Jahrgang 
01-14 (1862)
Seite
211
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er, Paſſer.

fteit.

Almann.

Dritte Folge.

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novellen⸗Zeitung.

Die Stumme von Kloppay.

(Schluß.)

Die wenigen Tage, welche uns noch vergönnt waren in Kloppay zu verleben, widmete ich der armen Janka, und

ſie war ſichtlich erheitert und beglückt dadurch. Dann und

waun ging ich allein oder mit Adolph auf die Jagd, haupt⸗ ſächlich weil ich das Bedürfniß der Bewegung fühlte, die Jagd ſelbſt machte mir weniger Vergnügen und zwar ſon⸗ derbarer Weiſe wegen des allzugroßen Ueberfluſſes an Wild, denn die Gegend rings herum wimmelte buchſtäb⸗ lich dergeſtalt von Haſen, daß man oft auf einer Strecke von hundert Schritten vier bis fünf Stück aufſcheuchte, und aus den Geſträuchen am Ufer des kleinen Fluſſes erhoben ſich auf einer gleichen Fläche zuweilen mehr als ein Dutzend Faſanen.

Der Hauptreiz der Jagd aber beſteht hauptſächlich in der Mühe und Anſtrengung, und wo dieſe ſo gänzlich fehlt, wo man faſt nichts zu thun hat, als zu laden und leszudrücken, und dabei faſt nicht vom Fleck geht, da be⸗ kömmt man es bald ſatt, denn es wird einförmig. Dieſer Ueberfluß an Wild erſtreckte ſich ſogar bis auf unſern Tiſch, denn Haſen und Faſanen waren das tägliche Brod, ſo daß wir am Ende einen Hammel⸗ oder Kalbsbraten als einen wahren Leckerbiſſen betrachteten, und ſobald Janka dies bemerkte, bekamen wir deren öfters, mochte die Mut⸗ ter auch ſagen, was ſie wollte.

Endlich erſchien der beſtimmte Befehl zum morgenden Abmarſch. Ich hatte gefürchtet, daß dieſer auf Janka einen traurigen Eindruck machen würde, und ſchon ſeit mehreren Tagen mich um die Zukunft des armen Mäd⸗ chens geängſtet. War es nicht natürlich, daß ſie ſich dop⸗ pelt unglücklich fühlen mußte, wenn ſie den Vertrauten ihrer Leiden, den theilnehmenden Freund wieder verlor, nachdem ſie erſt den tröſtenden, beruhigenden Einfluß deſ⸗ ſelben kennen gelernt hatte, nachdem er ihr erſt zum Be⸗ dürfniß geworden war?

Faſt war ich der Meinung, daß es beſſer für ſie gewe⸗ ſen wäre, wenn ſie mich gar nicht kennen gelernt hätte, und dieſer Gedanke machte mich verſtimmt und traurig. Und dennoch verletzte es mich empfindlich, als ich wahrneh⸗ men mußte, daß die Nachricht von der morgenden Tren⸗

nung nicht den mindeſten unangenehmen Eindruck auf ſie

zu machen ſchien und ſie freundlich und heiter nach wie vor blieb. So iſt der ſchwache Menſch, voll Widerſprüche! Statt daß ich mich hätte freuen ſollen über den Gleich⸗ muth Janka's, der ja dem Mädchen nur zur Erleichterung

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gereichen konnte, fühlte ich mich eigenliebig gekränkt durch die Leichtigkeit ihres Scheidens von mir; ich hatte mir vor⸗ genomrnen, ihr den Abend noch manches Beruhigende und Tröſtende ans Herz zu legen, uud jetzt erſchien dies als voll⸗ kommen überflüſſig. Dies ärgerte mich, und ich ſchied mit einem einfachen, kaum freundlichenGute Nacht von ihr.

Die Trompeten ſchmetterten zum Ausrücken, die Pferde ſtanden geſattelt vor der Thür, der Abſchied von dem alten Wrtba war herzlich und ſogar bewegt, der von ſeinem Weibe freundlich, nur Janla fehlte, und ich ging hinaus, faſt ſchon darauf gefaßt, ſie nicht mehr zu ſehen; da ſtand ſie auf dem Hausflur, trat mir zwei Schritte entgegen, faßte meine beiden Hände, indem ſie mir in eine derſelben ein zuſammengefaltetes Papier drückte, ſah mich mit einem ſelt⸗ ſam erregten und glänzenden Blick an, bewegte die Lippen, als wollte ſie ſprechen, und preßte meine Hände feſt an ihr Herz. Wunderbar ergriffen drückte ich einen Kuß auf ihre ſchöne Stirn, blickte ſie noch einmal an, ſie lächelte wie verklärt, ich wandte mich raſch, denn ich ſchämte mich meiner ſchwachen Augen, ſtürzte zur Thür hinaus, ſchwang mich in den Sattel und galoppirte davon.

Auf dem Sammelplatz trat Poſchek an mich heran, um mit naſſen Augen von mir Abſchied zu nehuien. Der gute Mann war äußerſt bewegt und ergoß ſich in einen Strom von Dankworten für meine troſtreiche Freundſchaft zu ſeiner geliebten Janka. Der Abſchied von dem biedern ehrlichen Schulmeiſter ward mir nach dem von Janka am ſchwerſten. Eben erſcholl das Commando des Rittmei⸗ ſters, wir ſchwenkten ab und ſetzten uns in Marſch. Der alte Wrtba und ſeine Tochter ſtauden am Hofthor und winkten mir freundlich das letzte Lebewohl zu, ich ſchwenkte den Säbel grüßend zu ihnen hinüber, und die nächſte Wendung entzeg mir die liebliche Erſcheinung vielleicht für immer.

Noch nicht weit waren wir gezogen, als ſich mir mein Rittmeiſter näherte und mich freundlich neckend fragte: Nun, mein kecker Paladin, die Hand aufs Herz! wie ſteht's dort?

Gut, wahrlich gut, antwortete ich zuverſichtlich, indem ich meine Hand verſichernd auf die Bruſt legte.

Das iſt brav, entgegnete er heiter, mich auf die Schulter klopfend,und es freut mich doppelt, denn nun darf ich hoffen, daß Sie auch den Feind in Ihrem Kopfe überwinden werden, da Sie den in Ihrer Bruſt ſo wacker beſiegten.

Das Papier, welches mir Janka beim Abſchied in die Hand gedrückt, zerſtreute vollends jede Beſorgniß, die ich noch um fie hegte. Sie verſicherte mir darin mit der rührendſten Liebe, daß eine Trennung von mir für ſie gar