Jahrgang 
01-14 (1862)
Seite
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konnte, ſo war die Sache bald in Orduung. Das Fehlende I

ten zu wenig empfangen zu haben, die Fourage gar nicht

zureichte. So ungern ich es thue, bin ich doch genöthigt

Sie Ihres Arreſtes zu entlaſſen, damit Sie die Sache wieder in Ordnung bringen können. Zum Glück war noch keiner von den Jägern fort, als ich ankam, und ich habe befohlen, daß keiner ſich entfernen ſolle. Gehen Sie nur gleich hinunter auf die Tenue.

Zu Befehl, Herr Rittmeiſter, erwiderte ich trocken und ging innerlich erbittert über dieſe abermalige Störung. Adolph trat mir aus der Scheune, wo die Fourage ver⸗ theilt wurde, freundlich entgegen und wollte halblaut mir etwas ſagen, doch beim erſten Wort ſchon unterbrach ich ihn, indem ich mit einem verächtlich höhniſchen Blicke feind⸗ ſelig anhub:

Es thut nir recht leid, daß Dein noch obendrein ſo leichtes Examen zur Quartiermeiſter⸗Charge, um die Du Dich wahrſcheinlich, um mich von dieſer Laſt freund⸗ ſchaftlich zu befreien, beworben haſt, ſo ſchlecht abgelaufen iſt. Woran fehlt's denn vielleicht kann ich Dir noch aus der Patſche helfen.

Sofort ließ ich, ohne mich in weitere Fragen und Un⸗ terſuchungen einzulaſſen, die ſämmtlichen Jäger ihre Futterſäcke bis aufs letzte Korn über einen Haufen aus⸗ leeren, ließ dieſen dann raſch durch meinen und einige andere Burſchen ummeſſen, und als ich mich überzeugt hatte, daß die Quantität richtig ſei, bis auf etwa eine halbe Metze, die wohl in ſo vielen Futterſäcken hängen geblieben ſein

ließ ich bei meiner eigenen Ration für voll gelten, ich konnte dies um ſo eher, da ich ſchon wußte, daß Wrtba mit ſeinem Hafer ſo wenig kargte als mit ſeinen Speiſen.

Der Rittmeiſter hatte ruhig, ohne ein Wort zu ſpre⸗ chen, die Sache abgewartet. Als mein Burſche der Letzte die Tenne verließ, trat ich militairiſch vor ihn und mel⸗ dete mich wieder zum Arreſt.

Haben Sie nicht gehört, daß Sie Ihres Arreſtes ent

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laſſen ſind? entgegnete er raſch, aber nicht unfreundlich; ich will nicht noch einmal ſolche Unordnung erleben, und ich hoffe, Sie werden ſich beſinnen, wenn es nicht ſchon ge⸗ V ſchehen, und Ihr Entlaſſungs⸗Geſuch zurücknehmen. Ich weiß wohl, daß ich Niemanden zwingen kann, Oberjäger zu ſein, wenn er durchaus Gemeiner ſein will, wohl aber die Dienſte zu thun, deren ich ihn fähig erkannt habe. Sie haben alſo nur die Wahl, ob Sie ein und daſſelbe mit oder ohue Treſſen thun wollen; denn das Ihnen Obliegende abſicht⸗ lich zu vernachläſſigen, erlaubt Ihnen Ihr Ehrgefühl nicht, davon bin ich überzeugt. Auch haben Sie, fuhr er mich freundlich auf die Schulter klopfend fort,eben einen Be⸗ weis abgelegt, daß Sie auf der Stelle die Sache beim rechten Zipfel anzufaſſen wiſſen; Adieu.

Raſch, wie es immer ſeine Art war, wandte er ſich und verließ die Scheune. Gedankenvoll ſchaute ich ihm nach. Trefflicher Mann, dachte ich, wüßteſt Du auch mich beim rechten Zipfel anzufaſſen, Du könnteſt Alles mit mir machen, ſo aber koſtet es erſt immer einen Strauß, und bringſt Du mich eudlich dahin, wo Du mich haben willſt, ſo bewirkt dies weit öfter die Liebe für Dich, als die Ueber⸗ zeugung von dem Richtigen. Daß die Unterofftciertreſſe kein Motiv für mich iſt, habe ich ja wohl öfter ſchon be⸗ wieſen und

In dieſem Augenblick trat Janka aus der Hausthür und ſchritt, ohne mich zu ſehen, dem Garten zu. Ihr An⸗ blick ſchnitt den Faden meiner Meditationen durch.

Als ſie vorüber war, trat ich vor, blickte ihr nach und ſah, wie ſie vurch den Garten den Weg nach der Ruine einſchlug. Unſchlüſſig, ob ich ihr folgen ſollte, ſtand ich eine Weile, endlich aber beſchloß ich, es nicht zu thun, denn⸗ ſprechen konnte ich ja doch nicht mit ihr, die jedeufalls kein deutſches Wort verſtand, und überdem wußte ich ja bei

der Unkenutniß ihres Geſchicks durchaus nicht, wie ich mich gegen ſie benehmen ſollte. Die verwünſchten, Störungen! Schien es doch faſt, als wolle das Schickſal nicht, daß ich

ſpaßigen Waffen in ernſthafter Weiſe auf meinem Rücken fühlen. So wurde der Niederſchlag aus meinen erſten Lebensbewegungen bittere Galle.

Ein anderes Uebel kam noch hinzu. In der Luft jener Zeit, worin mein Geiſt zu eigenem Bewußtſein erwachte, wehte der Drang nach Wunderlichkeit und Seltſamkeit. Man wollte das Leben originell und abenteuerlich geſtalten und wurde darüber nicht ſelten formlos, barock und lächerlich. Seit der Sturm⸗ und Drangperiode in unſerer Literatur hat dieſe Richtung ſtets ein⸗ zelne Anhänger behalten. Sie iſt aber erſt ganz in das Mark und Blut der Nation übergegangen, als die romantiſche Schule mit ihren launenhaften und capriciöſen Erfindungen die ſoge⸗ nannten Gebildeten zu beherrſchen anfing. Tieck, Clemens Bren⸗ tano, Achim von Arnim, und in höchſter Potenz der tolle Hoff⸗ mann ſchrieben das excentriſchſte Zeug. Wenn dies nun aufregend und verwirrend auf erwachſene Leute wirkte, wie viel mehr mußte es bei der Jugend der Fall ſein! Wir laſen Alles wirr und kraus durcheinander, die Räuber⸗ und Kittergeſchichten der alten Zeit und die geſpenſtiſchen Producte der letzten Tage. Die Folge davon war, daß wir es den fabelhaften Geſtalten, die an unſerer Seele vorübergingen, gleichthun wollten. Da bei mir die Phan⸗ taſie ſehr thätig war, ſo trieb ich es bald wie dieſes, bald wie jenes Original. Ich war nach der Reihe ein Hamlet, ein Falſtaff, ein Fauſt, ein Don Juan. Es riß zugleich ein ungebundenes Leben bei uns ein, welches in Rauchen, Trinken und Kartenſpiel unzei⸗ tige und verderbliche Genüſſe erſtrebte. Leider entwickelte ſich bei mir eine Leidenſchaft für geiſtige Getränke. Ich ging häufig mit meinen Genoſſen auf's Land, wo wir uns in irgend einem Kruge ſo viel ſtarken Grog zurecht brauen ließen, daß wir den Rückweg

in gerader Richtung nicht wiederzufinden vermochten. In ſolchen Kreiſen lärmender Brüder fühlte ich mich behaglich und wohl, zu⸗ mal da ſie meinen Witz, der ſie nicht ſelten verhöhnte, nicht allein gelten ließen, ſondern auch bewunderten. Mit meinem Anſehen wuchs mein Trotz und meine Keckheit. So erinnere ich mich, daß ich mich einſt mit meinen Genoſſen in einem Conditorladen befand, deſſen Beſuch den Schülern verboten war, als einer der Lehrer

hereintrat, um einen Einkauf zu machen. Alle ſchraken zuſam⸗

men, ich aber ließ mir in eitler Renommiſterei ſechs Gläſer Liqueur geben, die ich in Gegenwart des Lehrers hinunterſtürzte. In ſolcher die Geſundheit untergrabenden Weiſe trieb ich mit aller Gewalt Genialität.

Trotz dieſer Beulen und Auswüchſe in meinem Leben blieb ich in der Schule im Ganzen nicht zurück. Freilich nahm ich den Antheil an der Lehre in meiner eigenen Weiſe. Die alten und neuen Sprachen intereſſirten mich nur ſo weit, als ſie mir Kennt⸗ niß von nahen und fernen Stoffen vermittelten. Ihre Formen und das kleinliche Studium derſelben war mir widerlich. Für Naturforſchung habe ich nie viel Sinn gehabt. Geſchichte und Geographie aber trieb ich mit Vorliebe. Die großen Thaten der Menſchheit zu erkennen und mir die Orte, wo ſie geſchehen, klar zu machen, das war meine Liebhaberei. Ganze Nächte konnte. ich auf dieſe Studien verwenden, und meine Mutter mußte mir, wenn ich ſo recht in ein Buch vertieft war, ſtarken Kaffee kochen, damit ich nicht in Schlaf fiel. Ich lag dann oft auf der Erde über meinen Karten. Selbſt die Schlachten ſuchte ich mir plaſtiſch darzuſtellen. Zu dieſem Zwecke nahm ich, wenn ich Beſchreibungen von Kriegszügen ſtudirte, Bohnen, die ich in Haufen vertheilte. Dieſelben ſtellten die Armeen mit ihren Führern dar, die ich als⸗

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