Jahrgang 
01-14 (1862)
Seite
126
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Und zürnſt Du mir, wenn ich mit offner Seele, Argwöhnend nichts, weil ich von Argwohn frei, An Falſchheit zweifelnd, weil ich ſelber treu

Nicht ängſtlich prüfend unter Menſchen wähle?

Laß mich der Blume ſchönes Recht genießen! Doch zeige, wo auf dieſes Lebens Pfad Das Böſe mir gleich gift'gem Wurme naht, So will ich ſchnell der Seele Blüthe ſchließen!

Gedichte von Friedrich Dannemann.

Was ſoll's?

Ew'ges Träumen, ew'ges Hoffen,

Ach, von künft'gen ſchönern Tagen,

Willſt Du nimmer Dich dem Herzen,

Nie der Sehnſucht Dich entſchlagen?.

Warſt ein trunkner, froher Zecher, Heiß und glühend im Umfangen, Sahſt am Himmel Deiner Träumie Millionen Sterne prangen!

Ew'ges Träumen, ew'ges Hofſen!

Und doch ſprang Dein Glas in Scherben, Und die Herzen, die Du liebteſt,

Sahſt Du langſam von Dir ſterben!

Sprich, was ſoll das alte Sehnen? Schaue nimmer in die Ferne, Denn Du ſtehſt allein im Dunkeln, Und verſunken ſind die Sterne!

Uovellen-Zeitung.

[VIII. Jahrg.

Heimkehr.

Von allen deutſchen Gauen Bleibſt Du doch ſtets allein Der herrlichſte von allen, Du ſchönes Land am Rhein!

Du Land mit Deinen Burgen, Du Land mit Deinem Wein, Mit Deinen ſchönen Frauen, Gegrüßt mir, Vater Rhein!

Ich kam aus fremden Landen, Ein Wand'rer, müd und wund, Zu Dir, zur Heimath wieder; Da ward mein Herz geſund.

Mit ſeinen Rebenhügeln Grüßt' ich den alten Rhein, Und meine Thränen floſſen In ſeinen Schooß hiuein.

Er wuſch die wunden Füße Von fremdem Staub mir rein, Und labte meine Seele

Mit ſeinem Götterwein.

Und fröhlich Blut floß wieder Durch meine ſieche Bruſt, Die alte Liederquelle

Quoll auf mit Jugendluſt.

Nun ſcheid' ich nimmer wieder Von Dir, o Vater Rhein, An Deinen Rebenhügeln Will ich begraben ſein!

Der Verfaſſer iſt bereits und beſonders in der Leihbibliothe⸗ kenliteratur ſehr bekannt geworden, am meiſten aber durch ſeinen letzten RomanWerner Thormann, der eine wohlvorgetragene Erzählung von vaterländiſcher Tendenz bildet.

Ein behagliches Darſtellungstalent, welches ſich vor einer gewiſſen engliſchen Breite nicht ſcheut und den Charakteren eine natürliche Färbung zu geben verſteht, iſt dem Autor eigen und belebt auch dieſe Unterhaltungslectüre. Sie iſt in leichterem Ge⸗ wande als die vorerwähnte gehalten, entbehrt dagegen vielleicht einige tiefer greifende Beſtrebungen. Dennoch ſind die Figuren lebendig, und der Dialog hat nichts Gequältes, ohne durch geiſt⸗ reiche Ideen ſpannend zu ſein.

Die Fabel der Geſchichte ſelbſt bewegt ſich innerhalb der Grenzen des bürgerlichen Lebens, und mit viel Sachkenntniß und guter Erfahrung iſt vornehmlich das Badeleben darin geſchildert.

Für ſolche Leſer, die durch die moderne, abenteuerliche Wüſt⸗ heit und barocke Romantik des heutigen Romans abgeſpannt und degoutirt ſind, wird ſich bei dieſer Lectüre eine behaglichere Erho⸗ lung vorfinden.

Die Ausſtattung des Werkes iſt in Bezug auf die Lesbarkeit des Druckes ſo trefflich, wie ſie nur wenige Verlagshandlungen darbieten. O. B.

Miscellen. Worte für Welt und Haus.

Es gibt moraliſche Lehren und praktiſche Lebensregeln⸗ welche nicht die Geſunden, ſondern die Kranken erfunden haben,!

zahnloſe Salomon, Andern

Wenn es dir am beſten ſchmeckt, ſo höre auf zu eſſen, iſt ein Spruch, welcher dabin gehört. Nur ein Menſch von ganz ge⸗ ſchwächter Conſtitution, der keine tüchtige Schüſſel mehr zu verdauen vermag, konnte, Andere nach ſich beurtheilend, ſolche unnatürliche Warnung, ſolche Empfehlun des Hungers aus⸗ ſprechen. Ein ungeſunder Magen kann er nicht ohne Blas⸗ phemie das Wort für einen geſunden ergreifen, deſſen Schuldig⸗ keit und, gottlob! auch Natureigenſchaft es iſt, mit einer be⸗ friedigenden Mahlzeit im wohlthätigen Gefühl der Sättigung fertig zu werden. Solche diätetiſche Geſetze werden auch in Bezug auf andere Genüſſe von Moraliſten mit Kühlheit ausge⸗ ſprochen, denn wer keine Kraft mehr hat, wird weder vom Hunger noch von der Leidenſchaft irritirt werden und widerräth, wie der die friſchderben Aepfel.

Das Gehör und der Geruchsſinn führen uns unwillkürlich am öfterſten poetiſchen Rückerinnerungen in die Arme. Nicht nur der ähnliche Anblick eines ſchönen Auges, der gleichlautende Klang einer ſüßen Stimme, nein, auch der unausſtehliche Kohlengeruch in der Atmoſphäre kann Demjenigen, der in Halle ſtudirt hat, eine reizende Schäferſtunde vor die Seele führen. Es iſt noch zu ſagen, daß der Geruch als Vermittler der Erin⸗ nerung etwas Rührendes hat, weil er ganz unvorhergeſehen die Ideenverbindungen hervorruft. S.