Jahrgang 
01-14 (1862)
Seite
143
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Jahrg Nr. 9.]

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und Felſenpartieen begleiten die Chemnitz auf ihrem Lauf, und wir werden nicht müde hier die duftende Herrlichkeit der Natur zu genießen, die um ſo anziehender iſt, als der Zug der Touriſten ſeine Richtung noch nicht hierhergenom⸗ men und alle Schönheit, die ſich bietet, gleichſam nur für uns allein da iſt und doch auch nur von uns überraſcht wird, nicht ſich erſt für uns geſchmückt hat. Wie viel

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Egoismus auch ein ſolcher Ausſpruch verrathen mag daß dies Gefühl ſich uns unwillkürlich aufdrängt, iſt nun einmal in der menſchlichen Natur begründet! Von Burgſtädt brachte uns die Poſt ins ſächſiſche Mancheſter und von Chemnitz der Dampfwagen zurück nach Leipzig. Der romantiſche Ausflug endete im Ge⸗ triebe des Handels und der Induſtrie! P.

Literariſche Briefe von Otto Banck.

Drei Novellen von Theodor Storm, und: Ein grünes Blatt, zwei Novellen von demſelben. Berlin, Ver⸗ lag von Schindler.

Hören wir nur eine Weile den Anfang der Novelle, welcheEin grünes Blatt betitelt iſt, um uns zugleich in reizender Unterhaltung mitten in das hineinzuführen, was bei dieſer Gelegenheit weſentlich zu ſagen iſt:

Er mochte ein Student ſein, vielleicht ein junger Doc⸗ tor, der auf dem ſchmalen Fußſteige über die Haide ging. Die Kugelbüchſe, welche er am ledernen Riemen über die Schulter trug, ſchien ihm ſchwer zu werden, denn je zuwei⸗ len im Weiterſchreiten nahm er ſie in die Hand, oder hängte ſie von einer Schulter auf die andere. Seine Mütze hatte er abgenommen, die Nachmittagsſonne glühte in ſeinen Haaren. Um ihn her war alles Gethier leben⸗ dig, was auf der Haide die Juniſchwüle auszubrüten pflegt; das rannte zu ſeinen Füßen und arbeitete ſich durchs

Geſtäude, das blendete und ſchwärmte ihm vor den Augen

und begleitete ihn auf Schritt und Tritt. Die Haide blühte, die Luft war durchwürzt von Wohlgerüchen.

Nun ſtand der Wanderer ſtill und blickte über die Steppe, wie ſie ſich endlos nach allen Richtungen hinzog; ſtarr, einförmig, mit rothem Schimmer ganz bedeckt. Nur vor ſich in nicht gar weiter Ferne ſah er einen Waldzug, an deſſen Ende ein Faden weißen Rauches in die klare Luft hinaufſtieg. Das war Alles.

In ſeiner Nähe, zur Seite des Steiges, lag ein uie⸗

driger Hügel voll Brombeerranken und wilder Roſenbüſche,

ein Grabmal unbekannten Volkes, wie hier viele ſind. Er ſtieg hinauf und überſah auch von dieſem höheren Stand⸗ punkte noch einmal die unermeßliche Fläche; aber er ge⸗ wahrte nichts als nur am Saume des Waldes eine ein⸗ ſame Kathe, aus deren Dach der Rauch emporquoll, den er zuvor geſehen hatte. Er riß ein Büſchel Haide aus dem harten Bodeu und ſenkte ſein Auge in den feinen Stern der Blüthe; dann nahm er ſeine Büchſe herunter undſtreckte ſich in die warmen Kräuter, den Kopf in die Hand geſtützt, die Blicke vor ſich hinſendend, bis ſeine Gedanken in der heißen, zitternden Luft zergingen.

Und wie nun ſo auch der Hall des eigenen Schrittes, der bisher mit ihm gewandelt, aufgehört hatte und er nichts

mehr vernahm, als die Haide entlang das Zirpen der

Heuſchrecken und das Summen der Bienen, welche an den Kelchen hingen, mitunter in unſichtbarer Höhe über ſich den Geſang der Haidelerche, da überkam ihn unbezwing⸗

liche Sommermüdigkeit. Die Schmetterlinge, die blauen Argusfalter gaukelten auf und ab, dazwiſchen ſchoſſen ro⸗ ſenrothe Streifen vom Himmel zu ihm hernieder; der Duft der Eriken legte ſich wie eine zarte Wolke über ſeine Augen.

Der Sommerwind kam über die Haide und weckte eine Kreuzotter, die ſich nicht weit davon im Staube ſonute. Sie löſte ihre Spirale und glitt über den harten Boden; das Kraut rauſchte, als ſie den ſchuppigen Leib hindurch⸗ zog. Der Schlafende wandte den Kopf und halb erwa⸗ chend ſah er in das kleine Auge der Schlange, die neben ſeinem Kopfe hinkroch. Er wollte die Haud erheben, aber er vermochte es nicht. Das Auge des Gewürms ließ nicht von ihm. So lag er zwiſchen Traum und Wachen. Nur wie durch einen Schleier ſah er endlich die Geſtalt eines Mädchens auf ſich zukommen, kindlich faſt, doch kräftigen Baues, das Haar in dicken, blonden Zöpfen. Sie bog die Ranken zur Seite und ſetzte ſich neben ihm auf den Boden. Das Auge der Schlange ließ ihn los und verſchwand. Er ſah nichts mehr. Dann kam der Traum. Da war er wieder der Hans im Märchen, wie er es oft als Knabe geweſen war, und lag im Graſe vor dem Schlangengeſichte, um die verzauberte Prinzeſſin zu erlöſen. Die Schlange kam heraus und rief:

Aſchengraue Wängelein, Weh dem armen Schlängelein!

Da küßte er die Schlange, und da war's geſchehn: die ſchöne Prinzeſſin hielt ihn in ihren Armen und wun⸗ derlich war es ſie trug ihr Haar in zwei aſchblonden Zöpfen und ein Mieder wie eine Bauerndirne.

Das Mädchen hatte ihre Hände um die Kniee gefaltet und ſah unbeweglich über die Haide hinaus. Nur das heimliche Rauſchen und Wimmeln in der unendlichen Pflanzendecke, hier und da ein Vogelruf aus der Luft oder unten vom Moor herauf, dazwiſchen das Athmen des Schlafenden, ſonſt kein Laut. So verging eine Spanne Zeit. Endlich neigte ſie ſich über ihn; die langen Flechten fielen auf ſeine Wangen. Er ſchlug die Augen auf und wie er ſo das junge Antlitz über dem ſeinen ſchweben ſah, da ſagte er noch halb im Traume:Prinzeſſin, was haſt Du für blaue Augen!

Ganz blau, ſagte ſie,die ſind von meiner Mutter.

Von Deiner Mutter? Haſt Du denn eine Mutter?

Du biſt nicht klug, ſagte das Mädchen, indem ſie aufſprang;ſie hat vor vier Wochen den Voigt geheira⸗ thet. Seitdem bin ich beim Großvater.