Uovellen-Zeitung.
Max Maiſang.
Die Liebe kannſt Du nicht erjagen.
Die Liebe kannſt Du nicht erjagen, Bezwingen kann ſie keine Macht,
Sie kommt, wie in den Maientagen Der Frühling naht in ſtiller Nacht.
Die Liebe kannſt Du nicht erzwingen, Weil Liebe jede Feſſel bricht,
Mag Alles Deine Macht erringen, Der Liebe Gunſt erzwingt ſie nicht.
Die Liebe kommt ins Herz gegangen Auf Blumenſpuren ſtill und leis,
Sie liebt, im Schlummer zu umfangen Das Herz, das nicht von ihr noch weiß.
Du träumſt ſie fern mit ſtillem Bangen, Und ſieh'! die ferne iſt dir nah',
Am Morgen ſieh’ſt Du blühend prangen, Was noch der Abend knospen ſah.
O plaud're aus dem ſtillen Haus.
O plaud're aus dem ſtillen Haus
Nicht Deines Herzens Freude aus, Wenn Gott ein Herz Dir ſchenken will, Empfang' es ſtill.
Und zieht mit Maienſonnenſchein Die Lieb' in Deinem Herzen ein, Dann laß es geh'n, wie Gott es will, Und ſchweige ſtill.
Und biſt Du Abends dann allein In Deinem ſtillen Kämmerlein, Dann denke Deiner Liebe ſtill,
Und bete leis: wie Gott es will.
So wahre Deine Liebe fein
In Deines Herzens dunklem Schrein; Wen Gottes Gunſt beglücken will, Dem blüht ſein Glück verborgen, ſtill.
Folgt auf der Liebe Seligkeit
In Deinem Herzen ſchweres Leid— Dann beuge Dich und dulde ſtill, Wie Gott es will.
Der wie die Bäche Herzen lenkt,
Er iſt es, der die Liebe ſchenkt,
Es blüh'n die Blumen, wenn er will— Drum ſchweige ſtill.
Roſen und Dornen.
Gedichte von Max Maiſang.
Der Spielmann.
Ich ſtreiche die Fkedel, ich ſpiele zum Tanz,
Ich ſpiele gar luſtige Melodei,
Und d'rinnen da reißt mir vor Jammer und Schmerz Schier Kummer und Leiden das Herz entzwei.
Ich ſpiele den luſtigen Mägdlein auf;
Wie dreh'n ſich die Paare im wirbelnden Tanz! Mein Töchterlein hat das Tanzen verlernt,
Sie verlor ihren knospenden Myrthenkranz.
Gar ſchmucke Burſchen anführen den Reih'n; Wie ſprühen die Augen, die Wangen wie roth! Ich hatte gar herzigen Buben auch,
Den holte als Tänzer der bleiche Tod.
Nun ſtreich' ich die Fiedel im wilden Getön, Und ſpiele in Tönen den gellenden Schmerz, Und je lauter es ſchallt und je wilder es tönt, Je wilder der Wirbel, je freier der Scherz.
Ich ſtreiche die Fiedel, ich ſpiele zum Tanz,
Und ſpiele die luſtige Melodei,
Und d'rinnen da reißt mir vor Jammer und Schmerz Schier Kummer und Leiden das Herz entzwei.
Wanderlied.
Wenn erſt die Bäume Knospen treiben, Dann hält mich keine Macht zu Haus, Dann iſt für mich kein länger Bleiben, Froh zieh' ich in die Welt hinaus.
Dann zieb' mit fröhlichen Gefährten Ich froh der Ströme Wellen nach, Und tauſend alte Lieder werden
In meinem Buſen wieder wach.
Und wo ein Röslein blüht, da pflücke Ich es, da weilt mein raſcher Fuß; Wo Roſenwangen glüh'n, da drücke Ich auf die Lippe heißen Kuß.
Und wo zur Ruh' die Bäume winken, Wo uns empfängt ein gaſtlich Haus, Da raſten wir, und ſingend trinken Wir manchen vollen Becher aus,
Und küßt am Morgen uns die Sonne Aus ſüßen Träumen wieder wach, Bringt neue Freuden, neue Wonne
Uns wiederum ein neuer Tag. ₰
Wenigen⸗Jena, C. Hochhauſen’'s Verlag. 1861.
(Nr. [VIII. Jahrg. Ar


