Jahrgang 
01-14 (1862)
Seite
117
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Frau Devereux wagte es nicht, perſönlich bei dieſem Anſchlage eine Rolle zu ſpielen; ihr Auftreten würde ge⸗ rechten Verdacht bei ihrem Gatten erregt haben. Sie be⸗ auftragte daher ihre treue Kundſchafterin Phyllis, ein Mädchen etwa in Cora's Alter, deſſen natürliche Aulagen in der Schule der Sclaverei in ränkevolle Verſchmitztheit ausgeartet waren, und das weder Grundſätze noch Gefühl genng beſaß, um nicht bei jeder Gelegenheit als blindes Wertzeug ſeiner Herrin zu dienen. Phyllis empfing ihre Anweiſungen und ſuchte die Nähe ihres Herrn.

Wißt Ihr, Herr, ſprach ſie,daß eine von Eurer Leuten ſo dahinſchwindet, daß man nicht abſieht, wie es enden ſoll? Das arme Ding ißt nicht und trinkt nicht, und Alles nur weil der junge Burſche Jem nach New⸗ Orleans zurück iſt; wenn Herr ſie ſähe, würde er Mit⸗ leid mit ihr haben. Herr Devereux lächelte und fragte Phyllis nach dem Namen des liebebefallenen Mädchens; unbefangen erwiderte ſie, es ſei Cora, das Mulattenmäd⸗ chen, das bei der alten Judith lebe, und fügte hinzu:ſie trug mir auf, Herrn zu bitten, ſie nach New⸗Orleans zu laſſen, um bei Jem zu ſein. Das Weſen der Spreche⸗ rin war ſo kunſtlos, und ihre Erzählung ſo unbefangen wie hätte ihr Herr die Wahrheit bezweifeln ſollen? Der erwähnte Jem war ein junger Mann, der vor zwei Mona⸗ teu ſeinem Herrn, Herrn Nelſon, als dieſer ſeinen Schwa⸗ ger beſuchte, begleitet hatte. Herr Devereux empfand das größte Mißvergnügen gegen Cora; er beſchulvigte ſie in ſeinem Herzen der Undankbarkeit; er ſchämte ſich, jemals ein Mädchen ausgezeichnet zu haben, welches ſo tief in dem Gegenſtande ſeiner Liebe habe ſinken können. Er vergaß, daß er ſie verlaſſen, daß er beſchloſſen hatte ſie nie wieder zu ſehen, daß er bloß ihren Unterhalt bezahlte, und ſich dabei beruhigt hatte, ihr die nothwendigſten Lebensbedürf⸗ niſſe zu gewähren, ohne ſich nach ihrem geiſtigen Wohle zu

Folge. 117 erkundigen, oder ſich die Förderung ihres Glücks im ge ringſten angelegen ſein zu laſſen. Er fühlte ſich beleidigt, wie ein Mann, deſſen lieb und werth gehaltene Herrin ihn um einen unwürdigen Geliebten verlaſſen. Er wandte ſich von Phyllis ab, um ſie nicht ſehen zu laſſen, was in ſeinem Herzen vorginge.

Am folgenden Tage ſprach er mit ſeinem Aufſeher. Geh zu ihr, ſagte er,und verkünde ihr, daß ſie nach New⸗Orleans gehen kann; ich betrachte ſie als frei und werde die Koſten ihrer Reiſe beſtreiten; aber ſie darf ihr Kind nicht mitnehmen; ſie muß vas Kind bei Judith laſ⸗ ſen; ich werde dafür Sorge tragen, daß es gut aufgehoben bleibt.

Frau Devereux's Plan war kaum ins Werk geſetzt, als ſie auch ſchon das gewünſchte Ziel erreicht ſah. Alle weiteren Ränke ihrerſeits waren überflüſſig. Cora ver⸗ nahm die Worte des Aufſehers wie ihr Schickſal; es war der Wille ihres Herrn, den er ihr mittheilte. Sie erwi⸗ derte bloß:ich will gehen, wenn es ihm beliebt. Von der Stunde ab vergoß ſie keine Thräne; ſie ſprach kaum; ihr Leben war zu Ende; was waren Worte oder Thränen? Sie mußte ihr Kind zurücklaſſen; ihr Herr liebte es noch; ſie, die arme Verſtoßene, ſollte allein gehen und ihre elen⸗ den Tage, fern von Allen die ſie liebte, beſchließen. Sie hatte vor den Schrecken der Sclaverei in New⸗Orleans geſchaudert, wie ſie oft davon hatte erzählen hören; aber dann hatte ſie geglaubt, ihr Kind werde mit ihr gehen; ſie hatte es an ihre Bruſt gezogen und gefühlt, daß ſie es, ſo lange ſie lebe, vor jedem Uebel beſchützen wolle. Nun mußte ſie es verlaſſen, und es kümmerte ſie nicht, was aus ihr ſelbſt werden ſolle; ſchlechte Behandlung konnte ihren Kummer nicht vergrößern ihr Herz war gebrochen.

In wenigen Tagen war Alles bereit, und Cora ſteuerte in einem Schiffe nach New⸗Orleans. Vor ihren Schei⸗ den wünſchte ſie ihr Kind Judith's Obhut anzuvertrauen, aber ſie konnte die Worte nicht ſprechen, ſie fühlte einen ſo

Halbdunkel eines Kreiſes uralter Eichen hervorſchauen, erinnern

an die charakteriſtiſche Schilderung, wodurch Tacitus, der unübertreffliche römiſche Geſchichtſchreiber, ohne den wir von unſern Altvordern gar nichts wiſſen würden, das Leben der alten Germanen uns vor Augen geführt hat.

Tritt man durch die auf hölzernen Zapfen ſich drehende, aus breiten Planken beſtehende Einlaßpforte in den weiten, von Bäumen beſchatteten Vorhof und von dieſem in das Innere eines weſtphäliſchen Bauerhofes ein, ſo ſieht man zuerſt unter der über⸗ dachten Einfahrt, zur Rechten und Linken, die Stallungen für die Pferde. Sie waren, wie ſie es auch noch jetzt bei den weſt⸗ phäliſchen Landleuten ſind, die Lieblingsthiere der alten Saſſen, die ſie gern in größter Nähe bei ſich hatten. Zu beiden Seiten der langen Hausdehle ſtrecken glatte, wohlgenährte Kühe in langer Reihe die Köpfe durch das hölzerne Lattenwerk. Behag⸗ lich verzehren ſie das auf der reinlichen Dehle vorgelegte Heu oder Gras, bis allmählich eine nach der anderen ſich niederlegt, um wiederkäuend zur Verdauung eine kurze Sieſta zu halten. Dann werden ſie eine Stunde in den weiten Hofraum gelaſſen, der allen Hausthieren zum Tummelplatz dient. Es kann ſich ereignen, daß dem Fremden bei der auf der langen Dehle herr⸗ ſchenden Dämmexrung eine kleine Familie junger Ferkel oder einige Gänſe und Enten, die unter dem vom Dreſchen zurückge⸗ bliebenen Abfall nach Körnern ſuchen, abſichtslos unter die Füße gerathen. Er laſſe ſich durch das kleine Hinderniß jedoch nicht beirren! Schon nach einigen weiteren Schritten hat er das durch mehrere Fenſter von beiden Seiten erleuchtete obere Ende der Flur erreicht. Iſt es um die Frühſtücks⸗ oder Mittags⸗ zeit, ſo wird er in den meiſten dieſer laͤndlichen Wohnungen mit

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einem Blick das Geſammtperſonal der Familie überſchauen; Herr und Knecht, Frau und Magd nebſt ſämmtlichen Kindern ſind in größter Eintracht um die Feuerſtelle verſammelt. Ueber dieſer hangt, unverändert ſeit des Hauſes Erbauung, der große

eiſerne Keſſelhaken vom ſchwarz geräucherten Balken herab. Er iſt der Träger des mächtigen eiſernen Henkeltopfes, in welchem in be⸗

ſtimmter Reihenfolge vom Sonntage bis zum nächſten Sonnabend dieſelben Gerichte gekocht werden. Prickelwurſt und Braunkohl, Rüben mit Pökelfleiſch und Buchweizengrütze in ſüßer oder in Buttermilch geſotten, ſind Lieblingsſpeiſen der weſtphäliſchen Bauern. Doch ſind in Butter geröſtete Scheiben von der Blut⸗ wurſt am Abend gern geſehene Zugaben.

Der Feuerplatz iſt auch der Lieblingsplatz der gewöhnlich von der Feldarbeit zurückbleibenden Hausfrau, weil ſie dort von ihrem mit grünen Kiſſen gepolſterten Armſtuhl ſtets die Hausthiere vor Augen haben und ſie als theure Schätze vor Schaden bewahren kann. Der Platz auf der Dehle wird von den Hausgenoſſen erſt mit Eintritt des Winters aufgegeben. Dann wird der große Kachelofen in der Dönze Stube der Vereinigungspunkt der Familie. In ſeiner Nähe wird auch der Webeſtuhl aufgeſchla⸗ gen, der im Winter, neben dem Dreſchen, den Mägden vollauf Beſchäftigung gibt, um nicht allein an Hemden, ſondern auch an Kleidungsſtücken den nöthigen Bedarf zu ſchaffen. Eine Magd, die nicht ſpinnen und tüchtig weben kann, wird vom Bauer nicht gemiethet. Der Stoff zu den Kleidern iſt halb Flachs halb haarige ſchwarze Wolle, die von kleinen ſchwarzen hörnertragen⸗ den Schafen Haidſchnucken gewonnen wird; das Zeug ſelbſt, Haidmancheſter genannt, wird von Männern und Frauen als Werktagskleidung getragen.

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