Jahrgang 
01-14 (1862)
Seite
168
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Uovellen-

Dies letztere Quartier beſtimmte ich daher für zwei Lieutenants, den Wachtmeiſter, einen Oberjäger(die ſämmtlich meine Freunde waren) und mich, nebſt unſern ſämmtlichen Burſchen.

Adolph, mit dem ich ſonſt meiſt zuſammen war, hatte ſich in das entgegengeſetzte Ende des Dorfes einquartiert aus leicht zu errathenden Gründen.

Nach dem Mittagseſſen, das eben ſo trefflich war als das erſte Mal, und bei dem Janka ſich leider auch nur auf kurze Augenblicke ſehen ließ, richtete ich mich in meinem kleinen Oberſtübchen ein, und verſuchte dann ein Mittags⸗ ſchläfchen zu halten. Dies gelang mir aber nicht, und ich ließ deßhalb den Schulmeiſter rufen, um mit deſſen Hülfe die Quartierbillets anzufertigen, bei welcher Gelegenheit ich auch erfuhr, daß er Poſchek heiße. Nachdem dies ab⸗ gemacht war, forderte ich den freundlichen Mann auf, wenn es ſeine Zeit erlaube, mit mir einen kleinen Spazier⸗ gang zu machen, und beſonders mich auf den dicht hiater dem Garten meines Wirths befindlichen Ruinenberg zu führen. Er war ſehr bereitwillig dazu, und wir traten unſere Wanderung an. Der Fußſteig auf den Berg führte unmittelbar von der Hinterthür des Gartens gerade auf⸗ wärts und war nicht ſehr beſchwerlich. Die Sonne ſtaud ſchon ſehr tief und beleuchtete die maleriſche Ruine mit herrlichen Farben. Oben angekommen bemerkte ich eine weibliche Geſtalt, welche am Fuße des noch ziemlich erhal⸗ tenen Schloßthurms, däs Geſicht nach dieſem gewendet, kniete und betete. Auch Poſchek bemerkte ſie und blieb ſtehen.

Arme Janka! ach er vor ſich hin, mit einem mit⸗ leidigen Blick auf das Mädchen, die ich nun auch erkannt hatte.Lieber Herr, wandte er ſich nun zu mir,laſſen Sie uns hier links um das Gemäuer biegen, damit wir die Arme nicht ſtören.

Befremdet ſah ich ihn an:Arm, ſagen Sier iſt ſie denn nicht Wrtba's Tochter?

Zeitung.

[VIII. Jahrg. Ja wohl iſt ſie es, aber ich meinte nicht die Armuth an Gütern, ſondern an Lebensfreuden. Janka iſt ſehr un⸗ glücklich. Mein Gott, rief ich bekümmert,erzählen Sie mir doch, was Sie von dem Mädchen wiſſen, ich nehme den innigſten, herzlichſten Autheil an ihr, denn ſie iſt ſo gut.

Seelenreinheit und Herzensgüte ſind ſo deutlich auf ihrem

Geſicht zu leſen und leuchten ſo klar aus ihrem frommen Auge, daß man ſie liebgewinnen muß.

Ja, ſprach Poſchek wohlgefällig,ſie iſt ein liebes

herziges Kind, das gewiß vor vielen andern des größten

Glücks werth wäre, und gerade ſie mußte ſo unglücklich werden. Herzlich gern will ich Ihnen, da Sie ſo viel An⸗ theil an ihr nehmen, ihr Geſchick erzählen, aber nicht jetzt, denn ich kaun nicht kurz und flüchtig erzählen, wenn ich von Janka ſpreche, die ich wie eine Tochter liebe. Ueber⸗ dem iſt ſie auch noch hier und könnte leicht etwas hören, und das möchte ich doch nicht gern, weil es ſie verletzen könnte, einen Fremden zum Mitwiſſer ihres Schickſals zu haben. Darum laſſen Sie uns jetzt nach jenem Mauer⸗ vorſprung gehen und von dort oben die Ausſicht betrachten, ehe die Soune untergeht.

Voll Unruhe und banger Zweifel, was ich hören würde, voll Mitleid für Janka hätte ich am liebſten auf die Aus⸗ ſicht verzichtet, ſo ſchön ſie war und ſo vortrefflich der Au genblick der herrlichſten Beleuchtung dazu gewählt war; aber ich mußte dem Manne ſchon folgen, um es mit ihm nicht zu verderben. Von unſerem Standpunkt gegen Süden dehnte ſich das Land mehrere Meilen weit ziemlich eben aus, nur hier und da von einigen Hügelſtrecken und ſcharf eingeſchnittenen Thalgründen durchzogen, die ſtellenweiss grüne Wieſenflächen bildeten und mit maleriſch gruppirten Gebüſchen abwechſelten. Gegen Oſten begrenzte den Hori⸗ zont die Elbe, die aber nur an einer einzigen Stelle ſicht bar wurde; ein theils mit Wald, theils mit Reben bewach⸗ ſener Höhenzug begleitete ſie, und nach Weſten hin zog ſich

nahendes Alter bedenkend, unter 12 Bedingungen, welche urkund⸗ lich niedergelegt wurden, ſich zur Abtretung ſeiner koſtbaren Geige verſtand. Die Bedingungen lauteten folgendermaßen: 1) Baar⸗ zahlung von 3000 Gulden; 2) lebenslängliche Anſtellung des Maeſtro bei der gräflichen Hauskapelle; 3) an jedem Neujahrstage ein neuer Rock mit goldenen Treſſen im Werthe von 100 Fl.; 4) täglich ein Couvert am Tiſche der Dienerſchaft; 5) täglich ein Maß Wein; 6) jährlich zwei Tonnen Bier; 7) freie Wohnung und Feuerung; 8) freies Licht; 9) monatlich 10 Gulden Taſchen⸗ geld; 10) jährlich 12 Scheffel Korn für eine alte Baſe, ſo lange dieſe lebte; 11) freie Wohnung und Heizung auch für dieſe Baſe; 12) ſo viele Haſen, als der Meiſter für ſeinen eigenen Gebrauch wünſchte.

Die hier genannten Bedingungen wurden getreulich gehalten, und der Graf von Trautmannsdorf hatte nun das Vergnügen, ſeinen Liebling Stezisky auf der beſten Geige von der Welt hören zu können. ÄAber dieſes Vergnügen kam ihm doch etwas zu theuer, denn der Italiener und ſeine Baſe lebten noch volle 16 Jahre, und ſomit koſtete die Geige nach damaliger Berechnung 19797 Gulden. Das Inſtrument iſt noch vorhanden und befin⸗ det ſich gegenwärtig im Beſitze eines Herrn Chrönſel in Wien, der es als Heiligthum aufbewahrt. 3

5 Aus der Natur. Die Eruptionen des Hekſa. Ueber die merkwürdige Inſel Island mit ihren Naturwun⸗

führlichſten Rachrichten; beſonders intereſſant iſt ſeine Schilde⸗ rung der furchtbaren Thätigkeit des Hekla⸗ 4

Von den isländiſchen Vulcanen ſind die meiſten nicht mehr thätig. Unter denen, bei welchen noch Ausbrüche vorkommen, iſt der Hekla der bekannteſte. Zum erſten Male warf er 1104 Feuer aus. Von dieſem erſten geſchichtlich beſtätigten Ausbruche wiſſen wir indeſſen wenig mehr, als daß er ſtattgefunden hat. Man will bei allen ſeinen Thätigkeitsäußerungen beobachtet ha⸗ ben, daß ſie immer durch milde Jahre vorausverkündet ſeien. Mehrmals wüthete der Hekla auffallend lange, faſt ein Jahr. lang, und erregte zugleich ſtarke Erdbeben. Bei dem Ausbruch von 1693 bemerkte man beim Beginn deſſelben unzählige Lichter am Berge, und manchmal ſchien der Hekla ganz in Flammen zu ſtehen. Die ausgeworfene Aſche flog bis Norwegen, und auf Island gingen Tauſende von Vögeln und Fiſchen zu Grunde. Die beiden letzten Ausbrüche waren die von 1766 und von 1845. Der erſte wurde am 5. April des Jahres durch eine ungeheure Aſchenſäule angemeldet, die, von Blitzen und glühenden Steinen durchkreuzt, unter heftigem Knallen und Krachen emporſtieg. Sie erhob ſich mehrmals zu 16,000 Fuß Höhe, bog ſich gegen

Nordweſten und bedeckte noch in dreißig Meilen Entfernung das

dern finden ſich von Georg Guſtav in unſeren Tagen die aus⸗

Land eine halbe Elle hoch mit Schlacken und Aſche. Immer arbeiteten zwei Krater gleichzeitig, zuweilen bemerkte man aber am Berge achtzehn leuchtende Punkte. Steine von ſechs Fuß im Umkreiſe wurden zwei Meilen weit geſchleudert.

Der Ausbruch von 1845 begann am 2. September und ſetzte ſich bis zum 6. April des nächſten Jahres fort. An dem erſtgenannten Tage verhüllten finſtere tief herabhängende Wolken den Hekla und alle nahe liegenden Berge. Um neun Uhr Mor⸗

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