Jahrgang 
01-14 (1862)
Seite
214
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Uovellen-Zeitung.

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helfen. Zu jener Zeit lag ich im Quartier beim alten Wrtba und Janka, lebt ſie noch? oder

Nun wußte er Alles, vor freudiger Ueberraſchung ſchrie er laut auf, indem er mich bei beiden Händen faßte: Ach Gott, lieber theurer Herr, Sie ſind es wirklich. Nun, Gott ſei Dank, daß ich Sie einmal wiederſehe. Aber ver⸗ zeihen Sie nur, daß ich Sie nicht gleich gekannt habe, aber vie Zeit, nein, die Uniform, der große Bart. Nein, das Glück hätte ich mir nicht träumen laſſen. Ach, wenn doch Janka auch ſo glücklich ſein tönnnte! wie oft hat ſie von Ihnen geſprochen und ſich geſehnt

Was ſagen Sie? Lebt denn Janka noch? und geſprochen hat ſie von mir, wie wäre denn das möglich?

Poſchel mußte ſich erſt ſammeln, ſchaute mich ernſt an, V als verſtände er mich nicht, und fuhr dann, wie ſich beſin nend, fort:Ach, ja ſo! Sie können ja nicht wiſſen; nun freilich lebt ſie noch, friſch und geſund und glücklich, a Herr, ſo glücklich mit ihrem Manne.

Verheirathet? fuhr ich heftig dazwiſchennun wahr⸗ lich, ich hätte nicht geglaubt, daß ich mich ſo in ihr irren konnte, daß auch ſie eins von den leichtſinnigen Geſchöpfen V mit unverwüſtlichem Herzeu und wetterwendiſchem Siun wäre, welche die alte Liebe aufgeben, um einer neuen Platz zu machen, oder aber nein, ſie iſt ja glücklich! ſagten V Sie nicht ſo?

Ja freilich, gewiß! mein Gott, beruhigen Sie ſich doch, Sie irren ſich wie könute Janka ſie iſt ja ihrem gar nicht untreu geworden, er ſelbſt iſt ja eben ihr Mann.

Das war mur denn doch zu arg. Weiß der Himmel, ob Poſchek trunken oder verrückt war, oder ob er mir das ſchlecht erſonnene Märchen unr aufbinden wollte, um mich zu beſchwichtigen. wiſſen.

Weiß ich nicht aus Ihrem eigenen chael todt iſt?

erwiderte er ängſtlich,aber es iſt ja gar nicht

Munde, daß Mi⸗

Poſchek verlegen.

Ganka herbeigerufene

Michael

I aber auch ſchwache Spuren des

Auf der Stelle mußte ich dies des Richter's und Wrtba's Zuſtimmung alle Anſtalten, um

daran dachte ich nicht mehr, antwortete Aber ſein Sie doch nicht böſe, liebſter, Ihnen damals einen Umſtand ver⸗ ſchwiegen habe, der freilich an ſich ſehr weſentlich iſt, ob⸗ gleich er damals nicht wichtig ſchien, wo Michael anſchei⸗ neud ſo gut wie todt war. Aber ich hatte dem Arzt und

Ach ja 7

beſter Herr, daß ich

dem alten Wrtba das unverbrüchlichſte Stillſchweigen gelo⸗

ben müſſen, da außerdem ihr Plan, von dem ich der ein⸗ zige Mitwiſſer war, ſehr leicht hätte ſcheitern können. Nach und nach fing ich an zu begreifen, mein Erſtau⸗ nen und meine Aufregung war jedoch ſo groß, die ganze Geſchichte mir ſo dunkel, daß ich vor Begierde brannte, vollſtändigen Aufſchluß zu erhalten. Deßhalb bat ich den Schulmeiſter um eine umſtändliche Erzählung, und er war ſehr bereitwillig dazu. Vorher aber ſuchte ich meine Ge fährten auf, ſagte ihnen, daß ich einen alten Bekannten getroffen hätte, der mir Einiges in ſeinen Angelegenheiten mitzutheilen wünſche, um meinen Rath zu hören, und bat ſie, im nahen Wirthshauſe zu warten, wo ich ſpäteſtens in einer halben Stunde eintreffen würde. Dann kehrte ich zu Poſchek zurück, wir ſuchten uns ein bequemes und heimliches Plätzchen aus, und er begann zu erzählen: Der zerſchmetterte Körper Michael's war, nachdem er von der Ruine herabgebracht worden war, in ein Sei⸗ tengemach in Wrtba's Hauſe gelegt worden. Der für Arzt hatte, nachdem er dieſer die uöthige Hülfe geleiſtet, ſeiner Pflicht gemäß die vermeint⸗ liche Leiche geuauer beſichtigt und nach ſorgfältiger Unter⸗ ſuchung zwar mannigfache, ſchwere Verletzungen, zugleich Lebens entdeckt. Obſchon faſt nichts hoffend, wandte er doch Alles an, was für den und hatte die Freude, ſeiue Be⸗

Augenblick möglich war, Höchſt beſonnen, traf er mit

mühungen belohnt zu ſehen.

nicht geſichert war,

das Leben Michael's, ſo lange es noch Aufregung oder Er⸗

durchaus zu verheimlichen, damit jede

nach dem andern geht zur Ruhe; am längſten bleibt die Nachti⸗ gall wach, die am Morgen die erſte Sängerin war, und noch lange, wenn die Sonne ſchon geſunten iſt, klingen ihre riefen Klagetöne einzeln, abgebrochen durch die Tannen und gehen nicht jelten in ein haßliches, dämoniſches Krachzen und Kreiſchen über, dem etwa ein verlorner, verſpateter Kuckuksruf oder Rohrvogel⸗ ſchlag noch allein zu antworten ſcheint, bis fern in den Felſen⸗ ſchluchten oder in den Finſterniſſen des alten unbetretenen Hoch⸗ waldes eine alte Ohreule ihrpur! anſtimmt, dem mit iyrem hoho und allen jauchzenden, lachenden, wimmernden, ſchnar⸗ renden, ſpottenden Tönen die benachbarten Eulen und Kauze in ergreifendem, hölliſchem Chorus antworten.

Wie angenehm iſt es, in der erſten Morgenfrühe in den Wald zu gehen, wenn Thyauperlen an den Gräaſern hängen und blitzen, wenn Nebelduft noch über den Wipfeln lagert und an⸗ fängt zu wallen und zu wogen, wenn märchenhaftes Halbdunkel unter den Bäumen lagert, im leiſen Morgenwinde die Blätter flüſtern, bis Vogelſtimmen erwachen, Licht ſich um die Wipfel und hinab um die Baumſtämme ergießt, und der Wald endlich friſch und ſchmuck daſteht, als ſei er eben erſt aus Gottes Hand hervorgegangen! Da ſtreift der Jäger vorſichtig durch die Wald⸗ gänge, ſeine Schußzbefohlenen zu beobachten, den Wildſtand zu erforſchen und Verbrecher aufzuſpüren. Im Frühlinge freut er ſich des friſchen Laubes, der blühenden Sträucher, der blumigen Wieſen; uberall umringt ihn verjungtes Leben. Am Sommer⸗ rage prangt der Wald in der Fuülle ſeiner Lebenskraft; Sonnen⸗ ſtrahlen ſchlupfen durch die luftigen Zweige und ſpielen tandelnd mit den Blumen am Boden; ein weicher blauer Duft webt um die fernen Waldhöhen und Waldtiefen, und im Herbſt ſchmückt

ſich der Wald mit bunten Blättern. Schon raſchelt der Fuß durch abgefallenes Laub, ein froſtiger Luftzug ſtreicht unter den Bäumen hin, der Wald iſt ſtill, denn die Sänger ſind ausgewan⸗ dert, und nur mitunter tönt der Schrei eines Raben oder Hähers hohl durch die ſtummen Baumhallen, bis endlich der kalte Decem⸗ berwind die Bäume entblättert, ſein Schneeruch über den Boden legt, kläglich die Meiſe piept, das Wild ſcheu über den Schnee hüpft, wohl wiſſend, daß dieſer dem Jäger ſeine Spuren verräth. Wenn der Jäger in unſern Waldern als Naturfreund die wunderbare Schöpfung ehrt und pflegt, ſo gibt es im hohen Norden freilich auch arme Küſten und Inſelklippen, deren Be⸗ wohner unter Lebensgefahren Jagd auf Vögel und Eier machen. Es geſchieht dies auf den ſogenannten Vogelbergen an den Kü⸗ ſten Norwegens, der Farber und Islands, wo zahlloſe Millionen von Seevögeln ihre Brütezeit abhalten, Cier und Junge zu Hunderttauſenden geraubt und dafür noch Steuern und Pacht⸗ zinſe gezahlt werden. Dieſe Vogelfänger ſind die Gemſenjäger des Nordens, denn ſie haben eben ſo ſchauerliche Gefahren zu beſtehen und ſterben ſelten eines natürlichen Todes. Es erbt ſich dieſes verderbliche Geſchäft in gewiſſen Familien fort, und da es ſo gefahrvoll iſt, empfiehlt der Vogelfanger, wenn er auf den Fang ausgeht, ſeine Seele Gott. Zur Brutzeit wimmelt es von Alken, Möven, Lummen und andern Seevögeln, welche in Ritzen, Spalten, auf Felſen⸗ geſimſen und Abſätzen aller Art ihre kunſtloſen Neſter anlegen und

ſie mit Eiern füllen, von denen die Bewohner der Farber den ganzen Mai hindurch leben, indem ſie nebenbei die geſange dis rei bie

Jungen friſch oder eingeſalzen und getrocknet genießen. dier verwegene Männer beſteigen zur Jagdzeit ein Boot und ar⸗

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