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ſein. Aber bald drängte ſich mir ein anderer noch fatale⸗ rer Gedanke auf. War dies Alles etwa eine Friedeus⸗ feier? Schrecklicher Gedanke! Wozu hatte ich mir dann ſeit dem Rückzuge nach Schleſien meinen Bart in ſeinem
ganzen martialiſchen Umfang wachſen laſſen, und wie ſollte
ich ihn nun wieder los werden, da ich damals mit Mehreren das patriotiſche Gelübde gethau hatte, ihm nicht eher mit einem Scheermeſſer nahe zu kommen, als bis wir die Fran⸗ zoſen ſämmtlich über den Rhein gejagt? Bei einem Frie⸗ densſchluß in den jetzigen Stellungen war aber nicht daran zu denken, daß ſie ihre Grenzen bis über den Rhein zurück⸗ ziehen würden. Und was wurde aus der gehofften Be⸗ freiung Deutſchlands? Niedergeſchlagen und mißmuthig zogen wir alle unſerm Ziele zu, und in einer Viertelſtunde langten wir wohlbehalten, aber voll banger Zweifel bei unſerm Regimente an. Alles war dort voll Freude und Jubel, jauchzend kamen uns die Cameraden entgegen, und ich konnte mir ihr Benehmen gar nicht erklären, denn ich hielt hartnäckig befangen an der einmal gefaßten Idee feſt. (Fortſetzung folgt.)
Japan.
Ueber dieſes jetzt ſo viel geuannte Land, das für uns noch in hohem Grade eine terra incognita iſt, weßhalb jeder neue Aufſchluß über daſſelbe uns um ſo willkommner erſcheint, theilt jetzt das Journal des Debats von demſel⸗ ben franzöſiſchen Officier, deſſen erſten Brief wir unſern Leſern vor längerer Zeit hier mitgetheilt haben, ein zwei⸗ tes aus Hong⸗Kong vom Febr. 1861 datirtes Schreiben
Uovellen-Zeitung.
mit, das ſehr viel Neues und Intereſſantes über Land und Leute von Japan enthält, weßhalb wir den Hauptinhalt deſſelben hier mittheilen wollen. Das Schreiben beginnt: „Eben ſo wie das Feuerland an der ſüdlichſten Spitze Amerika's ſcheint Japau durch eine letzte Convulſion un⸗ ſerer Erdkugel auf die öſtliche Seite des großen aſiatiſchen Continents nach dem ſtillen Meere zu geworfen worden zu ſein; die feuerſpeienden oder rauchenden Vulcane, die ſich auf ſeiner Oberfläche erheben, ſcheinen von dem verhältniß⸗ mäßig neueren Urſprunge dieſes Landes ein Zeugniß zu geben. Eben ſo wie das Feuerland beſteht Japan aus einigen gro ßen und einer Menge kleiner Inſeln, die durch Meeres⸗ arme oder ſchiffbare Meerengen von einander getrennt ſind. Einige Bruchſtücke von Seekarten abgerechnet, welche von engliſchen und amerikaniſchen Officieren unter jedem Vor⸗ behalt entworfen worden ſind, rühren die einzigen ein wenig genauen geographiſchen Belehrungen, die wir über dieſes Land beſitzen, von den japaueſiſchen Aſtronomen ſelbſt her. Ihre Aufzählung iſt ſehr umſtändlich; ſie zählen in ihrem Reiche 3850 Inſeln oder Felſen, doch in dieſer Zahl iſt auch der Liu⸗kiu⸗Archipel und die Inſelgruppe der Kurilen eingeſchloſſen. Welches nun auch die Zahl dieſer Inſeln und Felſen ſein mag, ſo öffnen ſich den Schiffen, beſonders den Dampfern, die ſich von Nagaſaki nach Yeddo begeben wollen, zwei Wege;— der eine durch das ſogenannte in⸗ nere Meer, welches die drei großen Hauptiuſeln Japans, Kiuſiu, auf welcher Nagaſaki der größte Hafen iſt, Sikok und Niphon, auf der Yeddo liegt, von einander trennt;— der andere durch die Van⸗Diemensſtraße, die ſüdlich von Kiuſiu im ſtillen Meere hinaufführt. Für den⸗ jenigen, welcher pittoreske Reiſen liebt, hat beſonders der erſte Weg viel Reiz; man gleitet faſt beſtändig auf einer ruhigen See dahin, die nur ſelten durch von den Bergen herabfallende Ungewitter unruhig wird, von denen man aber beſonders auf einem Dampfſchiffe nichts zu befürch⸗ teu hat. Man befindet ſich unaufhörlich mitten zwi⸗
duct ihrer Heimath. Man trifft ihn auf den höchſten Felsmänden und nur auf ſolchen, die mit kleinen grasbewachſenen Abhängen verſehen ſind..
Es iſt beſonders im Verfolgen des Fulmars, daß die Vogel⸗ fänger auf Saint Kilda ihr Leben ſo häufig auf's Spiel ſetzen. Zwei von ihnen, mit langen Stricken verſehen, begeben ſich an den Rand des Abgrunds. Hierauf befeſtigt der Eine das ſtärkſte der mitgebrachten Taue unter ſeinen Armen, und das Ende eines andern Strickes in die Hand nehmend, wird er vom Felſen hin⸗ abgelaſſen. Sein Gefährte ſteht von der Kante etwas entfernt, das Tragſeil, deſſen anderes Ende er ebenfalls um den Leib ge⸗ bunden hat, mit beiden Händen feſthaltend und langſam abgebend, während er das Signaltau unter dem Fuße weggleiten läßt. So wie der Vogler zu einem mit Fulmars beſetzten Abhange gelangt, beginnt er ſeine Operationen, rafft Eier und Junge auf und er⸗ ſchlägt die Alten mit einem kurzen Stock oder fängt ſie mit einer an eine lange ſchmale Ruthe befeſtigten Schlinge. Darauf bin⸗ det er die Vögel zuſammen und ſucht eine neue Colonie auf, bis er endlich, reich beladen, ſich wieder hinaufziehen läßt. Die Ge⸗ ſchicklichkeit dieſer Felſenbewohner iſt erſtaunlich. Die kleinſte Platte genügt ihnen zum Stehen und ſie kriechen auf Händen und Füßen, mit Vögeln beladen, die ſchmalſten Kanten entlang. So groß iſt ihre Kraft, daß, wenn der hinabgelaſſene Vogler einen Fehltritt macht und die ganze Länge des Seils in die Tiefe ſtürzt, ſein Gefährte durch feſtes Anſtemmen ſeinen Freund und ſich noch rettet. Eine ſolche Mannesſtärke erinnert an das heroiſche Zeitalter. Noch Wunderbareres wird erzählt. Eines Morgens ging ein Vogler allein auf den Fang. Nachdem er das Seil eben am Felſen befeſtigt hatte, ließ er ſich hinunter, bis er einen Ab⸗
hang erreichte, wo er eine reiche Beute zu machen hoffte. Durch ein geſchicktes Hin⸗ und Herſchaukeln kam er richtig zur Stelle, ver⸗ gaß aber beim Landen, ſich den Strick um den Leib zu binden. Ueber das eifrige Einſammeln englitt dieſer ſeinen Händen, bau⸗ melte einige Male hin und her und blieb unbeweglich 6— 8 Fuß vom Abhange frei in der Luft ſchweben. Einen Augenblick ſtand der unglückliche Vogler ſtumm vor Entſetzen da, durch das plötz⸗ liche Schreckniß ſeiner Lage faſt aller Beſinnung beraubt. Furcht⸗ bar war ſie in der That: die Steinmaſſen über ihm ſenkrecht wie eine Mauer, das Meer unten gegen zackige Klippen anbrauſend; keine Möglichkeit, daß aus der Tiefe, bis zu welcher er ſich hinab⸗ gelaſſen hatte, ſein Hülferuf durch das Wogengeräuſch zu den Ohren der Menſchen gelangen könnte. Nur Eins blieb ihm übrig: ein gräßlicher Sprung konnte ihm das Seil wieder in die Hände geben und ihn retten. Verfehlte er ihn, ſo war der ſichere Tod unfehlbar, aber noch beſſer dieſer, als das langſame Verſchmach⸗ ten auf der Felſenplatte. Er faßte alſo einen herzhaften Ent⸗ ſchluß, murmelte ein kurzes inbrünſtiges Gebet, ſammelte ſeine ganze Kraft und ſprang in's Bodenloſe hinein. Er lebte, um die That zu erzählen; denn es gelang ihm, das rettende Seil zu greifen und zu den Seinigen zurückzukehren. 6.
Literatur. Ruſſiſche Revue, eine neue Zeitſchrift von Wilhelm Wolfſohn. Leipzig bei Steinacker Bei einem im äſthetiſchen und kritiſchen Fache wie im Ge⸗ biet der poetiſchen Production vielbewährten Autor wie Wolf⸗
VIII. Jahrg. Ar.
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