten, um ihm ein Gegengeſchenk zu machen, aber zu meinem Er⸗ ſtaunen hatte er ſich ſchon wieder vom Schiffe entfernt, und auf ein Signal, das er durch das Emporwerfen eines Co⸗ coszweiges, den er in der Hand hatte, gab, erhob ſich ein allgemeines Geſchrei. Die Indianer gingen alle zugleich auf uns los und ſchickten von allen Seiten einen Hagel von Kieſelſteinen über uns. Bei dieſem Angriffe konnte nur durch die Art unſerer Waffen das Uebergewicht uns geſichert ſein, ſonſt würde es bei der ungeheuren Zahl de⸗ rer, die uns beſtürmten, um ſo ſchlimmer ausgeſehen ha⸗ beu, da ein großer Theil meiner Schiffsmaunſchaft krank und ſchwach war. Ich befahl ſogleich, Feuer zu geben, und ließ gerade auf ſie hin zwei Kanonen vom Caſtell lö⸗ ſen, die mit Eiſenſtücken geladen waren. Die erſte Lage brachte einige Unordnung unter die Indianer; doch nach wenigen Minuten ſammelten ſie ſich wieder und erneuerten den Angriff. Alle unſere Leute, die im Stande waren, aufs Verdeck zu kommen, begaben ſich nun an ihren Poſten; ich ließ das grobe Geſchütz ſpielen und richtete immer einige Stücke nach dem Ufer, weil ich ſah, daß mian dort noch immer Leute einſchiffte und ſodann aus vollen Kräften gegen unſer Schiff heranruderte. Als wir das grobe Ge⸗ ſchütz loszufeuern begannen, waren nicht weniger als drei⸗ hundert Piroguen mit ungefähr zweitauſend Menſchen um uns verſammelt, und von allen Seiten kamen noch neue Piroguen herzu. In Kurzem vertrieb das Feuer jene, die
ſuchen.(Dies gereicht vielen deutſchen Bauern zur Beſchämung, die in vielen Gegenden ihre Gärten und Feldfrüchte nicht einmal von ſchädlichen Inſecten befreien.) Die Felder ſind nicht groß, dafür iſt aber auch jeder Quadratfuß bis an den Rand des Weges benutzt. Endlos iſt die Reihe der mannigfaltigen Gewächſe, welche der Acker erzeugt, deren Aufzählung ermüden würde. Zer⸗ ſtreut zwiſchen den Aeckern liegen junge Pflanzungen von Cedern, Tannen, Larchen, Wachholder, Bambusrohr, wodurch das ganze Land das Ausſehen einer Baumſchule hat. Die Japaneſen ſind ausgezeichnete Forſtmänner und düngen, lichten und beſchneiden ihre Baumpflanzungen mit derſelben Sorgfalt, welche ſie auf die Getreidefelder verwenden. Die Bambusſchonungen machen einen ungemein zierlichen Eindruck, den jungen Arecapalmen gleich haben ſie keine Zweige, ſondern nur einzelſtehende, glatte Stämme, mit einem Büſchel der zarteſten federartigen Blätter an der Spitze. Die charakteriſtiſche Sauberkeit der Japaneſen, ihr Fleiß und Ordnungsſinn machen ſich auf jedem Schritt dem Reiſenden be⸗ merkbar. Die Baumhecken ſind ohne Ausnahme geſchoren, die Wege gut und reinlich unterhalten, und die Wohnungen der länd⸗ lichen Bewohner die Sauberkeit ſelbſt. Die Gegend um Jeddo iſt ſehr hügelig, was die Schönheit der Scenerle noch ungemein erhöht. In der That, wenn man die reiche und mannigfaltige Färbung der verſchiedenen Fruchtfelder und dazwiſchen wieder die dunkeln Maſſen der Gehölze überblickt, ſo gibt das ein Geſammt⸗ bild, das mit ſeiner Miſchung von hellen Lichtern und tiefen Schattentönen alle Landſchaften der Welt an maleriſcher Wir⸗ kung übertrifft.(2) Meilenweit, wohin dein Roß dich trägt, kannſt du durch ſolche Gegenden reiten; über dem ſchmalen Wege wölben
die Kronen der Bäume ſich zuſammen und geben deinem Pferde
Schatten und Kühlung. Wären nicht die Abhänge dir zur Seite mit üppigen Schlingpflanzen und wildwuchernden Blumen be⸗ wachſen, fiele dein Blick nicht ſtets auf die faſt nackten Geſtalten der Eingebornen, du würdeſt dich bisweilen auf die grünen Trif⸗ ten und Hohlwege Alt⸗Englands verſetzt glauben(oder vielleicht noch mehr auf die weit ſchöneren Deutſchlands, welches blühendere Triften und romantiſchere alte Hohlwege hat).
Das Volk, das heißt die niederen Stände haben mir ſehr wohl gefallen. Es ſind gutmüthige, freundliche Leute, höflich in ihrem Benehmen. Sie haben nicht den lächerlichen Dünkel, der in China ein ſo böſes Hinderniß für jeden Fortſchritt iſt, ſondern ſind im Gegentheil höchſt wißbegieriger Natur, ſtets bemüht, ſich Belehrung zu verſchaffen, und ſchnell bereit, die Vortheile neuer Erfindungen ſich anzueignen. Wenn du in einen Kaufladen oder auf dem Lande in ein Bauernhaus eintrittſt, ſo wirſt du unabän⸗ derlich zuerſt zum Sitzen genöthigt und mit Thee regalirt. Dann aber wird deine Perſon einem ſyſtematiſchen bis in's Kleinſte ge⸗ henden Examen unterworfen. Man nimmt dir die Brille ab, falls du eine ſolche trägſt, fragt nach deinem Namen, ſchreibt ihn auf, nimmt deine Stiefeln, Handſchuhe, Hut in Augenſchein, un⸗ terſucht, aus welchem Stoff deine Kleider gemacht ſind, und kann nicht müde werden, dich zu betrachten. Schickſt du irgend einen Gegenſtand europäiſcher Fabrikation einem japaneſiſchen Hand⸗ werker zur Reparatur, ſo kannſt du ſicher ſein, daß er ſich eine Copie davon macht, oder gar dir eine Copie zurückſendet und das Original behält. Der Japaneſe iſt im Stande, einen Colt'ſchen Revolver oder ein Cubb'ſches Schloß nachzumachen, ſo daß du die Copie vom Original nicht unterſcheiden kannſt.
Auch die Frauen nehmen in Japan eine weit höhere Stel⸗


