Jahrgang 
01-14 (1862)
Seite
190
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durch eine harmoniſch einfache Structur zu Hülfe kommt. Dieſer Vorzug macht Roßmäßler's Arbeiten für gebildete Köpfe und aufgeweckte Naturfreunde ſo inſtructiv, als es in Wirklichkeit wenig audere ſind.

Noch mehr hebt ſich in äſthetiſch⸗ethiſcher Beziehung das Verdienſt des Autors dadurch, daß er es verſchmäht, mit ſeinem Gegenſtande durch übermäßig angewandte Bil⸗ der, Vergleiche, kleinliche Scherze und literariſche Schwatz⸗ haftigkeiten ein Spiel zu treiben, wie es jetzt zur Schmach der wiſſenſchaftlichen Literatur und ihres Geſchmackes Mode geworden iſt. Es iſt von einem über gelehrte Dinge ver⸗ ſtändlich ſchreiben wollenden Verfaſſer billig, daß er es ver⸗ meidet, die Leſerkreiſe des großen Publicums zu ermüden und abzumatten. Aber es iſt verwerflich, wenn er ihren Launen nachgibt und zu ihrem faden Amuſement in eine wahre Blumen⸗ und Vogelſprache übergeht. Gegen ein ſolches zwitſcherndes und drollig hopſendes Gimpelthum iſt die Gelehrſamkeit in Geſtalt einer ernſthaften Minervaeule eine angenehme und vor Allem reſpectable Erſcheinung.

Gerade da Roßmäßler über all die Eigenſchaften ge⸗ bietet, um in belletriſtiſcher Weiſe, wenn er es wollte, den Vortrag ſchönmalend zu verſüßlichen, ſo iſt es doppelt an⸗ zuerkennen, daß er ſeinen Genoſſen hierin durch Unterlaſ⸗ ſung ein Beiſpiel der Reſignation gibt..

Sein leider nur im Beginne der Lieferungen uns vor⸗ liegendes Werk über die Geſchichte der Erde, das mit treff⸗ lichen Illuſtrationen, das heißt mit ſolchen bildlichen Dar⸗ ſtellungen verſehen iſt, die wirklich den Unterricht der Worte begreiflich illuſtriren, hat bereits in erſter Auflage als eine wahre Bildungsſchrift zu einem großen Leſerkreiſe geſpro⸗ chen. Um, dem Bedürfniſſe genügend, es noch umfaſſen⸗ der ſich einbürgern zu laſſen, denn allerdings ſollte es in keiner intelligenten Familie fehlen, ſo empfahl ſich der wenig fühlbare Preis einer Lieferungsedition als der beſte Weg. Die Ausgabe, mit hundert Illuſtrationen verſeheu, iſt vielfach verbeſſert und vermehrt, wie es bei einem auf

Uovellen-Zeitung.

der Höhe ſeines Faches ſich erhaltenden Verfaſſer dem Fortſchritte der Entdeckungen gegenüber nicht anders zu erwarten ſteht.

Für ſolche Naturfreunde, denen der Verfaſſer trotz ſeiner mannigfachen erfolgreichen Wirkſamkeit doch noch wenig bekannt geworden iſt, denn das deutſche Publicum hat einen mächtigen Umfang und iſt durch politiſche Miß⸗ verhältniſſe auch in ſeiner Bildungsweiſe ſehr getrennt und zerriſſen, ſcheint es entſprechend, darauf hinzuweiſen, wie anregend ſich der Autor über einige Beziehungen der Geo⸗ logie und über das Ausſehen der Erdoberfläche ausſpricht: Wie das Menſchengeſchlecht, ſagt er,namentlich in geiſtiger Beziehung in manchen Ländern im Verlaufe der Zeiten bald einen Rückſchritt, bald einen Fortſchritt ge⸗ macht hat, ſo zeigt ſich dies auch bei dem Thier⸗ und Pflanzenreiche. Während den Boden des einſt hochgebil⸗ deten Griechenlands hente ein geſunkenes Geſchlecht be⸗ wohnt, ſo grünten einſt, die Verſteinerungen ſagen es uns, am ſüdlichen Abhange des ſächſiſchen Erzgebirges Palmen und Zimmtbäume.

Aber auch in anderer Weiſe knüpft die Verſteinerungs⸗ kunde die Geologie an die Naturwiſſenſchaft der Gegeu⸗ wart. Ohne die genaue Kenntniß der heutigen Thier⸗ und Pflanzenwelt iſt ein klares Verſtändniß der Verſteine⸗ rungen in vielen Fällen eine Unmöglichkeit, weil dieſe uns oft nur unvollkommen die äußere Geſtalt oder gar bloß einzelne Glieder der verſteinerten Thiere und Pflanzen aufbewahrt haben. In ſolchen Fällen kann nun die genaue Kenntniß der verwandten Formen der Gegenwart durch Vergleichung zum richtigen Verſtändniß führen.

Nicht minder als dieſe Kenntniß iſt eine Keuntniß der⸗ jenigen Kräfte und Erſcheinungen für das Studium der Geologie von der höchſten Bedeutung, welche noch heute in bald langſamem und allmählichem, bald in plötzlichem und gewaltſamem Wege unſere Erdoberfläche fortwährend um⸗ geſtalten. Von den Wirkungen und Geſtaltungen, welche

Daſſelbe, was wir ſchon überAdam Bode undDie

Mühle am Floß geſagt haben, läßt ſich auch über das geiſtige Element dieſer Arbeit der Verfaſſerin ſagen: außerordentliche Treue in den Erzählungen und ſogar poetiſchen Wiedergaben der Einzelnheiten des Lebens und hierdurch eine frappante Charakter⸗ zeichnung, aber dabei eine Hinneigung zu jener Morallehre, die mit Abſichtlichkeit und deßhalb mit Proſa in allem Poetiſchen das ſittliche Facit ſucht. Es ſind im höheren Sinne, aber nicht im freieren dichteri⸗ ſchen, lauter Beſſerungsgeſchichten, doch muß man freilich ſagen, daß dieſe Art von Literatur von deutſchen Autoren und beſonders Autorinnen nicht mit ſoviel Spannung für den Leſer bebaut zu werden pflegt. O. B.

Elsie Venner. A romance of destiny. By Oliver Wendell. Holmes. Authorised Edition. Leipzig, 1862. Alphons Dürr. Die Erzählung, die den Leſer von Anfang bis zum Ende in gleicher Spannung erhält, ſpielt hauptſächlich in einem Orte, der an einem eigenthümlich geformten, von vielen Spalten durchſchnit⸗ tenen Berge liegt, der ſeiner Zeit von vielen Klapperſchlangen be⸗ wohnt war, die ſich gelegentlich auch bis in den Ort verirrten und dort Unheil anrichteten. Elſie Venner's Mutter hatte das Un⸗ glück, von einer ſolchen Klapperſchlange gebiſſen zu werden, doch die ſchnell angewandte Hülfe rettete ihr das Leben, das ihr aber einige Monate ſpäter, nach der Geburt Elſie's, der Schreck raubte, als ſie die Einwirkung des Entſetzens, das ihr jener Schlangenbiß verurſacht hatte, am Halſe des neugebornen Kindes, das ſie zu jener Zeit unter dem Herzen trug, wahrnahm. Leider war dieſe Einwirkung nicht bloß eine körperliche, ſondern auch eine geiſtige,

und dieſes bis jetzt noch nicht gelöſte Räthſel der Einwirkung einer großen Erſchütterung des Geiſtes der Mutter auf das Kind, das ſie unter ihrem Herzen trägt, würde allein hinreichen um dieſer Erzählung ein großes Intereſſe zu leiben. Daſſelbe wird aber dadurch ſehr vermehrt, daß die in der Erzählung verwickel⸗ ten Perſonen den verſchiedenſten Lebensſtellungen angehören, und uns belehrende Blicke in die Verhältniſſe der Schule, Kirche und der geſellſchaftlichen Beziehungen des amerikaniſchen Volkes ge⸗ währen. KurzElſie Venner bietet ein ſehr vielſeitiges Inter⸗ eſſe dar, weßhalb es auch nicht leicht ein Leſer unbefriedigt aus der Hand legen wird.(Elberf. Ztg.)

Miseellen. Worte für Welt und Haus.

Durch langes Beſinnen gewinnt der menſchliche Geiſt einen gründlichen Ueberblick und eine große unſicherheit.

Wer recht energiſch für ſich ſelbſt ſorgt, zu dem habe ich das

Vertrauen, daß er auch für Andere ſorgen könne, aber wahr⸗ ſcheinlich nicht werde.

Es zeugt für einen Staat von geringem Scharfſinn, neue Abgaben aufzuerlegen, aber von großer Weisheit im Wirthſchaf⸗ ten, alte hinwegzuräumen. Die Beſteuerung der Kanarienvögel und Blumenfenſter iſt ein Gaſſenhauer auf die öffentliche Oeko⸗ nomie. 6.

[VIII. Jahrg.

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