Jahrgang 
01-14 (1862)
Seite
202
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Legion hocherfreut einen Duro für einen friſchen Trunk hinreichte.

Erſt am 2. Auguſt war das Regiment ſo glücklich, eine Art von Obdach in dem einige Stuuden von Tarra⸗ gona entfernten Dorfe Cauonja zu finden, welches wäh⸗ rend der erſten Belagerung der Feſtung durch die Franzo⸗ ſeu faſt gäuzlich verwüſtet war. Die Pferde wurden in den ausgebrannten Wohnräumen untergebracht, während ſich die Mannſchaft auf den Dreſchtennen ſo gut als mög lich einrichtete. Sie wimmelten jedoch dermaßen ven jedem erdenklichen Ungeziefer, daß ſie aufgegeben werden mußten, und wir lagerten uns wie früher unter dem großen Him⸗ melszelt. Das Hauptquartier befand ſich in Conſtanti, wo noch einige ziemlich erhaltene Wohnungen, die dem Marſchall Suchet während der Belagerung zur Reſidenz gedient hatten, ein erträgliches Logis für die Generalität gewährten, da ſie rühmlicherweiſe in ihren Anforderungen ſtets ſehr beſcheiden war und wenig vor den Soldaten voraus haben wollte.

Die mittlerweile von Lord William Bentink zur Be⸗ lagerung von Tarragona getroffenen Anordnungen brach⸗ ten Canonja in die Circumvallationslinie, und die Caval⸗ leriebrigade mußte deßhalb ein Bivouak nördlich von Tar⸗ ragona, bei dem Dorfe Ballareſus, beziehen.

Es war dies eine liebliche, von Kaſtanien, Maulbeer⸗ bäumen und Korkeichen umgebene Anhöhe, an deren Fuß ſich der machtige Aquaduct hinzog, der auf zahlloſen hohen Bogen faſt zwei Stunden Weges längs der Feſtung das Waſſer vom Kloſter Olivo zuführte.

Das Erſte, was man hei einer Belagerung verſucht, iſt, dem Feinde das nöthigſte aller Bedürfniſſe, das Waſſer, abzuſchneiden. So geſchah es denn auch hier. Die pracht⸗ volle, in ihren Aufängen noch aus der Romerzeit herrüh⸗ renden Waſſerleitung wurde durchbrochen, und das kalte, kryſtaulhelle Waſſer ſtrömte nun ohne Hinderniß ins Thal zu unſern Füßen.

Uovellen-Zeitung.

Anfänglich gab es recht ergötzliche Scenen, wenn einige Franzoſen, der britiſchen Großmuth vertrauend und ohne Waffen, in höflicher Weiſe um Erlaubniß baten, ihre Feld⸗ flaſchen füllen zu dürfen. Wenn der dienſtthuende Unter⸗ officier nicht grober, menſchenfeindlicher Natur war, wurde die Erlaubniß zu einem Trunk friſchen Waſſers ſelten ver⸗ agt. erſt einige Tage ſpäter, als die Feinde Bottiche, Faͤſſer und Feldkeſſel zu füllen verſuchten, wurden ſie ab⸗ gewieſen und der Befeyl ertheilt, auch einzelnen Franzoſen kein Trinkwaſſer mehr zu geſtatten. Daraus entſtand nun aber plötzlich, außer der gewöhnlichen, eine doppelt bittere Feindſchaft, indem uns die Herren aus der Feſtung beim Waſſerholen mit ihren Kanonen begrüßten, die, um zum Zweck zu gelaugen, durch einige unſerer in den Belage⸗ rungswerken bereits aufgeführten Geſchütze zum Schwei⸗ gen gebracht werden mußten, bis zuletzt, um die das Be⸗ lagerungscorps ſtets alarmirende Kanonade zu vermeiden, der Aquaduct an dieſer Stelle vermauert und tiefer im Thale, wo die feindlichen Kugeln die Waſſerholer nicht erreichen konnten, durchbrochen wurde. Was dem General Sir John Murray zu Anfang des Jahres trotz günſtiger Umſtände wegen ſeines Zauderus nicht gelungen war, mit der Eroberung von Tarragona Catalonien zum größten Theile vom Feinde zu ſäubern, ſollte auch der unternehmende Lord William Bentiak nicht vollhringen! Napoleon hatte nach der Schlacht von Bautzen an ſeine Marſchälle in Spauien den Befehl er⸗ theilt, alle einigermaßen entbehrliche Truppen in Eilmär⸗ ſchen zur großen Armee nach Deutſchland zu ſchicken. Zu dieſem Zwecke ſammelte Suchet ſeine ganze Macht in Ca⸗ talonien, um damit die von den Spanieru und Engländern belagerten Feſtungen zu entſetzen, ſämmtliche Truppen zu vereinigen, die Hälfte davon über die Pyrenäen ſeinem Herru zur Hülfe zu entſenden und ſich mit dem Reſte auf die Beſetzung von Barcelona, Lerida und Gerona zu be⸗ ſchränken.

fahren Sitte, daß die Söhne der Fürſten und Edeln nicht in den Krieg gingen oder doch nicht für vollkommene Krieger erkannt wurden, bevor ſie bei einer feierlichen Volksverſammlungi entwe⸗

der von einem Fürſten oder von einem männlichen Anverwandten die Waffen empfangen hatten. Vorher waren ſie nur Mitglieder

ihrer Familie, erſt dann waren ſie Angehörige des Volks und hatten bei den Frauen einigen Werth und Gewicht.

Dem weiblichen Geſchlechte erzeigten die älteſten Männer in allen Stücken ſo viele Hochachtung, daß ſelbſt die cultivirten Griechen und Römer ihr Erſtaunen darüber nicht verbergen konnten, daß die germaniſchen und celtiſchen Völker im Zuſtande der Barbarei dem weiblichen Geſchlecht in ſo hoher Weiſe huldigten und ihnen

Vorrechte gabeu, wie ſie die Griechen und Römer ihren Frauen

niemals zugeſtanden.

Ddite deutſchen Jungfrauen wurden nicht, wie acht⸗ oder neun⸗ jährige Braute des Morgenlandes, als willenloſe Geſchöpfe, als Kinder an Geiſt und Körper und als ein Eigenthum ihrer Väter angeſehen. Sie wurden nicht, wie dieſe, ohne oder wider ihren Willen als Sclavinnen verkauft, wurden nicht von Männern,

welche ſie nie geſehen hatten und die ſie ebenſo wenig lieben, als

von ihnen wieder geliebt werden konnten, eingehandelt und dann

gleich Kindern der Ruthe und Aufſicht elender Haremsdiener

ubergeben. Die Väter unter den Deutſchen und übrigen germa⸗

niſchen Völkern maßten ſich nie eine ſo große Gewalt über ihre Kinder an als die Morgenländer. Die Eltern unter den Erſteren

konnten rathen oder abrathen, konnten ihre von einer unſeligen Leidenſchaft verblendeten Kinder abhalten ſich in ein Verderben

zu ſtürzen; allein ſie konnten weder ihre Söhne noch ihre Töchter

wider ihren Willen zum Heirathen zwingen.

Die Geſchenke, welche der Bräutigam der Braut machte, zeig⸗ ten, daß die junge Frau nicht als eine=clavin, ſondern als eine Gefährrin des Lebens und als eine Genoſſin aller Freuden und Leiden, aber auch aller Gefahren und Arberten in das Haus des Mannes kam. Der Bräutigam ſchenkte im alten Germanien ſeiner Frau nicht koſtbare Kleider und Putzwerk, ſondern kleinere oder größere Heerden, ein aufgezäumtes Roß, etliche zuſammen⸗ geſpannte Ochſen, ein Schild, ein Schwert und eine Lanze. Dieſes waren die Geſchenke, welche er ihr in Gegenwart ihrer An⸗ verwandten gab. Die Braut gab zum Gegengeſchenk ihrem Ver⸗ lobten ebenfalls einige Waffen, und dies hielt ſie für das ſtärkſte Band, für heilige Geheimniſſe, für die Gottheiten der Ehe. Ein Mädchen heirathete damals nicht, um ſich von ihrem Manne bloß ernähren zu laſſen, ſondern um jedes ſeiner Schickſale mit ihm zu theilen, um mit ihm die Süßigkeiten des Friedens und das wilde Getöſe des Treffens in brauſender Schlacht zu theilen. Daher ſchreibt ſich die Sitte, daß im Mittelalter und auch noch ſpäter die Soldatenfrauen mit in den Krieg genommen wurden, während die Franzoſen in Folge der alten galliſchen Sitten dies nicht thaten, denn es war verpönt, daß Officiere beim franzöſiſch en Heere die Damen mit in Garniſon nehmen durften. Die alte deutſche Frau mußte, wenn es erforderlich war, ihr Leben und ihre Freiheit dem geliebten Vaterlande zum Opfer bringen. Auch von ihr forderte man, daß ſie ſich nicht von tapfe⸗ ren Geſinnungen und von dem, was der Krieg mit ſich bringt, losſagte. Hieran erinnerte ſie jene Morgengabe. Dies bezeich⸗ neten die zuſammengejochten Ochſen, das gerüſtete Pferd und die Waffen. Es waren Vorbedeutungen nicht nur auf die angefan⸗ gene Ehe, ſondern auf das ganze künftige Leben.