Jahrgang 
01-14 (1862)
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liche Rede mit ihrer lebhaften Gebehrdenſprache ſo deutlich und bezeichnend, daß ich ſie vollkommen verſtand.

Es begann nun fortan ein recht lebhafter und freund⸗ ſchaftlicher Verkehr zwiſchen mir und Janka. Immer wußten wir uns zu treffen und gewiß nicht etwa verſtoh⸗ len. Janka war ſo arglos und unbefangen, daß es ihr gar nicht in den Sinn kommen konnte, darin irgend Etwas zu finden, und wenn ich auch im Anfange zuweilen beſorgte, der alte Wrtba(die Mutter war durchaus unachtſam auf Alles, was ſie nicht berührte) möchte argwöhniſch auf mich werden, ſo ward ich doch bald beruhigt, deun durch das ſichtlich ſich erheiternde Weſen Janka's ward der gute Poſchek aufmerkſam und kam nach einem Geſpräch mit dem Mädchen voller Freuden zu mir, um mir herzlich für den Troſt zu danken, den ich ihr durch meine theilnehmenden und freundlichen Worte gewähre. Er erzählte mir offen, daß der Alte kopfſchüttelnd mit ihm über meinen Verkehr mit Janka geſprochen, aber ſeine umſtändliche Mitthei⸗ lung des Vorgefallenen und ſeine Bürgſchaft für meine Redlichkeit habe ihn um ſo leichter beruhigt, als Jeuer großes Vertrauen in ſeine Tochter ſetze und überhaupt mit ſeinem redlichen Sinn von Natur nicht mißtrauiſch ſei. So durfte ich denn ohne Scheu und Beſorgniß, den Ruf Janka's zu gefäyrden, mit ihr zuſammen ſein, wo und wenn ich wollte, denn die mit mir Einquartier⸗ ten waren ſämmtlich meine Freunde und Leute von Bil⸗ dung und Zartgefühl, die ſich höchſtens unter vier Augen gegen mich eine gutmüthige Spötterei über den ehrwürdi⸗ gen Tröſter erlaubten, ohne dabei etwas Uebles zu denken.

Ich hatte Jauka um die Erlaubniß gebeten, ſie auf ihren täglichen Gängen nach der Ruine begleiten zu dürfen, und dieſe ohne Bedenlen erhalten.

Der Grund meiner Bitte war hauptſächlich die Be⸗ ſorgniß vor der Rohheit irgend eines meiner Cameraden, denn dieſe iſt ja nicht ausſchließlich in den niederen Stän⸗

Uovellen-Zeitung.

den, ſondern auch wohl hie und va bei Gebildeten zu fin⸗

den, und einige ſolche Exemplare gab es denn leider auch in meinem Detachement. Wie leicht konnte ein roher Menſch die täglichen Gänge Janka's bemerkt haben und darauf einen frivolen Plan bauen!(Schluß folgt.)

Das Neitergefecht bei Villa Bella und der vorangehende Marſch und Bivouak.

Aus den Erinnerungen eines alten Soldaten.

Die Ufer des Ebro hieten, zumal bei ſeiner Mündung, nicht die erfreulich grüne Einrahmung dar, wodurch die meiſten deutſchen Flüſſe einen ſo angenehmen Eindruck machen. Die Umgegend von Ampoſta bis zum Meere hin iſt eine viele Meilen weite Sandwüſte, mit Steinen über⸗ ſäet, zwiſchen denen einzelne dünne Olivenpflanzungen, der Aufenthalt zahlloſer Scorpionen und Moskitos, nur ſehr ſpärlichen Schatten gewähren.

In dieſer wenig erſprießlichen Ebene bivouakirte un⸗ ſere Cavalleriebrigade während des Sommers im Jahre 1813 mehrere Tage in der glühendſten Sonnenhitze, um den Uebergang der Infanterie und Artillerie gegen die Ausfälle des Feindes aus der uahen Feſtung Tortoſa ſicher zu ſtellen. Friſche Lebensmittel konnten nicht geliefert werden, da das Feldcommiſſariat nicht vollſtändig einge⸗ richtet war. Unſere Nahrung beſtand aus altem, ſtein⸗ hartem Schiffszwieback, noch älterem Salzfleiſch und aus Rum aus Jamaika, der allerdings von einer trefflichen Qualität war. Die Hitze hatte gegen Ende Juli eine Höhe erreicht, wie wir ſie bis dahin in Spanien noch nicht gekannt hatten. Waſſer war in der Nähe der Lagerſtätten

Dollars geſetzt, und ſtillſchweigend gewonnen und verloren. Lau⸗ ter gehr's beim Lansquenet(Landstnecht) zu, da immer der Stand des Spieles ausgerufen wird: Quatre piastres à faire, four Dol- lars to make! Die Nichtſpielenden ſtehen in Gruppen und un⸗ terhalten ſich franzöſiſch, wobei Geſticulationen und lebhaftes Mie⸗ nenſpiel nie fehlen; wenige engliſch, andere deutſch oder ſpaniſch. Dazu ſpielt ein altlicher Mann die Violine und accompagnirt ſie mit den furchterlichſten Grimaſſen; während er auf die Noten ſieht, zieht er die Augenbrauen bis an ſeine kurz abgeſchnittenen Haare in die Höhe, ſo daß er die größte Aehnlichkeit mit einem Affen hat. Ein ſehr ernſt ausſehender Mannbegleiterihn automatenmäßig auf dem Clavier. Beim Hinausgehen ſehen wir an der Schenke einen franzöſiſchen Matroſen, der den Arm ineiner Binde tragt, und erfah⸗ ren von ihm, daß er am Abend zuvor der unglückliche Zuſchauer eines Streites in dieſem Locale war, wobei eine Piſtolentugel in ſeinen Arm ſich verirrte. In dieſem Angenblick entſteht ein Lärm beim Rouge et Noir, Fluche werden auf Engliſch und Franzöſiſch ge⸗ wechſelt, die Revolver knallen..... wahrend der Tiſch mit Geld und Karten umgeworfen wird, und eine Menge Leute nach der Thür fluͤchten, eihalt unſer Matroſe einen Schuß in den Ober⸗ ſchenkel.Trop de malheur! ruft er aus. Wir überzeugen uns indeß, daß die Verletzung keine Gefahr hat, gratuliren ihm zu dem bonheur. allemand' und verlaſſen die enge Hölle. Wir folgen hier dem Verfaſſer der ethnographiſchen Reiſebilder, dem trefflich ſchildernden Pajeken, und dedauern, daß es nicht gelungen iſt, mehr von ſeinen Arbeiten zu erhalten. 6.

Zur Culturgeſchichte. Alte Sitten in Bezug auf die Emancipation der frauen.

Die neue Geſchichte beſchäftigt ſich viel mit der geiſtigen Emancipation der Frauen, und es iſt genug darüber geſtritten, mit welchem Recht oder Unrecht. Julius Muhlfeld und zahlreiche andere Schriftſteller haben mit Wärme über jenes Thema geſchrie⸗ ben, und die weiblichen Federn ſelbſt find dabei nicht unthätig ge⸗ weſen, wie es ſich wohl von ſelbſt verſteht. So ſehr ſich die Zeiten geändert haben und ſo verſchieden unſere Lebensbedingungen von den alten ſind und ſein müſſen, ſo iſt es doch nicht unintereſſant, in Bezug auf jenes Capitel die Stellung zu betrachten, welche die Frauen ſchon bei unſern älteſten Vorfahren einnahmen. Einige Streiflichter darüber dürften Manchem neu ſein, während ſie zu⸗ gleich beweiſen, wie ernſte Verpflichtungen man zugleich von den Frauen verlangte.. 3

Je genauer man die Geſchichte der deutſchen Völker betrach⸗ tet, je mehr überzeugt man ſich, daß die Gebräuche, die man ge⸗ wöhnlich aus dem Mittelalter und vorzüglich aus der Ritterſchaft ableitet, faſt ohne Ausnahme eben ſo alt, als die Nationen ſelbſt ſind. Anſtatt daß unter allen übrigen Völkern Frauen und Jungfrauen ihren Männern, Vätern und andern vornehmen Per⸗ ſonen die Hände küſſen mußten, küßten ſchon die älteſten Deutſchen edelen und erlauchten Frauen und Jungfrauen die Hände, und Helden und Fürſten gaben ihnen dadurch ihre Ehrerbietung zu erkennen, daß ſie ſich vor ihnen auf die Kniee niederließen. Die übrigen Nationen ſchloſſen von jeher Frauen und Jungfrauen von männlichen Geſellſchaften und vorzüglich von Gaſtmählern aus. Unter den Deutſchen dagegen machte das ſchöne Geſchlecht

([VIII. Jahrg.

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