ſchien, iſt begreiflich. Spelt, Weizen und Gerſte, als gewöhnlichſte Ackerfrucht, ſon⸗ dern Hafer, deſſen Grütze ſie verachteten, und Roggen, deu noch Plinius ein unholdes Gewächs aus der Alpengegend
nennt, welches Grimmen verurſache. Aber ſchon im Jahre
301 nach Chr. wurde das Korn des deutſchen Schwarz⸗ brods im kaiſerlichen Decret als dritte Handelsfrucht der Getreidebörſen Griechenlands und Kleinaſiens aufgeführt. Und aus der anſpruchsvollſten Halmfrucht, welche auf neuem Boden und bei rohem Bau den Ertrag verſagt, aus der Gerſte, braute der Deutſche ſein heimiſches Getränk, das Bier, eine andere Art aus Weizen.
Jetzt wiſſen wir, daß die meiſten deutſchen Stämme ſchon zur Römerzeit in ähnlichen Verhältniſſen lebten, wie ſie kurz nach der Völkerwanderung aus ſchriftlichen Auf⸗ zeichnungen deutlich werden. Hier in einzelnen Gehöften, meiſt in geſchloſſenen Dörfern mit abgeſteckten Flurgrenzen, mit einem eigenthümlichen Verfahren bei Austheilung einer neuen Dorfflur und mit einer landesüblichen Methode der Bewirthſchaftung, welche den Römern ſchwer verſtändlich war. Wahrſcheinlich hatte, als Plinius ſchrieb, der Marſch⸗ bewohner an der Nordſee ſchon die erſten einfachen Dämme gegen die ſchwellende See gezogen. Schon ſtand ſein Wohnſitz auf den Warfen, kleinen Erdhügeln, welche ihn bei hoher Fluth über dem Waſſer erhielten; ſchon weideten
ſeine Haideſchafe im Sommer in dem Grün des ange⸗
ſchwemmten Bodens. Im Binnenlaud aber wohnte der Lambauer in ſeinem Blockhaus oder in Lehmwänden, die er ſchon damals mit glänzendem Weiß zu tünchen liebte. Heerden von Borſtvieh lagen im Schatten der Laubwälder, Pferde und Rinder graſten auf dem Dorfanger, langlohdige Schafe an den trockenen Berglehnen. Mit dem Flaum
der Gänſeheerden wurden weiche Pfühle geſtopft, die
Frauen webten am einfachen Stuhle das Linnengewand;
ſie färbten die Zeuge mit heimiſchen Farben, der Färber⸗
Novellen-
Fanden ſie doch nicht ihr Getreide,
Zeitung.
röthe und dem blauen Waid, und ſchnitten das Pelzwerk zu Röcken und Mänteln, welche ſchon damals einen Vorſtoß von feinerem Rauchwerk hatten, das aus der Fremde ein⸗ geführt wurde. Viel betretene Handelswege durchzogen das Gebiet vom Rhein bis zur Weichſel nach allen Rich⸗ tungen. Der fremde Händler, welcher Luxuswaaren und ſchwere Goldſtücke der Römer in ſeinem Karreu vor das Haus des Landmanns fuhr, tauſchte von ihm die hochge⸗ ſchätzten Gänſefedern, Schinken und Würſte aus dem Rauchfang, Hörner des Urs und großes Geweih, Pelzwerk, ſogar Toilettengegenſtände: blondes Haar der Selaven und eine feine Pomade zum Haarfärben. Schon kaufte er deutſche Möhren auf, welche ſein Kaiſer Tiberius als Delicateſſe empfohlen hatte. Er ſah mit Erſtaunen in dem Garten ſeines deutſchen Gaſtfreundes rieſenhafte Rettige und erzählte ſeinen Landsleuten, daß ihm ein Deutſcher wilde Honigwaben von acht Fuß gewieſen habe.
Es iſt wahr, der kriegeriſche Hausherr hielt ſeine Waf⸗ fen in höherer Ehre, als den Pflug; aber nicht deßhalb, weil der Feldbau unbedeutend oder verachtet war, ſondern weil der Stand der Freien bereits einen unholden Ariſto⸗ kratismus entwickelte. Denn wenn der Krieger nicht ſelbſt bei jeder Feldarbeit angriff, ſo hielt er doch darauf, daß ihm ſeine Angehörigen den Grund bauten, die Unfreien von ihrem Ertrage Garben und Viehhäupter abgaben.“
Wir brechen hier dieſe Schilderung ab, denn es iſt genug, umn zu zeigen, wie neu und vorurtheilslos Freytag mit unbefangenem Auge in die von den Geſchichtſchreibern nicht aufgehellten Schatten der Vergangenheit herabge⸗ blickt hat. Zugleich werden die Leſer nicht zu günſtig über das Buch urtheilen, wenn ſie von dem Intereſſe dieſes Ar⸗ tikels einen Schluß auf das der übrigen machen. Freytag wird auf dieſem Pfade fortſchreitend der Culturgeſchichte keinen geringeren Dienſt leiſten, als der geiſtigen Unter⸗ haltung aller Literaturfreunde.
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Leipzig.— Druck von Gieſecht& Revrient in Leipzig⸗


