Jahrgang 
01-14 (1862)
Seite
167
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Nr. 11.] Dritte Solge. 167

Auch mein alter Wrtba begrüßte mich nun freundlich mit jedem Augenblicke erwartete ich Janka zu ſehen und

and ſprach daun einige Zeit mit dem Schulmeiſter, worauf erſchrak dennoch, als ſie wirklich die Erſte war, die ich in ſich dieſer an mich wandte und begann:Ihr alter Wirth das Haus treteud erblickte. Mit unbeſchreiblicher Anmuth

hat mir aufgetragen, Ihnen zu ſagen, daß er Willens ge⸗ trat ſie mir entgegen und reichte mir die Hand. weſen ſei, am heutigen Tage mit mir ins Lager zu kom⸗Guten Tag, liebe Janka, ſprach ich, indem ich die⸗ men, um Sie dort zu beſuchen, daß dieſe Abſicht aber durch ſelbe faßte und innig drückte, während mir das Herz in der die angekündigte Einquartierung vereitelt worden ſei, da er Bruſt vor Freude zu ſpringen drohte. Janka ſuchte mir als Mitglied des Dorfgerichts wegen der Dislocirung zu ihre Hand ſanft zu entzieheu, während ſie einen liebevollen gegen ſein müſſe. Zugleich bittet er Sie, wieder bei ihm Blick ihres herrlichen Auges auf mich warf, und eine Pur⸗ zu wohnen, wenn es einzurichten geht und ihnen ein ande⸗ purflamme über ihr ſchönes Geſicht flog. Entzückt öffuete res Quartier nicht lieber wäre. iich die Hand(vielleicht auch den Mund), und weg war ſie. Curioſe Idee von dem Mann! Es kam mir wirklich Bald erſchien ein wackeres Frühſtück, dem ich jedoch böhmiſch vor, daß er glaubte, es könnte mir zuwider ſein, V nur mäßig zuſprach und mit dem Schulmeiſter, der faſt zu mit einem ſo ſchönen Mädchen in einem Hauſe zu wohnen. gleicher Zeit erſchienen war, an mein Geſchäft ging, was Faſt hätte mir dieſer Zweifel eine ſchlechte Meinung von denn auch ohne große Schwierigkeiten in weniger als ſeinem Verſtande beibringen können, obgleich er ſonſt recht einer Stunde beendigt war. Dem Rittmeiſter beſtimmte verſtändig ausſah. Jedenfalls war es bei mir ſchon be⸗ ich ſein Quartier bei dem Richter, und muß bekennen, daß ſchloſſen geweſen, kein auderes als ſein Haus zu meineni ich damit als Judas an ihm handelte, denn der Richter Quartier zu beſtimmien, ſeine Einladung war mir aber war zwar vermögend, aber nicht in dem Grade, als mein doch lieb, und ich erwiderte auf den Antrag des Schul⸗ Wirth, und das Haus deſſelben unanſehnlicher als das meiſters ſehr huldreich: Wrtba's, außerdem war ſein Charakter nicht eben liebens⸗ Recht gern will ich den Wunſch des Alteu erfüllen, würdig, und Gaſtfreiheit gehörte durchaus nicht unter wenn ſich's einrichten läßt, was ich aber für den Augen⸗ ſeine Haupttugenden. Wollte ich rechtſchaffen gegen mei⸗ blick nicht beurtheilen kann. Mein Burſche mag einſt⸗ nen Chef handeln, ſo mußte ich ihn unbedingt bei Wrtba weilen die Pferde in den Stall ziehen, Sie ſorgen jedoch da⸗ umquartieren. Aber dann hätte ich ſelbſt ihm dort ja für, daß meine beiden Camieraden bei dem Richter ein⸗ weichen müſſen, und das ging durchaus nicht an; was hätte quartiert werden, und bringen mir dann gleich eine Liſte der auch Janka dazu geſagt? Ueberdies hatte ich auch Gründe Dorfwirthe nebſt Angabe ihrer verhältnißmäßigen Ein⸗ geuug, die dieſe Einrichtung rechtfertigten. Vorerſt iſt es guartierungspflichtigkeit, damit wir danach die Repartition ein für allemal angenommen, daß der erſte Officier zu entwerfen können. dem erſten und vornehniſten Manne des Orts einquartiert Nun wandte ich mich an Avolph, bedeutete ihn, nebſt wird, weil dies in der Regel das beſſere Quartier iſt und dem Andern dem Schulmeiſter zu folgen und bei dem weil die geſetzgebende und vollziehende Gewalt dann bei Richter Quartier zu nehmen. Zögernd und mit einem einander ſind. Dann hätte ich zu Wrtba außer dem Ritt⸗ ſauern Geſicht folgte er, ich aber ging mit meinem alten meiſter noch mehrere Leute legen müſſen, was dem Letz⸗ Wirth nach ſeinem Hofe. teren, wie ich aus Erfahrung wußte, jedenfalls ſehr zu⸗ Je näher ich kam, deſto ſtärker pochte mir das Herz, wider war.

Roller und der alte Moor, Franz und der Pater, Spiegelberg und Herren gehörte auch der bekannte Graf von Trautmannsdorf, Daniel, Ratzmann und Schwarz, Grimm und Schufterle. Kabale welcher eine große Vorliebe für die Muſik an den Tag legte und und Liebe wurde ſchon oft ohne Lady Milford gegeben. Damit viel dafür ausgab. Unter vielen Muſikern hatte er auch einen

orte ein:Ich war ſchon bei ihr und habe ſie ſo gründlich V Virtuos auf ſeinem Inſtrumente genannt werden durfte, aber

6 nicht auffalle, daß die Dame wegbleibt, flickt Ferdinand die Geiger in ſeinem Solde, Namens Georg Stezisky, der wohl ein

gemacht, daß ſie die Luſt verlieren wird, mich zum zweiten Male leider keine Violine beſaß, die ſeiner Virtuoſität entſprach. Lange zu ſehen, das ekelhafte Frauenzimmer. Zeit bemühte ſich der Graf, ſeinem Violiniſten eine Cremoneſer⸗ In ſolchen Verhältniſſen ſich wohl zu fühlen, ſollte eigentlich geige zu verſchaffen, aber immer vergeblich, denn wer eine ſolche

nur den gemeinſten Naturen möglich ſein. Man wird aber bei deſaß, wollte ſie nicht veräußern, weil dieſe Inſtrumente ſchon

wielen Schmieren Mitglieder finden, die auf etwas Höheres ange⸗ damals ſelten wurden. Einſtmals nun waren der Kaiſer Karl VI. legt waren. Was ſie in ihrer niedrigen Sphäre feſthält, iſt der und König Friedrich Wilhelm I. als Gäſte auf dem Schloſſe des Reiz des Vagabundirens, die Macht der Gewohnheit und die Grafen Trautmannsdorf, und natürlich⸗fanden ſich auch verſchie⸗ liebe Eitelkeit. Wer lange erſte Rollen geſpielt, gewinnt es ſchwer dene durchreiſende Künſtler ein, welche die Gelegenheit benutzen wollten, ſich vor den Majeſtäten hören zu laſſen. Unter Anderm kam auch ein italieniſcher Maeſtro, der zwar ſchon über die Blü⸗

daß er mit der Zeit ein tüchtiger, ſelbſt berühmter Künſtler wird. thenjahre hinaus war, aber ſich doch als erſter Violiniſt Italiens

Das iſt dageweſen, aber ſehr ſelten, und weit öfter kommt es vor, ankündigte. Man ließ ihn ſpielen, und es zeigte ſich, daß er in daß ein ſolcher Vielgewanderter, nachdem er ſich aufgeſchwungen der That ſeine Kunſt verſtand; allein zweifellos verdankte er einen

bat, in den Schlamm des Meerſchweinchens zurückfällt. großen Theil ſeines Erfolgs ſeinem herrlichen Inſtrumente, welches 9 er beſaß, denn als nun nach ihm Georg Stezisky auf derſelben

Geige ſpielte, da war Alles vor Bewunderung außer ſich, weil

Aus der Geſchichte. dieſer weit beſſer ſpielte.Dieſe Geige muß mein Stezisky haben,

d ſchicht und wenn es mich 10000 Fl. koſten ſollte, ſagte der Graf von 4 Der Rauf einer Violine. Trautmannsdorf und wandte ſich ſogleich an den Italiener, um

In früheren Zeiten war es bei den großen Herren Deutſch- deſſen Bedingungen zu hören. Aber der Letztere wollte durchaus lands wir meinen nicht die regierenden Fürſten, ſondern die nichts wiſſen von einem Verkaufe, denn ſeine Violine war von dem Höchſtgeſtellten an den Höfen, die gräflichen Geſandten u. ſ. w. berühmten Jakob Stainer, dem Schüler Amati's, angefertigt und Sitte, ſich eine kleine Hauskapelle zu halten, um ſich bei Tiſche es gab nur ganz wenige Violinen von dieſem Meiſter. Doch der

oder in der Kirche etwas vorſpielen zu laſſen. Zu dieſen großen Graf ſetzte dem Maeſtro ſo lange zu, bis dieſer endlich, ſein heran⸗