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ließ mich durch Poſchek um Entſchuldigung bitten und ſuchte uns durch em Extrafläſchchen vom Mutterfäßchen zu entſchädigen. Wir ließen uns das gern gefallen, beſonders ich, dem der Wein ſeit lange nicht ſo gemundet hatte wie heute, obſchon mich das fortwährende Ausbleiben Janka's befremdete, und als wir zur zweiten Flaſche übergingen, war die Verſtimmung unſeres Wirths ziemlich ver⸗ ſchwunden.
Noch ſaßen wir, als Adolph, ausgerüſtet mit Gewehr und Taſche, eintrat, um mich abzuholen. ganz vergeſſen, ſprang alſo eiligſt auf, bat ihn etwas zu warten und eilte hmauf in die Stube, um mich zur Jagd zu coſtümiren. Dort erſt fiel es mir ein, daß es mir an einer Flinte fehle, denn meine Büchſe war gar nicht für Haſen und Faſanen gemacht. In demſelben Augeublick klopfte es au meine Thür, und als ich öffnete, ſtand zu meiner freudigen Ueberraſchung Janka vor mir, mit dem ſprechend⸗ ſten Blick des unbefangenen Vertrauens mir ein zuſammen⸗ gefaltetes Papier darreichend und mit lebhaften, freundli⸗ chen Gebehrven mir andeutend, daß ich es leſen ſollte.
„Liebe Jauka,“ ſprach ich das Papier nehmend,„ich
war ſehr beſorgt um Dich, fehlt Di Etwas?“ Freundlich
lächelnd, ſchüttelte ſie mit dem Kopfe, deutete mir an, daß ſie beſchäftigt geweſen, jenes Papier für mich zu ſchreiben. Dann ſah ſie mich mit einem innig bewegten, dankbaren Blick an, ergriff meine Hand, drückte ſie an ihre Bruſt und wollte ſie küſſen.
„Gute Janka,“ ſagte ich, indem ich haſtig meine Hand zurückzog,„ich bitte Dich, laß das, betrachte mich als Dei⸗ nen Freund, ſei meine Freundin, und ſtöre dies Verhält⸗ niß, das uuns gleichſtellt, nicht durch Zeichen von Verehrung, die dem jungen Manne nicht gebühren und dem Freunde nur peinlich ſem können, weil—“
In dieſem Augeublicke ertönte die Stimmi Adolph's unten von der Treppe herauf:„Nun, Georg, wird's bald? Du weißt ja, daß wir um fünf Uhr wieder zurück ſein
Das hatte ich
müſſen. Oder hat der Herr Quartiermeiſter ſchou wieder Luſt mit dem Rittmeiſter anzubinden?“ Bei Nenuung des Rittmeiſters faßte ich plötzlich einen Entſchluß; ich trat vor bis an die Treppe und veef hinun⸗ ter:„Lieber Adolph, Du wirſt nicht böſe ſein, daß ich Dich heut nicht auf die Jagd begleiten kann, da ein eben erhal⸗ tener Befehl des Rittmeiſters mich nöthigt Elniges zu ſchreiben. Ueberdies habe ich mir noch kein Gewehr be⸗ ſorgt, was ich aber jedenfalls noch heut thun werde, umn morgen, wenn es Dir recht iſt, Dein Gefährte zu ſein.“ Adolph brummte:„Der Rittmeiſter iſt doch ein rechter Störenfried, keinen Augeublick hat man Ruhe vor ihm.— Nun, alſo morgen,“ rief er mir dann zu,„leb oohl!“— Der rechte Grund meines Daheimbleibeus aber war, wie man leicht denken kann, die Ungeduld, zu leſen, was Janka mir wohl geſchrieben haben mochte. Sie hatte ſich während meines Geſprächs mit Adolph zurückgezogen, denn als ich mich wandte, in meine Stube zu gehen, war ſie verſchwunden. Das Schreiben Janka's war ziemlich laug und intereſſant genug, um wenigſtens im Auszuge mitge⸗ theilt zu werden, denn es enthüllte ſo ganz die ſchöne Seele, das herrliche Gemüth des Mädchens, und ich bewahrie es nebſt einigen kürzeren von ihr geſchriebenen Briefchen als ein theures Andenken an das arme liebe Mädchen auf. Allein in einem Gefecht, das wir ſpäter mit den Frau⸗ zoſen hatten, ward mir mein Pferd erſchoſſen in dem Au⸗ V genblick, als wir zurückgedrängt wurden, weßhalb ich weoer Bekleidung deſſelben noch Mantelſack zu retten vermochte, uud mit eieſem gingen leider ein genaues Tagebuch meiues Soldatenlebens und Janka's Papiere verloren. Das arme Kind hatte, wie aus dem Schreiben hervor⸗ ging, keine Seele, der ſie ſich hätte mittheilen können, und fühlte ſich ſchmerzlich vereinſamt. Ihr Vater, dem ſie am liebſten ihr Inneres aufgeſchloſſen hätte, in deſſen Bruſt ſie ohue Scheu ihre Schmerzen und Klagen niedergelegt, dem ſie ohne Rückhalt ihr Vertrauen geſchenkt haben würde,
im Lande, folglich ein alter Californier. Auf eine Frage beim Kellner, weiſt dieſer nach einem Winkel, wohin der Fremdling ſeine Koffer, Betten, Waffen und Werkzeuge ſchleppt und dann bei einem Glaſe Gin-Cocktail ein Geſpräch mit dem Kellner an⸗ knüpft, das wir für den Augenblick nicht verfolgen wollen. Unſer Reiſender erfährt, daß in dieſem Hauſe ſchon gegeſſen ſei, aber in der Nähe bei einem Reſtaurant zu jeder Zeit nach der Karte ge⸗ ſpeiſt werden könne.
Nachdem er die Verſicherung erhalten, daß ſein Gepäck un⸗ angetaſtel bleiben und er zu Nacht ein Bett haben ſolle, begibt er ſich nach dem bezeichneten Reſtaurant, läßt ſich Suppe, Fleiſch, Kartoffeln, Pudding und eine Taſſe Kaffee geben, ißt wie alle Uebrigen ſtillſchweigend und ſo ſchnell, als ob es eine Wette gälte, bezahlt jedes mit 25 Cents und geht wieder fort. Auf der Straße begegnet ihm ein Bekannter. Mit ihm erklimmt er den Telegra⸗ phenberg, überſchaut das herrliche Panorama der Bay mit ihren Schiffen, Inſeln, Bergen und der Stadt in Abendbeleuchtung. Indem unten die erſten Lichter ſchimmern, ſteigt er hinab, um San Francisco„bei Lichte“ zu beſehen.
Die Fuhrwerke aller Art, vom leichten Buggy und Cabriolet bis zum altcaliforniſchen Ochſenkarren, ſind aus den Straßen verſchwunden, aver das Treiben iſt noch eben ſo lebhaft wie am Tage, denn jetzt erſt kommen die meiſten Leute, die nicht der ar⸗ beitenden Claſſe angehören und den Tag über in ihrem Comptoir oder Bureau beſchäftigt waren, von ihrem ſpäten Mittagstiſch, um ſich zu ihren Abenderholungen zu begeben. Andere fangen jetzt erſt ihren Tag an: Spieler, Glücksritter und Loafer, an denen San Francisco, wie alle nordamerikaniſchen Seeſtädte,
Ueberfluß hat. Dies iſt die Zeit der ohrenzerreißendſten Muſik,
Nan die man ſich erſt gewöhnen muß. Vor dem neuen Schauſpirl⸗ hauſe(American Theatre) in Sanſome⸗Street bemerkt man ein Gerüſt, wie vor unſern Gauklerbuden, auf dem ein Muſikchor mit
Blechinſtrumenten einige weittönende deutſche Stücke vortragt;
mehr als 300 Schritte entfernt an der Ecke der Long Wharf läuft.
ein Mann beſtändig auf jede neue Gruppe der Vorübergehenden zu und ruft dabei mit einer Stentorſtimme, die Alles uͤbertönt, daß, wer den einzigen anſtändigen Ort für wahres Vergnügen in
San Francisco beſuchen will, nur nach dem American gehen darf,
wo er für zwei Dollars im Parterre, für vier Dollars in der Loge,
aber auch für einen Dollar auf der Gallerie(an letzterm Platze aber zwiſchen Gentlemen of colour) einen Sitz bekommen könne.
Neger und Baſtarde mit afrikaniſchem Blut, als: Mulatten,
Quadronen, Meſtizen, kurz alle Farbige(coloured people) dür⸗
fen die erſten Plätze im Theater nicht beſuchen. Dabei zeigt er auf
die von ferne her leuchtenden Pechpfannen, die auf dem erwähnten Gerüſte angezündet ſind. Wir gehen Long Wharf weiter hinun⸗ ter, da läßt ſich plötzlich ein ganz neues Getöſe von barbariſcher Art dicht neben uns hören: es iſt ein Speiſewirth, der anzeigl, daß ſein Abendeſſen fertig iſt, und deßhalb auf einer chineſiſchen Gong dergeſtalt trommelt, daß es nicht allein alle Leute in der Stadt, ſondern allenfalls noch die, welche eine Meile darüber hin⸗ aus wohnen, hören können. Straßenbeleuchtung ſirbr es freilich nicht, aber die hellerleuchteten, weit aufgeſperrten Reſtaurationen, Läden, Schenken und Spielhäuſer verbreiten hinreichende Helle, um ſowohl die Gegenſtände auf der Straße als die Vorſäle in den öffentlichen Localen genau zu ſehen. Wir treten in ein Auctions⸗ local, wo Abends, und zwar nur bei Lichte, goldene Uhren und Schmuckſachen, alles garantirt echt, dem Meiſtbiet uden verkauft
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(VIII. Jahrg.
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