Jahrgang 
01-14 (1862)
Seite
133
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i, den Chor uſikleben des ungen hatten efunden, und gegründeten ttpeifern und rie ſich auch gateit in der

liebenen zum latthiod hatte kommen wande er Empfang! klärung.

agt, daß der r Inſpections⸗ in der Kirche

und wie er in.

eine Art Ver⸗ ſei. Statt der ſeiner Schule r gauz ungeiſt⸗ mit heidniſchen Liſßt, und was neines Ketzers, mten, Richard ſchen Frevels jes werde ihn icht Abſetzung ſei ihr Vac ea KSen, ihm dre Weigerung nächſten Beſuch mund ihm das zum Glück noch

ihr lernte Helm⸗ das Mädchen

Dritte in der Schule und Marie ausgegangen, um ſechs Uhr aber werde er wieder kommen, und dann ſolle ſich Mat thias nicht von ihm finden laſſen.

Matthias hörte dieſen Bericht nicht ohne Beſtürzung, die aber hauptſächlich Verwunderung war, ſich da eine Ge⸗ fahr entwickeln zu ſehen, wo er nicht im Entfernteſten an eine ſolche gedacht hatte; dann aber war er auf's Schmerzlichſte betrofſen, als Veronika wieder ſagte:

Haſt Du wirklich einen ſolchen Frevel begangen? ich glaubte es nicht bis jetzt und uun muß ich es doch glauben, da Du erſchrickſt, wie ein Schuldiger!

Da fuhr Matthias empor und rief;Thörichtes Kind! wie kann das Vorurtheil ſo weit gehen? Wir haben Muſik aufgeführt, die alle Andächtigen begeiſtert hat, von denen es keinem eingefallen iſt, zu fragen, ob ſie aus alten oder neuen Zeiten ſtammt, noch weniger wer ſie verfaßt hat. Was kommi alſo darauf an? Uud was uns erhebt und begeiſtert, das iſt ein heiliges Werk, mag es aus den Hãan⸗ den eines Katholiken oder Proteſtanten kommen, und mag es heute im Theater und morgen in der Kirche ſeine göttliche Miſſion vollziehen!

Sie verſtand ihn nicht ganz und dachte nur ſeufzend: Da ſpukt wieder die unſelige Opernleidenſchaft in ſeinem Kopfe die iſt doch an dem ganzen Unglück ſchuld. Aber ſie ſagte nichts, ſondern begann nur leiſe aufs Neue zu weinen.

Sonſt hatten ihn ihre Thränen gerührt, heute, wo ſie nicht irgend ein perſönliches Mißverſtändniß, ſondern dieſes Mißtrauen in ſeine Geſinnung, in die würdige Füh⸗ rung ſeines Amtes zu erkennen gaben, reizten ſie ihn noch mehr als ihre Worte.Die Thräuen ändern nie etwas! ſagte er hart.Werde ich abgeſetzt, ſo iſt es mir auch gleichgültig, dann gehe ich zum Theater; ſo viel, wie ich jetzt Gehalt habe, bekomme ich als Teuoriſt überall!

Veronika ſank faſt ohnmächtig zurück, als er dies laut und trotzig geſprochen dieſe Worte erſchienen ihr wie das

Folge.

133 Todesurtheil ihres Liebesglückes, entſcheidender, als die Drohungen ihres Vaters. Matthias erſchrak ſelbſt über die Bläſſe, die ihre blühenden Wangen bedeckte, und ſchlang wieder mit der alten Zärtlichkeit ſeine Arme um ſie.

Da rief eine Stentorſtimme am Eingang der Laube:

Ja, gehen Sie zum Theater, da gehört ein Menſch hin, der in der Kirche Opernſachen ſingt und ſpielen läßt aber bei einem treuen Diener der Kirche und Schule und ſeiner ehrſamen Tochter hat er nichts zu ſuchen! Fort, Komödiant, Revolutionsmann! aus meinen Augen, aus meinem Hauſe wir haben nichts mehr zuſammen zu thun meine Tochter wird bald genug einen Audern hei⸗ rathen!

Niemals! rief Veronika feurig, jetzt wieder ganz von der Macht ihrer Liebe beſeelt.

Veronika iſt und bleibt meine Braut! rief Matthias mit der gleichen Entſchiedenheit der Liebe, und ein einziges Aufeinanderblicken ſagte den beiden Liebenden, die even nahe daran geweſen waren, ſich mit einander zu verun⸗ einigen, wie einig und feſtverbunden ſie in dem Augen⸗ blicke ſich fühlten, da Andere ſie aus einander reißen wollten; aber mehr wagten auch Beide nicht zu ſagen, denn neben dem zürnenden Cantor erblickten ſie auch den alten Dechant, der mit dieſem zugleich gekommen war, ja, wie ſich ſpäter ergab, den Cantor früher aus der Schule hatte holen laſſen, damit er ſein Hausrecht brauche und einen Menſchen von ſeiner Tochter entferne, der nicht werth war ſein Schwiegerſohn zu werden.

Der Dechant hatte vorhin aus ſeinem Fenſter Vero⸗ nika's Winken und Matthias' Kommen gleich bemerkt, und da er dieſem eben ſchon darum feindlich gegenüber ſtand, weil er, der Dechant, ſelbſt mit dem Pfarrer der Nepo⸗ mukskirche der Nachbarſtadt geſpanut war, der wieder Matthias wie ſeinen Freund betrachtete, ſo eilte der alte Herr, ihm dieſen Streich zu ſpielen.

Vor dem Geiſtlichen wagten die jungen Leute keinen

der. Bei Hofe leideſt du Hunger, mußt hart liegen und alle Liebe entbehren, dort wirſt du der Spott der rechten Hofleute, vergebens ſuchſt du es ihnen gleich zu thun, und wieder grade dich trifft der größte Haß des Bauern, am liebſten wird er an dir rä⸗ chen, was ihm die andern vornehmen Räuber genommen haben. Der Sohn aber ſprach:Schweig, lieber Vater, nimmer ſollen mir deine Säcke den Kragen reiben, nimmer lade ich Dünger auf deinen Wagen, meinen langen krauſen Locken, meinem ſchönen Rock und meiner geſtickten Haube ſtände das übel an, nicht will ich durch ein Weib thatlos werden. Soll ich drei Jahre über einem Füllen ziehen oder einem Rind, da ich doch alle Tage mei⸗ nen Raub haben kann? Ich treibe fremde Rinder über die Ecke und führe die Bauern bei ihrem Haar durch die Zäune. Eile, Vater, ich bleibe nicht länger bei dir. Da kaufte der Vater den Hengſt und ſprach:O weh, verlornes Gut! Der Knabe aber ſchuͤttelte das Haupt, ſah ſich auf ſeine beiden Achſelbeine und rief:Ich biſſe wohl durch einen Stein, ſo wild iſt mein Muth, ich wollte Eiſen freſſen. Ueber Feld will ich traben, ohne Sorge um mein Leben, aller Welt zum Trotz. Und beim Scheiden ſprach der Vater:Ich kann dich nicht halten, ich laſſe dich, aber noch einmal will ich dich warnen, du ſchöner Jüngling,

hüte deine Haube mit den ſeidenen Vögeln und wahre dein lan⸗

ges Lockenhaar, du gehſt unter Solche, denen man flucht, die vom Schaden der Leute leben. Mir träumte, ich ſah dich gehen an einem Stabe mit ausgeſtochenen Augen, und wieder träumte mir, du ſtandeſt auf einem Baum, wohl anderthalb Klafter waren von deinen Füßen bis an das Gras; über deinem Haupte auf einem Zweig ſaßen ein Rabe und eine Kräh'; verworren war dein krauſes Haar, zur Rechten ſtrählte dir's der Rabe, zur Lin⸗

ken ſcheitelte dir's die Krähe. Mich reut's, daß ich dich erzogen habe. Der Sohn aber rief:Ich laſſe nicht von meinem Willen bis zu meinem Tod. Gott behüte dich, Vater, die Mutter und eure Kinder.

So trabte er durch das Gatter und ritt auf eine Burg, deren Herr vom Kampf lebte und gerne die behielt, welche Reiter⸗ dienſte thaten. Dort ging der Knappe unter das Geſinde und wurde bald der behendeſte Räuber. Kein Raub war ihm zu klein und keiner zu groß, er nahm das Roß, er nahm das Rind, er nahm Mantel und Rock, auch was ein Anderer liegen ließ, ſtopfle er Alles in ſeinen Sack. Es ging ihm das erſte Jahr nach Wunſch, mit günſtigen Segelwinden floß ſein Schifflein. Da begann er nach Haus zu denken, nahm Urlaub vom Hofe und ritt auf ſeines Vaters Haus. Alles lief zuſammen, der Knecht und die Magd riefen nicht:Sei willkommen, Helmbrecht! das war ihnen widerrathen, ſie ſprachen:Mein junger Herr, ſeid Gott willkommen! Er antwortete:Kindeken, it wunſch üch ein gud leven. Die Schweſter lief ihm entgegen und umfing ihn mit den Armen, da ſprach er zur Schweſter:Gratia vestra! Die Alten zogen hinten nach und umarmten ihn vielmals, da rief er dem Vater zu:Dieu vous salue! und zur Mutter ſprach er böhmiſch:Dobraybra! Vater und Mutter ſahen einander an, die Mutter ſprach zu ihrem Mann:Herr Wirth, uns ſind die Sinne verſtört, es iſt nicht unſer Beider Kind, es iſt ein Böhme oder Wende, Der Vater rief:Es iſt ein Wälſcher; mein Sohn, den ich Golt befahl, er iſt es nicht, ſo ähnlich er ihm ſieht, und ſeine Schweſter Gotelind ſprach:Es iſt nicht euer Sohn, zu mir redete er lateiniſch, es muß wohl ein Pfaffe ſein, und der Knecht meinte:Was ich von ihm vernommenn habe,

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