Jahrgang 
01-14 (1862)
Seite
136
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136 Uoveilen-Zeitung.

nicht zu übertönen vermag aber Honolka winkte Mat⸗ thias noch einmal zu ſchweigen und flüſterte nur:Ich will Dir ſchon zu Deiner Braut verhelfen oder ich ver⸗ V derhe ſie und ihr ganzes Haus, den Dechanten und die ganze Kleriſei! Aber beharrlich verweigerte er nach dieſen mit drohendem Pathos, wenn auch leiſe geſprochenen, ge⸗ heimnißvollen Worten jede weitere Auskunft.

Jetzt begann die Meſſe alle Oboen, Trompeten, Poſaunen und Pauken und alle Chorſänger der Stadt waren dabei betheiligt Veronika ſang ein wundervol⸗ les Solo aller Blicke wandten ſich nach dem Orgelchor hinauf nach der Sangerin die langgetragenen Noten, die ſie ſang, ſchienen ganz beſonders für ihr ſchöues Organ zu paſſen der Text war lateiniſch.

Matthias war zweifach, dreifach ergriffen von dieſem Geſaug, dieſer ganzen Muſik, faſt hielt er den Odem an, und alle ſeine Sinne waren in ſeinem Ohre.Was ſingt ſie nur eigeutlich? fragte er ſeinen muſikaliſchen Freund, der in alter und neuer Muſik viel bewanderter war, als er ſelbſt.

Euer Hochzeitslied! antwortete Honolka ſeelenver⸗ gnügt,Alles geht vortrefflich entweder ſingt ſie Ver⸗ derben über ſich und ihr Haus, oder ſie ſingt zur Erlöſung für Dich!

Aber jetzt war kein Augenblick zum Zwiegeſpräch der Biſchof am Hochaltar hielt die goldene Monſtranz hoch empor, und alle Anweſenden lagen auf den Knieen und beug⸗ ten ſich tief in den Staub vor dem Allerheiligſten, indeß die Muſik gleich wie auf heiligen Schwingen in ihrer er⸗ habenſten Weiſe dem feierlichſten Moment den würdigſten Ausdruck gab.

Als der heiligſte Augenblick vorüber war, als der Biſchof wieder das höchſte Gut in ſeinen Schrein am Al⸗ tar geſtellt, als er dieſen verlaſſen und die Menge ſich von ihren Knieen erhoben hatte und auch der letzte Ton der Muſik verhallt war, da ſagte Honolka zu dem Freund:

[VIII. Jahrg.

Deine Verenika hat einige Zeilen des Gebetes der Eliſabeth aus demTannhäuſer mit lateiniſchem Text geſungen, und während der Wandlung ward die Intro⸗

duction aus Waguer'sLohengrin geſpielt biſt Du

nun zufrieden? Aber wie iſt das möglich? fragte Matthias, der

ſtarr vor Staunen ſtand.

Die Sache iſt ſehr einfach erklärt, ſagte Honolka; der Muſikalienhändler in Prag, mit demn ich in ſo naher Verbindung bin, daß ich faſt taglich zu ihm komme und oft mit Rarh und That au die Hand gehe, zeigte mir neu⸗ lich einen Brief des Cantors Jerwitz, der ihn um Partitu⸗ ren alter Kirchenmuſiken bat und beſonders diejenigen wünſchte, die in Rom in St. Peter oder in unſerm Veits⸗ dom ſelbſt aufgeführt würden. Daran war aber der Wunſch geknüpft, daß ein altes, vielleicht geſchriebenes Exemplar, um Koſten zu ſparen, lieber geſehen würde, als ein neues. Die Sendung ward umgehend erwartet, da man die Muſik in zwei bis drei Wochen bei der Gegen⸗ wart des Biſchofs aufführen wollte. Ich hatte Deinen Brief bercits erhalten und war glücklich, wie ſich mir hier ganz von ſelbſt die Gelegenheit bot, Dich und die ganze Zukunftsmuſik an allen Widerſachern zu rächen und zu rechtfertigen. Ich erbot mich unter der Bemerkung, daß ich die hieſigen Orcheſterverhältniſſe am beſten kenne, die Noten zu wählen. In eine alte lateiniſche Meſſe legte ich das Gebet der Eliſabeth ein ich ſchrieb es ab und überſetzte es ins Lateiniſche, und die Introduction zu Lohengrin ward auch unter dem Namen eines alten Meiſters eingeſchmuggelt. Ich trieb den Lehrling zur Eile, daß er auch unter meinen Augen die Noten einpackte und zur Poſt beförderte, damit ich dem Chef nicht erſt Rechen⸗ ſchaft über meine Wahl zu geben hatte, der möglicher Weiſe mein Verfahren zu kühn gefunden hätte, während er, wenn der Spaß gelungen iſt, ſich vor Vergnügen die Hände reiben wird!

der Held Lämmerſchling und ſein Gemahl Gotelind auf dem Brautſtuhl ſaßen. Die Knappen fuhren und trieben auf Wagen und auf Roſſen emſig geſtohlenen Trank und Speiſe in Lämmer⸗ ſchling's Vaterhaus. Als Gotelind aber kam, ging der Bräuti⸗ gam ihr entgegen und empfing ſie:Willkommen, Dame Gote⸗ lind.Gott lohne euch, Herr Lämmerſchling. So begrüßten ſie einander freundlich, und ein alter Mann, weiſe in Worten, ſtand auf und ſtellte beide in einen Ring, und frug dreimal den Mann und die Magd:Wollt ihr zur Ehe nehmen, ſo ſprechet Ja. So gab er ſie zuſammen. Alle ſangen das Brautlied, der Bräutigam trat der Braut auf den Fuß*). Darauf wurde das Hochzeitmahl bereitet. Aber ſeltſam war es, vor den Kna⸗ ben ſchwand die Speiſe, als wenn ein Wind ſie vom Tiſche wehte, ſie aßen unendlich, was ihnen der Truchſeß von der Küche auf⸗ trug, und es blieb nicht ſo viel daran, daß der Hund die Knochen abnagen konnte. Man ſagt, jedem Menſchen, der ſo unmäßig ißt, dem naht ſein Ende. Der Braut Gotelind begann zu grauſen und ſie tlagte:Wehe! uns naht ein Unheil; mir iſt das Herz ſo ſchwer! Wehe mir, daß ich Vater und Mutter ver⸗ laſſen habe; wer zuviel will, dem wird wenig, dieſe Gierigkeit führt in den Abgrund der Hölle. Noch eine Weile ſaßen ſie nach dem Eſſen, ſchon hatten die Spielleute von Braut und Bräutigam ihre Gabe empfangen; V *) Der altdeutſche Brauch der Vermählung. Die Kirche wurde im dreizehnten Jahrhundert bei der Trauung der Landleute wie der Hofleute noch durchaus nicht immer in Anſpruch genommen. Erſt im vierzehnten Jahrhundert galt es für ungebilder, nicht von einem Geiſtlichen eingeſegnet zu jein. Wenn unſere Junter gegen die Civilehe eifern, ſo haben ſie ver⸗ geſſen, daß bereits ihre Ahnen ſich ſo vermählten.

da ſah man den Richter mit fünf Männern kommen. Es war ein kurzer Kampf, mit den fünfen ſiegte der Richter über zehn, denn ein rechter Dieb, wie kuhn er auch ſei, und ſchlüge er auch ein ganzes Heer, iſt wehrlos gegen die Schergen. Die Räuber ſchluͤpften in den Ofen und unter die Bank; wer ſonſt nicht vor vieren floh, den zog jetzt der Knecht des Schergen allein bei ſei⸗ nem Haare hervor. Gotelind verlor ihr Brautgewand, an einem Zaune fand man ſie, erſchreckt, entblößt, verachtet. Den Dieben aber wurden die Häute der Rinder, die ſie geraubt, an den Hals ge⸗ bunden, als der Gewinn für den Richter. Der Bräutigam trug ſeinem Tage zu Chren nur zwei, die andern aber mehr. Der Richter hatte eher einen wilden Wolf um Gut und Geld am Leben gelaſſen, als dieſe Näuber. Der Scherge hing neune, den zehnten Uieß er am Leben nach Henkersrecht, und dieſer zehnte war Schling⸗ dengau Helmbrecht. Der Scherge rächte den Vater an ihm, er ſtach ihm die Augen aus, er rächte die Mutter und ſchlug ihm eine Hand und einen Fuß ab. So führte den blinden Helm⸗ brecht ein Knecht am Stabe heim vor ſeines Vaters Haus. Nachdem der Vater den unglücklichen Miſſethäter von ſeiner Schwelle gewieſen hat, lebt er noch eine Zeit lang, ſein Brod vom Mitleiden erbettelnd, bis er endlich in einem Walde von Bauern, denen er zur Zeit ſeines Uebermuths großes Leid zugefügt hat,

an einem Baum erhängt und ſomit wirklich nach des Vaters

Traum eine Speiſe der Raben und Krähen wird.

So endet die Geſchichte vom jungen Helmbrecht, der ein Ritter werden wollte. Und ſo ungefähr dürfen wir uns Lage und Stimmung der freien Bauern beim Beginnen der langen Auf⸗ löſungsperiode denken, welche den Zuſammenhang des deutſchen Reiches lockerte, die Hausmacht der großen Fürſtengeſchlechter

7 macht, übrig andre gehen vorau ſilcho grin⸗ Hau

Jer ſole Kir wer mit thu inde hal