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Theils der engliſchen Tagespreſſe eutgehen, die ſich darin gefiel, eine Zeitlang täglich dem engliſchen Publicum deu deutſchen Einfluß, der ſich um die Königin her bemerkbar mache, zu verdächtigen. Als den Anſtifter dieſer feind⸗ ſeligen Sprache der Journale bezeichnet man ganz laut den Lord Palmerſton, der ſich dadurch an dem Prinzeu Albert dafür habe rächen wollen, daß die Königin im Jahr 1851 den Lord Palmerſton, als er nach dem Staatsſtreiche Napo⸗ leon III. ſofort anerkannte, ohne nur ſeine Collegen und die Königin dabei zu Rathe zu ziehen, wodurch er ſich einen Eingriff in die königliche Prärogative erlaubt hatte, ſei⸗ ner Stelle als Staatsſecretair des Auswärtigen euthob, welche Maßregel Prinz Albert ihr angerathen habeu ſollte. Wie es in der Welt ſehr oft zu gehen pflegt, ſo iſt man in England auch erſt nach dem unerwarteten Tode des Prin⸗ zen Albert zu der Einſicht gelangt, wie viel England in ihm verloren hat. Alle eugliſchen Blätter und die Times an der Spitze derſelben haben dem entſchlafenen Prinzen in langen Artikeln die größten Lobſprüche geſpendet. Vor Allem betont die Times, wie viel Dank England dem Prinzen dafür ſchulde, daß er ſeinen Kindern die trefflichſte Exziehung gegeben und daß die koönigliche Haushaltung durch ihre ſtrenge Ordnung, Sittlichkeit und den am Hofe herrſchenden Familienſinn dem ganzen Lande als Muſter gedient habe. Natürlich erwähnen die Blätter auch, welch ein lebhaftes Intereſſe Prinz Albert an Allem genommen habe, was zur Entwicklung des Wohlſtandes Englands bei⸗ zutragen vermochte. Er gab die Veranlaſſung zur erſten großen allgemeinen Ausſtellung im Jahre 1851 um Inter⸗ eſſe der Induſtrie, unterhielt auf einer Beſitzung in der Nähe von Windſor ſelbſt eine Muſterwirthſchaft, um kräf⸗ tig zur weitern Vervollkommnung des Ackerbaus beizutra⸗ gen, und an allen gemeinnützigen Beſtrebungen betheiligte er ſich nicht nur willig, ſondern nahm auch oft die Präſi⸗ dentſchaft derſelben an. Dabei widmete er zu gleicher Zeit allen wichtigen Erſcheinungen in der Literatur, in Wiſſen⸗
Uovellen-Zeitung.
ſchaften und Künſten ſeine Aufmerkſamkeit, und ſein ganzes Streben war fortwährend auf Selbſtvervollkommnung ge⸗ richtet.
Welche politiſchen Folgen der Tod des Prinzen Albert haben wird, läßt ſich jetzt ſchwerlich vorausſehen und in einem richtigen Maßſtabe würdigen. Der Prinz hatte, was man auch ſagen mag, an Allem, was von der Autori⸗ tät der Königin abhing, in der Regierung Englands einen großen Antheil. Es war vergebens, daß die Conſtitution ihn daven ausſchloß, die Natur der Diuge war ſtärker als das geſetzliche Princip. Es war ja in der That ganz un⸗ möglich, daß der ſo zärtlich geliebte Gemahl der Königin, der überdies dieſer Liebe ſo würdig war, von den Fragen, die auf der Tagesordnung ſtanden, nicht hätte ſollen unter⸗ richtet und oft über die ihnen zu gebende Löſung zu Rathe gezogen werden, und daß ſeine Meinung nicht ein zu großes Gewicht auf den Geiſt ſeiner Gemahlin hätte haben ſollen. Die engliſchen Staatsmänner kannten das recht gut; ſie ließen ſich das Verhältniß gefallen und befanden ſich wohl dabei, weil der Einfluß des Prinzen auf den Gang der Angelegenheiten nur ein günſtiger war. Der Prinz⸗Gemahl war, ohne ſein wahres Vaterland aus deu Augen zu verlieren, doch ein wirklicher Engländer gewor⸗ den und widmete ſich ohne Vorbehalt ſeinem neuen Vater⸗ lande; er diente den Jutereſſen deſſelben, die ſeine eignen geworden waren, mit einer vollkommnen Sachkenntniß und einem Eifer, der wenigſtens dem des beſten Patrioten gleich war. Der Priuz hatte vor allen politiſchen Män⸗ nern Englands den ſehr großen Vortheil voraus, allen Par⸗ teien fremd zu ſein; er war weder Tory, noch Whig, noch Radicaler, und das ſetzte ihn in den Stand, bei allen großen Gelegenheiten als Vermittler und Mittelsperſon zu die⸗ nen; er näherte alle Meinungen einander und verſöhnte ſie; er lehrte den Leuten, die ſich einander am verſchieden⸗ ſten gegenüberſtanden, ſich auf einen Vergleich einzulaſſen und ſich, wenn ein großes Intereſſe es erforderte, zu ver⸗
Berlin führte, wo er das Buch aufgeſchlagen liegen fand. Durch dieſen Umſtand erſt iſt„der Letzte aus Altweimar“ bekannt ge⸗ worden und hat neuen Zug bekommen. Das Werkchen verdient aber auch dieſe Beachtung ſchon deshalb, weil es einen ſchätz⸗ baren Beitrag zu der Literatur über die Glanzperiode Weimars wildet, die wahrſcheinlich auch mit demſelben ihren Abſchluß noch nicht ganz erhalten hat. Den Literaturfreunden wird es hoffent⸗ lich nur angenehm ſein, daß wir ihre Aufmerkſamkeit einem Buche zugelenkt haben, das wohl verdient in zahlreichen Händen ſich zu befinden. F. S.
Aus Frankreich. Von Lucian Herbert. Grunow.
Wir haben vor einiger Zeit ſchon„1830“ von demſelben Berfaſſer beſprochen, welcher ſeiner eigenen Verſicherung nach ein Pſeudonym und ein bereits bekannter deutſcher Schrift— ſteller iſt.
Seine Sachen gehören alle der politiſchen Literatur an, und er ſucht nur durch einige romantiſche Hineintragungen freier Phantaſie den ernſten Stoff lesbarer zu machen. Es kommt nichts auf den Werth dieſer Ausſchmückungen an, da dieſelben nur eine leichte Staffage ſind.
In der Hauptſache ſchildert der Autor hier das Frankreich Napoleon's III., und was er über die Verwaltung die Militärent⸗ wickelung und die Geheimniſſe der Deportationen nach St. Michel mit einem Seitenblick auf Cayenne ſagt, iſt gleichfalls Pfeffer.
Doch kommt in der bunten Darſtellung auch viel Tüchtiges, Anerkennendes über franzöſiſche Charaktere und Nationalitäten zur Sprache. Auch an inſtructiven Bemerkungen über commer⸗
Leipzig,
cielle und geſellſchaftliche Verhältniſſe fehlt es nicht. In hiſto⸗ riſcher Beziehung entwickelt der Verfaſſer genaue Spaeialitn ien. Ein Freiheitskrieg in Böhmen, von Julius Mergentheim. Leipzig, Grunow. 1862 3 Der geſchichtliche Hintergrund, auf welchem Mergentheim ſeine novelliſtiſche Begebenheit ſpielen läßt, breitet ſich in dem Jahre 1681, alſo etwa ein kurzes Menſchenalter nach dem dreißig⸗ jährigen Kriege aus. Dieſe Perſpective und einige Hauptper⸗ ſonen und Landeszuſtände feſtgehalten, haben wir es mit einer wahren Geſchichte zu thun. Was nun die phantaſtiſche Erfin⸗ dung der Fabel mit all ihren Specialitäten ſelbſt anlangt, ſo iſt ſie inſofern freilich nicht ohne Geiſt, als darin eine Art ſchein⸗ barere Geiſtergeſchichte ein ſpukhaftes Weſen entfaltet. Eine markige Charakterzeichnung des Localtones der Zeit und ihrer Geſtalten wird der Verfaſſer bei ähnlichen Gelegenheiten nicht ohne Vortheil anſtreben. O. B.
Geſchichte der Reſidenzſtadt Braunſchweig von 1800 bis 1830, von Heuſinger. Braunſchweig, Beck und Comp. 1861.
Dieſes Werk des bekannten Autors iſt den Freunden der Ge⸗ ſchichte und des deutſchen Patriotismus ganz beſonders zu empfehlen.
Es ſtellt für Braunſchweig die Zeit der vaterländiſchen Schmach unter der Fremdherrſchaft und die Erhebung Deutſch⸗ lands dar. Zugleich enthüllt es die innern Verhältniſſe des Braunſchweigiſchen Fürſtenhauſes unter Herzog Carl Wilhelm Ferdinand, Herzog Friedrich Wilhelm, Herzog Carl und Herzog Wilhelm.
[VIII. Jahrg.
Nr.
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