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brennenden Schmerz im Halſe. Sie nahm es in ihren Arm
und legte es ſchweigend in Judith's Schooß.„Ja, Cora, Kind,“ ſagte die alte Frau,„ich will es treu behüten; Du brauchſt Dich keine Stunde ſeinetwegen zu ängſtigen.“ Da brach Cora in Thränen aus, es waren die erſten, welche ſie ſeit manchem Tage hatte vergießen können; etwas erleichterten ſie ihr überladenes Herz.
Sie kam in New⸗Orleans an. Wir werfen einen Schleier über das Schickſal, welches dort ihrer harrte; ihre neue Herrin, Frau Nelſon, war ein lebhaftes und augen⸗ ſcheinlich gutmüthiges Mädchen geweſen; ſie hatte einen unwürdigen Verſchwender geheirathet; ſie hatte Kinder und war allein darauf bedacht, die Vortheile ihrer Familie zu wahren, ohne Rückſicht auf die armen Neger, welche der Himmel von ihrer Sorge abhängig gemacht hatte. Cora wurde zu Arbeiten verurtheilt, für welche ihre Gewohn⸗ heiten ſie vollſtändig unfähig gemacht hatten; ſie unterwarf ſich ohne Murren; ſie ſtrengte jeden Nerv an, um die ihr zugewieſene Arbeit zu vernichten; aber ihr Körper war ſchwach, und ihre Anſtrengungen retteten ſie nicht vor ent⸗ ehrender Strafe. Sie hatte nicht lange von der Grauſam⸗ keit ihrer Herrin zu leiden. Sie knickte unter der Wucht körperlicher Anſtrengung und tiefer Seelenqual zuſammen. Sie ſtarb fünf Monate nach ihrer Ankunft in New⸗ Orleans. Ihre Krankheit war kurz; während ihrer Dauer waren ihre Leiden heftig; auch wurden ſie nicht gelindert durch die Stimme der Güte, noch getröſtet durch die zarte Sorgfalt der Liebe. Sie weilte fern von Allen, die ſie liebten; ſie wünſchte nicht zu leben, und doch bot der Tod ihrem unwiſſenden Geiſte nicht einen Strahl der Hoffnung. Sie hatte von einer andern Welt gehört, aber ſie wußte nicht, ob den armen Negern der Eiugang verſaeattet ſei; oft hätte ſie gern gewußt, ob ihr Knabe wegen ſeiner Farbe als zur weißen Race gehörig bekrachtet werden würde; ſie war beſorgter um ſeine Uuſterblichkeit, als um die eigene; welche Hoffnung hate ſie in dieſer oder jener
Uovellen-Zeitung.
[VIII. Jahrg.
Welt? Das Gemüth der armen Cora war dazu geſchaffen, die Wahrheiten des Chriſtenthums in ſich aufzunehmen, aber ſie wußte nichts von ihrem Daſein.
Herr Devereux erhielt von ſeiner Schweſter die Nach⸗
richt von Cora's Tode und wurde ſehr davon erſchüttert.
Er tadelte ſich ſelbſt, daß er ihre Ueberſiedelung in ein ſo ungeſundes Klima, wie das von New⸗Orleans, geſtattet; er hätte lieber ihren Liebhaber nach Charlestown kommen laſſen ſollen. Er ſchrieb an Frau Nelſon und erkundigte
ſich nach der Urſache ihres Todes und ob ſie mit Jem dem Anſchein nach glücklich geweſen wäre. Die Antwort der Frau Nelſon ſetzte ihn in großes Erſtaunen. Sie ſchrieb
gekommen ſei; daß ſie nie, weder mit Jem noch einer andern Mannsperſon geſprochen habe; daß ſie ſo uieder⸗ geſchlagen geweſen, daß man ihr trauriges Geſicht nicht im Hauſe habe ertragen können, und daß ſie deßhalb von ihr auf's Feld geſchickt ſei, mit der Anweiſung ſie nachſichtig zu behandeln; woran ſie geſtorben, ſei ihr unbekannt.
Herr Devereux hatte Judith befohlen, ihm Cora's Namen nie zu nennen; kaum aber hatte er dieſen Brief empfangen, ſo eilte er zu ihrer Hütte und forſchte ſie eifrig über Cora's Verhalten vor ihrer Abreiſe, und vor allen Dingen über ihr Verhältniß mit Jem aus. Judith be⸗ ſchrieb ihren Kummer, wußte aber ſeinen Grund nicht an⸗ zugeben; gleichwohl verſicherte ſie ihren Herrn, daß das Mädchen Jem nie geſehen hätte, und immer vermieden habe, mit den audern Negern zu verkehren.
Herr Devereux nahm nun Phyllis ins Verhör; ſie er⸗ ſchrak und geſtand ein, auf Befehl ihrer Herrin gehandelt zu haben; das ganze Truggewebe lag entwirrt vor ſeinem Auge; er ſprach mit ſeiner Frau und drückte ihr ſeinen tiefſten Unwillen über die Grauſamkeit ihrer Handlungs⸗ weiſe aus.„Du haſt,“ ſagte er,„Dir den Tod dieſes armen, harmloſen Mädchens, das ſelbſt keinem meuſch⸗ lichen Weſen wehe gethan hätte, vorzuwerfen; nientals
In den Stubenwänden ſind die Schlafſtellen— Butzen— für die Familie angebracht, die am Tage mit einem Schagher verſchloſſen werden. Sie ſind mit einer Ueberfülle von Wit⸗ werk verſehen, ſo hoch, daß man ſie nur mit Hülfe eines Stuhles erreichen kann, dabei im Innern ſo geräumig, daß ſie vier Per⸗ ſonen hinlänglichen Platz zur Nachtruhe gewähren. In ähn⸗ lichen Butzen, nicht allzu weit vom Kuhſtall entfernt, finden die Mägde ihr Nachtquartier. Auf der Bühne, neben der Häckſel⸗ lade, über den Pferden ſchlafen die Knechte, auch wohl ein er⸗ wachſener Sohn des Hauſes, zur Aufſicht. Der Haushahn, der von ſeiner zahlreichen Familie umgeben ihr Nachbar iſt, übt das Weckeramt für das geſammte Dienſtperſonal beim letzten Morgen⸗ ruf. Im Sommer ſchlafen die Mägde in Hütten draußen bei der Bleiche, wo ſie dann in allen Ehren von der männlichen Jugend treu bewacht werden, wenn ihre fröhlichen Geſänge, oft erſt wenn der Morgen graut, verhallt ſind.
Da Männer und Frauen außer Sonntags, wenn ſie in die Kirche gehen, oder wenn ein Geſchäft ſie über Land führt, Holz⸗ ſchuhe tragen, bringt ihnen der Schuhmacher nur kleine Rech⸗ nungen.
Unter den Colonialwaaren verwenden ſie etwas auf Kaffee und Zucker. Die Frauen brauche ieſe Artikel in ihren Spinn⸗ ſtuben, und wenn ſie, was ſie gern thun, ſich Sonntags in der Nachbarſchaft umher beſuchen. Aber auch die Männer, die im Ganzen ſehr mäßig leben, haben ſich an den Kaffee ſo gewöhnt, daß ihnen die Hausfrau oft noch ein Schälchen reicht, wenn ſie auf dem Hofe die Pferde anſchirren.
Hochzeiten, Kindtaufen und Begräbniſſe gehören im Weſt⸗ phalenlande, wie in ganz Niederſachſen, zu den Ereigniſſen, die bei
ihnen in hohen Ehren gehalten und durch Eſſen und Trinken nach altgermaniſcher Weiſe hoch gefeiert werden. Bei ſolchen Gelegenheiten werden ein, je nach der Wohlhabenheit der Feſtgeber auch mehrere Köche und Köchinnen aus dem nächſtgelegenen Marktflecken verſchrieben. Dieſe haben Tage lang vorher vollauf zu thun, um die dazu eingeſchlachteten Rinder, Kälber, Hammel nebſt zahlloſem Federvieh zu ſchmackhaften Gerichten zu⸗ bereiten, die von zahlreich aus. der Nähe und Ferne geladenen Gäſten an langen Tafeln verſpeiſt werden. Sie ſind, ſchneeweiß gedeckt, auf der geräumigen Dehle hergerichtet. Für jeden Gaſt ſteht 3 Teller nebſt Löffel; Meſſer und Gabel muß er mitbringen. Be
reiche Fäſſer Branntwein und Bier, ein Tönnchen Wein für die Geiſtlichkeit und deren Gehülfen ungerechnet, und Wagenladungen von Kuchen aller Art mit friſchem Appetit unter ſrbolichem Bunier geleert und verzehrt. Jeden Tag iſt Tanz nach aufgeho 8 Tafel. Er dauert ſo lange, als das letzte Licht vorhält, und e kommt dann wohl vor, daß in ritten Nacht die todtmüden Muſikanten, mit geſchloſſenen Agen, ſtatt die Saiten der Geige zu berühren, hinter dem Stege ſ ichen, ſo daß nur der Grund⸗ ton des Baſſes noch den Takt bezeichnet. Doch das thut der Freude keinen Eintrag! Das junge Volk tanzt und jubelt fort, bis ſie jauchzend über ihre eigenen Beine fallen. Aber die Hoch⸗ zeiten ſind ja auch ſelten in der weiten braunen Haide; man thu ſich bene in oft langer Erwartung der nächſtfolgenden.
Nach altem Brauch wird in bereit gehaltenen Körben von den Gäſten auch noch nicht Geringes von den Speiſen nach Hauſe getragen. Der Hochzeitvater würde ſcheel dazu ſehen, wollte die Frau Pfarrerin nicht geſtatten, daß eine gebratene
ihm, daß Cora augenſcheinlich mit gebrochenem Herzen an⸗
Hochzeitsfeſten, die gewöhnlich drei Tage dauern, werden zahl⸗
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werde haſt.


