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bald das ganze uns aus früheren Vorgängen wohl bekannte vierte franzöſiſche Huſarenregiment. Es waren fröhliche Geſellen, die größtentheils aus ehemaligen Landsleuten des Elſaß beſtanden. Eine ſchwere Reitercolonne wurde in einer Vertiefung des Weges ſichtbar, während das aus hochaufwirbelnden Staubwolken in der Ferne zunehmende Getöſe das Herannahen der Artillerie verkündigte und das Aufleuchten von Bajonnetten auf anrückende Infanterieco⸗ lonnen ſchließen ließ.
Da ich an dieſem Tage mit dreißig Pferden die Spitze der Avantgarde bildete, erhielt ich, nachdem ich von dem, was ich geſehen, Meldung hatte machen laſſen, den Befehl, meine Leute zum Flankiren ſich ausbreiten zu laſſen. Dies geſchah in gewohnter Ordnung, aber eben nur in Beobach⸗ tung einer Form, die nach wenigen Minuten ſich zwecklos erwies, weil ſich rechts und links aus den Gräben neben dem Wege, hinter Hecken und zwiſchen den nahen Wein⸗ geländen, Wolken jeuer behenden Voltigeurs erhoben, die, wenn ſie eben ſo gute Schützen als Springer geweſen wä⸗ ren, keinen von uns dreißig hätten auf den Pferden laſſen müſſen. Aber wir kamen trotzdem, daß uns die Kugeln wie Hagelkörner um die Köpfe pfiffen, ſo ziemlich mit blauem Auge davon. Denn als wir auf das zum Ein⸗ rücken ins Regiment gegebene Signal zurückſprengten, fehlten außer einem Manne nur zwei Pferde, deren breite Seiten den Schützen ein beſſeres Ziel abgegeben hatten, als die durch den gewickelten Mantel ſo ziemlich gegen Flintenkugeln aus der Ferne geſchützte Bruſt.
Es wurde uun Befehl zum Formiren„mit Escadrons in Colonne“ ertheilt, welche unter Voranſenden einer Flankeurlinie raſch dem Feinde entgegentrabte. Lord Fre⸗ deric Bentink, Bruder des Oberbefehlshabers, unſer ſtets kampfluſtiger Brigadecommandeur, folgte an der Spitze der vom Rittmeiſter von Wulffen befehligten Escadron, welche die Tote der Colonne bildete. Einige Escadrons des Fein⸗
Geſchrei„en avant!“ unſere antrabenden Schwadronen. Dieſe aber empfingen ruhig die in gänzlicher Auflöſung heranjagenden Feinde und trieben ſie zu wiederholten Ma⸗ len mit glänzendem Erfolg zurück, worauf Lord Frederic den Rittmeiſter von Wulffen beorderte, ſich auf die in ge⸗ ringer Eutferuung aufgeſtellte Escadron des Rittmeiſters von Erichſen zurückzuziehen, während er den Befehl zum Vorrücken der ganzen Brigade ertheilte.
Indeſſen war den beiden erſten feindlichen Escadrons eine dritte zu Hülfe geeilt. Rittmeiſter von Erichſen machte aber in dem Augenblick, als ſich jene in Schlachtordnung formiren wollte, einen ſo heftigen Choc auf die im Auf⸗ reiten begriffenen vierten franzöſiſchen Huſaren, daß das ganze Regimeut nach kurzem Kampfe in vollſtändiger Auf⸗ löſung in das Hölzchen zu unſerer Linken zurückgejagt wurde, aus dem es ſo zuverſichtlich unter lautem Hurrah auf die Heerſtraße debouchirt war. Zwei Officiere, zwei Wachtmeiſter und zwanzig Mann wurden dabei dem Feinde getödtet; ein Officier, 30 Mann und eben ſo viele Pferde wurden in dieſem kurzen, aber wundervoll ſchönen Gefecht zu Gefangenen gemacht. Außerdem wurden in den beiden Chocs durch die Kraft unſerer jungen iriſchen Pferde, die zum Theil der dauerhaften Race der hunter— Jagd⸗ pferde— angehörten, ein großer Theil der feindlichen Rei⸗ ter geradezu von ihren magern Rößlein heruntergeritten. Dieſe nahmen ihre Zuflucht ſogleich in die nahen Weinfelder, welche zu beiden Seiten die breite Straße begrenzten, um ein wohlgerichtetes Feuer aus ihren am Bandelier hän⸗ genden Carabinern auf uns zu eröffnen, wodurch uns noch einige Leute und Pferde verwundet wurden.
Unter den Heruntergerittenen befand ſich auch der Ge⸗ neral Mesclops, der als ein paſſionirter Reiter den An⸗ griff in Perſon geleitet hatte. Es gelang ihm, ſich wäh⸗ rend der Retirade unter dem Schutze der aufwirbelnden Staubwolken, welche die Wahlſtatt einhüllten, in den
des umringten ſofort en débandade, unter dem lauten
Weinfeldern zu verbergen, ſo daß er der ihm drohenden
daß drei Bären mit großer Schnelligkeit über den gefrornen Ocean in gerader Richtung auf's Schiff zueilten. Ohne Zweifel hatte der Geruch eines Feuers, in welchem eben ein vor einigen Tagen gefangenes thranreiches Seethier verbrannt wurde, ſie
aus weiter Ferne herbeigelockt, da ſie ſogleich über die halbver⸗
kohlten Ueberreſte herfielen und ſie gierig verzehrten. Die Ma⸗ troſen warfen noch einige große Stücke vom übrig gebliebenen Seethierfleiſch auf's Eis, welche die alte Bärin einzeln aufraffte, ihren Jungen zutrug und unter dieſelben vertheilte, nur weniges für ſich behaltend. Wie ſie das letzte Stück wegholte, feuerten die Matroſen auf die Jungen und erſchoſſen ſie beide, auch die Mutter wurde von ihnen ſchwer, aber nicht tödtlich verwundet. Es hätte ſogar einem gefühlloſen Herzen Thränen des Mitleids entlockt, zu ſehen, mit welcher liebevollen Beſorgniß die arme Bärin um die letzten Augenblicke ihrer ſterbenden Jungen bemüht war. Obgleich ſelbſt ſchrecklich verwundet, daß ſie kaum nach dem Platze kriechen konnte, wo ſie lagen, trug ſie ihnen das Stück Fleiſch, welches ſie weggeholt hatte, legte es vor ſie hin, und wie ſie ſah, daß ſie durchaus nicht eſſen wollten, ſuchte ſie mit ihren Pfoten erſt das eine, dann das andere aufzurichten, während der ganzen Zeit auf erbarmungswürdige Weiſe ſtöhnend. Als ſie fand, daß ſie dieſelben noch nicht zum Aufſtehen bewegen konnte, ging ſie fort, blickte dann um ſich und ſtöhnte, und da auch dieſes nichts helfen wollte, kehrte ſie zurück und leckte ihre Wunden. Darauf entfernte ſie ſich zum zweiten Male, und nachdem ſie einige Schritte von ihnen weggekrochen war, blickte ſie wieder um ſich und blieb eine Weile ſtehen. Doch da die Jungen ſich noch immer nicht aufraffen wollten, kehrte ſie noch einmal zurück, kroch mit allen Zeichen einer unausſprechlichen Zärtlichkeit erſt um das eine,
dann um das andere, ſie mit ihren Pfoten ſtreichelnd und kläglich
winſelnd. Als ſie zuletzt fand, daß ſie kalt und leblos waren, richtete ſie ihren Kopf gegen das Schiff und ſtieß ein verzweif⸗ lungsvolles Geheul aus, welches die Mörder mit einer Salve von Musketenkugeln erwiderten. Sie fiel zwiſchen ihre Jungen und ſtarb, deren Wunden leckend. 6.
V Lun
Literatur.
W. Drugulin's Hiſtoriſcher Bilderatlas. Verzeich⸗ niß einer Sammlung von Einzelbättern zur Cultur⸗ und Staa⸗ tengeſchichte vom fünfzehnten bis in das neunzehnte Jahrhundert. Erſter Theil. Vorſtudien. Lieferung I. Leipziger Kunſt⸗Comptoir, W. Drugulin. 1862.. Ueber dieſen höchſt intereſſanten Katalog gibt die Vorrede folgende nähere Verſtändigung. Der Zweck, welchen der Her⸗ ausgeber bei Anlegung der hier vorgeführten Sammlung im Auge hatte, war der, ein Geſammtbild der öffentlichen wie der ver⸗ trauten Geſchichte der Völker und Staaten während der letzten vier Jahrhunderte, mittelſt Darſtellungen von Künſtlern der be⸗ treffenden Perioden, zu erlangen. 1 Dieſe Geſchichte läßt ſich naturgemäß in zwei Abtheilungen ſcheiden, von denen jede die andere ergänzt.— Die eine umfaßt die Memoiren der Namenloſen, d. h. das Leben der Maſſen, wie es ſich in den Schilderungen der Künſtler abſpiegelt. Hierher ge⸗ hören die Darſtellungen der Erde und ihre einzelnen Theile, als der Bühne, worauf ſich das Drama der Geſchichte entwickelt;— des Coſtüms der verſchiedenen Epochen;— Bilder geſellſchaftli⸗
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