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216 Uovellen-Zeitung.
Kaum hielt der Wagen, da ſprang Janka aus dem Hauſe, küßte mich und meine Frau und zog uns in der
[VIII. Jahrg.
Inſel Osnabruck gegen O. N. O. von uns. Da das Wetter trüb und ſtürmiſch war, zogen wir alle Segel ein,
herzlichſten Freude in ihr Haus, um uns Alles, Alles zu V um während der Nacht, oder wenigſtens bis die Nebel
erzählen.
Wir blieben den ganzen Tag bei den guten Leuten und verlebten einen herrlichen Nachmittag, an welchem die alten Erinnerungen vorgekramt und erzählt wurden.
Des Abeuds gingen wir zur Ruine, und mit ſchwerem Herzen trennte ich mich von der guten Janka, deren Ge⸗ ſchick zum Lohn für ihre herrliche Seele ein glückliches ge⸗ worden war.
Die erſten Abenteuer auf Otaheiti.
Die berühmteſten und bekannteſten Weltfahrer haben uns in neuerer Zeit von jener ſchönen Inſel mit ihrer übrigen Inſelgruppe wiederholt intereſſante Bilder gege⸗ ben. Auch iſt allgemein bekannt, wie eine europäiſche Großmacht geſchickt manövrirt, jenen fruchtbaren Archipel in ihre Hände zu bringen. Auffallend ſind aber die Ver⸗ änderungen und ſittlichen Verſchlimmerungen, welche ſich durch die Gifte europäiſcher Cultur der dortigen Urein⸗ wohner nach und nach bemächtigt haben. Man kann es nur mit Staunen empfinden, wenn man auf die ſpan⸗ nende Darſtellung zurückgeht, welche der engliſche Capitain Wallis von ſeiner Entdeckung Otaheiti's und ſeinen Aben⸗ teuern gab.
Wir hatten auf unſerem Wege, erzählt der glückliche Weltfahrer, mehrere Inſeln entdeckt, als wir am 18. Juni 1767 um zwei Uhr Nachmittags gegen W. S. W. ſehr hohes Land bemerkten. Gegen ſieben Uhr Abends lag die
zerſtreut ſein würden, bloß zu treiben. Am 19. um zwei Uhr Morgens war der Himmel hell, und wir ſpauuten von Neuem die Segel. Gegen Anbruch des Tages ſahen wir das Land ungefähr in einer Entfernung von fünf Meilen und ſteuerten gerade darauf zu. Um acht Uhr, da wir ſchon ganz nahe waren, zwang uns ein dichter Ne⸗ bel, das Schiff anzuhalten, und als das Wetter ſich auf⸗ heiterte, waren wir nicht wenig überraſcht, uns von einigen hundert Piroguen umigeben zu ſehen, die von verſchiedener Größe und mit mehr oder weniger Menſchen, der Zahl nach von einem bis zehn Köpfen beſetzt waren, ſo zwar, daß wir nicht weniger als achthundert Indianer verſammelt ſahen. Als ſie ungefähr noch einen Piſtolenſchuß weit von unſerm Schiffe entfernt waren, hielten ſie ihre Kähne an, betrachteten uns mit großem Erſtaunen und beſprachen ſich allmählich unter einander. Wir zeigten ihnen allerlei Kleinigkeiten und luden ſie durch Zeichen ein, an Bord zu kommen. Sie zogen ſich Alle zurück und hielten eine Art Rath, was ſie thun ſollten. Dann nahten ſie wieder, zo⸗ gen im Kreiſe um das Schiff herum und machten uns Freundſchaftsbezeigungen. Ciner aus ihnen, mit einem Patanenzweige in der Hand, hielt eine Aurede an uns, die über eine Viertelſtunde dauerte, und warf darauf den Zweig in das Meer. Bald darauf, da wir nänlich fort⸗ fuhren, ſie durch Zeichen einzuladen, wagte es ein junger Mann in das Schiff zu kommen. Er kletterte über die Rüſten des Beſanmaſtes und ſchwang ſich an den Seiten in das Innere des Schiffes. Wir ermunterten ihn durch Zeichen, auf das Verdeck zu kommen, und boten ihm allerlei kleine Waaren an. Es ſchien uns, daß er ſie mit Ver⸗ gnügen betrachte; er wollte aber nichts annehmen, bis einige Indianer herangekommen waren und nach wieder⸗ holten langen Reden einen Patanenzweig in das Schiff
Jagdplätzen hinein ſchleudern. Reißt hierbei das Tau, oder bricht ein Stein aus, ſo iſt der Vogler unrettbar verloren.
Grauſam, wie in vielen Dingen, ſind die Spanier beim
Vogelfang. Sie fangen die friedlichen Schwalben mit Angeln,
überſpannen ganze Rohrteiche mit Netzen, treten die überraſchten
Vögel zu Hunderten in den Schlamm, um ſie am andern Mor⸗ gen heraus zu klauben. Aehnlich verfahren die Italiener, welche den durchziehenden Vögeln Tauſende von Netzen ausſpannen und am Lago maggiore allein jährlich 60,000 Sänger fangen, um ſie auf den Märkten zu Bergamo, Verona, Brescia und Chiavenna zu verkaufen.
Aus der Gegenwart. Ein Beſuch bei einer indiſchen Fürſtin.
Die Höfe und das Leben der indiſchen Fürſtinnen ſind in von der Größe von Erbſen. Europa ſo wenig bekannt, daß die Nachricht von einem Beſuch
bei einer ſolchen, welche eine engliſche Dame mittheilt, gewiß In⸗ tereſſe hat. Sie hatte eine Einladung von der Rani von Bhuj
erhalten und war ſehr erfreut, das Innere eines indiſchen Hofes
zu ſehen zu bekommen; Mrs. Jervis, die Frau des dortigen Ka⸗
plans, begleitete ſie ſehr freundlich als Dolmetſcherin. Der Rao oder Fürſt ſandte ihr ſeinen Wagen, einen engliſchen Brougham, mit einer Escorte zu Fuß und zu Pferd. Der Hof des Palaſtes, eines großen, netten Gebäudes, war mit Menſchen dicht angefüllt, und ein Muſikcorps begann zu ſpielen, als ſie die ſteinerne Treppe, welche zu den Gemächern der Frauen führte, hinaufſtiegen. Sie ſah ſechs Ranis und die Frau des älteſten Sohnes des war ſehr begierig zu erfahren,
(Rao. Die Damen empfingen ſie im Durbar; ſie ſaßen auf Stüh⸗ len in einer Reihe, umgeben von ihren Dienerinnen und Muſikan⸗ ten. Sie erhoben ſich bei ihrem Eintritt und reichten ihr die
Hände. Es waren Seſſel für ſie ihnen gegenüber aufgeſtellt.
Die älteſte Dame führte die Unterhaltung, die übrigen ſaßen
ſchweigend da. Die Engländerin ſah nie in ihrem Leben eine ſolche Verſchwendung von Juwelen. Die Stirn jeder war durch
einen runden Schmuck von koſtbaren Steinen wie verdeckt; die
Augenlider ſelbſt mit Diamanten befranſet, und die Naſen hatten ſo große und ſchwere Juwelen zur Verzierung, daß die Naſenlö⸗ cher ganz auseinander getrieben waren. Nacken und Buſen be⸗ deckten mehrere Halsbänder von maſſivem Gold und andere aus Perlenſchnüren, während maſſive Armbänder, von Rubinen und
Smaragden blinkend, den Arm vom Ellenbogen bis zum Hand⸗
V gelenk umgaben. Ein Armband fiel ihr beſonders auf; es beſtand aus einem dicken, ſchweren Goldreif mit wohl dreißig Smaragden
An jedem Beine trugen ſie drei bis
vier Ketten und Beinringe von verſchiedenen Muſtern, und jede
Zehe war wie mit emaillirten Blättern bedeckt. Die Rani, welche
die Unterhaltung führte, ſchien eine ungewöhnlich intelligente Frau
zu ſein. Sie war über Alles, was die Königsfamilien in Europa betraf, wohl unterrichtet und vernahm mit Intereſſe die Antwor⸗ ten auf ihre verſchiedenen Fragen. Mrs. Jervis erwähnte, daß
Mrs. Duberly die engliſche Frau ſei, von der die Rani vernom⸗
men, daß ſie den Krimfeldzug mitgemacht habe, und ihre Fragen
zeigten, daß ſie mit den Hauptbegebenheiten des Krimfeldzuges wohl bekannt war. Sie verdankte ihre Kenntniß davon einer perſiſchen Zeitung, welche ſie wöchentlich ein Mal bekommt. Sie
f ob die engliſchen Soldaten eine


