Jahrgang 
01-14 (1862)
Seite
90
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zu ſichern, gefährde man es weit mehr. Die Discuſſion nahm einen ſehr lebhaften Charakter an, und als im Laufe derſelben Lord John Ruſſell erklärte, eine Herabſetzung der Summe ſei im förmlichen Widerſpruche mit der Achtung, welche das Haus gegen die Krone zur Schau trage, ant wortete ihm Sir James Graham:Voller Achtung für die Königin, der ich als loyaler Unterthan ergeben bin, ver⸗ geſſe ich hier doch nicht, daß ich mich als Vertreter des eng liſchen Volkes in dieſem Hauſe befinde. Ja, Sir Robert Peel machte dem Lord John Ruſſell den Vorwurf, ſeine Sprache ſei unparlamentariſch, nutzlos und ungerecht, und fügte hinzu:Sie ſagen, mein Votum ſei nur Verdruß. Nein, mein Votum iſt der Ausdruck meiner Ueberzeugung; das Land iſt reich genug, um dem Gemahl unſrer Souve⸗ rainin das Nothwendige bewilligen zu können, aber dieſe Bewilligung darf nicht die Unzufriedenheit des engliſchen Volkes erregen; mein Votum kann mich in Ungnade bringen, doch das iſt mir ziemlich gleichgültig; ich werde meine Pflicht erfüllt haben. Die Apanage wurde auf 30,000 L. herabgeſetzt.

Jene Parlamentsverhandlungen bilden einen ſehr gro⸗ nen Contraſt zu dem tiefen Schmerze, den der Tod des Prinz⸗Gemahls jetzt im ganzen Lande erregt hat, doch in den zweiundzwanzig Jahren, die zwiſchen den beiden Er⸗ eigniſſen liegen, war es dem Prinzen gelungen, ſich Aller Herzen zu gewinnen. Er hatte verſtanden, den Führern aller Parteien ein gleiches Vertrauen und eine gleich große Achtung einzuflößen; die Conſervativen und die Radicalen ließen ihm Gerechtigkeit zu Theil werden und betrachteten ihn als den unparteiiſchen und aufrichtigen Vertreter des conſtitutionellen Princips, das in der königlichen Majeſtät perſonificirt iſt. Sir Robert Peel, der Herzog von Wel⸗ lington, Lord Aberdeen dachten in ihren letzten Jahren eben ſo vortheilhaft von ihm wie die jetzigen engliſchen Staats⸗ männer, und dieſe Einſtimmigkeit der öffentlichen Meinung iſt das ſchönſte Lob der Weisheit des Prinzen und zu

[VIII. Jahrg.

gleicher Zeit der glänzendſte Beweis ſeiner Geſchicklichkeit und ſeiner Erfolge.

Die Vermählung wurde am 10. Febr. 1840 in der königlichen Capelle im Saint James Palace mit großer Pracht gefeiert; die vornehmſten Perſöulichkeiten waren dazu eingeladen, doch Einige derſelben, wie der Herzog von Wellington und der Herzog von Northumberland, waren nicht erſchienen. Nach der Trauungsceremonie verließ das junge Ehepaar den Palaſt und zog ſich nach Windſor zurück, deſſen Thore jedem Beſuch verſchloſſen blieben und wo die jungen Gatten, von der Laſt der Etiquette befreit, den honey moon(Honigmonat), wie die Engländer die Flitterwochen recht ſinnig bezeichnen, ganz in der Zurück⸗ gezogenheit verlebten. Seitdem ſind zweiundzwanzig Jahr verfloſſen, und der Königin iſt an der Seite ihres Gemahls das ſeltue Glück zu Theil geworden, mit Recht von dem Verſchiedenen ſagen zu können, ſein Tod ſei der erſte Kum⸗ mer, den er ihr verurſacht habe.

Der Regel gemäß zeichnete man das Hiſtoriſche der Trauungsceremonie mit allen Einzelnheiten in einem Acte auf, den man, dieſem ſo plötzlich eröffneten Grabe gegen⸗ über, jetzt nicht ohne Rührung leſen kann. Man wird da⸗ durch erweicht und betrübt, findet aber gleichzeitig eine Art von Troſt in dem Gedankeu, daß die königlichen Gatten zweiundzwanzig Jahr lang das größte Glück gefunden haben, deſſen man ſich in der Erfüllung gegenſeitiger Ver⸗ pflichtungen und in den Annehmlichkeiten eines exempla⸗ riſchen, immer einfachen und friedlichen Lebens, vollen Ver⸗ trauen in ihre Liebe und Treue und ſich von den Beſchwer⸗ den der Macht im Familienkreiſe erholend, erfreuen kann. Der Erzbiſchof von Canterbury ſegnete die Ehe nach dem Ritus der anglicaniſchen Hochkirche ein.

In dem erwähnten Documente heißt es:

Der Gottesdienſt fing an, und der Prälat ſagte nun zum Bräutigam:Albert, willſt Du dieſe Frau zu Deinem Weibe nehmen, um mit ihr dem Willen Gottes gemäß in

am ſinnreichſten durch Voltaire entſchieden, der ſich darüber ſo äußerte:Liebe in allen Tragödien zu verlangen, iſt ein weibi⸗ ſcher Geſchmack, ſie aber ganz daraus zu verbannen, iſt ein ſehr unvernünftiger Eigenſinn. Wenn man ſie aber brauchen will, ſo muß ſie den erſten Platz einnehmen und der Faden des ganzen Stücks werden. 4 L.

Literatur.

Der Letzte aus Altweimar. Erinnerungen Dichtungen von Karl Sondershauſen. Weimar, 1859. Buücher und Menſchen haben oft das Schickſal, entweder zu früh oder zu ſpät zu kommen. Daſſelbe kann man auch von dem vorliegenden Buche ſagen, deſſen Erſcheinen in die Zeit der trubulöſen Schillerfeſtlichkeiten fiel, die nur wenig geeignet waren, den Sinn auf andere Gegenſtände richten zu laſſen. Den Erinnerungen desLetzten aus Altweimar erging es wie Mil⸗ tonsverlornem Paradies ſie blieben unbeachtet, bis ein günſtiger Umſtand für beide Werke ſich ereignete, der ſie wieder in das Gedächtniß zurückrief. Graf Dorſet kam eines Tages in den Buchladen des Mſtr. Symmons in London und fragte nach den neueſten literariſchen Erzeugniſſen. Da ward ihm auch das ſchon längſt erſchieneneverlorne Paradies von Milton mit vorgelegt. Er warf ſich in einen Lehnſtuhl denn die Buchläden waren damals zugleich Leſezimmer und blätterte in dem Buche. Es ſprach ihn an und er rief begeiſtert:Sym⸗ mons, an dem Buche beſitzt Ihr einen großen Schatz!Das Gott erbarm! klagte der Buchhändler.Seit vierzehn Tagen

und

hab' ich kaum ein einziges Exemplar abgeſetzt.Aber ich ſage Euch, Symmons, das Buch iſt ein wahrer Schatz und wird ſicher als ein ſolcher ſich ausweiſen. Ich werde ein Exemplar mitnehmen. Graf Dorſet galt für einen hochgebildeten Mann und für einen hohen Verehrer der Wiſſenſchaften. Nebenbei hatte er ausgebreitete Verbindungen und empfahl' ſeinen Freun⸗ den mit Entzücken das ſchöne Buch, deſſen poetiſcher Werth⸗ bald erkannt wurde. Von Stund' an gehörte es zum guten Ton, Milton'sverlornes Paradies geleſen zu haben, das im Laufe der Zeit eine Reihe von Auflagen erlebte und heutzutage mit zu den claſſiſchen Werken gezählt wird. Ein ähnliches Ge⸗ ſchick ſcheint dem Buche von Sondershauſen beſchieden zu ſein. Schon war es faſt vergeſſen. Da ließ ſich ein Reiſender zur Zeit der Krönungsfeſtlichkeiten in Königsberg die Zimmer des Königs Wilhelm in Berlin zeigen und erblickte dort ein Buch aufgeſchlagen. Neugier trieb ihn hinzu. Er las eine rüh⸗ rende Mahnung einCharpielied desLetzten aus Alt⸗ weimar. Das war ein Wunderwerk für ihn und um ſo er⸗ freulicher, als der Verfaſſer einſt ſein Lehrer geweſen war. Mag das Lied hier ein Plätzchen finden und zugleich Zeugniß geben von dem poetiſchen Geiſte, der das Schriftchen durchweht. Es befindet ſich auf Seite 177 und lautet: Charpielied.

Mel. Schlaf, Herzensſöhnchen, mein Liebling biſt du.

Setze Dich, Söhnchen! komm, zupfe mit zu!

Hilf uns! wir machen Wundbettchen der Ruh.

Kinder, es brennen der Wunden ſo viel!

Zupfet fein Linnen und bettet ſie kühl!

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