Jahrgang 
01-14 (1862)
Seite
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Widerſpruch mehr, als auch er ſagte:Der Segen der Kirche iſt noch nicht über Euch geſprochen und wird nie ge⸗ ſprochen werden, da ſie ihn nicht ertheilt ohne des Vaters Segen und daß dieſer dem Komödianten nicht wird, habt Ihr gehört.

Matthias ſtand mit Würde trotz ſeiner Jugend den beiden alten Männern gegenüber.Ich kann nicht bleiben, wo man mich gehen heißt, ſagte er,ich erſpare inir jetzt jeden Streit und erwarte die Entſcheidung von einer höheren Macht. Damit ging er.

Matthias verlebte die folgenden Tage in ſtiller Ver⸗ zweiflung, unter der immer wiederkehrenden bangen Frage, was nun zu beginnen ſei.

Was ſeine Muſikaufführungen betraf, ſo hatte die Sache allerdings ihre vollkommene Richtigkeit. Es war ihm langweilig erſchienen, in der Kirche immer nur daſ⸗ ſelbe zu wiederholen, er hatte ſich umgeſehen unter den Werken neuerer Meiſter, oöb nicht unter ihren Compoſitio⸗ nen ſich Verwendbares ſinden möchte. Ein Jugeudfreund, Joſeph Honolta, mit dem er früher in Prag ſeine muſika⸗ liſchen Studien zuſammen gemacht, und der ſich ſpäter ganz der Muſik gewidmet hatte, war ihm dabei rathend zur Hand gegangen. Honolka hatte ſich der neudeutſchen Kunſtrichtung, der ſogenanuten Zukunftsmuſik, mit aller Entſchiedeuheit zugewendet, und es konnte nicht fehlen, daß er bei Liſzt und Wagner Vieles fand, das im polyphonen Styl gehalten für die kirchlichen Zwecke beſonders ſich eig⸗ nete; er ſandte dies an Matthias, der damit die Ohren der Kirchgänger zugleich ergötzte, wie ihre Seelen erhob. Aber nicht in der erwähnten Nepomukskirche allein, auch noch in vielen andern Kirchen im Lande wurde, theils durch die Bemühungen Honolka's und ſeiner Freunde, theils der betreffenden Muſikalienhändler, unter den Klängen von Liſzt und Wagner das Hochamt gehalten. Die ge⸗ wöhnlichen Kirchgänger bemerkten natürlich entweder gar

Uovellen-Zeitung.

Falle.

[VIII. Jahrg.

keine oder nur eine vortheilhafte Veränderung, und die Meſſe haltenden Geiſtlichen waren meiſt in demſelben Wie ſtauuten ſie, als ihnen einſt ein alter Muſi⸗

ker, der mit wahrhaft zelotiſchem Eifer die neue Muſikein⸗

richtung und ihre Anhänger verfolgte, die Eröffnung machte, daß man während der Wandlung am Altare in

der Hand des weihenden Prieſters vom Chor herab eine Stelle ausTannhäuſer geſpielt habe, einer Oper, in welcher die Liebesgöttin Frau Venus ſelbſt eine Haupt⸗ rolle ſpiele und der Papſt nur mit Mühe und Noth der Gefahr entgangen ſei, neben ihr auf die Bühne gebracht zu werden! Das Entſetzen über dieſe Enthüllung war unter der Geiſtlichkeit nicht gering, und es kam bis zu einem Erlaß des Biſchofs an alle Pfarrer und Kirchendiener, darüber zu wachen, daß in ihren Kirchen nur gute alte Kirchenmuſik römiſch⸗katholiſcher Meiſter, nicht aber weltliche Weiſen von ſolchen Baalsprieſtern wie Wagner und Liſzt, noch von andern Zukunftsmuſikern aufgeführt würden; die Cantoren, die das gethan, ſollten darüber zur ſtrengen Rechenſchaft gezogen werden.

Ein ſolches Circularſchreiben war auch an den Dechan⸗ ten, war auch an den Pfarrer der Nepomukskirche gekom⸗ men, und ſo mußte Matthias wohl darauf gefaßt ſein, in eine Disciplinarſtrafe zu verfallen. Indeß redete ihm ſein freundlicher Pfarrer ſelbſt zu, daß es vielleicht auch bei der Verwarnung ſein Bewenden haben werde, und forderte ihn nur auf, dem Verbot dieſer Muſiken bis auf Weiteres Folge zu leiſten. So nahm er die Sache leicht, indeß der Dechant ſie ſchwer und eruſt nahm, ſo daß erſt durch ihn und in ſeiner Stadt Matthias ein wirkliches Unglück für ſich daraus fürchten mußte.

Er ſchrieb dies Alles ſeinem Freunde Honolka, und dieſer antwortete in der ihm eignen heitern Laune unter Anderm:

Du denkſt Zukunftsmuſik

wahrſcheinlich jetzt auch, ich hätte mit dieſer Deine ganze Zukunft vergiftet und wenn

darnach iſt er in Sachſen oder Brabant zu Hauſe, er ſprachik undKindeken, es wird ſicher ein Sachſe.

Da rief der Wirth mit ſchlichter Rede:Biſt du's, mein Sohn Helmbrecht? Chre deine Mutter und mich, ſprich ein Wort deutſch, und ich ſelbſt will dir deinen Hengſt abwiſchen, ich und nicht mein Knecht. Biſt du Helmbrecht, mein Sohn? Noch heut' Nacht will ich dir ein Huhn ſieden und eins braten. Seid ihr aber ein Fremder, ein Böhme oder ein Wende, ſo fahrt hin zu den Winden. Seid ihr ein Sachſe oder ein Brabanter, ſo müßt ihr euer Mahl mit euch führen, von mir erhaltet ihr nichts, und währte die Nacht ein ganzes Jahr. Für euch Junker habe ich keinen Meth noch Wein, den muͤßt ihr bei den Herren ſuchen.

Nun war es zu ſpät geworden, und kein Wirth in der Nähe, der den Knaben behalten hätte; ſo überlegte er und ſprach:Frei⸗ lich bin ich der, ich bin Helmbrecht, einſt war ich euer Sohn und Knecht. Der Vater ſprach:Ihr ſeid es nicht.Ich bin es doch.So nennt mir erſt die vier Namen meiner Ochſen. Da nannte der Sohn die vier Namen:Auer, Räme, Erke, Sonne; ich habe oft meine Gerte über ihnen geſchwungen, es ſind die beſten Ochſen der Welt, wollt ihr mich jetzt erkennen? Heißt mir das Thor aufſchließen. Der Vater rief:Thür und Thor, Gemach und Schrein, jetzt ſoll dir Alles offen ſein.

So ward der Sohn wohl empfangen, von Schweſter und Mutter weich gebettet; die Mutter rief der Tochter zu;Lauf, hole ein Polſter und ein weiches Kiſſen. Das ward ihm unter den Arm am warmen Ofen gelegt, und behaglich wartete er, bis das Eſſen bereitet war. Es war ein Herreneſſen, klein geſchnit⸗ tenes Kraut mit gutem Fleiſch, eine fette Gans am Spieß ge⸗ braten, groß wie ein Trappe, gebratenes und geſottenes Huhn.

heute müßt jer getrun⸗

Und der Vater ſprach:Hätte ich Wein, 5 dem beſten Quell,

ken werden; ſo aber trink, lieber Sohn, von der je aus der Erde floß..

Und der junge Helmbrecht packte ſeine Geſchenke aus, dem Vater einen Wetzſtein, Senſe und Beil, die beſten Bauernkleinode der Welt, der Mutter einen Fuchspelz, den er einem Pfaffen ab⸗ gezogen hatte, ſeiner Schweſter Gotelind eine ſeidene Binde und eine beſchlagene Borte, die beſſer für eine Edelfrau gepaßt hätte, er hatte ſie einem Kramer genommen.

So weilte der Sohn bei dem Vater.

Darauf fragte der Vater den Sohn, wie der Hofbrauch da ſei, wo er bis jetzt gelebt habe.Auch ich, ſprach er,ging einſt, als ich ein Knabe war, mit Käſe und Eiern zu Hofe, damals waren die Ritter von anderer Art, höflich und von Sitten, ſie

übten ritterliches Waffenſpiel, dann tanzten ſie mit den Frauen und ſangen dazu, dann kam der Spielmann mit ſeiner Geige, und wenn er anfing, ſtanden die Frauen auf, die Ritter gingen auf ſie zu, nahmen ſie zierlich bei der Hand und tanzten artig, und wenn das vorbei war, kam wieder einer und las aus einem Buche vor von einem, der Ernſt hieß*). Alles war damals in fröhlicher Geſelligkeit. Die Einen ſchoſſen mit dem Bogen nach dem Ziel, Andere gingen jagen und pürſchen, der Schlechteſte von damals wäre jetzt wohl der Allerbeſte. Denn jetzt wird werth gehalten, wer horchen und lügen kann, Treue und Ehre ſind in Falſchheit verkehrt, jetzt ſind die Turniere nach alter Art nicht mehr Brauch; dafür ſind andere im Ehwenge. Sonſt hörte man im Ritterſpiel ſo rufen: Heia, Ritter, ſei froh! Jetzt

Gedicht des Mittelalters.

*) Herzog Ernſt von Schwaben, berühmtes

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