Jahrgang 
01-14 (1862)
Seite
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daß keiner von meinen Cameraden es ſah, ſtotterte ich ein paar wahrſcheinlich nichtsſagende Worte, trat zur Seite, und ſie ging geſenkten Blickes zur Thür hinaus.

Ich ſchämte mich ordentlich vor mir ſelber und vor meiner Uniform, daß ich mich ſo leicht hatte von ein Paar Weiberaugen in die Pfanne hauen laſſen, und war nur froh, daß das Mädchen meine einfältigen deutſchen Worte nicht verſtanden hatte. Zum Glück unterbrach mein Wirth dieſe unangenehmen Betrachtungen, indem er hereintrat und mir die Hand mit einem böhmiſchen Gruß reichte; ihm folgte ſeine runde Frau und that ebenſo mit einem gut⸗ müthigen Lächeln ihres freundlichen Vollmondgeſichts. Sie trug einige Löffel, die das Mädchen holen wollte, welches ſich nun aber zu meinem Mißbehagen nicht wieder ſehen ließ.

Wahrſcheinlich hatte ich ſie ſcheu gemacht; wenn ich nur wenigſtens etwas davon gehabt hätte!

Die Suppe wurde von einer Magd aufgetragen, und mit ihr zugleich trat zu meiner Freude der Schulmeiſter herein, den der Wirth zum Eſſen geladen hatte. Nun brauchten wir doch nicht ſtumm da zu ſitzen und das Eſſen ohne die beſte Würze hinunterzuſchlingen. Zwar war es eine äußerſt umſtändliche Unterhaltung, auch nicht ſehr wortreich, da wir eines Dolmetſchers bedurften, und es war mir erwünſcht, daß der Zwiſchenträger die Koſten der Unterhaltung größtentheils allein trug.

Nach einer guten Bierſuppe kam Bratwurſt mit Sauer⸗ kohl, der mit Sahne angemacht mir ſehr behagte. Damit hielt ich das Diner für beendet, und langte leider tüchtig zu, leider, ſage ich, denn es kam nun noch ein trefflich ge⸗ bratener Haſe, dem ich nur ſehr geringe Ehre anthun konnte. Dem ſehr guten ſtarkgehopften Biere folgte jetzt auch eine Flaſche Melniker, der mich mit ſeinem Geburts⸗ ort, wo mir wenige Wochen vorher ein ſchauderhaftes Ge⸗ tränk vorgeſetzt worden war, vollkommen ausſöhnte. Mitt⸗

Uovellen-Zeitung.

lerweile erfuhr ich durch den Schulmeiſter, daß das Dorf Kloppey heiße, am Haſenberge liege, und mein Wirth ein wohlhabender, ja in ſeinem Verhältniß ein reicher Mann ſei.

Auf die Frage, wie derſelbe hieße, ſchrieb er den Na⸗ men in ſeine Brieftafel auf und meinte, ich möchte ſelbſt leſen. Dies war mir aber platterdings unmöglich, ob⸗ gleich ich die Buchſtaben alle recht deutlich erkannte. Aber Wr t b a, wer konnte denn das ausſprechen, ohne ſich die Zunge zu zerbrechen? Der gelehrte Sprachken⸗ ner zog mich endlich aus der Noth, indem er den Namen ausſprach, aber gewiß hätte jeder Andere eben ſowenig als ich ſich träumen laſſen, daß mau aus dieſen Buchſtaben Swirdwa herausleſen konnte. Die Wirthsleute wur⸗ den aufmerkſam, als ſie ihren Namen hörten, und als der Schulmeiſter ihnen die Veranlaſſung erklärte, lachte die Frau, und das ernſte Geſicht des Mannes überflog auch ein leiſes Lächeln, das erſte, was ich an ihm gewahrte. Schon einigemal hatte ich den Schulmeiſter nach dem Mädchen fragen wollen, aber immer wieder gezögert, ohne eigentlich zu wiſſen, warum; eben war ich aber feſt dazu eutſchloſſen, da öffnete ſich die Thüre, und ſie ſelbſt trat herein, ein ziemlich großes, dünnes Bret tragend, ganz be⸗ legt mit kleinen runden, theils weißen, theils ſchwarzen Kuchen. Es war ein böhmiſches Lieblingsgebäck, Lirant⸗ ſchi's(wie das wieder geſchrieben wurde, mochte der Henker wiſſen) oder deutſch Tolken genannt, die mit Pflaumenmus und Käſe belegt waren; ſie ſchmeckten mir vortrefflich, be⸗ ſonders die erſteren; da ſie noch ganz heiß waren, dachte ich mir, daß das Mädchen deßhalb nicht eher hereingekom⸗ men war, weil ſie dieſelben eben ſelbſt bereitet, und noch einige davon, obgleich ich ſchon bis zum Ueberfluß ge⸗ ſättigt war. Das Mädchen hatte, als ſie das Bret, welches ſehr glatt, weiß und reinlich war, wie alles andere zum Tiſche Gehörige, auf den Tiſch ſtellte, mich mit einem kurzen, aber freundlichen Blicke angeſehen, dann dem

eine Ebene mit dem geheiligten Walde am Horizont. Das Schaf war da und zitterte.

Zwei von uns kletterten auf das Dach der Pagode, der Dritte und ich blieben mit dem Fuße auf der Erde ohngefähr dreißig Schritte von der Fallgrube entfernt. Was Kouan anbe⸗

traf, der nur durch den Preis vieler Sopeken(die Scheidemünze

in Cochinchina und Anam) zu beſtimmen war, nicht nach Hauſe zurückzukehren und uns unſern Rückweg allein ſuchen zu laſſen, ſo erkletterte derſelbe den höchſten Baum, den er auffinden konnte.

Wie lange Zeit wir ſo warteten, würde ſchwierig zu beſtim⸗ men ſein, denn in einem ſolchen Falle hat ein Jeder ſeinen eige⸗ nen Maßſtab. Soviel iſt gewiß, der Mond war eben im Auf⸗ gehen begriffen und färbte mit einem unbeſtimmten Wiederſchein die Wolken, die ſich am weſtlichen Himmel aufgehäuft hatten, als ſich ein Krachen dürrer Reiſer vernehmen ließ und ein präch⸗ tiger Tiger, das feuchte Gras zertrennend, ſeinen platten, kurzen Kopf langſam hervorſtreckte, als wolle er ſeine gewiſſe Beute aus⸗ wittern. Wir hatten ihn ſicher eher errathen als geſehen, denn die Nacht war noch ſehr dunkel. ſ mäßig, als ſei es durch die Gegenwart des blutdürſtigen Be⸗ wohners des Werldes bezaubert. Wir waren ſelbſt ſo unbeweg⸗ lich, daß ich kaum glauben kann, der Tiger habe uns geſehen oder bemerkt.

Das Alles erfordert zum Erzählen viel Zeit, verlief aber ſehr geſchwind, obgleich dieſe Augenblicke in der Wirklichkeit wie Jahrhunderte ſind.

Wahrſcheinlich bemerkte der Tiger uns Alle zu gleicher Zeit, denn der Mondſchein drang eben durch den Gipfel des Baumes,

auf dem Kouan ſaß, deſſen Profil ſich am Himmel abzeichnete und der einem großen Affen glich, der den Mond angafft.. Der geſtreifte Rücken des reißenden Thieres glänzte in dem blaſſen Mondenſcheine wie die von dem Nachtthau durchnäßten Rippen der Blätter der Cocospalme und das Schilf.

In dem Augenblick, wo der Tiger ohne Zweifel ſich auf das Schaf ſtürzen wollte, ſchoß einer der Officiere auf dem Dache

der Pagode, der zu ungeduldig war, auf ihn, ohne ihn zu treffen.

Das Schaf ſchwieg inſtinct⸗

Der Tiger, der entweder die Entfernung ſchlecht berechnet hatte, oder der ein unſchädliches Thier verſchmähte und vorzog, Feinde anzugreifen, die ſeiner würdiger waren, war über die Fallgrube und das Schaf weggeſprungen und war nur noch zwanzig Schritt von uns entfernt. Wir ſchoſſen zu gleicher Zeit. Ein heftiger, verlängerter Schrei, wie man einen ſolchen nur in der Wüſte hört, unterbrach die Stille, aber zu derſelben Zeit fühlte ich mich auf die Erde niedergeworfen und ein grauſames Zuſammenpreſſen drückte mir den Hahn meiner Büchſe in meine Bruſt.... Gluͤck⸗ licher Weiſe hatte mein Freund ſein Säbelbajonnet an dem Ende des Rohres ſeiner Büchſe befeſtiget und machte dem Leben meines wilden Beſiegers ein ſchnelles Ende. Es würde mir ſchwer ge⸗ fallen ſein zu ſagen, ob der warme Blutſtrahl, der meinen ganzen Körper überſchwemmte, aus der Wunde des Tigers oder aus der meinigen herrühre. 3 1 Ich kann Dir, mein theurer Freund, in der Wahrheit ſagen, daß es Augenblicke im Leben gibt, die man nie vergißt. Einen ſolchen habe ich bei dieſer Gelegenbeit erlebt und bin gänzlich von dem Wunſche einer Tigerjagd geheilt. 2 Der von ſeinem Baume herabgeſtiegene Kouan zog dem Ti⸗

ger ſogleich das Fell ab und zeigte für dieſes Geſchäft weit mehr

[VIII. Jahrg. N

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