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Uovellen
geſehen; ſie war mit Geſchmack und Eleganz gekleidet, und jeder Zierrath hob die einzelnen, eigenthümlichen Reize noch mehr hervor. Ihr blondes Haar war mit Blumen durch⸗ flochten, und die auf ihrer Stirn blitzenden Juwelen ver⸗ liehen ihren ſüßen, blauen Augen einen erhöhten Glauz. Ihr Nacken war mit reichen Perlenſchnüren umhaugen, welche ſeine blendende Weiße noc) zu ſteigern ſchienen. Ihre ſchönen, runden Arme, welche die Mode jener Tage dem Auge des Beſchauers preisgab, waren ebenfalls mit Per⸗ lenarmbändern umſchuürt. Wie ſchön ſie war! Das Er⸗ röthen der Beſcheidenheit überflog ihre Wange bei den warmen, bewundernden Worten ihres Gatten; oder viel⸗ leicht kam jenes ſüße Erröthen noch mehr von dem bren⸗ nenden Blicke der Liebe, welcher in ſeinem ſchwarzen, gläu⸗ zenden Auge erglühte; alle ihre Sorgen waren vergeſſen, und ſie lächelte vor Luſt und Zärttlichkeit, als ſie ihm die Hand reichte, um ſie zum Wagen zu führen.
Auf dem Balle erregte Mary's Schönheit große Auf⸗ merkſamkeit; ſie tanzte mit Anmuth, und man drängte ſich, die ſchöne Fremde zu bewundern. Devereux's Augen folg⸗ ten ihr ununterbrochen; er genoß den Triumph ihrer Schönheit mit größerem Entzücken als ſie ſelber; dies war, ach! das letzte Gefühl von Luſt, das Beiden zu Theil wer⸗ den ſollte; der Stern ihres Glückes neigte ſich zum Ver⸗ ſinken.
Am Morgen des nämlichen Tages, an dem der Ball ſtattfinden ſollte, war ein früherer Aufſeher Devereux's des Vaters von einer entfernten Pflanzung nach Charles⸗
a-Zeitung.
ſeitens des Neffen des Herrn Devereux und die Ueberſiede⸗ lung der Sclaven nach Haiti mitgetheilt. Er war ein Mann von ſchlauem Verſtande und errieth leicht, daß De⸗ vereux Hammond der Sohn jeues Mulattenmädchens ſei, den Herr Devereux, ſiebeunndzwanzig Jahre vor dieſer Zeit, wiit nach Europa genommen hatte. Das Alter des jungen Maunes, die Freigebung ſeiner Seclaven, Herrn Devereux's hingebende Liebe zu dem mitgenommenen Kinde — Alles ſprach für die Richtigkeit ſeines Verdachts. Er war von Hauſe aus gegen ihn eingenommen, als diejenige Perſon, welche ihn außer Dienſt gebracht hatte. Er er⸗ zählte die Geſchichte mit allen beweiſenden Einzelheiten; der Herr, mit dem er darüber geſprochen, wiederholte die Erzählung ſeiner Frau und ſeinen Töchtern. Dieſe Da⸗ men waren auf dem Balle anweſend; ſie zogen die Auf⸗ merkſamkeit ihrer Bekannten auf Mary hin, ſie lenkten ihre Blicke auf Devereux's dunklen männlichen Styl der Schönheit; ſie erzählten den Makel ſeiner Geburt. Es wurde von den Damen flüſternd wiederholt, es wurde leiſe den Herren mitgetheilt; die haarſträubende Thatſache war bald Jedermann bekannt. Der Tanz endete, Mary kehrte zu ihrem Platze zurück; in ihrer Nachbarſchaft wichen die Damen, welche ſie mit ſo zuvorkommender Höflichkeit be⸗ haudelt hatten, ſcheu, wie vor einer Peſtberührung, zurück; ſie wurde allein gelaſſen; kein Herr bat ſie um die Gunſt eines Tanzes, Niemand näherte ſich ihrem Sitze.
Devereux befand ſich in einem entfernteren Theile deß
town getommen, um der Feſtrede, welche von einemn Mit⸗ gliede der Waſhington⸗Geſellſchaft zur Verherrlichung der Tugenden jenes Patrioten gehalten werden ſollte, beizu⸗ woynen. Er beſuchte einen Herrn, bei dem er ſich zu⸗
großen Saales und war eben im Begriffe ihn zu durch⸗ kreuzen. Ein Ballvorſteher hemmte ſeine Schritte und zog ihn bei Seite. Es war ein noch ſehr junger Mann, und
er ſah blaß aus in Folge des Auftrages, den er gezwungen
nächſt aufgehalten hatte, als Devereux Hammoud ihn nach erreichter Volljährigkeit durch ſeinen engliſchen Verwalter hatte erſetzen laſſen. Es kam die Rede auf die Familie
und das Beſitzthum des Herrn Devereux; dem Aufſeher
war auszuführen...
„Ich bedaure, mein Herr,“ ſagte er,„Sie erſuchen zu müſſen, dieſes Zimmer auf der Stelle zu verlaſſen; weun Sie darin verharren, müſſen ſich alle Damen zurückziehen.
ſtolzen Frankenführer und der grollenden Sachſenherzöge Reihen öffneten ſich, und vor dem Schemel ſeiner Hoheit ſich beugend,
trat der Saracenenheld Abdallah, den Spanien huldigend ge⸗
ſandt hatte, vor das Antlitz des Gewaltigen; dann kamen die Boten Galiciens und Aſturiens, um ihres Emirs Geſchenk, ein wunderbar ſchönes Gezelt, dazu bieten. Ihnen folgten, die aus
dem fernen Ungarlande geſandt waren, Männer aus dem Volke
der wilden Avaren, und ſo beugte ſich in ſeinen Repräſentanten der großte Theil des Römiſchen Orbis terrarum zu Herſtelle vor dem großen Carl. Das aber war der glänzendſte der Tage, die Herſtelle geſehen hat. Später wurde es Wahlſtätte unter Königsbann.
Im 14. Jahrhundert kam es als Paderbornſches Lehn an die gräfliche Familie von Falkenberg, deren einer, Theodor, in der heldenmüthigen Vertheidigung Magdeburgs gegen Tilly unter
den Trümmern begraben wurde, während ſein Bruder Moritz,
der bei den Kaiſerlichen ſtand, derjenige geweſen ſein ſoll, wel⸗ cher die todbringende Kugel auf den großen Schwedenkönig ab⸗
geſchoſſen hat. Nach Ausſterben des Falkenberg'ſchen Geſchlechts Dieſe
wurden die Spiegel von Deſenberg mit Herſtelle belehnt. verkauften es an die Freifrau von Zuidwick, welche, in ſeiner
alterthümlichen Form das Andenken an die große Vergangenbeit
erhaltend, den jetzigen Burgſitz auf dem Felſen erbaute. E. Heuſinger.
Zu den amerikaniſchen Abenteuern.
Das Weſen der Mittheilungen, welche wir vor Kurzem nach den Vorlagen des Grafen Baudiſſin aus Amerika machten, ſteht nicht vereinzelt da und findet von allen Seiten ſeine Pendants voll ſeltſamer Romantik.
Die„Weſtlichen Blätter“ melden: Von New⸗Orleans her⸗
auf kommt mit dem Dampfboot ein friſch eingewandertes deut⸗
ſches Mädchen, um zu ihrem Vater zu gelangen, der bereits bei Belleville eine Brauerei hat. Sie iſt trotz ihres halb bäuriſchen
Anzuges allerliebſt und findet während ihrer Fahrt zwei lebhafte
Bewunderer..—
Der Eine iſt ein junger Deutſcher, der, wie ſo manche Zugvöge
ſeiner Art, im Winter in New⸗Orleans, im Sommer in St.
Louis ein hübſches Geld verdient, dabei indeſſen keine zu hohe
Meinung von den amerikaniſchen Frauen gewonnen hat und ſich
jetzt entſchließt, die Gelegenheit zu benutzen, ein noch unverdor⸗
benes Mädchen für ſich zu gewinnen. Und daß der Vater, deſſen einzige Tochter ſie iſt, eine hübſche Brauerei beſitzt, wie es ein
Brief des Alten ſelbſt ausſagt, iſt nur im Stande, das Feuer
des Heiraths⸗Candidaten zu ſchüren. 1
Er hat Erfolg in ſeiner Bewerbung; der zweite Bewun⸗ derer, ebenfalls ein Deutſcher, muß zurücktreten, und die förmliche
Verlobung des jungen Paares findet während der Reiſe ſtatt.
In St. Louis angekommen, hat derſelbe nichts Eifrigeres
zu thun, als die Verlobte in eine vollſtändige Lady umzuwandeln.
Kleider, Mantille, Hut und Schmuck werden angeſchafft, und
glücklich treten Beide die Reiſe nach der väterlichen Behauſung
VIII. Jahrg.
wurden die Einzelheiten der Beſitzergreifung der Pflanzung
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