Jahrgang 
01-14 (1862)
Seite
148
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verkennbar zu leſen war. Es war in der That der größte Philologe des Ortes, der Schulmeiſter, denn bald ſtellte ſich heraus, daß er der einzige Menſch im ganzen Dorfe ſei, der deutſch zu ſprechen vermochte. Ich fragte ſofort nach dem regierenden Conſul, und er deutete nach einem weiterhin gelegenen, geringeren Gehöft und lud mich ein, ihm dahin zu folgen, was ich jedoch ablehnte, erwägend, daß man mit einem entbotenen Wirthe rückſichtsloſer unterhandeln und umſpringeu könne, als mit einem gaſt⸗ freien, und befahl denſelben herbeizurufen; ich aber zog mit meinem Heere in den ſchönen Hof, vor dem wir hielten, ein, gebot meinen Leuten abzuſitzen aber vorläufig zur Vorſicht geſchloſſen und aufmerkſam zu bleiben, und näherte mich dem Hauſe.

An der Thür deſſelben ſtand der Eigenthümer, ein be⸗ jahrter Mann von anſehnlicher Geſtalt und einem zwar ernſten, faſt finſteren, aber dennoch nicht abſtoßenden Ge⸗ ſicht. Er zog bei meiner Annäherung ſeine Kappe mit einer Verneigung und ſah mich mit einem ungewiſſen, fragenden Blicke an. Nun ſprach ich ein paar deutſche Worte, worauf er den Kopf ſchüttelte und einige böhmiſche entgegnete, die mich ebeufalls zum Kopfſchütteln veran⸗ laßten.

Komiſch genug mögen ſich nun unſere beiderſeitigen verlegenen, pagodenartig hin⸗ und her wackelnden Geſichter ausgenommen haben, und die Situation wäre gewiß noch komiſcher geworden, wenn nicht zum Glück der Schulmeiſter angekonmmen wäre und das Verſtändniß zwiſchen uns ver⸗ mittelt hätte. Er lud mich im Namen des gaſtfreien Bauern zu einem Frühſtück ein, was ich jedoch vor der Hand ablehnte und dem Schulmeiſter den Zweck meines Beſuchs weitläufig auseinauder ſetzte. Er bekundete ſich als einſichtsvollen und vernünftigen Mann und theilte dem indeß angelangten Oberhaupte der Gemeinde, einem tückiſch blickenden, kurzen viereckigen Kerl, das eben Vernommene mit, was ich mit der freundlichſten Miene begleitete.

Uovellen-Zeitung.

(VIII. Jahrg.

Leider fruchtete Güte nichts, denn der Richter war ſtör⸗ riſch und machte viele Einwendungen gegen ein Verfah⸗ ren, das allerdings nicht ganz loyal war und nur durch die Nothwendigkeit gerechtfertigt werden konnte. Als alles gütliche Unterhandeln, trotz den Zureden des Schulmeiſters und des Bauern, nicht zum gewünſchten Ziele führen wollte, ſuchte ich mein grimmigſtes Geſicht hervor und er⸗ klärte ernſt und beſtimmt, daß ich genöthigt ſei, ſelbſt zu nehmen, was man mir nicht gutwillig geben wolle, daß ich aber dann nicht für größeren Schaden ſtehen und auch nicht quittiren würde.

Dies half augeublicklich; ſo widerſpenſtig der Mann vorher geweſen war, ebenſo demüthig und bereitwillig war er jetzt und bat um das Verzeichniß der zu liefernden Fourage. Abſichtlich dictirte ich nun dem Schulmeiſter größere Quantitäten an Hafer und Heu, als wir fortzu⸗ bringen vermochten. Es ward, wie ich erwartet hatte, um Ermäßigung gebeten, dieſe nach und nach freundlich bewilligt, und als die Sache zu Ende war, hatte ich richtig genau ſo viel, als ich wollte und mitnehmen konnte, und die guten Dörfler waren mir noch obendrein höchſt dank⸗ bar für meine Milde und Billigkeit und beeilten ſich uns aus Erkenntlichkeit beſtens zu bewirthen, während unſere Pferde beſchlagen wurden. Ich war der Einladung des erſt erwähuten Bauern gefolgt, deſſen wohlbeleibte freund⸗ liche Frau mir zum einſtweiligen Imbiß einen rohen Schinken und Eier nebſt einem guten Schnaps vorſetzte.

Während das Mittagbrod bereitet wurde, ließ ich die Fouragebeiträge in dem Hofe meines Wirths zuſammen⸗ bringen. Auf einmal erhob ſich im Dorfe ein Lärm, kreiſchende Stimmen ſchrieen durcheinander; ich eilte aus dem Hofe, um die Urſache zu entdecken, und erblickte einen Trupp doniſche Koſaken eben im Begriff, mehrere Partieen Fourage, die man für uns herbeibrachte, gewaltſam in Beſchlag zu nehmen. Zufällig befand ſich bei meinem

Commando ein Trompeter, deſſen Pferd ebenfalls beſchla⸗

Eine Cigerjagd in Cochinchina.

Ein franzöſiſcher Officier hat von Saigon aus einen Brief an einen Freund in Frankreich geſchrieben, der demMoniteur de la Flotte mitgetheilt worden iſt, und worin ſich die folgende Erzählung von einer Tigerjagd findet.

Seit mehreren Wochen wurden die Einwohner von Phon Ven Mot ein Dorf einige Meilen oberhalb der Stadt Saigon am Donnai gelegen jede Nacht durch das Brüllen der erſchrock⸗ nen Büffel aufgeweckt. Man glaubte, der Schrecken dieſer ruhi⸗ gen Wiederkäuer habe ſeinen Grund in der Anweſenheit irgend eines Thieres aus dem Katzengeſchlecht, und wenn man darüber ſelbſt einige Zweifel gehegt hätte, ſo würden ſie durch die Spuren, welche das Thier in die feuchte Erde eingedrückt hatte, ſchnell zer⸗ ſtreut worden ſein, da es Jedermann bekannt iſt, daß die Tiger an ihren Vordertatzen fünf Zehen, an den Hintertatzen aber deren nur vier haben.

Thomb, der reichſte Anamite in Phon Ven Mot und Be⸗ ſitzer einer Büffelheerde, deren er ſich bei dem Ackerbau bedient, beklagte ſich darüber bei dem Pater Robert, dem franzöſiſchen I Miſſionär, der ſich in dieſer Präfectur niedergelaſſen hat, und

Feuilleton.

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bat ihn um Hülfe gegen den gefährlichen Nachbar, welcher ſeinen Appetit auf Koſten der Dorfbewohner zu befriedigen dachte. Der Pater Robert, ein Mann des Friedens, der nur Feuerwaffen und gezogene Büchſen zu machen hat, um das Wort Gottes unter den Anbetern des Buddha zu verbreiten, glaubte nichts Beſſeres thun zu können, als ſich an die franzöſiſche Garniſon zu wenden, und der Anweſenheit meines Schiffes in Phon Ven Mot hatte ich es zu verdanken, daß ich dem Drama beiwohnen konnte, das ich Dir jetzt erzählen will.

Thomb lieh uns, um uns nach dem Lager des Tigers oder der Tigerin zu führen, denn noch mußten wir nicht, ob der Feind, den wir aufſuchen wollten, männlichen oder weiblichen Geſchlechts ſei, einen ſeiner Dienſtboten, Namens Kouan, der in frühern Zeiten wilde Büffel mit der Lanze gejagt und ſich dabei die genaueſte Ortskenntniß eingeſammelt hatte. 1

Während des Tages ließen wir in der Nähe der Stelle, wo

die Spuren des Thieres am ſichtbarſten waren, einen eilf Fuß tiefen und ſieben Fuß breiten Graben herſtellen, in deſſen Tiefe zugeſpitzte und vollkommen verſtählte Bambuspfähle aufgeſtellt wurden. Als dies geſchehen war, wurde dieſe verrätheri ſche Stelle oben mit Latten und biegſamen Zweigen bedeckt, und auf

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