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meiſter, um zu rapportiren, daß Alles in Ordnung ſei. „Wirklich?“— erwiderte er mir ſcharf,„nun, dann ſcheine ich nicht ſo gut weggekommen zu ſein als meine Schwad⸗ ron, und Sie haben mich wahrſcheinlich zum Opfer für dieſelbe beſtimmt, denn bei meinem Quartier iſt nicht Alles in Ordnung. War für mich kein beſſeres zu ſinden? Mir ſcheint, als hätte ich beim Einmarſch ein weit ſchöne⸗ res Gehöft geſehen. Nun, ich werde unterſuchen, wie das zuſammenhängt.“
„Herr Rittmeiſter,“ entgegnete ich ihm etwas ge⸗ reizt—„eine Unterſuchung habe ich nie geſcheut und werde ſie mit Ruhe erwarten. Ihr Quartier iſt das erſte im Ort, denn Ihr Wirth iſt der Richter und, wie ich gewiß weiß, wohlhabend genug, und ſeinem guten Wil⸗ len zu Hülfe zu kommen, würde jedem Andern ſchwerer werden als Ihnen. Herz und Nieren eines jeden Wirths vorher zu prüfen, würde etwas zu viel von mir verlaugt ſein; ich bin meinem Poſten, wie es ſcheint, nicht gewachſen und bitte Sie deßhalb, denſelben einem Andern zu über⸗ geben.“
„Nun, das kann geſchehen,“ erwiderte der Rittmei⸗
„ſter mit ſchwellender Stirnader—„aber ich muß Sie vor allen Dingen darauf aufmerkſam machen, daß Ihre Sache ſo richtig ſein, kann wie ſie will, ohne daß die Art, wie Sie dieſelbe führen, nur zu rechtfertigen oder zu entſchuldigen wäre.“
„Sehr wohl, Herr Rittuieiſter“— entgegnete ich mit erzwungener Ruhe—„habe ich gegen die Subordination gefehlt, ſo ſchicken Sie mich in Arreſt, aber es wird mir dennoch nie gelingen, ungegründete Beſchuldigungen—“
„Still!“ unterbrach mich der Rittmeiſter,„einer der Sie begleitenden Jäger hat mir geſagt, daß in dem großen ſchönen Bavernhof ohnfern der Schenke das bei Weitem vorzüglichſte Quartier im ganzen Dorf ſei und daß—“
„Und daß,“ fiel ich empört über die Tücke Adolph's ein, denn ich nahm als gewiß an, daß kein Anderer, als er,
(VIII. Jahrg.
dieſe hämiſche Anklage gegen mich vorgehgacht,„und daß ſiude 7 v
ich mich ſelbſt in jenem Hofe einquartiert halt. Wenn mich das ſchuldig macht, ſo bin ich's freilich, muß aber dann um ſo eher bitten, mir den läſtigen Quartiermeiſterpoſten ab⸗ zunehmen, wenn es auch noch mitt zu ſeinen Pflichten ge⸗ hört, für alle Plackereien und Verantwortlichkeiten mit der eleudſten Spelunke des Orts ſich als Quartier zu begnü⸗ gen, welche Verpflichtung mir bis jetzt noch fremd ge⸗ blieben. Kränken aber muß es mich, wenn die an ſich ſo verdächtige Anzeige eines ſonſtigen Freundes gegen mich ſo unbedingten Glauben findet. Befehlen der Herr Ritt⸗ meiſter übrigens“— fuhr ich ſteif fort—„jenes Quar⸗ tier für ſich, ſo werde ich auf der Stelle den beiden Offi⸗ cieren Ihre desfallſige Ordre überbringen, damit ſie zur Stelle jenes Quartier für den Herrn Rittmeiſter räumen und ſich hierher ins Quartier begeben. Die übrigen dort liegenden Maunſchaften können jedoch ohne Beeinträchti⸗ gung der übrigen Dorfwirthe nicht wo anders hin verlegt werden. Der Herr Rittmeiſter haben mir früher aus⸗ drücklich befohlen, wenn es irgend thunlich, Sie allein und nicht mit andern Officieren oder gar Mannſchaften zuſam⸗ men einzuquartieren, und ich habe nicht geglaubt—“
„Genug, genug,“ unterbrach mich hier der Rittmeiſter etwas freundlicher—„Sie führen Ihre Sache durch, wenn auch mit zu viel Trotz und Hitze. Das thut mir Ihret⸗ willen ſehr leid, denn ich meine es, wie Sie wiſſen ſollten, gut mit Ihnen. Sie haben viele Eigenſchaften, die Sie zum guten Officier machen würden, aber jene einzige ſchlimme vernichtet ſie alle, denn ſie iſt die unentbehrlichſte
befehlen. Ich habe mir es feſt in den Kopf geſetzt, Sie zum vollkommenen Soldateu zu machen, und gebe es darum noch nicht auf, Sie Prüfungen zu unterwerfen, von denen Sie bis jetzt, Sie müſſen es ſelbſt geſtehen, noch keine ordentlich beſtanden haben. So auch die heutige, und dafür gebührt Ihnen allerdings der von Ihnen vorhin in Anſpruch ge⸗
Feuilleton.
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Ein Rückblick in das Leben grabbe's.
Zum Staunen ſolcher Leute, die nicht gern an die Macht des Genius glauben, wenn derſelbe durch Wolken verhüllt iſt, erſchei⸗ nen jetzt dramatiſche Werke dieſes mehr genannten als bekannten Dichters in zweiter Auflage. Ja ſie werden noch öfter erſcheinen, denn wenn jene Wolken vor dem Licht des Genius auch hier die verzerrteſten Schattengebilde eines verkommenen, zerriſſenen, un⸗ glücklichen, weil unmännlichen, Charakters ſind, ſo dringen die Strahlen des Geiſtes doch durch⸗ Wolfgang Müller iſt es ge⸗ lungen, in ſeiner Darſtellung übemmermann zugleich ein ſehr treffendes Bild über Grabbe, deſſen zeitweiligen Gefährten, zu geben. Er läßt darin Grabbe ſein eigenes Leben ſeinem Freund und Wohlthäter erzählen. Es iſt intereſſant zu ſehen, wie ſich bei Grabbe in der Jugend ſchon durch eine unglückliche Conſtella⸗ tion der Verhältniſſe alle Schwächen und Fehler entwickelten.
Grabbe erzählt:„Ich wurde am 11. December 1801 in Detmold, der Hauptſtadt des Fürſtenthums Lippe⸗Detmold, ge⸗ boren. Die Stätte, an welcher ich das Licht der Welt erblickte, en behrte ganz und gar aller Heiterkeit und Anmuth, denn meine Wiege ſtand im Zuchthof des Orts, und zwar in Zimmern, über
und neben denen ſich die Zellen der Verbrecher erſtreckten und in welche man erſt gelangte, wenn man an Schildwachen und mit eiſernen Stangen verriegelten Thüren vorbeigegangen war. Freilich bin ich nicht der Abkömmling eines Räubers oder Diebes, denn mein Vater war Zuchtmeiſter und Leihbankverwal⸗ ter und ein braver, guter Mann, welcher, dem wohlhabenden kleinen Bürgerſtand angehörend, bei allen Leuten geachtet und wohlgelitten, in beſtem Anſehen ſtand. Aeußerlich friedlich, ruhig. und gelaſſen, war er doch innerlich zäh und hartnäckig, wie wir Weſtphalen es oft ſind. In ſeiner Jugend hatte er dem Archiv⸗ rath Kloſtermeier als Schreiber gedient. Da fehlte ihm denn eine lackirte Bildung. Aber ſein Kopf war klar, ſeine Anſichten geſund. Er las gern ein gutes Buch, ſchrieb einen geläufigen Brief, in dem er ſich deutlich ausdrückte, und ſchwatzte vernünftig uͤber die Verbältniſſe und Menſchen, die er kannte. Meine Mutter, die noch lebt, iſt eine ſtarke, hochgebaute Frau. Sie muß in ihrer Jugend ſchön geweſen ſein. Noch jetzt ſind ihre Züge ausdrucks⸗ voll und ihre Augen ſcharf und bell. In ihrem Weſen zuckt etwas
Leidenſchaftliches und Haſtiges. Wunderliche Gedanken und Ein⸗
bringen Entſchlüſſe hervor, die
fälle kreuzen ihr oft den Kopf und Für die Bildung ward
ſie mit beftiger Beharrlichkeit verfolgt.
in unſerem Stande. Wer nicht gehorchen lernt, kann nicht ſe
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