Jahrgang 
01-14 (1862)
Seite
170
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Naturſcenen aus Texas.

Uovellen-Zeitung.

nicht aus Schuepfenthal! Das Schwirren eines Koli⸗

bris, jenes lebenden Edelſteins, der das Auge des Euro⸗

päers jederzeit erfreut, zog jetzt meine Aufmerkſamkeit auf

Der als ein tüchtiger Gelehrter der Naturkunde be⸗ kannte Benno Mathes hat unter dem TitelReiſebilder für die Freunde ſeiner wiſſenſchaftlichen Vorträge eine Auswahl deſſen zuſammengeſtellt, was ihm bei ſeinem Ver⸗ weilen in fernen Ländern an intereſſanten Erſcheinungen begegnet iſt. Viel des Neuen und Schönen gewähren ſeine Beobachtungen in Texas, wo er das landſchaftliche und thieriſche Leben mit friſchen Farben ſchildert. Wir ſtellen hier unſern Leſern einige Momente im engeren Rahmen zuſammen, kürzend und auswählend. Der Autor beſchreibt das Leben in der Landſchaft und Vegetation dieſes üppigen Landes.

Wilde Bienen durchſummen die Luft oder ſitzen in den Kelchen der Blumen, um den Honig derſelben zu ſammelu, während die Herolde des Frühjahrs, die bunten Falter, luſtig und zwecklos umhergaukeln oder, auf einer Blume ſitzend, dieſe verlaſſen, um ſich auf eine andere zu ſetzen. Auf den Bäumen zeigt ſich ein außerordentliches Leben, die befiederten Säuger begrüßen mit ihren melodiſchen Stimmen den ſchönen Morgen, ſie hüpfen und flattern von Strauch zu Strauch, von Baum zu Baum und freuen ſich ihres Daſeins, während ſchon die großen und kleinen Becaſſinen und die Rebhühner in Schaaren, das Prairie⸗ huhn vereinzelt, ſorgſam zwiſchen dem Graſe herumlaufen und Inſecten und Würmer und den Samen von Pflanzen zur Nahrung ſich ſuchen.

Zehn bis zwölf Schritte vor mir erblickte ich unter einem prächtig blühenden Exemplare von Erethryna her- bacea einen bunten Knaul, gebildet von einer ziemlich gro⸗ ßen Klapperſchlange. Die Schlange hatte mich bemerkt,

denn ſie drehte den Kopf und richtete ihre Augen auf mich, per,

ſich. Das kleine, nette Vögelchen ſchwirrte vor der Blüthe einer Caſſia, verließ dieſelbe aber plötzlich mit einer derarti⸗ gen Geſchwindigkeit, daß es mir unmöglich war, das Thier⸗ chen mit den Augen zu verfolgen. Es hatte jedenfalls, wie gewöhnlich, einen Kreis in der Luft beſchrieben, deun ſehr bald hörte ich das Summen wieder und ſah das lebhafte Vögelchen vor einer Bignonia. Der flüchtige Kleine hatte keine Zeit zum Setzen, er hielt ſich ſchwebend auf ein und derſelben Stelle in der Luft, obſervirte die vor ihm hän⸗ gende Blume, ſteckte ſchnell den dünnen, laugen Schnabel in den rothen, röhrenförmigen Blumenkelch und glich ſo tänſchend einem Dämmerungsfalter. Von der Bignonia flog der kleine Vogel nach der Lrethryna herbacea, an fangs nur die höchſten Blüthen unterſuchend. Er ſchlug mit den Flügeln ſo ſchnell, daß dieſe, nicht mehr ſichtbar, eben jenes Summen hervorbringen. Doch indem er, von einer Blüthe zur andern naſchend, nur dem Genuß des Nectars ſich hingab, regte es ſich unten am Boden der Pflauze; das verlangende Auge der Klapperſchlange ruhte auf dem kleinen Schwärmer, die länglich⸗verticale Pupille veränderte ihre Dimenſion; der Glanz des Auges erſchien lebhafter, der Rachen öffnete ſich, um ſich wieder zu ſchlie⸗ ßen, es geſchah nur zur Probe, doch ſchon drängte das durch die Bewegung der Kaumuskeln unwillkürlich hervor⸗ gepreßte, tödtende Gift aus dem Zahncaual und ſammelte ſich an der ſcharfen Spitze, grünlichgelbe Tropfen bildend. Dann kam eine ganz außergewöhnliche Lebhaftigkeit in die ſonſt ſo träge Schlange, der Kopf und ein großer Theil des

Vorderkörpers wurden zurückgezogen, der Schwanz in eine

vibrirende Bewegung geſetzt, es erfolgte deutlich das Reibungsgeräuſch der Glieder der hornigen Schwanzklap⸗ und beinahe in demſelben Augenblick ſchnellte die

blieb aber ſo ruhig liegen, als hätte ſie gewußt, daß ich Schlange ihren zurückgezogenen Vorderkörper plötzlich vor,

als das ſchönſte Denkmal modernen Verſtändniſſes undſagen wir auch deutſchen Verſtändniſſes claſſiſcher Größe und Grazie be⸗ trachtet werden muß.

Ueber dreißig Jahre raſtloſer Lebensthätigkeit hat Zahn an dieſe Edition geſetzt, und Goethe war es, welcher noch in den letzten Lebensjahren dieſem Streben den wärmſten Antheil widmete.

Es muß alle Gebildete intereſſiren, den letzten Brief kennen zu lernen, welchen Goethe an Zahn nach Neapel ſchrieb, als dieſer ihm den Anblick der berühmten antiken Moſaikden Sieg Alexanders über Darius vermittelt hatte. Er ſpricht darin zu⸗ gleich, für Jüngere ein demüthigendes Beiſpiel, ſeine Pietät gegen die helleniſche Kunſt aus. Goethe ſchreibt:

Da ich, mein Theuerſter, Ihren lieben Brief vom 18. Febr. heute am 6. März erhalte und ich daher hoffen darf, ein Blatt von mir könne Sie noch vor Ende des Monats erreichen, ſo eil' ich freundlichſt zu erwidern, daß Ihre Sendung mich unendlich erfreut hat.

Kaum, ich will es wohl geſtehen, konnt' ich bei mir feſt⸗ ſetzen und vertrauen, jene ehrenvolle Widmung werde ſich auch

für die Folge aufrecht erhalten, mein Name könne dort be⸗ wahrt, Freunden zum Verſammlungspunkt dienen. Wie ſebr

weiß ich deshalb zu ſchätzen, wenn meine werthen Landsleute,

vereint mit den dortigen Behörden, geneigt ſind, den Ausdruck

jener verehrlichen Geſinnungen lebendig fortwirken zu laſſen.

Freilich Sonderbares mußte hier zuſammentreffen! Es war in den Sternen geſchrieben(ich bediene mich dieſes tro⸗

piſchen Ausdrucks für eins der Ereigniſſe, wofür kein Wort zu finden iſt), daß mein Sohn, an dem ich ſo viele Freude,

Sorge und Hoffnung erlebt, auf ſeiner paraboliſchen Bahn durch Italien, ehe er ſein Ziel in der Nähe der Pyramide des Ceſtius erreichte, ſo viel theilnehmende Freunde fand, und auch dort erwarb, um ſeinem Vater, für alle liebevolle Mühe, treue Sorgfalt und bedeutende Aufopferungen, unter einem eigenen Zuſammenwirken ſo mancher von einander unabhängiger Ereigniſſe, das würdigſte Denkmal zu gewinnen. Ich weiß recht wohl, daß wir Ihrem Einfluß dieſes Gute ſchuldig ſind, und erkenne nicht allein, wie immer, Ihre raſtloſe zweckmäßige Thätigkeit, ſondern auch zugleich das Beharren in dem Wohl⸗ wollen gegen die, denen Sie eine gründliche Neigung gewidmet haben.

Indem Sie die mir ſo haben Sie durchaus empfunden, ei d gen ſehnlich zu erhalten wünſchte. Zwar ſind durch Ihre Sorgfalt und durch Vermittelung wackrer Landsleute in den öffentlichen Blättern umſtändliche und im Allgemeinen genug⸗ thuende Nachrichten zu uns gelangt; aber je ausführlicher der Bericht iſt, deſto lebhafter ſehnt ſich der Geiſt nach dem Ur⸗ bilde. Nun iſt mein Wunſch erfüllt, und es möchte wohl keine Frage ſein, daß jenes Moſaik den Alexander als Ueberwin⸗ der, den Darius in dem Seinigſten überwunden und perſön⸗ lich zur Flucht hingeriſſen vorſtellt. Es iſt ein höchſter Ge⸗ danke, daß, indeſſen der Perſerkönig ſich vor der unmittelbaren Gefahr weniger als über den Untergang ſeines Getreuſten ent⸗ ſetzt, ſein Wagenlenker mit dem Peitſchenſtiele die nachdrin⸗ genden, ſchon ſiegwähnenden tapfern treuen Perſer auseinander winkt, dem flüchtigen Königswagen Platz zu machen, da denn

der Wald der gegen die Griechen geſenkten Speere durch dieſen

erfreuliche Sendung bereiteten, daß ich dergleichen Abbildun⸗

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