ſchichte hinweiſt, die Verwirklichung der Einheit der Menſchheit, ſchnell zu verwirklichen ſtrebt. Nicht eine Einheit, welche die Grenzen niederbricht und die be⸗ ſondern charakteriſtiſchen Eigenſchaften der verſchiedenen Nationen auf der Erde gleichmacht, ſondern vielmehr eine Einheit, das Reſultat und das Erzeugniß jeuer nationalen Verſchiedenheit und ſich widerſtreitender Eigenſchaften.“
Bei dem Diner der königlichen Akademie am 9. Mai 1851.
„Meine Herren! Die Erzeugung aller Werke der Kunſt und der Poeſie erfordert zu ihrem Entwurf und Ausfüh⸗ rung nicht allein eine ausgebildete Intelligenz, Geſchicklich⸗ keit und Geduld, ſondern ganz beſonders eine mitwir⸗ kende Wärme des Gefühls und einen ungehemmten Fluß der Einbildungskraft. Das macht ſie zu den zärt⸗ lichſten Pflanzen, die nur in einer Atmoſphäre gedeihen können, die darauf berechnet iſt, dieſe Wärme zu bewahren; und dieſe Atmoſphäre iſt eine der Güte, Güte ſowohl gegen den Künſtler perſönlich, wie gegen ſein Kunſtwerk. Ein unfreundliches Wort der Kritik fährt wie ein kalter Windſtoß über ſeine zarten Schößlinge weg, ſchrumpft ſie zuſammen, indem es die Bewegung des Saftes lähmt, der ſich erhob, um vielleicht eine Menge Blüthen und Früchte zu erzeugen. Aber dennoch iſt die Kritik für die Entwick⸗ lung der Kunſt durchaus nothwendig, und das unverſtändige Lob eines geringen Werkes wird eine Beleidigung für den höheren Genius. In dieſer Beziehung iſt unſere Zeit ganz ’ beſonders ungünſtig, wenn ſie niit den Epochen verglichen wwird, wo Madonnas in der Abgeſchiedenheit eiſtes Kloſters gemalt wurden; denn wir haben jetzt einerſeits die eifrige Mitbewerbung einer großen Schaar Künſtler jeden Grades des Talentes und der Geſchicklichkeit, und andererſeits als Richter ein großes Publicum, deſſen größter Theil von der Kunſt gar nichts verſteht und ſich von profeſſionellen Publiciſten leiten läßt, die ſich oft beſtreben, durch die un⸗ barmherzige Art, in der ſie Werke behandeln, die denen, die
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[VIII. Jahrg.
ſie erſchufen, die höchſten Anſtrengungen ihres Geiſtes und Gefühls koſteten, dem Publicum eine große Idee von ihren eigenen artiſtiſchen Kenutniſſen beizubringen. Indem Werke der Kunſt ausgeſtellt und zum Verkauf angeboten werden, werden ſie Handelsartikel und als ſolche folgen ſie den gar oft unverſtändigen Geſetzen der Märkte und der Mode, und die öffentliche und ſelbſt die Privat⸗Gönner⸗ ſchaft wird durch ihren tyranniſchen Einfluß beherrſcht.“
Bei dem dritten Jubiläum der Geſellſchaft für die Ver⸗ breitung des Evangeliums in fremden Ländern am 16. Jun. 1851.
„Wir können nicht umhin zu beklagen, daß die Kirche, deren Anſtrengungen für die Fortſchritte des Chriſtenthums und der Civiliſation wir heute anerkennen, durch inner⸗ Zwieſpalte und Angriffe von außen heimgeſucht wurde. Ich fürchte indeſſen nichts für ihre Sicherheit und ſchließ⸗ liche Wohlfahrt, ſo lange ſie das feſthält, was unſre Vor⸗ fahren bei der Reformation für uns gewonnen haben: das Evangelium und das ungefeſſelte Recht des Ge⸗ brauchs deſſelben. Die Zwieſpalte und Schwierig⸗ keiten, welche wir in dieſer, wie in jeder andern Kirche wahrnehmen, entſtehen aus dem natürlichen und nothwen⸗ digen Conflict zweier ſich widerſtreitender Grundſätze, welche die menſchliche Geſellſchaft eben ſowohl in der Kirche wie im Staate tragen— ich meine die Grundſätze der in⸗ dividuellen Freiheit und des Gehorſams und der Unterwerfung unter den Willen der Gemeine, der von ihr für ihre eigne Erhaltung gefordert wird. Dieſe einander bekämpfenden Grundſätze können nicht wohl in den Wind geſchlagen, ſie müſſen mit einander verſöhnt werden. Dieſem Lande gebührt die Ehre, dieſe große Auf⸗ gabe, ſo weit der Staat dabei betheiligt iſt, glücklich gelöſt zu haben, während andre Nationen noch immer damit kämpfen.“
In einem ähnlichen Geiſte ſprach ſich Prinz Albert in allen öffentlichen Reden aus, die er in England ſo oft Ge⸗
Und es faßt mich ein Graun,— Ich getrau mir ja ſelbſt nicht In die Augen zu ſchaun.
V Vor dem Spiegel werd ich ſchamrothe
Was die Auswahl der Sammlung im Uebrigen anlangt, ſo wäre es wohl wünſchenswerth geweſen, der Herausgeber hätte manche neue übergangene Namen berückſichtigt, die durchaus als lyriſche Stimmen der Gegenwart gehört werden mußten. Die Aufnahme der Gräfin Hahn⸗Habn, die ſogar den Reigen eröffnet, kann dafür noch weniger entſchädigen, als das Vorhandenſein von Emmy von Dinklage. O. B.
Scheik Haſſan. Luſtſpiel in drei Aufzügen von Henrik Hertz. Ueberſetzt von Graf A. von Baudiſſin. Altona, Uf⸗ lacker.
V Ich habe hier nicht den Raum, in unſerm dem Dramatiſchen nur beiläufig zugewandten Blatte über den draſtiſchen Werth
unnd die mögliche Bühnenwirkung des Hertzſchen Luſtſpiels eine
Erörterung anzuſtellen.
Statt deſſen ſei nur auf das ſchöne poetiſche Element deſ⸗
ſeelben hingewieſen und auf die Pflicht aller Theater ſowie auch gebildeter Leſer, das Werk eines Poeten näher kennen zu lernen, welcher uns„Swen Dyring's Haus“ und„König René's Toch⸗
teer“ zur Freude vieler Abendſtunden geboten hat.
Der Ueberſetzer iſt derſelbe, welcher ſo eben durch ſein neues
aaufklärendes Werk:„Zuſtände in Amerika“ Aufſehn erregt hat und in dieſer bewegten Zeit viel beiträgt, einen richtigen Begriff
2. At e 4 von den amerikaniſchen Verhältniſſen faſſen zu lehren. O. B.
——ʒᷓ—N
Miscellen. Mozark's Armuth.
O. Jahn ſpricht in ſeiner Biographie Mozart's von dem iammerlichen Nachlaß des großen Meiſters, bringt aber nicht das darüber aufgenommene gerichtliche Document. Dieſes Actenſtück liefert in ſeinem ganzen Wortlaut und namentlich in dem demſelben angehängten Inventar einen wehmüthig rübren⸗ den Beleg von dem beſcheidenen Hausſtande und der womöglich noch weit beſcheidneren Bibliothek von dem k. k. Capellmeiſter und Kammer⸗Componiſten Mozart, der am 5. December 1791 in ſeiner Wohnung Nr. 970, Rauhenſteingaſſe, verſtorben und Heine Wittwe, Conſtanze, mit zwei Kindern, Karl, alt 7 Jahr, und Wolfgang, alt 5 Jahr, ohne Teſtament, aber mit einem Heiraths⸗Contract hinterlaſſen. Das Inventar und deſſen Schätzung beſagt u. A. Folgendes: Baares Geld, womit die Beerdigungskoſten beſtritten, 60 fl.; Rückſtände von dem ſich
auf 800 fl. belaufenden Jabresbonorar 133 fl. 20 kr.; für ver⸗ loren angeſehene Ausſtände 800 fl.; Silberzeug drei gewöhnliche Eßlöffel 7 fl.; Kleidungsſtücke und Leinenzeug zuſammen 49 fl., Tiſchleinen 17 fl.; Möbeln im erſten Zimmer zuſammen 21 fl.; im zweiten 82 fl. 30 kr., worunter 2 Divans mit ſechs Lehn⸗ ſtühlen; im dritten 64 fl., namentlich ein Billard für 60 fl.; im vierten 189 fl., worunter ein Fortepiano mit Pedal für 80 fl. Die Bibliothek Mozart's iſt im Ganzen auf etwa 23 fl. 41 kr. taxirt worden. Der Status des Nachlaſſes Alles in Allem war: Activa 592 fl. 9 kr. und Paſſiva 918 fl. 16 kr. Dr. Nicolas Stamar war Vormund der beiden Knaben Karl und Wolfgang.
Nr. b.
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