Jahrgang 
01-14 (1862)
Seite
184
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als Janka und hieß Michael. Bald waren die beiden

Kinder unzertrennlich, denn wenn es irgend möglich war,

ſo ſtahl ſich Michael von Hauſe fert und verbrachte die Mußeſtunden mit Janka. Entweder durchkletterten ſie die Ruine der alten Burg oder ſaßen an dem buſchigen Ufer des Flüßchens, wo ſie Blüthen von den Bäumen oder zwi⸗ ſchen dem höchſten Gemäuer ſproſſende Blumen herabhol⸗ ten. Als Michael 12 Jahr alt war, ward er in die Stadt geſchickt, um eine höhere Schule zu beſuchen, denn nach dem Willen ſeiner Stiefmutter, die ihrem eigenen Sohne das Gut des Vaters dadurch ſichern wollte, hatte der Vater ihn dem geiſtlichen Stande beſtimmt. Jauka ſpürte nun eine große Lücke in ihrem Leben, und die Ferienzeiten, welche ihr den Geſpielen wiederbrachten, wurden von ihr ſehnſüchtig erwartet und mit Jubel begrüßt. Inzwiſchen verließ auch ſie die Schule, wußte jedoch, durch Lernbegierde getrieben, ihren Vater, welcher ſie zärtlich liebte, obwohl er es nicht gern merken läßt, zu bewegen, ihr täglich noch 2 Stunden Privatunterricht geben zu laſſen. Dies war nun ein wahrer Troſt für mich, denn ich war beinahe eben ſo ſehr in das Mädchen verliebt als Michael. Dieſe 2 Stunden täglich, die ich meiſt erſt gegen Abend geben konnte, und die gar oft im Freien, am liebſten für Janka auf der Ruine abgehalten wurden, machten mir große Freude, und ich kann ſagen, daß ich dabei eben ſo viel lernte, als meine Schülerin, denn ihr Streben, den Grund von allem auf⸗ zuſuchen, was ich mit ihr abhandelte, und ihre Gedanken darüber gegen mich auszuſprechen, brachten mich oft auf Ideen und Anſichten, woran in den Büchern, die ich als Leitfaden benutzte, nicht gedacht war, obſchon ſie ſich bei genauerer Erörterung meiſt als ſehr naturgemäß zeigten. Nächſt Naturgeſchichte und Geographie war es vornehmlich Naturlehre und die deutſche Sprache, die ſie mit Eifer lernte, und beſonders ſprach ſie bald vollkonunen gut deutſch, was in der Schule damals gar nicht und jetzt nur ſehr

daß ich Janka immer mehr lieb gewann, auch darf ich ſagen, daß ſie mich ebenfalls kindlich liebte. Auf dieſe Weiſe verſtrichen ein paar Jahre, Janka war 15 und Michael 17 Jahr alt, als er von dem Gymnaſiunt, das er bis jetzt beſucht hatte, heimkehrte, um zum letzten Male die Ferien im väterlichen Hauſe zuzubringen, ehe er die Prager Uni⸗ verſität zum Studium der Theologie bezog. Nach und nach hatte ſich die frühere kindliche Zuneigung der Beiden in ein tieferes, wärmeres Gefühl verwandelt, und beſonders jetzt, wo es Michael näher als jemals lag, daß er im Be⸗ griff ſtehe ſich entſchieden ſeiner eheloſen Beſtimmung hin⸗ zugeben, ward ihm die Natur ſeines Gefühls für Janka klar und ſelbſt bewußt. Der entſchiedenſte Widerwille gegen den geiſtlichen Stand befeſtigte ſich bald in ihm, und er zögerte nicht, ſeinem Vater zu erklären, daß er feſt ent⸗ ſchloſſen ſei, nicht Theologie zu ſtudiren. Der Vater er⸗ klärte ihm kurz und beſtimmt, daß dies einmal ſo beſtimmt ſei, und er ihn nicht lange fragen werde. Als nun der Sohn ebenſo entſchieden bei ſeiner Weigerung blieb und zuletzt als Urſache deſſelben ganz unverhohlen ſeine Liebe zu Janka angab, gerieth der Alte in eine ungemeſſene Wuth, ſchalt Janka eine Verführerin, eine leichtfertige Dirne, und wenig fehlte, ſo hätte er den Sohn gemißhandelt, und nur deſſen ſchnelle trotzige Entfernung verhinderte dies. Mi⸗ chael kam troſtlos zu mir geeilt, theilte mir die ganze Ge⸗ ſchichte mit und entdeckte mir, daß er unter die Soldaten zu gehen entſchloſſen ſei. Nur mit vieler Mühe beruhigte ich ihn, beſonders durch die Vorſtellung, daß ſein Vater ihn dann gewiß enterben werde, und wenn er das auch nicht jetzt beachten würde, ſo würde doch gewiß Wrtba ſeine Tochter keinem Bettler geben. Ich beſtimmte ihn dazu, noch einige Zeit zu warten, vielleicht würde ſich im Laufe derſelben die Geſinnung des Vaters ändern, oder ſonſt ein günſtiges Ereigniß eintreten. Ich erbot mich, bei ſeinen Eltern die Sache womöglich zu vermittelu. Dies Anerbie⸗

oberflächlich gelehrt wird. Es konnte ſonach nicht fehlen,

ten beruhigte ihn etwas, und ich ging den nächſten Tag,

piſch und linkiſch, wie ich war, ſuchte ich mich nicht einmal im Tanzen, Fechten und Reiten auszubilden. Ich war ſogar nicht zu bewegen, den Archivrath Kloſtermeier, den Vorgeſetzten meines Vaters, zu beſuchen, der ſich, nachdem er von meinem Talent ge⸗ hört, in der freundlichſten Weiſe erboten hatte, meine Erziehung zu beſorgen. Allmählich kam die Zeit, wo ich mit meinen Gymnaſial⸗ ſtudien fertig wurde und die Univerſitàt beziehen ſollte. Zum Verdruß meiner Mutter kounte ich mich nicht entſchließen, ein Kan⸗ zelſchläger zu werden. Ich erwählte die Rechtswiſſenſchaft und ging um Oſtern 1820 auf die Univerſität nach Leipzig. Ich belegte ſofort ſattſam juriſtiſche Collegien, aber das Ableiern, das ich bei den Her⸗ ren Profeſſoren fand, behagte mir entſetzlich ſchlecht. Das Beſte hatte ich ja auch immer aus mir ſelbſt gelernt. Bald hing ich wieder ganz und gar meinen alten Liebhabereien nach. Ich las Geſchichte, ſtudirte Literatur, beſuchte das Theater und brütete über Dichtungen. Anfangs geſchah das Alles in der tiefſten Ein⸗ ſamkeit. Allmäahlich brachte mich aber die Schriftſtellerei und die Bühne in mancherlei Geſellſchaft. Mit den Studenten zu gehen, den Fechtboden zu beſuchen, in der Kneipe nach verroſteten For⸗ men zu trinken, abgedroſchene Witze zu machen und dumme Lieder zu ſingen, ſowie an Pfeife und Mütze bunte Farben zu tragen, war ein für allemal nicht meine Sache. Dafür fand ich in der großen Buchfabrik⸗ und Maculaturpapierſtadt ein Häuflein von nichtsnutzigen Literaten, die zu Allem feil waren. An ihnen konnte ich mein Müthchen kühlen, indem ich meinem Witze freien Lauf ließ, der ſie verhöhnte und verſpottete, wie es einſt mit meinen Schulgenoſſen geſchah. Mit ihnen feierte ich meine Orgien, die in noch erhöhtem Maßſtabe fortgeſetzt wurden. Daß meine gei⸗!

ſtige und körperliche Geſundheit darunter litt, erwies ſich als natürliche Folge. In meiner Seele war Alles zerriſſen, ſprung⸗ haft unbeſtändig. Ich fühlte mich ſtets aufgeregt, oft um den Himmel zu ſtürmen, oft um in das Nichts zu perſinken. Mein abgeſpannter Körper konnte nur durch neue Genüſſe zu neuen Schwingungen gereizt werden.

Hierauf folgt nun die viel unintereſſantere Zeit, in welcher der Dichter ſpäter endlich eine unpaſſende Anſtellung als Audi⸗ teur fand, ſo wie auch die Periode ſeiner unſeligen Verheirathung, einer Zeit, bei welcher ſich nicht mehr mit Behagen des ſitrlichen Anſtandes weilen läßt, weil man ſehen muß, wie der Unglückliche des Morgens zum Frühſtück nur noch ein großes Glas klares Waſſer, aber freilich gebranntes, genießt. Und doch ſteckte ein Sruüͤck Shakeſpeare in ſeiner Natur, deren Erzeugniſſe nie aus unſerer deutſchen Literatur verſchwinden werden. 8.

Aus der Gegenwart. Die neu entdeckten goldſelder in Britiſch Columbia.

Seit der Entdeckung der reichen Goldlager zuerſt in Califor⸗ nien, dann in Auſtralien, durch deren Ausbeutung der Goldvor⸗ rath auf unſerer Erde um weit mehr als 100 Millionen Pf. St. vermehrt worden iſt, vergeht kein Jahr, wo nicht neue Goldfelder entdeckt werden. Die neueſten und reichſten Entdeckungen dieſer Art ſind in Britiſch Columbia gemacht worden, und wenn den darüber nach England gelangten Nachrichten voller Glauben zu ſchenken iſt, ſo verſprechen dieſelben, ſich noch ergiebiger herauszu⸗ ſtellen, als ſelbſt die reichen Goldlager in Californien und Auſtra⸗

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