Jahrgang 
01-14 (1862)
Seite
156
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Weg durch die Van⸗Diemeusſtraße einzuſchlagen. Als wir von Nagaſaki abſegelten, erkannten wir die von den letzten Strahlen der untergehenden Sonue erleuchteten Anhöhen der Halbinſel Simabara, wo das Chriſtenthum in dem Blute von 37,000 Bekehrten, die man an einem Tage erwürgte, erſtickt wurde; dann zeigten uns mitten in der Nacht die erleuchteten Rauchſäulen des Vulcans hwogaſima, deſſen Gipfel über 700 Metres hoch iſt, wie das Feuer eines Leuchtthurms die Einfahrt in die Meer⸗ enge an. Dort ſind alle Inſeln, alle bemerkenswerthen Punkte erloſchene oder noch brenuende vulcaniſche Kegel. Deu Ländern gegenüber, wo der Satſuma, der größte

Lehnsfürſt des Reiches, herrſcht, der beim erſten Aufruf ein Heer von 30,000 Mann unter ſeinen Fahnen verſam⸗

meln kann, ſahen wir ziemlich nahe Zanegaſima, die erſte Inſel Japans, wo die Europäer feſten Fuß gefaßt haben, und der die hyperboliſchen Erzählungen portugieſiſcher Abenteurer aus dem ſechzehnten Jahrhundert eine gewiſſe Berühmtheit gegeben haben. Als wir ſie aus dem Ge⸗ ſicht verloren, befanden wir uns im ſtillen Oeean. Wir waren auf offener See und hatten um uns her nichts wei⸗ ter als eine von der ſo beſtimmten Linie des Horizonts begrenzte ſapphirne Scheibe, als wir noch in den Augen den deutlichen Eindruck der Geſtade bewahrten; ſo lebhaft ſind die Eindrücke des Lichts in dieſem bevorzugten Lande mit den mit Grün bedeckten Bergen, den mit goldenem Saud bedeckten Küſteu, an deuen ſich hier und da Felſen erheben, die von den Wellen phantaſtiſch geformt ſind. Der widrige Wind, der ſich drei Tage ſpäter erhob, und die dadurch be⸗ wirkte ſtürmiſche See zwangen uns, um die Inſel Fatziziu herumzuſegeln, deren ſteile Seiten man nur mit Hülfe von Seilen oder Ketteu, die an Krahnen befeſtigt ſind, er⸗

Uovellen-Zeitung.

ſteigen kann; ſie iſt das politiſche Botany⸗Bay Japans, wo die wegen Verſchwörung verurtheilten Daimios oder Mitglieder des Adels gefangen gehalten werden; hier ſol⸗ len auch die am Hofe des Taicun(des weltlichen Kaiſers)

[VIII. Jahrg.

verwendeten reichen Seidenſtoffe, die er bei feierlichen Ge⸗ legenheiten auch zum Geſchenk macht, gefertigt werden.

Endlich erhob ſich eine uns günſtige ſüdöſtliche Briſe, die uns vor der ſüdlichen Linie der Vulcane, welche die Kette der zerklüfteten Inſeln bildet, vorüberführte, und wir kamen vor der Bai von Yeddo an.O, welch eine pracht⸗ volle Bai! rufen die Matroſen aller Nationen, wenn ſie in dieſe Art einer innern See eindringen. Es iſt ein vierzig Meilen langer Meerbuſen, deſſen Geſtade ſich bald enger zuſammenziehen, bald erweitern, der in ſeinen eigenſinnigen Umriſſen eine Menge Buchten und Criquen bildet, die alle mit Schiffen angefüllt ſind; im Hintergrunde aller Thäler finden ſich Städte und Dörfer, an der Küſte überall Schiffswerften; alle Vorgebirge ſind mit einer reizenden Begetation und Baumgruppen von dem zierlichſten Laub⸗ werk beveckt, das zur Hälfte ſchöne und maleriſche Häuſer, Pagoden, Myas verbirgt; hier träumt ein Jeder in Durch⸗ fahren ſein Hirtengedicht, zerſtreut liegende kleine Inſeln gleichen Smaragden, die in glänzende Diamanten gefaßt ſind; einige unter den Meer liegende Reihen von Felſen erheben ihren von Schaum glänzenden Rücken; tauſend Fiſcher⸗, Handels⸗ und Luſtjonken durchkreuzen einander ſchweigend, und über alle dieſe Scenen, wo die ganze Natur zu lächeln ſcheint, erhebt der 4000 Metres hohe, ſpitz zu⸗ laufende Fuſi-Yama ſein Haupt und ſeine mit Schnee bedeckten Seiten und beherrſcht die ganze Gegend. Die hohen Orte haben zu allen Zeiten den religiöſen Inſtinct des Menſchen angezogen; auch die Japaneſen haben nicht ermangelt, dem Geiſte der Stürme ſeinen Aufenthalt auf dieſer Bergſpitze anzuweiſen; hierher bringen ſie deiſelben ihre Gaben und ex voto, Säbel oder Jonken en miniature, die ſie in den groben Zwiſchenräumen des von Lavablöcken erbauten Tempels, die ohne Mörtel auf einauder geſchich⸗ tet ſind, aufhängen.

Konnten die Seeleute wohl in dieſen Gewäſſern, dem wahren Sitz der Typhons, dieſer furchtbaren Stürme, die

Herausgeber einen großen Theil ſeiner Thätigkeit gewidmet. So war ſchon ſeine Erſtlingsarbeit eine Ueberſicht der ruſſiſchen Literatur; ein Verſuch, der, für ſo mangelhaft ihn der Verfaſſer ſelbſt nach reiferer Anſicht und tieferer Kenntniß erklären mußte, doch in Deutſchland wie in Rußland eine ungewöhnlich beifällige Aufnahme gefunden hat. Schon jene Arbeit enthielt Proben ſeiner Uebertragungsweiſe, mit welchen es ihm namentlich bei den älteſten und originellſten ruſſiſchen Volksliedern gelang, von Neuem darzuthun, daß der deutſchen Sprache der Ausdruck keiner noch ſo fernliegenden Nationalität verſchloſſen iſt. Er darf dieſes Zeugniß, das auch ſeinen ſpäteren Uebertragungen (einer ganzen Reihe ruſſiſcher Novellendichter) einſtimmig von der Kritik zuerkannt wurde, mit deſto größerer Befriedigung her⸗ vorheben, da es nicht ſowohl ihn als die deutſche Sprache ehrt. Und wie als Ueberſetzer, bekundete der Herausgeber in vielfachen kritiſchen Arbeiten, Biographien und Charakteriſtiken ſeine intime Beſchäftigung mit der Literatur und den Zuſtänden Rußlands. Er zeichnete die letzteren ſchließlich in ſeinen eignen dramatiſchen Dichtungen, die ihren erfolgreichen Weg über die deutſche Bühne machten, und von denen ſein Schauſpiel:Nur eine Seele, in⸗ dem es das empörende Inſtitut der Leibeigenſchaft brandmarkte, doch auch die Hoffnung auf eine Löſung dieſer verhängnißvollen Frage ausſprach⸗

. Seine Hoffnung wurde erfüllt. Iſt ſie es auch noch nicht in dem Maße, in welchem die natürliche Ungeduld der unmittel⸗ bar dabei Betheiligten, oder die unverzeihliche Ungeduld einer überſtürzenden Partei es wünſcht, ſo tröſtet ſich der Herausgeber mit den Worten ſeines Schauſpiels:Was nicht mit der Zeit geſchieht, geſchieht immer nur halb.

V

Die Zuverſicht, daß aus aller Verwirrung, aus allen Miß⸗ verſtändniſſen, aus allen ſinnloſen Ausſchreitungen einerſeits und allen reactionären Gelüſten andrerſeits, die für den Augen⸗ blick ſelbſt die unparteiiſche Beobachtung trüben, doch ſiegreich

der Geiſt des Guten, der Geiſt der Liebe und Gerechtigkeit ſich

in Rußland emporringen wird

an alle Wohlgeſinnten des Landes,

dieſe Zuverſicht läßt der Her⸗ ausgeber ſich durch nichts rauben, und knüpfte er ſie auch nur an den einzigen Mann, der aus eignem Herzenstriebe, mehr ab⸗ geſchreckt als aufgemuntert, den großen Willen und die hohe ſitt⸗ liche Kraft hatte, mit hundertjährigen Traditionen zu brechen und das in ſeinen Folgen unberechenbare Recht der Selbſtbeſtim⸗ mung für alle ſeine Unterthanen zu verkünden! Doch der Heraus⸗ geber, der kein Fürſtenſchmeichler iſt, knüpft ſeine Zuverſicht auch

und ihnen wie dem Herrſcher vertrauend, hält er die Ueberzeugung feſt, daß Rußland die Bahn des Fortſchrittes, die Bahn der Freiheit und Geſetzlich⸗ keit betreten, von der es trotz aller unvermeidlichen Mißbräuche und Gegenanſtrengungen nimmermehr umkehren kann.

So lange es ſich auf dieſer Bahn befindet, hält der Her⸗ ausgeber es für ein zeitgemäßes Werk, dem weſteuropäiſchen Publicum, vornan dem deutſchen, eine überſichtliche Zuſammen⸗ ſtellung der Thatſachen zu bieten, welche den neuen Lebensweg Rußlands bezeichnen, die Hinderniſſe und Abirrungen mit einge⸗ rechnet, die auf demſelben nicht ausbleiben können..

Eine ſolche Zuſammenſtellung beabſichtigt er in der Ruſ⸗ ſiſchen Revue. Die Zeitſchrift wird, von Abstractionen entfernt, auf das volle Leben eingehen, wie es ſich in Literatur und Kunſt darſtellt, wie es in allen Schichten der Geſellſchaft zur Erſchei⸗

nung und in den mannigfaltigen Zweigen der Wiſſenſchaft zur

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