Jahrgang 
01-14 (1862)
Seite
210
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Uovellen-Zeitung.

Dr. Julius Altmann.

Lieder der Liebe.

Am Waſſer Ben Afi's da hat ſie getränkt Mich, als ich zum Brunnen die Schritte gelenkt.

Sie gab mir des Waſſers ſo viel faßt ein Krug, Drei Züge nur that ich, da war es genug.

O Wabra, dir mag der Prophet es verzeih'n, Daß gleich du auch zogeſt die Steuer dir ein.

Du gabſt mir nur Waſſer, ich mußte gemuth. Mein Herz dir geben, gefüllet mit Blut.

Sie zog in ihrer Sänfte hin Und nickte mir trüblächelnd zu. Ach, jener ſtumme Abſchiedsgruß, Er nahm für immer meine Ruh'.

In dem blüh'nden Erakthale Spät nach Sonnenuntergange Einer ſchönen Liebesbeute Harret ich, nicht harrt' ich lange.

Kam ſie leis hervor aus Zweigen, Die ſanft auf ſie niederfallen, Tauſend Erakblüthen wollten Liebeſäuſelnd ſie umwallen.

Fing ich auf in offne Arme

Sie, hob auf mein edles Roß ſie, Griff nicht erſt an Zaum und Zügel, Hielt ſie ſicher und umſchloß ſie.

Wußte ja mein Roß, das kluge, Alle Weg' und alle Stege, Ging mit uns die rechte Fährte, Blieb in richtigem Gehege.

Trug ja ſchon zu meinem Zelte Oftmals uns in frühern Tagen, Trug auch heut' zu meinem Zelt uns Und ſoll uns noch oft hintragen.

Dich Majj hab' ich vor allen Mädchen gern, Du biſt die Dattel Kaſb mit zartem Kern.

Wer einmal deinen ſüßen Kuß ſog ein,

Der ſchmeckt nur Bitterkeit ſelbſt trinkend Wein.

Unter blühendem Chaburbaumes⸗Wipfel

Lag Suleima, gelehnt am Stamm den Rücken. Daß ein Bienlein ſie ſtach, nicht darf ſie klagen, Selbſt eine Blüthe mir ſchien ſie zum Entzücken.

Sie ſagten mir: ſchön iſt zu ruhn Im Palmenſchatten zu Oſcheirun. Ich ſag': ein Eden iſt das Feld

Morait, wo ich kann ſeh'n Meiſun.

Meines Liedes Zungen ſie ſchallen dir! Meines Lobes Düfte ſie wallen dir!

Mein Wunſch und Hoffen biſt du allein Ob Wunſch und Hoffen gefallen dir?

Als Leila in der Reiſeſänfte

Fern zog, ohn daß ſie zeigte Schmerz: Mein ſtolzes Aug' ich zwar bekämpfte, Doch ach, zuſammenbrach mein Herz.

Schön von Anſehn iſt die Aloe,

Aber bitter iſt der Blüthe Schmack.

Schön iſt Leila wie ein Lichtglanztag, Und doch bringt ſie mir ſolch Thränenweh.

Sie umſchatten lockge Talhabäume, Während ich durchziehe ſonnge Räume,

Während Diſteln ritzen mir die Sohlen, Ruhet ſie im Duftthal der Violen,

Ruht im nachtigalldurchſung'nen Thale, Während mich umheulen nur Schakale.

Wenn mir ihres Zeltes Hund doch bellte! Ach, wie ſehn ich mich nach ihrem Zelte!

Meine Seele ſchreit nach Umm El Aſſer, Wie der Hirſch ſchreit nach lebend'gem Waſſer.

Im Lande von Bahrein, Wo glänzet Perl' an Perle, Wie ſollt' Umama ſein Nicht ſelber eine Perle!

Leichtfüßig iſt Esma die Schlanke

Wie eine Straußin im Felde Morait;

Sie ſcheinet mir faſt ein Gedanke,

Von des Körpers feſſelnden Banden befreit.

Die Roſ', als deines Mundes Anhauch ſie kaum geſpürt, Sprach: o wer hat zum Garten Mich hold zurückgeführt?

Spiegelbilder der Sahara. Eine Sammlung arabiſcher Volkslieder, Zum erſten Male ins Deutſche übertragen von Dr. Julius Altmann.

Zweite Auflage derWüſtenharfe.

Leipzig, Verlag von Guſtav Oehme. 1861. *