Jahrgang 
01-14 (1862)
Seite
169
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Nr. 11.)

das Erzgebirge ſchräg fortlaufend in einer größern Ferne. Zu unſern Füßen, etwa 5 600 Schritt von dem Fuß des Haſenberges entfernt, ſchlängelte ſich ein Flüßchen in man⸗ cherlei Windungen durch den Wieſengrund, hier und da mit ſchönen Erlengruppen zwiſchen niedrigem Gebüſch beſetzt. Etwa in der Entfernung einer kleinen Meile hoben ſich in der Richtung von Süd nach Weſt zwei ſteile Hügel aus der Ebene, ziemlich ähnlich an Form und Höhe dem, worauf wir ſtanden, und gleich dieſem ebenfalls mit Ruinen ge⸗ krönt, deren Contouren ſich gegen den klaren Abenrhimmel ſcharf abzeichneten. Der Blick in dieſe Gegend war wirk⸗ lich überraſchend ſchön, doch muß ich bemerken, daß ich die vorſtehende flüchtige Skizze nicht an jenem Abend auffaßte, wo ich viel zu befangen und innerlich beunruhigt war, als daß ich das Bild hätte klar in mich aufnehmen können, aber ich hatte noch einige Mal Gelegenheit, die Ausſicht von dort oben mit eben ſo günſtiger Beleuchtung zu ge⸗ nießen.

Poſchek nannte mir die drei Burgen einzeln und bemerkte, daß ſie zuſammen gewöhnlich die Drillinge genannt wür⸗ den. Er erzählte mir ziemlich ausführlich eine uralte Sage, welche ſich durch Tradition im Volke erhaltea hatte. Zerſteut und beunruhigt, dachte ich uur an das, was ich von Janka hören würde, und ſo entgingen mir von der ſehr weitläufigen Geſchichte die meiſten Specialien, beſou⸗ ders Namen und dergleichen mehr.

Ein alter mächtiger Ritter beherrſchte vor grauer Zeit die herrlichen Gauen weit umher. Als er ſtarb, hinter⸗ ließ er jedem ſeiner drei Söhne eine dieſer Burgen und theilte ſeine ubrigen Ländereien zu gleichen Theilen unter ſie. Zwei von ihnen glaubten den Dritten begünſtigt, über⸗ fielen ihn vereint, tödteten ihn, zerſtörten ſeine Burg und theilten ſeine Beſitzungen unter ſich. Sie konnten ſich aber darüber nicht einigen, geriethen in Zank und Feindſchaft, und durch Verrätherei gelang es dem Einen, den Andern auf ſeiner Burg zu überfallen und ihn ebenfalls zu mor⸗

Dritte

den, worauf er der alleinige Beſitzer alles deſſen wurde, was ſein Vater hinterlaſſen hatte. Wegen dieſer Gräuel⸗ that rief der Beherrſcher des Landes, ob Herzog, König oder Kaiſer weiß ich nicht, die Streiter der benachbarten Edlen unter die Waffen, die Burg des Brudermörders wurde belagert, und nach langwierigen Anſtrengungen erſtürmt und ebenfalls vernichtet.

Den Gebieter derſelben ſuchte man jedoch vergebens, und erſt nach vielen Tagen ward ein unterirdiſcher Gang entdeckt, welcher der Sage nach mit einem der beiden andern Schlöſſer in Verbindung ſtand, durch welchen auch die verrätheriſchen Ueberfälle des Bruders ausgeführt worden ſein ſollten, und wodurch der Böſewicht ohne Zweifel entflohen war. Man verfolgte dieſen Gang bis nahe an die?

Burg, auf deren Trümmern wir ſtanden, dort war er verfallen und augenſcheinlich erſt vor ganz kurzer Zeit. Als man nun von dieſſeits den Eingang ſuchte, fand man ihn ebenfalls durch die Trümmer des Burgge⸗ mäuers verſchüttet; mit vieler Mühe arbeitete man hin⸗ durch und fand den vergrabenen Ritter in dem ſchrecklichen Zuſtande eines faſt Verhungerten, das Fleiſch von den Armen abgenagt. Gottes Strafgericht hatte ihn in dieſem Gange nahe dem Schauplatz ſeines erſten Verbrechens er⸗ eilt. Noch lebend wurde er heraufgebracht, in einen tie⸗ fen Brunnen geſtürzt und dieſer bis an den Rand mit Steinen gefüllt. Seine Beſitzungen wurden durch den Landesherrn eingezogen, der das Beſte für ſich behielt und das Andere ſeinen Günſtlingen und Einigen, die ihn bei dieſem Zuge unterſtützt hatten, ſete; die Burgen aber, als mit Fluch beladen, durften iaft wieder aufgebaut werden.(Fortſetzung folgt.)

gens durchdrang der Laut dumpfer Knalle die dicke, düſtere Luft, und eine Stunde ſpäter erhob ſich, von Donner begleitet, eine dunkle Wolke. Sie verbreitete ſich über den Himmel und ſchüt⸗ Es wurde jetzt ſo dunkel wie um Mitternacht, ſo daß man in den Wohnun⸗ gen Licht anzünden mußte, und Leute, die draußen waren, ſich nur mit Mühe nach Hauſe fanden. Nach einer Stunde entſtand ein Dämmerlicht, und um 3 Uhr Nachmittags konnte man die Spitze des Berges wahrnehmen. Auf ihr ſtand eine ſchwarze Aſchenſäule, die ſich gegen Oſten neigte und mit den Wolken zu verſchmelzen ſchien. Gegen Abend wurde der Wiederſchein von dem glühenden Innern des Berges in den ausſtrömenden Dämpfen ſichtbar. Es ſah ſo aus, als ob aus der Spitze eine

ſtets wachſende Flamme hervorſchlage, in der große leuchtende

Steinblöcke ſich ſchaukelten, und nun ſah man auch an der weſt⸗ lichen Seite des Berges einen Lichtſtreifen, den erſten Lavaerguß, herabziehen. In den erſten Tagen des Ausbruchs flog die Aſche bis über die Shetlands und Orkneys hinaus. Aus den Beob⸗ achtungen eines Schiffers geht hervor, daß ſie in zwölf Stunden 92 Meilen zurücklegte, alſo eine Geſchwindigkeit von beinahe 8 Meilen in der Stunde hatte.

Vom 3. bis zum 9. September war der Hekla faſt immer in dunkle Nebel gehüllt. In dieſer Zeit hatte der Lavaſtrom eine halbe Meile zurückgelegt, und zwar mit einer Breite von zwei Meilen und einer Höhe von 50 Juß. Zu Anfang bewegte ſich dieſe ungeheure Maſſe mit einer Geſchwindigkeit von 50 Fuß in der Stunde. Am 14. September erſtreckte ſich die gebogene Aſchenſäule 8 Meilen über den Berg hinaus, und die unterir⸗ diſchen Donner wurden ſo ſtark, daß die Leute die Erſchütterung

im Kopfe kaum ertragen konnten. Im November und Derember erfolgten neue Lavaergüſſe, und große glühende Steinblöcke wur⸗ den gen Himmel geworfen. Dann wurde der Hekla ruhiger, doch kamen im nächſten Frühling noch zwei neue Lavaergüſſe vor, bis am 6. April das ganze Schauſpiel mit einem ziemlich großen, gegen Norden gebogenen Aſchenſtreifen ſchloß.

Von Nordweſten geſehen, iſt der Hekla durchaus nicht impo⸗ ſant. Im Südweſten zeigt er dem Beſchauer eine Kegelform. Auf ſeinem von Südweſt gegen Nordoſt ziehenden Rücken liegen fünf Krater, vier dicht neben einander, der fünfte in einiger Ent⸗ fernung. Alle ſind klein, und der bedeutendſte hat keine größere Tiefe als von 270 Fuß. Bei dem letzten Auswurfe bemerkte man, daß alle fünf Krater geöffnet waren. Nur aus dem einen floß Lava, die übrigen ließen Dämpfe und Aſchenſäulen auf⸗ ſteigen. 77.

Zur Literaturgeſchichte. Herculanum und Pompeji. Alle Freunde der bildenden Kunſt, ja des Schönen und

Poeſievollen überhaupt ſeien darauf aufmerkſam gemacht, daß das große Prachtwerk von Zahn, die antiken Kunſtdenkmäler von Herculanum und Pompeji betreffend, nun endlich ſeine Vollendung erreicht hat. Man kann dies auch in kritiſcher Beziehung ſagen, denn die mannigfaltigen Abbildungen der Wandgemälde und an⸗ dern Kunſtwerke ſind in Zeichnung und Farbe ſo wunderbar trefflich wiedergegeben, und der würdige Verfaſſer gibt darüber ſo viel neues, den Gegenſtand erſchöpfendes Licht, daß dieſes Werk

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