Jahrgang 
01-14 (1862)
Seite
179
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Nr. 12.)

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Rovellen-

Die Stumme von Kloppay.

(Fortſetzung.)

Mit der größten Ungeduld hatte ich die ausführliche Geſchichte angehört, und als der gute Poſchek ſchloß, war bereits die Dämmerung jeingetreten. Er erinnerte, daß es Zeit ſei den Rückweg anzutreten, wenn wir nicht Gefahr laufen wollten, bei völliger Finſterniß den Hals zu brechen, und als ich ihn an ſein Verſprechen mahnte, mir die Ge⸗ ſchichte Janka's zu erzählen, meinte er, dazu ſei es für heut ſchon zu ſpät, da er noch Geſchäfte habe und die Leute mit dem Abendeſſen auf mich warten würden. Ich drang zwar in ihn, ſie mir auf dem Rückwege zu erzählen, was er aber durchaus verweigerte. Es blieb mir nichts übrig, als mich nolens volens zu fügen, ich konnte ihm nur das feierliche Verſprechen abnehmen, morgen mit dem Frühſten ſich bei mir einzufinden, um ſeine Schuld abzutragen. Im Hauſe warteten ſie ſchon mit dem Eſſen, an dem Janka diesmal Theil nahm, wahrſcheinlich weil ihr heut kein Ge⸗ ſchäft mehr oblag, was ſie davon abgehalten hätte. Freund⸗ lich achtete ſie auf Alles, einige Mal bemerkte ich, doß ihr Blick wohlwollend und herzlich auf mir ruhte, daß ſie ſich aber ſchnell abwandte, wenn ſich unſere Blicke begegneten. Der alte Wrtba ſchaute ſie zuweilen mit einem kurzen trüben Blick an, und es ſchien mir einige Mal, als ob er dabei ſeufze. Die Mutter ſchien gar keine Notiz von ihr zu nehmen, denn ihr wohlbehagliches, recht angenehmes Geſicht blieb ſich ſtets gleich. Die Unterhaltung war nicht ſehr intereſſant, denn meine paar einzelnen böhmiſchen Worte waren mit ebenſowenigen deutſchen, die mein Wirth etwa auf dem Markt in Leitmeritz aufgeſchnappt haben

mochte, bald umgetauſcht. Deßhalb begab ich mich bald in

mein Gemach und legte mich uieder. Lange lag ich ſchlaf⸗ los; die Ungewißheit wegen Janka ließ mir keine Ruhe, alle erdenklichen Möglichkeiten gingen mir durch den Sinn, und mein erſt ſpät beginnender Schlummer war unruhig und oft durch ſchreckhafte Traumbilder unterbrochen, wozu auch gewiß das ungewohnte bequeme Lager beitrug. Erſt gegen Morgen forderte die Natur gebieteriſch ihr Recht, und ich erfreute mich endlich eines feſten Schlafs. Herein! rief ich, aus demſelben erſchrocken auffah⸗ rend; es trommelte bedeutend an der Thür, und als ich mich

beſonnen, daß ich dieſelbe geſtern Abend verriegelt, ſtand iich ſchnell auf.

Während ich das Allernothwendigſte an⸗ zog, um zu öffnen, frug mein Burſch ängſtlich von außen, ob ich etwa krank ſei. Verwundert darüber öffnete ich und ſah mit Erſtaunen außer meinem Burſchen auch Poſchek,

Dritte Folge.

Zeitung.

Wrtba und ſein Weib und hinter ihnen ſogar Janka ängſt⸗ lich lauſchend ſtehen. Alle ſchienen erfreut, daß ich noch lebe, und als ich Poſchek verſicherte, daß mir auch nicht das Mindeſte fehle, ſchienen ſie erſtaunt zu ſein, Janka aber, ich ſah es ganz deutlich, denn nur ſie hatte ich eigent⸗ lich im Auge, ſchoß einen freudeblitzenden Strahl ihres himmliſchen Auges auf mich, erröthete dann verlegen und eilte ſchnell davon. Ich wunderte mich über die zahlreiche Verſammlung vor meiner Thür und fragte erſtaunt nach dem Grunde.

Poſchek nahm das Wort:Lieber Herr, Sie ſcheinen⸗ gar nicht zu wiſſen, wie ſpät es iſt. Seit länger als zwei Stunden bin ich nun ſchon auf Ihren Wunſch hier und warte auf Ihr Erwachen. Anfaugs glaubten wir, Sie wollten es einmal recht genießen, weil Sie doch ſchon lange nicht ordentlich geſchlafen haben, und mochten Sie nicht ſtören. Endlich aber wurden wir ängſtlich und lauſchten an Ihrer Thür, bis Ihr Burſch und ich ſchließlich leiſe au die Thür klopften. Als dies jedoch Alles nichts half, geriethen wir und das ganze Haus in Augſt, daß Ihnen Etwas paſſirt ſein möchte, und da Ihr Diener überdies verſicherte, Sie müßten der Schwadron entgegenreiten und es fehlte nur noch eine Viertelſtunde an der Zeit, zu wel⸗ cher Sie die Pferde parat zu halten ihm befohlen, ſo ſchwand jede Rückſicht, wir fingen an ſtärker zu klopfen, zu rufen, ja endlich anzudonnern, und waren ſchon ent⸗ ſchloſſen die Thür aufzubrechen, als Sie uns endlich hör⸗ ten. Aber das iſt wahr, einen geſunden Schlaf haben Sie.

Erſchrocken ſah ich nach der Uhr. Es war richtig die allerhöchſte Zeit. Die Frage, ob meine Cameraden ſchon dageweſen ſeien, ward verneint, und ich ſchickte meinen Burſchen ſie herbeizuholen, während ich mich raſch anklei⸗ dete und nur im Fluge etwas Frühſtück zu mir nahm. Indeſſen erſchien Adolph und ſein Gefährte, die ziemlich unzufrieden mit ihrem Quartier ſchienen. Der Erſtere war deßhalb mürriſch, und gewiß hatte er aus Aerger darüher ſich bis jetzt nicht blicken laſſen, da er mir mit Recht die Schuld an ſeinem ſchlechten Quartier zuſchrieb. Aber immerhin, wie hätte ich einen ſolchen Habicht in das Neſt der Taube meilter Taube laſſen zu können! Kurz und barſch trug ich ihm auf, in Begleitung des Schul⸗ meiſters alle Quartiere im Dorfe zu muſtern und dann am Eingange des Dorfes der Ankunft der Schwadron zu harren. Ich ſelbſt ſchwang mich aufs Pferd und ritt gen Libochowitz.

Die Mannſchaften waren in ihren Quartieren unter⸗ gebracht, ich hatte dieſelben revidirt, hin und wieder einige

kleine Uebelſtände beſeitigt und begab mich nun zum Ritt⸗