— jeſſen,“ iſt ein von ganz ge⸗ lſſel mehr zu beilend, ſolche Hungets aus⸗ ht ohne Blas⸗ ſſen Schuldig⸗ mit einer be⸗ der Sättigung verden auch in Kühlheit ausge⸗ eer vom Hunger derräth, wie der
Dritte Folge.
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Literariſche Briefe von Otto Banck.
Neue Bilder aus dem Leben des deutſchen Volke s. Herausgegeben von Guſtav Freytag. Leipzig, Hirzel. 1862.
Sie erinnern ſich gewiß mit jeuem Vergnügen, welches alle Patrioten an der deutſchen Specialgeſchichte empfinden ſollten, der beiden Bände:„Bilder aus der deutſchen Ver⸗ gangenheit“. Daſſelbe ſo wohlverdiente Glück, das jenes Werk in der Literatur gemacht hat, wird ohne Zweifel auch ſeiner Nachfolge, dem obigen Werke, in gleichem Maße zu Theil werden.
Daſſelbe knüpft im Allgemeinen da an, geht weiter fort und führt aus, wo die vorigen Bände ſtehen geblieben ſind. So behandelt es die Folgezeit nach dem dreißig⸗ jährigen Kriege und geht in einzelnen Streiflichtern bis zur Gegenwart herab.
Ganz wie früher hat ſich Freytag die ſchöne Aufgabe geſtellt, das ans Licht zu ziehen, was die eigentlichen Ge— ſchichtsſchreiber gewöhnlich vorausſetzen, ſich aber in der Regel ſelbſt nicht klar gemacht haben, nämlich nicht ſowohl die Thaten der Einzelnen, die Bewegungen der Völker und Wandlungen der Staatsformen, ſondern die innern Cul⸗ turzuſtände, die materiellen Verhältniſſe und Lebensge⸗ bräuche, die Gewerbs⸗ und Handelsbeziehungen, die Bür⸗ gercorporationen, Gilden, Städteeinrichtungen und Mili⸗ tärverwaltungen. Das Wiſſen derartiger Dinge iſt das eigeutliche Element der Culturgeſchichte, die nicht nur bei uns, die bei allen Völkern als ſpäteſte Wiſſenſchaft, als erzählende Kritik des Zeiteugeiſtes, noch in den Windeln liegt. Mich fragte einſt ein Architekt, ſeit wie lange man wohl die Exiſtenz der eigenthümlichen hölzernen Schweizer⸗ bauart, überhaupt der Alpenhäuſer annehmen könne? aus welchen Völkerabgrenzungen ſich aber die ſteinernen Bauten gewiſſer ſüdlicher Thäler und Abhänge herſchrieben? und dieſe Fragen machten mir die Mühe unendlicher, wenig fruchtbarer Nachforſchungen, um nur einigermaßen darauf einen Beſcheid geben zu können. Dies iſt uur ein Beiſpiel, dem ſich zehn andere hinzufügen ließen.
Nun bleibt es aber mit dem Studium der Geſchichte ein ſchwierig Ding, wenn man nur Perſonen und Actionen kennen lernt. Es wirkt ſo monoton und wenig fördernd wie die fortgeſetzten Baumſchlagſtudien nach entlaubtem Aſtwerk. Erſt der Blätterſchmuck und die Schattirungen des verſchiedenen Grüns geben deutliche Vorſtellung, Cha⸗ rakter und Leben. Der Soldat findet in Freytag's Bü⸗ chern eine genaue Abbildung des Kriegers in Uniform und Waffen ſammt dem ganzen Heerweſen in verſchiedenen Zeiten; der Schütz eine figürliche Schilderung der alten
Stoffes anzudeuten; ſie heißen: Aus dem Leben des deut⸗ ſchen Bauers; Aus dem Leben des niedern Adels; Der deutſche Bürger und ſeine Waffenfeſte; Die Staatsraiſon und der Einzelue; Die Stillen im Lande; Es wird Licht (durch den Bücherdruck); Aus der Garniſon(die Landes⸗ miliz und ihre Geſchichte); Aus dem Staat Friedrich's des Großen; Aus den Lehrjahren des deutſchen Bürgers; Aus der Zeit der Zerſtörung(als Einwirkung der franzöſiſchen Revolution); Die Erhebung(Deutſchlands gegen Napo leon); Erkrankung und Heilung(in der Reaction).
Der Verfaſſer hat natürlich mit der ihm eigenen Ob⸗ jectivität an vielen Stellen intereſſante Chrouiſten und
Genoſſen der früheren Zeit in trefflich gewählten Auszü⸗
gen und Bearbeitungen für ſich reden laſſen. So faßliche
als geiſtreiche Raiſonnements mit einem ſouverainen Hauch von Freiſinnigkeit verbinden die einzelnen Theile zu einem niemals durch gelehrte Abstraction trockenen Ganzen.
Daher ſtellt ſich denn auch für die Leſer das Reſultat heraus, daß Alles in dieſem Buch intereſſant und anregend iſt; von beſonderm Tiefblick zeigen aber diejenigen cultur⸗ hiſtoriſchen Urtheile, welche Preußen im achtzehnten Jahr⸗ hundert berühren.
Ueber den deutſchen Landmann bringt der Autor viel unerwartetes Licht und ſpricht Manches mit überzeugender Klarheit aus, was vielen Köpfen inuerhalb ihrer Studien als wahrſcheinliche Hypotheſe erſchienen iſt. Ich führe hier nur als Beiſpiel folgendes Raiſonnement über die alt⸗ germaniſchen Zuſtände an, in welchem der Verfaſſer ſagt: „Was die großen römiſchen Staatsmänner von den Zu⸗
ſtänden des deutſchen Landbaues erwähnen, genügt nicht,
uns auch nur annähernd ein Bild des älteſten Bauern⸗ lebens zu geben. Lange hat man nach ihren Berichten die Germanen für wilde Kriegerſtämme gehalten, die gerade im Uebergange vom Wanderleben zu einer loſen Seßhaf⸗ tigkeit lebten, und ſelten fragte man, wie es doch möglich war, daß ſolche Haufen den disciplinirten Heeren der größ⸗
Iten Erdenmacht durch Jahrhunderte ſiegreichen Widerſtand
leiſten konnten. Wenn Cherusker, Chatten, Brukterer, Bataver und andere Völker uan geringer geographiſcher Ausbreitung nicht einzelnen Legionen, ſondern großen rö⸗ miſchen Heeren furchtbar wurden, nicht einmal, ſondern bei ſelten ruhendem Kriege durch mehr als ein Menſchen⸗ alter; wenn ein Markomannenhäuptling 70,000 Mann Fußvolk und 4000 Reiter faſt legionsartig disciplinirte; wenn ein Römer nach hundertjährigen verwüſtenden Krie⸗ gen zwiſchen Rhein und Elbe noch mit gewiſſem Nachdruck die gewaltige Menſchenmaſſe der Deutſchen hervorhebt: ſo
Schießfeſte nebſt Angabe der Diſtanzen und Preiſe. Beide liegt der Schluß doch nahe, daß die einzelnen Völkerſchaf⸗ werden ſich nun durch ihre Einbildungskraft ſehr materiell ten, welche mit ihren Bundesgenoſſen oft mehr als 100,000 und deßhalb eben nachhaltig unterſtützt ſehen, wenn ſie ſich Krieger ins Feld ſtellten, in ihrer Volkszahl oft über die in der Geſchichte über die Kriegsthaten der Vergangenheit Hunderttauſende hinausgehen mußten. Und unicht weniger
oder über die mittelalterlichen Feierlichkeiten und Sitten unterrichten.— Es nimmt Alles Form und Farbe an, und die Lücken ergänzen ſich durch die zum verſtändig paſſenden Weiterſchaffen augeregte Phantaſie.
hier nennen, um dadurch zugleich die Reichhaltigkeit des
nahe liegt der zweite Schluß, daß ſolche Menſchenmenge auf ſcharf begrenztem Raum, von kriegeriſchen Nachbaru uingeben, doch nur beſtehen konnte bei einer zwar einfachen,
b aber regelmäßigen und umfangreichen Production von Die Hauptabſchnitte des Freytag'ſchen Buches will ich Feldfrüchten.
Daß den Römern nach der Gartencultur Italiens und Galliens der deutſche Feldbau dürftig er—


