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Uovellen
Der Jerſey⸗Lorbeer.
Eine Erzählung aus dem amerikaniſchen Sclavenleben von Georg Pertz.
(Fortſetzung und Schluß.)
Unglücklicherweiſe wurde Frau Devereux von einem verſchmitzten Negermädchen, das ſie mit ſich gebracht hatte, und deſſen ſich ſeine Herrin gewiſſermaßen als Spions imn Hauſe bediente, von den Beſuchen unterrichtet, welche ihr Gatte beſtändig von der alten Judith und dem ſchönen Kinde empfing, an dem er ſolches Gefallen zu finden ſchien. Nachdem ihr Verdacht einmal rege geworden, zog ſie nähere Erkundigungen ein und erfuhr Cora's Geſchichte, die ſchmachvolle Neigung ihres Gatten und die Geburt jenes Kindes, welches die Schuld Beider bezeugte. Sie faßte dieſe Umſtände als perſönliche Beleidigung auf, ohne zu berück ſichtigen, daß ſie aus einer Zeit herrührten, welche vor ſeiner Bekanntſchaft mit ihr lag. Sie war eine ſchlaue, ränke ſüchtige Frau, welche ihre Umgebung durchſchaute und ihre ſehr heftigen Leidenſchaften, um deſto ſicherer zu ihrer Be friepigung zu gelangen, zu verbergen verſtand. Sie be⸗ ſchloß Cora's Entfernung von der Pflanzung. Sie kannte die Argloſigkeit ihres Mannes und war ſich ſeines vollen Vertrauens bewußt; ihn zu hintergehen ſchien ihr daher ein leichtes Beginnen. Die erſte Schwierigkeit war, die Einwilligung Cora's zu erlangen; entweder Drohungen, Gewalt oder Ränke ſollten verſucht werden, je nachdem ſich das eine oder das andre Mittel als geeigneter heraus⸗ ſtellen ſollte, auf ven Willen ihres Opfers einzuwirken.
Sie erkundigte ſich zunächſt, an welchem Tage Judith zum Herrenhauſe zu kommen pflegte, um ihre wöchentlichen Lebensmittel in Empfang zu nehmen. Sie erfuhr bei dieſer Gelegenheit, daß die alte Frau immer lange Zeit mit ihren ehemaligen Genoſſen plaudere, und Cora an ſolchen Tagen mehrere Stunden allein ſei..
Cora ſaß eines Morgens mit einer Arbeit vor der Thür ihrer Hütte; ihr Knabe ſpielte zu ihren Füßen, wäh⸗
rend ſie ein Lied ſang, welches ihr Herr ſie oft geheißen
hatte zu ſingen. Erinnerungen geſchwundenen Glücks ver⸗ webten ſich im Geiſte dieſes einfachen Naturkindes mit ihrer gegenwärtigen Freude am Daſein; ihre Augen waren
Dritte Folge.
beſtändig auf ihr Kind geheftet, das ihr das Bild ſeines
Vaters ſo lebhaft vor die Seele rief. Alle ihre Gefühle waren unſchuldig; ſie beherbergte in ihrem Inneru keinen
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Zeitung.
Sie hatte nie die Macht gehabt, das Glück Andrer zu för⸗ dern; ihr Wohlwollen hatte ſich, einige geringfügige Ver⸗ anlaſſungen abgerechnet, nie bethätigen können, aber es glühte warm in ihrer Bruſt, und verbreitete jenen ſüßen Ausdruck in ihren Zügen, und flößte ihrem Herzen jenes Gefühl von Zufriedenheit ein, um welches das arme, verr laſſene Negermädchen von ihrer Herrin, der hochgehalte⸗ nen Gattin des treuloſen Geliebten, hätte beneidet werden können.
Cora fuhr beſtürzt von ihrem Sitze auf, als ſie eine Dame vor ſich ſtehen ſah. Frau Devereux blieb einen Augeublick ſchweigend; ſie ſchwankte, in welcher Weiſe ſie ihren Angriff beginnen ſollte. Ihre Augen fielen auf das Kind, und ſie gab ihren natürlichen Gefühlen nach. Sie machte Cora die heftigſten Vorwürfe wegen ihrer Schuld; ſie erwähnte, wer ſie ſei, und das Recht, das ſie habe, die Beleidigung einer Sclavin zu rächen. Ihre Rede war lang, und Cora lauſchte ihr ſchweigend, mit der Ehrfurcht, die ſie ihrer Herrin, der Frau ihres Gebieters ſchuldete, nicht aber mit ſelaviſcher Furcht. Sie wußte, ihr Herr werde ſie und ihr Kind ſchützen; ſelbſt ſeine Frau könne tein Unheil über ſie bringen. Fraͤu Devereux bemerkte, mit welcher ruhigen Faſſung Cora ihre Drohungen an hörte; ſie fühlte, daß ihre Zuverſicht nicht begründet ſei, daß ſie in der That keine Gewalt habe, eine des Schutzes ihres Herrn ſichre Sclavin zu beſtrafen. Sie wechſelte vaher ihren Ton und ſuchte mit gelinderen Mitteln ihren Zweck zu erreichen. Sie ſprach weuiger wie eine beleidigte Herrin, als wie eine gekränkte Geliebte. Sie ſtellte Cora das Elend vor, welches ihr Mißverhalten über ihren Herrn und ihre Herrin gebracht habe. Sie verweilte bei der Schande, welche dieſe Verbindung, wenn bekannt geworden, unabwendbar auf das Haupt ihres Herrn bringen müſſe, und wie ſollte es verhorgen bleiben, wenn die Farbe und das Aeußere des Kiikdes ſo deutlich dafür ſprächen? Hier⸗ auf war Cormpioch, nie gekommen, aber Alles ſchien ihr gerecht, Alles wahk; ſie bedeckte das Geſicht mit ihren Händen und vergoß Thränen der Bekümmerniß und Scham. Frau Devereux bemerkte die Wirkung dieſer Vorſtellungen auf Cora und ſuchte die edle Leichtgläubig keit ihres Herzens zu ihrem Vortheile auszubeuten.
„Du biſt,“ ſagte ſie,„die Urſache des Unglücks Deines Herrn; Deinetwegen wird er bereits von einigen Nachbarn mit mißgünſtigen Augen betrachtet; die Sache muß bald ruchbar werden; wenn jenes Kind älter wird, wie ſoll es ſich unter die Kinder der Sclaven miſchen? Kann mein Gatte ſagen:„es iſt mein Kind, und darf nicht mit ihnen
arbeiten!“ Erführe mein Vater von der Sache, ſo könnte
liebloſen Gedanken gegen irgend ein menſchliches Weſen. er leicht darauf beſtehen,
daß ich nach Hauſe zurückkehrte


